Presseschredder 6.8.2016

»…das die Consumer Centricity ganz im Fokus des Unternehmens steht!«
Das freut einen jeden, auch wenn er nicht ganz so genau weiß, was dort im Zentrum der Dartscheibe flackert. Man sollte besser gar nicht so viel lesen und so etwas schon gar nicht. Aber auch selberschreiben ist nicht ohne!
#Rio2016 darf man zum Beispiel lesen, aber nicht schreiben. Das dürfen nur offizielle Olympiasponsoren. Wobei unklar ist, ob »Olympia« an sich auch ein read only, r/w oder read and execute ist. Wer als Linux-Benutzer endlich die chmod-Commands begriffen hatte, darf jetzt dazulernen. Nicht jedes darstellbare ASCII-Zeichen ist kostenlos; das hat das IOC gerade festgestellt. Das Hashtag als geschützte Marke: Darauf muß man erst mal kommen. Es ist beruhigend, daß das olympische Komitee nicht nur in dieser Beziehung so Bananenrepublik ist wie das Gastgeberland.

Lesen und Schreiben sind und bleiben Glückssache. »Etwas, das wir zuletzt im zweiten Weltkrieg gesehen haben«. Daneben das pickelgesichtige Antlitz des Reporters von Welt.de Thorsten Krauel. Was war’s denn bemerkenswertes? Eine Wunderhitlerwaffe? Heinrich Himmlers Viagradose?
Nein, der Würzburger Terrorismus, erstmalig auf deutschem Blut und Boden!
Dem Homo Googelensis juckt es in den Fingern, welchen islamistischen Terror es denn zu Führers Zeiten in Würzburg gab, aber außer einem Bombenangriff vom 16.März findet sich da nichts. Keine Äxte. Nicht einmal ein schäbiger Amoklauf.
Besser nicht weiterlesen – gleich daneben steht ein Artikel von Alan Posener, dem Facebooktroll mit Abitur.

In der FAZ werden »Deutsche in der Türkei festgenommen«. Oder eine Deutsche? Genaues weiß weder DPA noch Twitter. Deswegen zeichnet dort auch kein Autor verantwortlich, sondern der Hashtag #Türkei. Grund soll der Besitz von Büchern der Gülen-Bewegung gewesen sein. Die Besitzerin ist dem Auswärtigen Amt bekannt.
Dann ist ja alles in bester Ordnung.
Ein interessantes Detail ist es aber schon: Daß der Staatsfeind Nr. 1 Fethulla Gülen heißt, hat sich bereits herumgesprochen – daß seine Bücher verboten sind, noch nicht. Ob die wohl dem reinigenden Feuer überantwortet werden, wenn der demokratischte Präsident aller Zeiten endlich allein rudert? Eine Weiche dafür wäre mit dieser Verhaftung (wenn sie denn wahr ist) gestellt.
Peter Altmaier (irgend eine Partei) hält am Flüchtlingsabkommen mit der Türkei fest.

Es ist nicht leicht, in diesen Zeiten zu lesen.
Wer hätte es Ende der siebziger Jahre für möglich gehalten, daß eine der entscheidenden Fragen des 21. Jahrhunderts ist, ob aus religiösen Gründen ein Kopftuch zu tragen ist oder nicht?
Diesen schönen Satz, liebe Leser, laßt Euch bitte für eine halbe Stunde durch den Kopf gehen.

Was also lesen? Fefe veröffentlicht eine Lesermeinung, was er ja sonst nicht besonders exzessiv betreibt.

»Was ich dann auch bei mir beobachte ist, daß dadurch, daß linke Themen und Kommentare in den Medien von so Gift sprühenden Schaumschlägern besetzt werden, ich zu den konservativen Blättern wechsel.

Fefe kommentiert das mit

»Aber ja, daß die Empörungslinken mit ihrem Gekreische die Leute den Konservativen in die Arme treiben, den Eindruck habe ich auch.«

Die Schrottpresse schließt sich dem an. Man muß sich zwar nicht gleich in irgendwelche Arme fallen lassen, aber…

Während des Schreiben haben andere Medien nachgezogen: Aus der Bücher-Besitzerin ist programmgemäß eine Anhängerin Gülens geworden. Das war zu erwarten.

Man wünschte sich beinahe, daß Lesen zur Meinungsbildung beitragen würde, vielleicht sogar einen Standpunkt untermauert.

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