Kurz und dreckig 24

gauland

Screenshot Tagesspiegel.de

Das auswärtige Amt informiert:

»Deshalb wird Deutschen, die sich in der Türkei aufhalten oder dorthin reisen möchten, generell empfohlen, sich zur Sicherheitslage laufend mittels dieser Reise- und Sicherheitshinweise sowie der Medienberichterstattung informiert zu halten. Menschenansammlungen, auch auf öffentlichen Plätzen und vor touristischen Attraktionen sowie der Aufenthalt nahe Regierungs- und Militäreinrichtungen sollten gemieden werden. Zudem sollte die Nutzung von Verkehrsmitteln des öffentlichen Personennah- und Fernverkehrs auf das erforderliche Maß eingeschränkt werden. […] Auch bei Reisen über Land wird zu besonderer Vorsicht geraten.«

Ersetzt man das Wort Türkei durch Schleswig-Holstein, wäre das wohl das abrupte Ende einer Touristensaison. Offenbar gelten in Ländern, in denen die Sonne durchgehend strahlend am Himmel steht, andere Regeln. Warum macht jetzt jemand Urlaub in der Türkei?
Melih Gökcek, Bürgermeister von Ankara, verbreitet Mordaufrufe gegen türkischstämmige Bundestagsabgeordnete auf Facebook. »In den Rücken schießen!«
»Ihr Blut ist unrein und es ist doch bekannt, wessen Sprecher sie sind. Sie sind der verlängerte Arm der Terroristen in Deutschland«, assistiert sein Präsident Erdoğan. Das hat in etwa die gleiche Qualität wie Khomeinis Fatwa, in der er Salman Rushdie zum Tode verurteilte. Es fehlt nur noch das Kopfgeld. Aus fiebergeträumten Gründen zum  Mord aufrufen – soviel Flüchtlinge kann man gar nicht von Europas Grenzen fernhalten, um das nicht Terrorismus zu nennen.

Erdoğan wirft also den Abgeordneten vor, die PKK zu unterstützen. Moment… die PKK? Es ging doch in der Resolution des Bundestages um Armenien? Unterstützung armenischer »Terroristen« hätte noch einen Sinn ergeben, aber die PKK? Das ist dann wohl das schlechte Gewissen im Bürgerkrieg gegen die Kurden.
Ähnlichkeiten mit den Ereignissen etwa 100 Jahre zuvor sind da rein zufällig. Auch damals ging es gegen Verräter und Terroristen – nur nannte man sie anders. Genau so zufällig wie der Tonfall der hysterischen Proteste gegen die Bundestags-Resolution; irgendwo zwischen Blut und Boden, Rassereinheit, »von hinten erdolcht« und Fememord.

In so einem Land kann man Urlaub machen, muß es aber nicht.

Gauck schmeißt hin. Damit kann die Akte »Larve« hoffentlich geschlossen werden. »… Man soll natürlich keinem scheidenden Bundespräsidenten jetzt Dreck nachwerfen, aber man muss natürlich sagen,…«. Sahra Wagenknecht in einem Interview im Deutschlandfunk. Also beißen wir die Zähne zusammen und legen die Eier wieder in die Verpackung. Frau Wagenknecht versucht in ihren Vorschlägen den Spagat zwischen dem Nutzen, den eine solche Person haben kann und parteipolitischen Interessen. Soll die SPD einen eigenen Kandidaten aufstellen, zusammen mit der CDU mit Mülltrennung den Grünen und der Linkspartei? So klar und unmißverständlich wie sonst drückt sie sich nicht aus. »Positive Signale«. Aber Genossin Sahra! So etwas sagt man doch nicht!

Für »Wulffs Urlaubsvertretung« (Friedrich Küppersbusch) stehen natürlich bereits diverse Namen auf den Wunschzetteln – auch die Redaktion der Schrottpresse findet dort jemanden, den sie gerne in diesem Amt sehen würde.
Aber wundern tut man sich dann doch: Warum muß man sich eigentlich darüber unterhalten, daß alle im Bundestag vertretenen Parteien einen eigenen Kandidaten nominieren? Das sollte doch eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Daraus einen emanzipatorischen Akt zu konstruieren, wie das Frau Wagenknecht in besagtem Interview versucht, wenn sie für einen Gegenkandidaten außerhalb von CDU-Vorschlägen plädiert, ist schwach.

