Was schreiben?

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»Keine Kippen und gelegentlicher Geschlechtsverkehr in der Autowaschstraße.«
Was für’n blöder Titel.
»Schlechter Sex und Dosenbier!« Das dagegen hat… nun ja… das eben! Der Geruch der Worte, der ist dann doch geblieben. Die Adjektive kamen erst später. Gelegentlich schlecht. Aber da steht ja noch etwas anderes. Autos, Cafés, abhängen, ein Bier mit den anderen, Taschengeld, Kippen…

Der Wahn, auf den Blogs der anderen unbedingt kommentieren zu müssen, treibt gelegentlich eigenartige Blüten. »Keine Kippen …« stand bei der lieben Kollegin Annika und ich hätte ja am liebsten ihre Kommentarspalten verstopft, aber da stand schon was: »Die Waschgänge sind ohnehin zeitlich knapp. Und Kippen brauchts weder in, noch außerhalb des Autos.« (Ich persönlich hätte ja zum Bindestrich gegriffen, aber das ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.)
Jedenfalls hatte ich daraufhin keine Lust mehr. Ich reagiere mit den Jahren zunehmend zickig, wenn es in jedem zweiten Nebensatz vernünftelt. Man raucht nicht, hängt nicht ab und Sex… das ist ohnehin ein trauriges Thema. Ob nun in der Waschstraße oder auf dem Rücksitz eines dafür völlig ungeeigneten Kleinwagens mit rekordverdächtig niedrigem CO2-Ausstoß. Autos, die sich für derlei Akrobatik anbieten, sind ja mittlerweile dermaßen verpönt, daß allein der Versuch eine entsprechende Geschichte zu schreiben, Gegenwind aus vollkommen unerwarteter Richtung beschert. »Wie alt war die? Bei einer geradezu kriminellen Umweltbilanz?« Keine Zigarette danach auf dem Rücksitz (Wiederverkauf aus kinder- und tierlosem Nichtraucherhaushalt). Oder eine geteilte Dose Bier. Beim Fahren! Denk nur, beim Fahren!

Es gibt so unendlich viele Gründe gegen selbstlenkende, internetgesteuerte, intelligente, autopilotierte Fahrzeuge, daß man gar nicht weiß wo anfangen. Man muß nur lange genug darüber nachdenken. Zuhause angekommen – oder in der nächsten Polizeikontrolle hängengeblieben – und jeder kann über den Voicerecorder… gar nicht daran denken! Wirklich jeder! Da hilft es wenig, daß man sich die Zigarette danach geschenkt hat. Das ist dann ein untergeordnetes Problem.
Wie sehr muß man sich eigentlich verbiegen, um sich derlei Fortschritt zu wünschen? Tausche gebrauchten Sex gegen unfehlbare Automatik.

»Wenn Sie wissen, daß Sie mindestens eine Person retten können, retten Sie wenigstens diese. Retten Sie die Person im Auto«

(Christoph von Hugo, Mercedes-Benz) zum Thema autonome Fahrzeuge. Eigenartigerweise fällt dabei niemandem die Kinnlade aus dem Gesicht. Ethik 2.0. Sich sicher und gleichzeitig unschuldig fühlen. »Mein Auto-Pilot hat ja… – ich hatte gerade eine Dose Becks am Hals!« Im Sportmodus, »der begehbare Kleiderschrank BMW X3 hat ein kostenpflichtiges Entertainment-Paket, daß es Ihnen ermöglicht, gleichzeitig Blogartikel zu kommentieren und Plan 9 from outer Space zu sehen!« Ist es der nichtvorhandene Zusammenhang zwischen Pflicht und Kosten, der irritiert? »Schalten Sie bitte während des Software-Updates nicht den Motor aus.« Komme da was wolle. Spontaner Sex unter einer Kaufhaus-Überwachungskamera.

Ein argloser Benz /8, in dem am Ufer des abgelegenen Weiher gefummelt wird. Ohne Airbag, aber mit viel Begierde. Ach ja… Unterdrückungsmechanismen, frauenfeindlich und heteroterrorsexueller Männerwahn.
Wir sind doch alle mittlerweile so rettungslos verdorben, daß uns nicht einmal mehr eine andere Lesart solcher Roadmovies einfällt. Wozu also noch schreiben? Lieber heute Abend ins Kino. Ein James Dean läuft. Mit Zigarette auf der Leinwand; denkt denn keiner an die Kinder – Eintritt ab 18 Jahren.

