Presseschredder 27.9. 2016

Trump_eter

Warum tut man sich das eigentlich an? Eine Stunde fünfunddreißig Minuten amerikanischer Wahlkampf mit einem Clown und einem Margaret Thatcher-Verschnitt. Erstaunliche Einsichten erwarten den Zuschauer: Donald Trumps zehnjähriger Sohn kann total toll mit Computern (unglaublich, was der Junge alles draufhat!). Da kann der Russe ruhig kommen oder der Chinese mit seinem Cyber, Cyber! Unbedingt cyberkriegen aber wollen sie beide. Sie unterscheiden sich nur in der Qualifikation ihrer Berater.
Um Gerechtigkeit die Ehre zu geben: Nicht nur sein minderjähriger Sohn soll die zukünftigen Leitlinien eines Cyberkrieges bestimmen. Auch Koryphäen wie Bill Gates weiß der Milliardär an seiner Seite: Bill Gates kann nämlich das Internet schließen! Gates gehöre zu den Menschen »die dieses Problem wirklich verstehen.«
[Bill Gates. Internet. Auf diese Kombination muß man erst einmal kommen! Der Säzzer]

Natürlich würde es punktuell zaghaften Widerspruch geben. »Oh, Redefreiheit, Redefreiheit! – Aber das sind dumme Leute.«

Himmel hilf! Kommt einem das nur so absurd vor, weil es so weit entfernt stattfindet und einen erst einmal nichts angeht? Nicht behandelbare Inkompetenz mit dem Finger auf dem roten Knopf der Atom-Arsenale.
Dobrindt (0.6.2) will ultraschnelles Internet bis 2025. Internet 4.0 5.0. EU-Kommissar Öttinger spricht von einer Revolution. Wie beruhigend, daß die globale Idiotenverteilung so gleichmäßig ist. Hoffentlich gibt es keine Verzögerung durch die Amtszeit Donald Trumps und dem geschlossenen Internet.

Was soll die Debatte? Gäbe es ein ernsthaftes Interesse an Argumenten und Realitätsbezug, hätte sich die AFD mit den grauen Panthern und den Violetten um die Plätze hinter dem Mittelfeld prügeln können – haben sie aber nicht. Geht man von dieser Tatsache aus, ist Trump das nächste Topmodell der nächste Präsident der USA. Hüben wie drüben: Es sind nicht die Massen sozial und intellektuell Unterbelichteter, die sich solche Lichtgestalten als die ultimativen Simplifizierer wünschen. In Berlin schliff die AFD Hochburgen der Linken; es hätten auch die der Grünen-Wähler sein können, hätten die nicht schon ein widerspruchsfreies Weltbild mit klar definierten Verlustängsten. Es ist eben nicht oben-unten; an anderer Stelle nannte es jemand Toleranz-Nichttoleranzzone, was es aber auch nicht trifft. Der Ton ist der selbe, nur die Feindbilder unterscheiden sich. Die satten Puritaner.

Meine Angst ist endlich absolut
und souverän
Meine tote Souveränität liegt
Auf der Straße
Unangreifbar – um sie herum
Das Schweigen des Grabes –
Geduckt in Erwartung
des Furchtbaren
Und doch lacht ihre Traurigkeit
Über alles

George Bataille

Das Warten auf den Mann, dessen Gesicht sich bei der Ansprache über den Feind in eine geballte Faust verwandelt.

Breaking News! Disney prüft Kauf von Twitter. Es kommt spät, aber es kommt. Vielleicht im Bundle mit Facebook?

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6 Antworten zu Presseschredder 27.9. 2016

  1. Fluchtwagenfahrer schreibt:

    Moin Pantoufle,
    schön das du wieder da bist.
    Ich fang mal Hebräisch an, also von re nach lks.
    Snapchat „spectacles“
    Ja das wird ein Spektakel wenn erstmal die Beine brechen, die Nasenbeine. Aber Vorsicht, sonst ist die Aufnahme davon in der Wolke, du Gefährder.
    Ja,ja die Abwehr die angreift, Q-press oder mindmapping, man weis ja so wenig.
    Clowne waren noch nie so mein Ding, aber ihr Job war Heiterkeit und Fröhlichkeit zu verbreiten, zu „Dr. Seltsam“ fällt mir da spontan nur ein:
    „Den haben sie wohl im Puff beim Betten machen gefunden“
    Muss nen riesen Puff gewesen sein, mit ner Menge Findelkinder, so global betrachtet.
    Hau die Hühner, ich warte jetzt aufm Dorf, auf mein schnelles I-Mett, äh net.

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  2. Joachim schreibt:

    Ich habe nun die dritte Fassung einer Antwort gestrichen. Dabei habe ich mir wirklich Mühe gegeben. Das waren Stunden (okay, im Hotel und viele Biere)!

