Kurz und dreckig 19

Schwachsinniger

Das hatten wir doch gerade erst, das Thema »alle vom Kreml bezahlt«. Jetzt liegen wenigstens belastbare Zahlen auf dem Tisch: 500 bis 600 Rubel zahlt Putin. Der Deutschlandfunk weiß es genau. Von Ljudmila Savchuk mit den langen, dunklen Haaren und der zierlichen Figur.
In einem riesigen Haus mit vier Stockwerken (!!!), vollgepackt mit Elektronik schreiben die russischen Trolle gegen die bewährten Werte des Westens, wenn auch normalerweise nur auf russisch.

»Die Schreiber haben absolut keinen eigenen Standpunkt, meist auch keine Ahnung. Als der Oppositionelle Boris Nemzow in Moskau ermordet wurde, da haben diese Schreiber überall verbreitet, was für ein schlechter Mensch dieser Nemzow war. Aber wenn man sie gefragt hat, dann wussten sie nicht einmal, wer dieser Nemzow überhaupt war. Sie haben sich nicht dafür interessiert. Sie schreiben, was verlangt wird.«

Das kommt einem irgendwie bekannt vor. Vor allem der erste Satz – danach braucht man eigentlich nicht mehr weiterzulesen. Wer Fremdsprachen beherrsche, könne glatt das doppelte verdienen: Auch dabei fallen einem sofort Namen ein.

»Ich habe in einer sehr geheimen Abteilung gearbeitet. Ich habe den Lesern vorgegaukelt, ich sei eine Wahrsagerin, die sich viele Gedanken über die Zukunft macht.«

Ljudmila (Der richtige Name ist auch dieser Redaktion nicht bekannt)

Womit wenigstens die Zielgruppe ebenfalls einen Namen hätte.

Nun ja: Nach den Qualitätsklemtnern, den Qualitätschirurgen, Qualitätsrosenverkäufern und Qualitätsampeln kommt nun der Qualitätsjournalismus mit der lapidaren Feststellung, daß es Mietfedern gibt. Man unterscheidet Mietqualitätsfedern gegenüber Trollen durchs Gehalt. Das steht dort leider nicht – nicht einmal zwischen den Zeilen. Das hätte dort allerdings hingehört. Der Qualitätsjournalist von Qualität hätte wenigstens eine Klaus Kleber, Kai Diekmann, Nikolaus Blome oder Sven Afhüppe einflechten können.
Aber Mietfedern der gehobenen Gehaltsklasse und Lautstärke (lies: Bezahlte Trolle) waren wohl kein Aufhänger.

Der Kiezneurotiker schreibt über einen, der den einheimischen Trollen zum Opfer fiel. Bezahlt? Nichtbezahlt? Wer will das schon genau wissen. Wenn man hierzulande für Kriminalität nichts bezahlen muß, spräche das eher für die russische Variante – vielleicht ist es ein besserer Menschenschlag, daß man sie dafür auch noch extra bezahlen muß.
Jedenfalls hat einer der Unseren (damit sind Blogger gemeint) mal wieder vor einer Horde krimineller Trolle das Handtuch geworfen.
Ich verstehe das. Ich habe jedes Verständnis der Welt dafür, vor den mehr oder weniger bekannten kriminellen Denunzianten, Stalkern und Verleumdern zu kapitulieren. Es gibt dabei im Übrigen nicht den geringsten Unterschied, ob man diejenigen dafür bezahlt hat oder ob sie es aus freien Stücken taten – soweit man psychopathische Beweggründe als Ausdruck von Freiheit betrachtet.
Ich verstehe es und es tut mir entsetzlich leid.

