Bauer sucht Frau

hawking

»Es ist der 14. Oktober 2007. Robert Dziekanski steht am Flughafen von Vancouver und weiß nicht mehr weiter. […] Vier Polizeibeamte nähern sich dem Mann, der zwar verwirrt, aber nicht gefährlich zu sein scheint. Offenbar grundlos zücken sie ihre Taser-Pistolen und versetzen ihm Stromstöße: Fünf 50 000-Volt-Schüsse in 31 Sekunden. Dziekanski stirbt einen qualvollen Tod.«

Die Berliner Polizei braucht Taser-Pistolen.
Der Tagesspiegel braucht frisches Blut.

Martin Niewendick aus seinem neuen Werk »Taser verhindern Blutvergießen«. Erinnerungen an den schwarzen Donnerstag, als »Beamte den Anti-Stuttgart-21-Protestler Dietrich Wagner mit einem Wasserwerfer blind spritzten. Völlig zu Recht hat im Nachhinein niemand ernsthaft gefordert, auf den Einsatz von Wasserwerfern bei Demonstrationen zu verzichten.«

»Todesfälle wie der von Robert Dziekanski sind selten. Zudem starb der Mann nicht wegen des Tasers an sich […] sondern wegen des exzessiven Gebrauchs durch gewissenlose Polizisten.«

Es gibt keine Zusammenhänge, sondern nur Balzrituale. »Berlin ist ein rauhes Pflaster für Polizisten« und deswegen schreit die Zeit nach unverdautem Ernest Hemingway. Das Feuilleton als Kontaktbörse.
Es spritzen Blut und die Hormone, Niewendick freit ein Weib. Wir kennen den Namen der Angebeteten nicht und auch auf Twitter fand sich kein Bild. Es wird eine kriegerische sein, ein gewalttätiges Weib. Mit wallendem Haar – der quellende Busen im verlorenem Kampf mit dem engen Gewand und auf einem Wallach vor dramatischem Himmel. Walkürenritt mit Lanze und Taser, Sätze des Begehrens quellen wie zähes Blut aus der offenen Wunde, »angesichts der oben genannten Bedrohungen [bleibt] nur die Wahl zwischen laschem Pfefferspray, unhandlichem Knüppel und Schusswaffe, wird im schlimmsten Fall Blut fließen. Die Polizisten werden aus reinem Selbsterhaltungstrieb dafür sorgen, daß es nicht ihr eigenes Blut ist.«
Was für ein Libretto!
Sie müßte ein Stein sein, erhörte sie nicht sein Flehen! Welch anbetungswürdige Heldenseele, die solch starke und doch einfühlsame Worte fand, dieser Gralsritter des Q-Journalismus. Auf der Seite des Rechtes, der Geknechteten und des Berliner Innensenators und CDU-Landesvorsitzenden Frank Henkel.

Gestern noch Knappe der Zunft, nun in modisch-leuchtender Wehr, der Martin Niewendick. Held, Dichter und gewaltige Stimme in dieser dürren Zeit. Ungestümes Bekenntnis zur Jugend:

»Es gab eine Zeit, da habe ich die fünf roten Buchstaben [Bravo] praktisch eingeatmet. Die Gesichter unzähliger Popstars glotzten von den Zimmerwänden auf mich herab, mal mit verbindlichem Grinsen, mal sexy schmachtend. Sie hießen US 5, Blümchen, Ace of Base und Backstreet Boys, gebannt auf „Bravo“-Poster wie der Dschinn in der Flasche. Sie alle begleiteten mich durch die frühe Phase meiner Ich-Werdung. Und das war gut so.«

Und jetzt: Ein Mann!

Es gibt in der Kunst ein unumstößliches Gesetz. Was einer recht auffällig ins Schaufenster legt, das führt er gar nicht.

Kurt Tucholsky

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