Presseschredder 7.5.2016

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Margot Honecker ist gestorben. Tja, man sollte es nicht für möglich halten. Nur 89 Jahre alt und schon tot. Jaja…

Gibt es sonst noch etwas darüber zu sagen? Von dieser Stelle aus nicht. Da ist es noch einmal, dieses Gefühl, daß es einmal eine DDR gegeben hat und man auf der anderen Seite aufgewachsen ist. Es klingelt rein gar nichts bei der Erwähnung dieses Namens. Mit 22 Jahren wurde Margot Honecker 1950 zur jüngsten Abgeordneten der Volkskammer der DDR, von 1963 – 1989 Ministerin für Volksbildung. Mehr substantielles ist den Gazetten nicht zu entnehmen, die ihr jetzt hilflos – hämische Kommentare hinterherschreiben.
Es wird schon noch den einen oder anderen geben, der in gerechter Wut ihren Tod zur Kenntnis nimmt oder vielleicht auch bedauert. Man weiß es nicht. Die Stimmen der Schlagzeilen folgen der Sprachregelung des Unrechtsstaates DDR, was eine historische Wertung unmöglich macht. 39 Jahre politisch tätig und alles, was der Hofberichterstattung einfällt, ist »DDR-Unrechtsregime«. Das kann so nicht einmal dann stimmen, wenn es wahr wäre.

Wo wir gerade bei Unrechtsregime sind: Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdoğan entfernt Resthirn aus seiner Regierung. Mit dem Rauswurf des Ministerpräsidenten Ahmet Davutoglu hofft sich Erdoğan einen Schritt näher auf dem Weg zum Präsidialsystem.

Der Flüchtlingsdeal mit der EU hat dem designierten Alleinherrscher offenbar soviel Narrenfreiheit verschafft, daß er auch den letzten Rest diplomatischer Zurückhaltung aufgeben kann. Nur ein Präsidialsystem sei eine Garantie für Stabilität und Sicherheit: Für die Verwirklichung dieses Ziels steht Erdoğan bei der dafür nötigen und geplanten Verfassungsänderung nun einer weniger im Weg.

»In einem Einheitssystem (wie in der Türkei) kann ein Präsidialsystem sehr gut bestehen. Es gibt aktuell Beispiele in der Welt und auch Beispiele in der Geschichte. Sie sehen das Beispiel dazu in Hitler-Deutschland«

Wo er recht hat, hat er recht: Immerhin 1000 Jahre ist das gutgegangen! Was macht man nicht alles, um den Flüchtlingsstrom nach Dresden zu stoppen.

Auch in anderer Hinsicht folgt Erdoğan seinem historischen Vorbild. Dem türkischen Verfassungsgericht wurde im März wegen der Freilassung der Journalisten Can Dündar und Erdem Gül aus der Untersuchungshaft mit der Abschaffung gedroht. Man hoffe, so Erdoğan, das Gericht werde keine Entscheidungen treffen, »mit denen die Frage nach seiner Existenz und seiner Rechtmäßigkeit gestellt wird«.
Diese Botschaft wurde verstanden: Dündar ist nun zu fünf Jahren und sechs Monaten, sein Kollege zu fünf Jahren Haft verurteilt worden. Die »ermittelnde« Staatsanwaltschaft wird den Vorwurf über die angebliche Unterstützung einer terroristischen Vereinigung noch in einem gesonderten Verfahren behandeln. Aber was ist in der Türkei nicht alles terroristisch? Jetzt noch ein kleiner Reichstagsbrand und…

Auf der Rangliste der Pressefreiheit steht die Türkei auf Platz 151 von 180 gelisteten Staaten.

Margot Honecker ist gestorben. Tja, man sollte es nicht für möglich halten. Nur 89 Jahre alt und schon tot. Jaja…

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3 Antworten zu Presseschredder 7.5.2016

  1. altautonomer schreibt:

    Ja ja die Honny, mitten aus dem Leben gerissen, wenn man bedenkt, wie alt Nazis werden und dann noch nicht mal verhandlungsfähig sind. (in konkret gab es mal einen Text zum hohen Alter von Nazis, die meisten über 90, find ich leider nicht mehr)

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  2. pantoufle schreibt:

    Moin Altautonomer

    Übertrieben hohes Alter scheint aber bei den Parteibonzen des östlichen Lagers eher die Ausnahme zu sein. Was wenig daran ändert, daß jeder Tag bei Diktatoren und ihrem Anhang doppelt übel zählt. Vermutlich verändert genau das auch die Wahrnehmung ihres Lebensalters.
    Über Margot hab ich bis jetzt nur einen Artikel in der Taz gefunden, der versucht sich ihr anzunähern. Ich selber hab dazu tatsächlich keine Meinung. Dazu muß man wohl in der DDR gelebt haben. Jetzt noch ein dickes Faß aufzumachen, was das für ein Kotzbrocken gewesen sein mag, wäre etwas blutlos.

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