Der Tortalisator der Beatrix von Storch hat es auch mit dieser Art der Meinungsfreiheit zu tun.
Faschos

Ich möchte dem Autor des Artikels der russischen Troll-Fabrik nichts Böses unterstellen – soweit ich das beurteilen kann, versucht er sich in Humor und Sauberkeit -, aber man kann so einen dünnen Stoff nicht unwidersprochen unters Volk bringen, wenn man nicht auf das aufmerksam macht, was im eigenen Stall müffelt.
Es ist ein wenig so, wie den Stahlhelm zu verbieten, während die SA marschiert, wie die NPD zu verbieten, während der AFD marschiert.
Überhaupt AFD! Warum haben die sich eigentlich nach der anarchistischen Föderation Deutschland benannt. Beklagenswertes Copyright.

Trolle aus dem »riesigen Haus« in Russland – wahrscheinlich bezahlte Aufrufe zum Mord im deutschsprachigen Raum und andere Aufrufe. Einigen wir uns doch einfach darauf, daß man es mit Kriminellen zu tun hat, die endlich aus dem Verkehr gezogen werden müssen.

Alles der selbe dreckige Sumpf.

P.S. Den Aufruf zur gewaltigen Gewalt im Titel ist nicht meiner feuchten Phantasie entsprungen – ein Netzfundstück, ein harmloses Traktätchen eines Schwachsinnigen.

Nahezu jede zweite Zeitungsredaktion schränkt Online-Kommentare ein

Nicht wegen russischer Trolle.

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25 Antworten zu Kurz und dreckig 19

  1. flatter schreibt:

    Die Story mit den Trollen ist uralt, wurde spätestens seit 2014 schon mehrfach erzählt
    in der SZ, aufgewärmt mit „Ludmilla Sawtschuk“ in der „Zeit“ letzten Juli und geht auf eine Geschichte aus 2012 zurück. Jemand hat mal berichtet, das sei alles in Russisch verfassst und angeblich gebe es einige besser bezahlte, die auch Englisch können. Die Zerstören damit systematisch die deutschen Medien!!11!

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  2. pantoufle schreibt:

    Uppps! Dann ist das ja Fertigware aus der Microwelle. Hmm… Deutschlandfunk war auch mal aktueller. Aber immerhin ist sie klein, zierlich und hat lange dunkle Haare.
    Danke für den Hinweis, auch wenn es am Gesagten erst mal nichts ändert. Aber die Sorgfaltspflicht hätte es natürlich erfordert, nachzusehen ob die Meldung vor 1,2 Jahren schon mal für Qualität herhalten mußte.

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    • flatter schreibt:

      Nicht dafür; die Suchmaschinen finden das auch nicht anhand des Zitats, ich habe mich nur erinnert und mal „Putin“ und „Trolle“ eingegeben.

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  3. Matthias Eberling schreibt:

    „The Bonetti Experience“ hat das Thema schon vor einem Jahr aufgegriffen:

    http://kiezschreiber.blogspot.de/2015/04/putinstrollfabriken-wie-wir-manipuliert.html

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    • R@iner schreibt:

      Deine ME-Werke wieder. Verstehe. Aber die Schweiz mit unserer Muttersprache in Verbindung bringen zu wollen, ist schon reichlich verwegen, hatte ich mir doch dort immer Untertitel auf Tafel 150 gewünscht, oder?

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  4. R@iner schreibt:

    Darf ich vorstellen: Die Wahrheit.
    Morgen vielleicht auch in Ihrem Briefkasten.

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  5. pantoufle schreibt:

    Guten Morgen, guten Morgen, guten Morgen

    Die Schrottpresse, Fachblatt für Liegengebliebenes, entschuldigt sich in aller Form für den Altschnee.

    Es ist wohl ein Problem der Filterblase, in der jeder mehr oder weniger lebt. Ich für meinen Teil habe davon ehrlich gesagt fast nichts mitbekommen. Das heißt: Mitbekommen schon, aber wenn im Locus ein Blatt Papier mit der Überschrift »russische Trollfabrik« steht, langt man nicht unbedingt bis zum Ellenbogen dort hinein. Auch wenn es sich in diesem Fall gelohnt hätte.
    Deutschlandfunk/Deutschlandradio Kultur hat noch einen anderen Stellenwert als »Bildzeitung exklusiv« – sollte man jedenfalls annehmen.