    Bitte erkläre einem Dummen mal, was Du mit „Es sind nicht die Massen sozial und intellektuell Unterbelichteter, die sich solche Lichtgestalten als die ultimativen Simplifizierer wünschen.“ genauer meinst. Was sind denn die in Frankreich, Deutschland, Ungarn, Polen und in ganz Europa und den USA? Ich würde sagen: Töpfe und Deckel, so wenig sie auch passen mögen?

    (Thx für den Bataille und außerdem sowieso)

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  3. Fluchtwagenfahrer schreibt:

    Moin Joachim,
    bin nicht gemeint, versuch es trotzdem. Alu-Hut auf, hmmmm, vielleicht steckt ja mehr dahinter oder jemand, der oder die solche Lichtgestalten schaffen?, benutzen um über Bande zu spielen.
    Die Fassungslosigkeit über die „Massen“ sucht auch bei mir häufig zu einem Ventil zu einem Erklärversuch.
    Nur mal so, von einem der noch viel, viel dümmer ist.

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  4. pantoufle schreibt:

    Moin, Joachim

    Tja, was meine ich damit? Leider bin auch ich etwas zu dumm, um es in klare Worte zu fassen, auch wenn mein stetig wachsendes Unbehagen nach Erklärungen fragt.

    Einen kleinen Teil davon hat Giovanni di Lorenzo in seinem Artikel »Die Allmacht der Grünen« auf Zeit Online angesprochen mit dem Begriff der kulturellen Hegemonie – Josef Joffe vor zwei Wochen an selber Stelle mit »Kafka in Amerika«, der einen Einzelaspekt davon an einer Universität beschreibt.
    Diese kulturellen Hegemonie wird bei beiden dahingehend interpretiert, daß eben nicht eine – absolut gesehen – politische Macht erforderlich ist, sondern eine Deutungshoheit ausreicht, um den Weg einer Gesellschaft maßgeblich zu bestimmen. Di Lorenzo nennt es vereinfacht »die Grünen«, was aber in dieser Form statthaft ist, auch wenn sich einige »Teilstreitkräfte« dieser Hegemonialmacht mittlerweile vom Hauptheer gelöst haben und sich als Guerilla durch Universitäten, Behörden und Ämter fräsen.
    Einige nennen es Gutmenschentum oder Verbotskultur; daß sich irgendwann Widerstand dagegen regt, ist nur natürlich. Ob das in jedem Fall aus plausiblen Gründen passiert ist eine andere Frage. Aber allein die Tatsache, daß diese Hegemonie nicht aus einer politisch sichtbaren Mehrheit entsteht, sondern – gewissermaßen unangreifbar – als gesellschaftlich relevante Minderheitenmeinung erscheint, weckt Unbehagen.

    Vollkommen unabhängig davon, ob diese angenommene Hegemonie »vernünftig« ist, ist sie in ihrer Erscheinungsform als kategorischer Imperativ auch bei der Wahl des Toilettenpapiers irgend wann nicht mehr vermittelbar. Der Kampf um die Verbesserung der Welt bis zum gehtnichtmehr erfindet jede Woche eine neue absurde Form. Das geht einher mit Veränderungen des Alltags (Bio-Deodorant, Gesundheitsfetischismus, political correctness als Religionsersatz) bis zur Veränderung von Sprache und Diskussionsformen. Der erste Leserkommentar zu Joffes Artikel lautete dann auch:

    »Ich finde etwas befremdlich, wenn ein privilegierter, weißer, heterosexueller Cismann den wichtigen Kampf von unterdrückten Minderheiten als absurd bezeichnet!«

    Was der Schreiber genau argumentiert, müßte man wenigstens mir erklären: Ich beherrsche diese Syntax nicht (und verweigere mich auch).
    Dieser »Glauben an die Erziehbarkeit des Menschen bis zur Niederschlagung alles Bösen« hat mittlerweile diktatorische Elemente. Die sich bildende Opposition paßt sich dem Zeitgeist an und ist ebenso absolut, lauter noch, weil auch das dem Zeitgeist entspricht.
    Und für die Bildung einer Opposition gibt es ja genügend gute Gründe. Das ganze Getue und Geschrei hat diese Welt nicht um ein Jota besser gemacht. Die Verbesserung der Welt wurde lediglich privatisiert: Der Kampf gegen Kinderarbeit wird mit dem Boykott ihrer Produkte beantwortet, der geringe Mehrpreis ein Ablasshandel fürs Gewissen und eine Weihnachtsspende an UNICEF. Und nächste Woche schreiben wir Pippi Langstrumpf politisch passend um!
    Ein russisches Kampfflugzeug über bewohntem Gebiet: Das ändert die Welt! Diese Diskrepanz mußte irgendwann einmal auffallen. Da kann man noch so viele feministische Seminare mit Auszeichnung absolviert haben. Diesen Widerspruch zu sehen macht einen nicht automatisch zum Faschisten, nicht mich und nicht jeden einzelnen Anhänger einer Gruppierung wie die AFD. Daß ich diesen Verein für eine faschistische Organisation halte, steht auf einem anderen Blatt – das besagt allerdings erst einmal wenig über ihre Anhänger. Eher etwas über Formen von Propaganda.