Nein, ich hab den Kommentar dann doch nicht abgeschickt. Es nützt ja nichts. Mittlerweile will man ja nicht einmal mehr eine einzige Person retten. Nur noch sich selber, in den Erinnerungen die  Clique von damals; etwas zuviel schlechten Wein, ein Abend an einem abgelegenen Waldrand. Und natürlich auch kein Auto, sondern was mit zwei Rädern. Einer nach dem anderen verschwand; nach Hause oder in eine Kneipe, weil die Getränke langsam ausgingen. Die leeren Flaschen blieben im Graben zurück und ein paar Tüten. Am Schluß blieben nur noch sie und ich übrig.
Kein Netz.

Die Mitte als Wille und Vortäuschung (via R@iner)

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26 Antworten zu Was schreiben?

  1. R@iner schreibt:

    Ich finde ja, irgendwas mit Tieren kommt immer gut an. Ganz besonders angetan bin ich von diesem Foto aus dem Bereich der Naturfotografie: tweet
    Oder der hier ist auch nett: tweet

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  2. R@iner schreibt:

    Es weiß ja niemand, dass ich immer auf der Suche nach der reinen deutschen Volksseele bin. Also besonders dann, wenn diese zu kochen beginnt. Leider ist das Ergebnis immer braune Soße.
    Lange Version: Lest mal spaßeshalber ein paar Kommentare unter Pennys Ankündigung von Zipfelmännchen: fb-Link
    Wer es lieber kurz mag:

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  3. Matthias Eberling schreibt:

    „Die Mitte“ als Obsession. Wo fühlt sich das Schaf in der Herde am sichersten und damit am wohlsten? Genau in der Mitte.

    Für den Kollegen Pantoufle und andere Mitstreiter im uferlosen Strom unserer Geschwätzigkeit habe ich hier noch eine Überschrift (frisch zusammengeleimt), zu der mir noch kein Text eingefallen ist:

    „Das Kenotaph – Zur Ikonografie der autoreferenziellen Spätmoderne“

    Ideen?

    P.S.: Was macht der Dachboden? Erst thematisch die Gemeinde heiß machen und dann keine Infos liefern … Fundstücke in alten Kartons? Der Stern vom Strich-Achter? Das unbenutzte Kondom, das du seit der 9. Klasse im Portemonnaie hattest? Das Poesiealbum deiner Frau?

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  4. pantoufle schreibt:

    @Matthias

    „Das Kenotaph – Zur Ikonografie der autoreferenziellen Spätmoderne“
    Ideen?

    Nein. Sowas von überhaupt nicht!
    Da ich das Haus und damit seinen Dachboden nicht geerbt, sondern gekauft habe, kann ich bestenfalls die Gold- und Diamantenschätze der vormaligen Bewohner finden, die sie zufällig vergessen haben. Halt, nein: Eines doch! Eine antiquarische Wäscheklammer! Bilder vorher-nachher gips später, aber damit Du nicht allzu enttäuscht bist:

    Haselmaus-Content! Also wenn das nicht oberniedlich ist! Damit sich Internet endlich wieder lohnt.

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  5. Annika schreibt:

    Verehrter Pantoufle, deine Kommentare schmücken und ehren jeden Blog. Was ich da schon alles zu lesen bekommen habe; verschluckt habe ich mich vor lachen. Bloß nicht damit aufhören.

