Späth und Westerwelle

Tot. Beide. RIP.

Gäbe es sonst noch was zu sagen? Beide waren Politiker. Sonst nichts. Nie was Anständiges gelernt, nie für ihr Geld gearbeitet.
Weil Lothar Späth deutlich älter war, konnte er lange vor Westerwelle dem Kapital in den After kriechen. Beiden gemein ist, daß sie bei dieser Tätigkeit mindestens bis zu den Schultern, meist aber erheblich weiter abtauchten.

Auch vielfach ausgezeichnet und wertgeschätzt waren sie beide: Westerwelle als Krawattenmann des Jahres oder Großkreuz-Träger des zivilen Verdienstordens Spaniens – nur zwei Gelegenheiten, bei denen man sich wieder kostenlos durchfressen konnte. Guido »18%« Westerwelle liebte es laut und schräg. Ein blutloser Hampelmann, ein Vorwerk-Vertreter des Neoliberalismus. Seine größte Leistung: Er ließ sich durch Philipp Rösler unterbieten.

Späth auf dem Höhepunkt seiner politischen Karriere: Kapitän auf dem Traumschiff in bunter Phantasieuniform, aus deren Taschen die Geldscheine flatterten. Was einen zivilen Kapitän bürgerliche Existenz und Reputation kostet, waren Raketenbooster für die Karriere Späths. Die Strandung des stolzen Schiffes in Sichtweite des Badestrandes spülten den damaligen Ministerpräsidenten auf die fetten Weiden der Wirtschaft. »Sie haben ein Leben lang gefüttert? Jetzt heißt es auch mal melken!«¹

Ja, und jetzt sind sie tot. Ein überschaubarer Verlust.

 

Nuff said

¹ Zitat nach Heinz Strunk

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10 Antworten zu Späth und Westerwelle

  1. langlode44 schreibt:

    Bin wahrlich kein Fan solcher Typen, für Späth wars einfach zu spät. „Das ist ja Sozialismus“ Westerwelle, da gibts nen Moment Widerspruch. „Die Pickelhaube steht uns nicht.“ hat er gesagt, ich kugel das jetzt nich, is aber verbürgt (dächt im Zusammenhang Libyen). Westerwelle war den Ambitionen der Kriegspartei(en) im Weg, der Absturz der Spasspartei war den Kriegstreibern recht.
    In einer Koallition der Friedenswilligen…ich tät ihm meine Hand auf die Schulter legen.

    Über das Andere …reden wir später…

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    • pantoufle schreibt:

      Moin langlode44

      Ich muß gestehen, daß ich auch länger über diesen Aspekt nachgedacht habe. Und wir leben wahrhaft in Zeiten, in denen jeder wichtig ist, der »Nein!« sagt – ganz gleich, ob General, Wirtschaftsmagnat oder Politiker… vollkommen gleichgültig.
      Aber das Aber: Der Krieg/diese Kriege/dieser Unfriede hat ja ganz konkrete Gründe! Und ich finde es im Falle Westerwelles einigermaßen grotesk, auf der einen Seite jede Möglichkeit zu befürworten daß es dazu kommt und erst in dem Moment, wo das Vorhersehbare eintritt zu sagen »können wir das nicht irgendwie anders regeln?«
      Genau dieser Punkt disqualifiziert ihn als Friedenswilligen. Erst Streichhölzer aufs Benzinfaß werfen und wenn es brennt »Aua« rufen.

      Ganz ehrlich? Wenn es noch jemanden gäbe wie Otto Graf von Bismarck, bei dem keinerlei Zweifel über Intension und Neigung bestehen würde was er denkt und was er tut: »Dann laß uns eben draufhauen!« – den könnte ich betrauern. Aber so einer war Westerwelle nicht. Er hat einen wichtigen Grundsatz nicht beherzigt: »Hütet Euch davor, klein und häßlich zu sein!«

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  2. waswegmuss schreibt:

    Das Cleverle hatte schon gewisse Vorzüge. Einen, um es genauer zu sagen: Bauernschläue.
    Somit konnte er auch Jenoptik nachwendisch erfolgreich platzieren. Während dieser Mc Carthy für Arme, Roland Koch, einen Weltkonzern innerhalb von zwei Jahren frontal an die Wand fuhr.
    Solchen Leuten möchte ich entgegen rufen: Mc Carthy hat wenigstens gesoffen!
    An Westerwelle konnte ich eine gewisse Grundabneigung gegenüber dem Hegemon leiden. Der Rest…..