    Man sollte eigentlich konsequent auf »Der freimaurerische globalistische sonnenverehrende Kult der NASA« stützen oder »200 Beweise daß die Erde keine rotierende Kugel ist« setzen. Das scheint mehr Zukunft als Faktenhuberei zu haben.

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    • R@iner schreibt:

      Das scheint mehr Zukunft als Faktenhuberei zu haben.

      Scheinbar ist es so: Katholischer Ärzte-Hokus-Pokus

      Manche Meldungen kann kein Online-Journalist schreiben, ohne in den Ruf zu kommen, es nur auf Klickzahlen abzusehen. Das hier ist eine davon.

      Innerhalb des Bundes katholischer Ärzte (BKÄ) gibt es einen „Arbeitskreis Homöopathie“. Das allein verwundert schon, ist doch der Glaube an Samuel Hahnemann nicht der an den verordneten Messias. Obwohl Hahnemann ähnliche Ansprüche stellte. Das scheint sogar den katholisch-homöopathischen Ärzten selbst klar zu sein, wenn sie betonen: „daß die Homöopathie keinerlei Zusammenhang mit dem katholischen Glauben hat!“

      Dieser Arbeitskreis nun wiederum weist „auf homöopathische Therapiemöglichkeiten bei homosexueller Neigung hin.“ [..]

      Ich hätte ja eine Theorie zur ‚unbefleckten Geburt‘, aber die will wieder niemand hören.

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      • pantoufle schreibt:

        Therapieablauf

        Die homöopathie Behandlung hat folgende Struktur:

        Das Therapiekonzept lautet kurz: „Entgiftung“ und „Konstitutionstherapie“

        1)  Homöopathische Erstanamnese  (90 Min.)
        2)  Grundbehandlung:
        Beginn der Ausleitun und Vorbereitung des Bindegewebes (Sulfur)
        Entgiften (von alten Infektionskrankheiten / Miasmen, mittels Nosoden)

        Homöopathie gegen Homosexualität und Analverkehr.
        Miasmen. Miasmen!
        21. Jahrhundert.
        Warten wir mit angehaltenem Atem auf die nächste Eskalationsstufe. Exorzismus gegen Gleichberechtigung, die heilige Inquisition zum Thema Pressefreiheit.

        Es bleibt also spannend!

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    • oblomow schreibt:

      Jetzt habe ich doch glatt gelesen „Fachblatt für Lügengebliebenes“

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  6. R@iner schreibt:

    Nett gemachte Seite: Wir sind AfD

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  7. waswegmuss schreibt:

    Die Filterblase ist die Prostataerkrankung des Internets. Entfernen kann zu Impotenz und Inkontinenz führen.

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  8. R@iner schreibt:

    Meanwhile in Brandenburg: Neonazi-Zelle in Nauen: Anschlagsserie aufgeklärt

    Den Kohlrabi schälen – Der war gut.

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  9. oblomow schreibt:

    Na, pantoufle, wenn das hier nicht mal was für dich ist – via telepolis:

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    • pantoufle schreibt:

      Moin Oblomow

      Das ist eine sehr wunderbare poetische Maschine zum Frühstück! Am besten hat mir die einzelne schwarze Kugel gefallen… nein, natürlich nicht. Die auch!
      Zwar drängte sich im ersten Moment die Idee einer dampfenden Maschine zum Antrieb auf, aber das würde natürlich die mögliche Dynamik negativ beeinflussen.
      Nein, es ist ist was es ist: Eine wunderbare Maschine!

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  10. pantoufle schreibt:

    Ganz nebenbei und nur für den Fall, daß noch jemand ein empörendes Hashtag für’s Wochenende sucht:
    Big-Pharma investiert noch mehr in Online-Trolle!

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  11. oblomow schreibt:

    Noch einmal Marble Machine – How it works (wieder via telepolis)

    und hier folgt Teil 2

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