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  6. pantoufle schreibt:

    @Annika

    Na ja… das war ja auch eigentlich für Dich. Ich fand’s dann aber so hübsch, daß ich es mir lieber selber einverleibt habe. Und lustig ist es obendrein auch nicht. Bei diesen Themen packt mich eher die Wut oder Schwermut; ich hab einen Hang zu sowas.
    Dann ist da auch immer noch dieses Ding – wofür weder Du noch ein anderer Blogger etwas kann -, daß eine Reaktion meist nur vom Blogbetreiber, aber eigenartigerweise so gut wie nie von den anderen Kommentatoren kommt. Das hängt natürlich mit der Konsistenz der Besucher zusammen, die bei Dir oder Tikerscherk eine andere ist als bei Flatter oder mir. Ich will das gar nicht werten! Die Polit-Blogs gehen mir in regelmäßigen Abständen auch auf den Sender, wenn die Welt zum wiederholten Male mit dem einzig gültigen Marxismus oder einem anderen Patentrezept gerettet wird. Dann wandere ich schon gerne zur Prosa oder Poesie – und wenn man dort noch so betroffen oder angerührt ist.

    Ein Abbild der Welt – und eigenartigerweise wird überall selten gelacht. Hüben wie drüben! Na ja: Das muß jeder halten wie er will und deswegen unterhalte ich ja auch meine eigene kleine Postille, bei der gerne politisch sanft daneben gelacht werden darf.
    Wo hab ich das gelesen? »Alle schauten auf das brennende Haus … außer Klaus, der starrte raus«. Ach ja, Poesie! Aber weitestgehend unverkäuflich und schon gar nicht zitierfähig auf fremden Blogs, auch nicht auf mir so freundlich gesinnten wie dem Deinen.

    »Was Schreiben?« war ja eine Frage. Ich wie auch »andere Mitstreiter im uferlosen Strom unserer Geschwätzigkeit« suchen sich beinahe jeden Morgen unsere Themen zusammen – die einen aus ihrer Erinnerung und Erlebtem, die anderen aus Nachrichten und Gazetten. Dies blieb hängen und über das stolperte man – Dich hab ich auch gelesen. Blogs sind eigentlich die Chance, eine system- und weltanschaulich übergreifende Anthologie zu erstellen. Eine Wikipedia der Anschauungen durch ihrer Betreiber und Leser. Eine Chance, die viel zu wenig genutzt wird. Der Vorwurf, der Blogbetreibern gelegentlich gemacht wird, Schulterklopfer um sich zu versammeln, geht daran weit vorbei. Daß es sich so entwickelt ist die eine Seite – auf die Frage, wie man es verhindern kann, habe ich noch keine tragfähige Theorie gehört. Eine gern genommene Antwort lautet: »Ich würde dringend davon abraten, dieses Blog zu lesen!« Auf der anderen Seite wird die Blogroll dann viel zu oft dafür mißbraucht, den Grundsatz »wer dieses Produkt gekauft hat, kauft auch …« zu untermauern. Es kann doch nicht Sinn der Übung sein, Stereotypen auszutauschen.

    Ich schweife ab, wie der Kollege waswegmuss zu sagen pflegt. Doch, ich hätte das auch bei Dir unterbringen können, ziehe es aber vor, verkrustete Strukturen gnadenlos durch messerscharfe Analyse und erbarmungslose Dialektik aufzudecken und damit dem erbärmlichen Klassenfeind die Maske von der Fratze zu reißen in einer Schnapslaune irgendwelche OT-Kommentare zum Gaudi einiger weniger abzusondern. Nächstes Mal wieder. Versprochen!

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    • Annika schreibt:

      Ick freu ma schon heute druff.

      Weshalb die Kommentatoren nicht eine Unterhaltung untereinander führen, liegt, glaube ich, an der Hemmschwelle, reinzugrätschen, wenn es sich bereits allzu vertraulich anhört. Wenn ich das Gefühl habe, der Blogger und der Kommentator sind sich schon zugeneigt oder bekannt auf die eine oder andere Weise, halte ich tunlichst meine Klappe.