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  3. Provinzkenner schreibt:

    Mein Vater als regelmäßiger SPD Wähler hätte Späth als Kanzler gewählt.
    Es war nur logisch, daß Kohl den Späth abgesägt hat.
    Denn merke, jeder Politiker hat irgend welche Leichen im Keller.
    Es liegt an Ihm, ob die Medien diese allg. bekannten Verfehlungen dann rausholen oder nicht !
    Denn jeder hat schon mal an irgend einer Fete in einem Alpenchalet mit Coks und ukrainischen Nutten teilgenommen, die irgend ein Unternehmer/Bonze geschmissen hat.
    Und da waren immer auch Fotografen dabei.
    Komisch, gell ?
    Seid also immer brav !

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    • pantoufle schreibt:

      Moin Provinzkenner

      Bin ich, bin ich – außer politisch unkorrekter Kommentare und strikter Einhaltung der Mindestgeschwindigkeit habe ich mir noch nichts zu Schulden kommen lassen.

      Aber das sind zwei paar Schuhe: Gegen sich mal auf einer wilden Party abseits gesellschaftlicher Konventionen ablichten zu lassen ist das eine Entschuldbare. Darüber habe ich gar nichts geschrieben.
      Das andere unverzeihliche aber ist der Dienst, in dessen Sache sich die leider so früh Verstorbenen ihr Leben lang gestellt haben. Sozusagen die Dauerparty des Neoliberalismus. Und die Photographen lauerten auch nicht in einem Schrank, sondern waren ganz offiziell eingeladen.
      Ziel der Beiden war übrigens eine Gesellschaft, in der ein Teil machen kann, wonach immer ihm der Sinn steht, während die anderen immer schön brav sein müssen.

      Also immer schön unartig sein.

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      • Provinzei schreibt:

        Ich wollte nur sagen, daß jeder Politiker absägebar ist.
        Weil jeder Politiker irgend was gemacht hat, was wiederum irgend jemand weiß.
        Und wenn es sein muß zahlt man Ihm halt ein Upgrade im Hotel.
        Wer dann halt so doof ist wie der Expräsi und sich auch noch von einem BILD-Man das Upgrade bezahlen lässt ist selber schuld.
        Aber jeder hat irgendwas.
        Und somit sind alle erpressbar.
        Was Du gemacht hast, ob mit Foto oder ohne interessiert keine Sau.
        Ob Du brav bist oder nicht ….Reissack…China….umfallen.
        Weißt bescheid.

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  4. Stony schreibt:

    Allet juti hier?

    Oh, oh, pantoufle, falls du grad nix zu tun hast, kannste mich sowas mal bauen?:

    🙂

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    • pantoufle schreibt:

      Das ist sehr, sehr, sehr schön! Vor allem die Bremse und die Nummernschildbefestigung gefällt mir doppelplusgut.
      Nur bin ich zur Zeit leider anderweitig beschäftigt – auch Holz, wenngleich nicht so schön.

      Da mußt Du entweder warten (unter Umständen bis eine Woche nach Sanknimmerlein) oder selbst Hobel anlegen.

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      • Stony schreibt:

        Dammicht, n/m-Vertippsler. Niemalsnich würd‘ ich mich auf solch ein Höllengerät setzen – lieber das Restgehör an deinem Lauschholz (wenn ich recht verstehe) malträdingsen.

        Wie auch immer.
        Frohes Schaffen denn.

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  5. Stony schreibt:

    Gedicht am Dienstag

    (Wegen Urheberdingens nur Link.)

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