    Welche Töpfe nun weltweit welche Deckel bekommen: Ich weiß es nicht, mein Gesichtskreis ist dafür nicht groß genug. Meine Defizite… nun habe ich di Lorenzo und Joffe zitiert… eines von vielen. Auch das entspricht nicht dem politisch korrekten Verhalten. Und russisch muß das Flugzeug auch nicht zwingend sein!
    Verändere Dich, dann veränderst Du die Welt? Das war wohl etwas zu kurz gedacht.

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  5. Thelonious schreibt:

    Dazu mein Didier Eribon: „Die linken Parteien mit ihren Partei- und Staatsintellektuellen dachten und sprachen fortan nicht mehr die Sprache der Regierten, sondern jene der Regierenden, sie sprachen nicht mehr im Namen von und gemeinsam mit den Regierten, sondern mit und für die Regierenden, sie nahmen gegenüber der Welt nunmehr einen Regierungsstandpunkt ein und wiesen den Standpunkt der Regierten verächtlich von sich, und zwar mit einer verbalen Gewalt, die von den Betroffenen durchaus als solche erkannt wurde.“

    aus: https://www.blaetter.de/archiv/jahrgaenge/2016/august/wie-aus-linken-rechte-werden

    Die verbale Gewalt ist bei der Rechten noch stärker, beschränkt sich aber auf die Außenstehenden. Wer jedoch im Rahmen ihres Kollektivs agiert, dem versprechen sie Teilhabe.

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  6. pantoufle schreibt:

    Moin Thelonious

    Soweit mir meine Baustelle Dachbodenausbau Zeit lies, habe ich mir Didier Eribon auf den Blättern durchgelesen, bin beim zweiten Teil mit einer Bezahlschranke kollidiert und muß also das Buch »Rückkehr nach Reims« erst einmal kaufen und lesen.

    Mit einer lieben Freundin hatte ich das Thema vor nicht allzu langer Zeit auch schon durchgekaut. Sie zitierte irgendwelche Soziologen, deren Namen mir leider entfallen sind, die man dazu aber wohl auch mal lesen sollte. In einer Woche ist sie aus ihrem medienlosen Urlaub wieder in Deutschland; ich frag nochmal nach – da freut sie sich bestimmt!
    Eine andere Frage ist natürlich, in wie weit das außerhalb meines persönlichen Interesses eine Rolle spielt; oder im Klartext: Ist das irgend etwas für die Schrottpresse? Es gibt ja genügend Leute (Blogger), die sich solche Bücher nicht bestellen müssen, sondern aus dem Regal ziehen. Zu denen gehöre ich nicht.
    Sich öffentlich dazu äußern? Man käme schnell an den Punkt, bei dem viele mehr oder weniger zu recht »alles schon bis zum Exzeß durchgekaut« anmerken würden. Oder daß man dazu kein Recht hätte, weil man irgend eine ideologische Grundlage nicht erfüllt, die reine Lehre mit einer eigenen Meinung ergänzt oder sowieso ganz einfach zu doof ist. Die Blogsphäre auf diesem Schlachtfeld ist ja mittlerweile vom Bewegungs- zum Stellungskrieg übergegangen und außer tiefen Schützenlöchern, in denen die Krieger hocken, ist nicht viel zu sehen.

    Es ist zum Auswandern! Zumal die Schußrichtung ihrer ideologischen Vorderlader immer auf das benachbarte Schützenloch, nicht aber in Richtung des ehemaligen Feindes gerichtet sind (nur mühsam widerstehe ich der Versuchung Namen zu nennen!).
    Allein dadurch verbietet sich allein der Versuch, noch eine Anmerkung zu dieser Diskussion beizutragen.
    Der Feind hat es da einfacher: Er muß einfach nur zusammen unter irgend einem Fähnlein rumlaufen, Toitschlaaand! brüllen und nach dem vierten Bier ist man sowas von einer Meinung, daß der Zuschauer ganz sprachlos ist.
    Es bleibt also beim Versuch dazuzulernen, eine ganz persönliche Angelegenheit und ohne es in die Welt zu posaunen.

    Aber auf jeden Fall vielen Dank für den Hinweis auf Eribon! Und man kann beim Versuch die Welt zu verbessern ja mal auf dem Dachboden anfangen.
    Genau das werde ich jetzt machen!

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