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      • R@iner schreibt:

        In manchen Blogs ergibt sich das automatisch, in anderen nicht. Es liegt einfach am Blogbetreiber und an der Art der Texte, die „serviert“ werden.
        Z.B. rotzt der Kiezneurotiker aus meiner Sicht irgendwas in sich geschlossenes ins Web, was dann goutiert wird oder eben nicht. Das wenigste dort ist einer Diskussion wert, weil eine bewusst subjektive Perspektive über Alltäglichkeiten schon vom Prinzip her nicht zu diskutieren ist. Als Leser trifft man auf so gemachten Seiten einfach die Entscheidung, ob man jetzt diesen Drops lutschen will oder nicht. Eine Rückmeldung ist bei Egozentrikern vielleicht gar nicht erwünscht, denke ich mir inzwischen. Bei mir für das dazu, dass ich schnell das Interesse verliere, dort überhaupt zu lesen.
        Auf anderen Seiten sind Texte „offen“ gehalten und bieten Raum für Anmerkungen und Kontroverse. Das gefällt mir persönlich besser, weil ich dort das Gefühl bekomme, dass vielleicht auch an meiner Meinung Interesse bestehen könnte.

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        • Annika schreibt:

          „weil eine bewusst subjektive Perspektive über Alltäglichkeiten schon vom Prinzip her nicht zu diskutieren ist.“

          Och, man kann alles kommentieren, subjektiv schreibt jeder. Aber ich gebe dir recht: es gibt Blogs, auf denen man sich willkommen fühlt. Und andere kultivieren eine Attitüde, die u.a. für eine… ich sach ma…heterogene Privatjüngerschaft sorgt.

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  7. pantoufle schreibt:

    Wann war das? Es muß so Anfang der Nullerjahre gewesen sein. Eine Tournee mit einem schrecklich bekannten Ami-Gitarristen, der vor langer Zeit einmal in einer schrecklich bekannten Band gespielt hatte. Der Soundcheck vor jeder Show dauerte etwa doppelt so lange wie das eigentliche Konzert ohne daß sich diese Übungsstunden in irgend einer Form ausgezahlt hätten. Größtenteils spielte sich das Ganze in Skandinavien ab und grundsätzlich Open Air. Das rettete die verlorene Lebenszeit für mich, da ich die langen Nachhilfestunden des Gitarristen mit Klettern verbrachte. Sobald mein Krempel lief, sagte ich meinem FOH-Ing, ich wäre dann mal weg und wünschte ihm viel Spaß mit dem Idioten.
    Irgend einen Felsen oder ähnliches gab’s immer zu erklimmen, die Produktionsfunke blieb am Fuße der Strecke. Wäre sie heruntergefallen, hätte ich sie bezahlen müssen – wäre ich abgestürzt, hätte sie mir auch nicht genutzt. Außerdem wäre mir die Show erspart geblieben und das Weib des Heroen, das sich grundsätzlich während des Konzerts an den Pulten sehen ließ und jedem Techniker erklärte, wie man es eigentlich richtig macht. Sie hatte praktisch nur Freunde.

    Nur ein einzige Mal… Wir hatten eine Show am Strand und es gab weit und breit nichts zum klettern, überredete ich Licht- und Tontechniker, Pulte und Technik auf dem Dach der Garderobe (eine einsame Bretterhütte am Meer) zu installieren. Das war zwar etwas mehr Arbeit, aber die Leiter, die ich zum diesem FOH bastelte, war mehr als gefährlich. Die Rechnung ging auf! Die Techniker verstanden erst auf den zweiten Blick den eigentlichen Sinn, die Security der Gitarristengattin aber begriffen es sofort. »Dafür übernehmen wir keinerlei Verantwortung!« und die Schreckschraube verharrte ebenerdig. So kommt man auch zu Freibier.
    Was wollte ich sagen? Ach ja: Es war einer der wenigen Produktionen, wo ich auch mal am Pult saß; normalerweise drücke ich mich nach Kräften davor. Für die Vorsuppe, die dieses Mal keine Suppe, sondern eine Band war, die den Headliner regelmäßig in Grund und Boden spielte. Beth Hart und Band. Was für ein Vulkan auf der Bühne!

    Unvergessen das Konzert in Hamburg, Freilichtbühne. Nachdem einem Bühnenarbeiter im Sitzen aus Versehen der Hammer aus der Hand fiel, stellte der örtliche Lautstärke-Emmissionsbeauftragte fest, daß das Konzert auf jeden Fall leiser sein müßte. Kein Problem! Der Idiot war so dämlich, sein Messgerät bis zum Abend unbeaufsichtigt bei mir am Pult zu lassen. Das Konzert fand bei angemessener Lautstärke statt, da halfen alle irritierten Blicke des Amtmannes nichts – das Eich-Siegel war schließlich unbeschädigt. (Ja, ich war das, Du Vollhonk!)
    Was für eine Lady! Jede Sünde wert, und wenn es nur geringfügige Manipulationen waren.