In Zeiten, wo die inhaltlichen Unterschiede der Parteien nur noch mit der Lupe zu finden sind, stellt sich erneut die Frage, ob eine Direktwahl des Bundespräsidenten nicht das bessere Verfahren wäre.

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13 Antworten zu Kurz und dreckig 24

  1. derda schreibt:

    Mojn Pantouffle,
    ich denke nur eine Frau kann dieses mal in Frage kommen. Ihre Durchlaucht von der Leyen hat sich ja schon andernorts bewährt :-))))

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  2. Matthias Eberling schreibt:

    Es sollte ein Schriftsteller machen. Ein Mann von Weltformat. Ich schlage Andy Bonetti vor.

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  3. pantoufle schreibt:

    Andy Bonetti, Andy Bonetti… da war doch was?

    Wikigooglewiki: Ah, da ist er ja schon!

    Andy Bonetti, (*12.4 – 14.4. 1941 in Prtcztwchtz, Montenegro) ist ein Dirigent, Journalist, Humanmediziner und amtierender Weltmeister im Mountainrolling (Bergwandern mit Rollschuhen)

    Aufzucht und Pflege

    Bonetti war der fünfte Sohn des Kabeljauzüchters und Senators Hugo Bonetti. Er wurde am 7.Mai 1945 in Prtcztwchtz griechisch-orthodox getauft und drei Tage später ebenda eingeschult. Seine Mutter Zementa (geborene Álvarez Sánchez) war mütterlicherseits Norwegischer Herkunft. Aus der Ehe gingen außer dem Bruder Karlchen (1942–1949, Suizid) noch die Kinder Schantalle (1943–1950, Suizid), Torben (1944–1951, Suizid) und Kevin (1945–1949, Suizid) hervor. Die Familie zählte zu den ersten Kreisen Prtcztwchtzs. Seine Kindheit hat Andy Bonetti später als »recht anständig« bezeichnet.

    Späte Jahre
    Beide Elternteile verstarben bereits 1946 an Fischvergiftung und Bonetti wurde meistbietend zur Adoption freigegeben. In den Wirren der Nachkriegszeit und wegen ständig wechselnden Adoptiveltern war an einen geregelten Schulbesuch nicht zu denken. So mußte Bonetti bereits mit 12 Jahren selbst für seinen Lebensunterhalt sorgen. Ein erster Gedichtband erschien (»Taiga-Melodie«, 1963 erschienen bei Hilflos und Schlampe), dessen Einkünfte ihm ermöglichten, in den damaligen DDR-Unrechtsstaat© überzusiedeln und ein Fernstudium der Medizin zu beginnen.
    Durch das Erscheinen seines weltbekannten Romans »Bergab – jetzt aber richtig!« (später verfilmt unter dem Titel »the day after«) wurde der damalige Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht auf Bonetti aufmerksam und machte ihn zu seiner rechten Hand. Diese Position behielt der junge Bonetti bis zur Entmachtung seines Förderers und Gönners bei. Als allein überlebender Restkörper sah Bonetti in der DDR-Unrechtsstaat© keinerlei Zukunft mehr für sich und beschloß, aus der DDR-Unrechtsstaat© zu fliehen.

    Durch sein Ansehen und hohe Position gelang es Bonetti, am Gestade der Elbe unter den Augen wachsamer Grenzsoldaten aus Weinkorken, die er unauffällig sammelte und Kokosnüssen ein Boot herzustellen. Fragen nach seinem Tun beantwortete er jedesmal mit »Niemand hat die Absicht einen Schwimmkörper zu bauen!« Am Tag, als ihm postalisch die Approbation als Humanmediziner der Fernuniversität zugestellt wurde, beschloss Bonetti die Flucht zu wagen. Die einwöchige Übersiedlung auf der Elbe von Dresden nach Hamburg verarbeitete Bonetti wenig später in seinem dreiteiligen Roman »Scheiß auf Kap Horn«, was ihm nicht nur den Literatur-Nobelpreis, sondern auch die Mitgliedschaft im PEN-Club einbrachte.

    Als langjähriger Chef der Burda-Verlagsgruppe…

    Das muß reichen! Den nehmen wir!

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  4. waswegmuss schreibt:

    Ich wäre für Coco Straboni, der hat gerade frei und steht für sichere Arbeitsplätze in Deutschland.

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  5. pantoufle schreibt:

    Ich protestiere auf das Entschiedenste gegen die Herabwürdigung von Schimpansen !drölf!

    Gefällt 1 Person

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