    Ich hatte ein uraltes S4 mit, mit dem man das Volk mit sanftem Schub in den Unterleib ganz entzückend wegdrücken konnte. Was ein Spaß!

    Ich weiß wieder, wann das war (bin nicht im Bild!)

    P.S. @Annika: Ich liebe es, auf meinem eigenen Blog zu kommentieren! Keine Themenvorgabe und keine Sicherheitsabfrage (zählen Sie die Pusteblumen und wann gewann Manchester-United mit einem 3:2 den Cup)

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  8. waswegmuss schreibt:

    Ach ja, der /8. Das war das Auto für das katholische Unterfranken. Zum Schluss derart durchgerostet, dass die Lehne des Fahrersitzes an der B-Säule ruhte. Die Rücksitzenden bekamen beim Regen nasse Füße und der Zündverteiler war fachgerecht mit Wickeldraht fixiert. Dafür hat ein Sixpack zwischen die Vordersitze gepasst.
    Danach war dann die lange Ladefläche französischer Scheißautos en Vogue.
    Waren auch vom Verbrauch günstiger – so fünf Liter minus. Wenn sie denn fuhren.

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    • pantoufle schreibt:

      Ja, wenn sie denn fuhren! Mein Weib lernte ich in ihrem Froschfresserauto kennen. Mit selbstig tigerfellgemalter Motorhaube und auch sonst sehr schön. An jeder Ampel öffnete sie die Tür und stellte einen Fuß raus. »Die Bremsen, weißt Du?«. »Das ist die richtige Frau und das falsche Auto!«, dachte ich mir und es blieb bei der einen Fahrt.
      Mein erster /8 war Fortsetzung einer langen anhaltenden Benz-Liebe. Benziner natürlich wegen Leistung, irgendwann auch einen 123er Diesel-Kombi, damit man wieder wußte warum Benziner. (Was ne Karre, der Diesel! Statement der Vorbesitzerin »Ach ja, was ich ganz vergessen habe zu erwähnen: Wenn der Tank ¼ anzeigt, ist er leer.« Das wußte ich da aber schon)

      Irgendwann war dann w126. Der beste Benz, den Benz jemals zusammengeschraubt hat! Ich kann mich bis heute nicht entscheiden, ob der 280’ oder 420’ die bessere Maschine war, ganz leicht hatte der 280 immer die Nase vorne.
      Jetzt ist nicht mehr Auto. Zuviel Rost, zu viel Benzin, zu breit, zu viele Leute neben- und hinter einem, immer im Stau. Aber immer, wenn es mich mal wieder überkommt, rufe ich Kumpel G aus S an und leihe mir seinen w126 500 SEC. Wie früher. Breit, Auftritt wie ein Zuhälter und hasserfüllte Blicke der Zuschauer. Geil! Das ist übrigens der Kumpel mit dem bereits erwähnten 1964er Ford Thunderbird.
      Der Duft von verbleitem Benzin.

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  9. Matthias Eberling schreibt:

    @ Annika @ Pantoufle

    Mit unseren gesammelten Fähigkeiten in den Bereichen Musik, Text und Drama sollten wir unseren eigenen Bollywood-Film machen.

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    • Annika schreibt:

      Unbedingt! Die Assoziationskette, die dein Titelvorschlag bei Pantoufle in Gang gesetzt hat (wenn auch leider für Melancholie gesorgt hat; falls ich ihn richtig verstanden habe), hat mich ebenfalls auf die Suche gehen lassen, nach einem alten Foto, auf dem ich – in der Blüte meiner Jugend – an einem alten Benz lehne. Ich kann sagen, früher erlebte man in Autos noch was. Und wenn man – damals – als Frau so ein Ding fuhr, gehörte einem an jeder Ampel die Welt.
      @ Pantoufle: die Bindestriche sind extra für dich.

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  10. Publicviewer schreibt:

    Feines Futter für den Geist… THX
    P.S. Hast Du ein paar Infos zu der Dame auf dem Motorrad… ? 😉

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    • pantoufle schreibt:

      Leider nein! Ich muß zu meiner Schande gestehen, daß ich nicht mal den Motorradtyp identifizieren kann, an dem sie sich gerade eine Laufmasche holt. Erst dachte ich 1924’ Harley, aber das ist vermutlich falsch. Gabel passt nicht.
      Eines der unzähligen Bilder aus dem Netz.

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  11. DasKleineTeilchen schreibt:

    „Eigenartigerweise fällt dabei niemandem die Kinnlade aus dem Gesicht“

    doch. mir. gestern gesehen und in die tischkante gebissen.

    „retten sie wenigstens die person mit der waffe in der hand“

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  12. Thelonious schreibt:

    Ach, zu dem Text und den Kommentaren gibt es so viel zu sagen. Pantoufle versteht manchmal die Welt nicht mehr und schreibt dann einen Text. Einfach schön.

    Bleibt die Frage, ob Sex auf der Rückbank eines Autos zwingend zu einem erfüllten Leben gehört? Ansichtssache. Aber ein W126 käme mir dabei nie in den Sinn. Selbst ein Fiat Panda wäre praktischer. Vom /8 gar nicht zu reden, außer es handelt sich um einen Kranken- oder Leichenwagen mit dementsprechender Ladefläche. Das ist jedoch ziemlich morbide. Dann lieber einen R4, zumal zu diesem zwingend eine Gitane oder wenigstens eine Gauloise gehört.

    Ist das sprachlich korrekt, wenn ich den Singular benutze oder ist der Plural als Markenname vorgeschrieben? Ich will ja keinen shitstorm heraufbeschwören. Nicht, dass es nachher heißt, ich wäre schuldig und sowieso ein Rechtschreibnazi. Man verschwindet heute ja so schnell in Schubladen.

    Bei Fahrzeugen bin ich überzeugter Internationalist. Deswegen kann ich diese Aversion gegen französische Autos nicht nachvollziehen. Gut, beim R4 waren die Bremsen schon ziemlich Scheiße und es passte auch kein sixpack zwischen die Vordersitze aber durch die Revolverschaltung konnte man Rotweinflasche und Zigarette locker beim Schalten in der Hand behalten. Ein Komfortvorteil, der bei der einfachen Knüppelschaltung entfällt.

    Andrerseits darf gerade ich mich nicht beschweren. Diese ständige Schalterei finde ich unnötig und deshalb ist mir der unauffällige Tod der Revolverschaltung ziemlich egal. Ich stehe eher auf so Sachen wie Drehmomentwandler oder Ravigneuax-Satz. Daher muss ich nicht mehr schalten; das übernimmt die Automatik. Trotzdem habe ich neben dem Tacho einen Drehzahlmesser. Warum? Ist doch ein Automatik. Die macht das schon richtig, außer sie ist kaputt. Und dann nützt der Drehzahlmesser auch nichts. Dann gehen rote und gelbe Lämpchen an und es piept.

    Seit ein paar Tagen piepst die Karre bei jedem Anlassen und auf dem Display erscheint ein Symbol, das an eine durchgestrichene Anarchistenbombe erinnert. Ich musste erst in der Betriebsanleitung nachschlagen, was das bedeutet. Mein linkes Abblendlicht ist kaputt. Wer glaubt, das sei kein Problem, irrt. Vorbei sind die Zeiten, als man einfach die Motorhaube öffnete, die Klemme am Scheinwerfer entfernte, die Birne herauszog und dann eine neue einsetzte. Vom Motorraum aus komme ich gar nicht an die Birnenhalterung. Ich muss zuerst die Stoßstange abschrauben und dann den Scheinwerfer nach vorne herausziehen.

    Der Mechaniker meines Vertrauens meint, ich solle bei der Gelegenheit auch gleich den Zahnriemen wechseln. Der wäre fällig und ich müsse zusätzlich nur noch den Motor in Reparaturstellung absenken. Eigentlich ganz einfach. „Drei oder vier Stunden. Mehr brauchst du nicht dafür.“ Ich wollte doch nur eine Birne austauschen. Jetzt muss ich mir doch ein Werkstatthandbuch besorgen.

    Obiges Foto hat mich an diese missliche Situation erinnert. Dabei ging es mir weniger um die junge Dame auf dem Motorrad. Obwohl ich beim ersten Blick dachte, dass jetzt endlich das versprochene große Feature zum Thema Damenmode kommen würde. Nein, es war der Mann im Auto, der mich beeindruckte. Übrigens denke ich auch, dass es sich bei dem Zweirad nicht um eine Harley handelt. Nicht wegen der Gabel, sondern eher wegen des schmalen Getriebes, das sich hinter dem Fahrradreifen verstecken kann. Ich habe mich immer gewundert, warum die Harley trotz des quer eingebauten V2 solch klobige Getriebegehäuse verbaut. Das ginge doch auch ein wenig filigraner. Aber vermutlich bin ich der einzige Mensch, den das stört.

    Aber eigentlich wollte ich zu dem Mann ein paar Wörter schreiben. Ich finde es ausgesprochen gut, dass er die Standzeit nutzt, um sich weiterzubilden. Vielleicht liest er schon sicherheitshalber ein Werkstatthandbuch, denn man weiß ja nie. Darauf lässt auch der sicher wohl sortierte Werkzeugkasten auf dem Trittbrett schließen. Oder bevorzugt er eventuell klassische Literatur? Goethe, Shakespeare oder Brecht. Meine Söhne lesen eher Facebook, Twitter oder google+. Gut, als Jugendlicher lief ich auch nicht mit den Klassikern durch die Gegend. Lucky Luke erschoss locker Schillers Räuber, Werther war ein Bonbon und Voltaire der Name eines Clubs, in dem öfter mal gute Musik lief. Ich war genauso herrlich dämlich, wie meine Söhne es jetzt sind. Und meine Eltern haben sich genauso darüber aufgeregt.

    Wobei das mit den Klassikern ja auch so eine Sache ist. An manchen amerikanischen Unis gibt es Triggerwarnungen zu expliziten Stellen in den Klassikern. So sollen Dozenten zum Beispiel bei Ovids Matamorphosen ihre Studenten vor Beginn der Vorlesung darauf hinweisen, dass es in dem Werk auch um sexuelle Gewalt geht. Diese sollen dann entscheiden können, ob sie das böse Buch lesen wollen, oder nicht.

    Ovid habe ich nie gelesen. Aber Bukowski. Der stand bei meinen Eltern im Wohnzimmerregal. Ganz oben, auf dem letzten Brett. Damit man nicht einfach so herankommt. Das war natürlich Blödsinn. Ich war schon mit 16 zwanzig Zentimeter größer, als mein Vater. In so fern wäre das unterste Regalbrett sinnvoller gewesen. Bei Bukowski geht es bekanntlich um Drogen, Sex und manchmal auch um Autos und Tankstellen. Vielleicht auch mit angeschlossener Waschanlage, womit wir wieder beim Thema wären.

    Ich hatte noch nie Sex in einer Waschanlage. Ich hatte auch nie das Bedürfnis danach. Nichts liegt mir ferner. Die Bettenabteilung im Möbelgeschäft. Ein Fernsehturm. Selbst die Hauptribüne während des FA Cup Finals erwecken im mir mehr Fantasien. Diesen hat Manchester United übrigens nie mit 3:2 gewonnen. 1979 haben sie gegen Arsenal jedoch 3:2 verloren. Soviel dazu. Das ändert aber nichts daran: Waschanlagen sind unsexy.

    Waschanlagen sind so sinnvoll wie Drehzahlmesser an Automatikautos. Wenn es regnet, wird die Karre sauber genug. Und wenn der Regen die Asche an der Fahrertür nicht wegspült, fahre ich mal mit der Hand drüber. Das muss reichen. Waschanlagen machen mich in etwa genauso depressiv, wie der Kapitalismus. Schlechter Sex wäre damit geradewegs vorprogrammiert. Da hälfe auch die Zigarette danach nichts. Trotzdem ist pantoufles Kritik an dieser Stelle sehr berechtigt.

    Das wollte ich nur kurz anmerken.

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