Presseschredder 22.2.2016

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Krautzucht gegen den Trojaner Locky bis jetzt erfolglos. Man bezahlt und hadert mit der Perfektion moderner Verschlüsselungsalgorithmen. »Der Russe« ist bis dahin unverdächtig, auch wenn dessen Staatsfinanzen einen solchen Einsatz von IT nahelegen. Aber der bombardiert ja lieber Krankenhäuser statt sie mit einem Virus lahmzulegen. 5000 Infektionen pro Stunde. Zika, Du Weichei!

»Museen und andere Kultureinrichtungen müssen ihre Bestände digitalisieren!« gellt einem der Schrei noch in den Ohren. Hoffentlich behalten sie die Originale als Backup. Wieviel wissenschaftliche Erkenntnis existiert auf Papier? Kultur auf 5,25“ Disketten für Betriebssysteme, deren Namen nur noch Fachleute aus alten Sagen kennen und den Manuals dazu auf achtzölligen Datenträgern. Wenigstens haben sie die in Papierkartuschen verpackt und dieses Material hat bekanntlich eine hohe Lebensdauer.
Was für eine kuriose Situation, wenn die Hacker, die für die Aufregung verantwortlich sind, einen gemütlichen Familienausflug unternehmen und dabei einen LKW rammen würden. Die Beute in Schnapspralinen und Kokain investiert und dann so ein bedauerlicher Betriebsunfall! Geschädigten Hinterbliebenen überweisen weiter treudoof auf ein herrenloses Konto auf den Bahamas, bis die globale Erwärmung den Serverraum des Institutes überschwemmt.
Aber es gibt ja Backups auf 2,5“ Bändern!

Jetzt wartet die Welt also auf das kostenlosefreie Tool auf der Beilage-CD der Computerbild um wieder frei atmen zu können. Danach führen zwar alle Google-Anfragen zum Springer-Verlag, aber die Pornosammlung ist wieder frei zugänglich.
Die nächste Attacke auf das informelle Selbstverständnis einer informell verkrüppelten Generation: Kryptographiertes Facebook. Geh mal wieder spazieren ohne daß ein Smartphone die Sicht auf den Bürgersteig versperrt.
»So schützen Sie sich vor dem schrecklichen Virus! Machen Sie sofort Backups und warten Sie auf die Entwarnungs-Sirenen der Schlangenölindustrie«. Cyberspace, Cyberverbrechen, Cyberpolizei.«
Welchen Datenträger würde Sie mit auf eine einsame Insel nehmen?

Mut zur Lücke! In wenigstens einem Punkt unterscheiden sich die Häscher nicht von den Ganoven. Der Bundestrojaner steht in den Startlöchern, das Paket ist geschnürt, der Virus auf den Weg gebracht. Aktuelle Sicherheitslücken in Programmen und Betriebssystemen sollen es dem Staatsvirus ermöglichen, die pubertären Phantasien jedes pickeligen Teenagers in Statistiken zu verwandeln.
Und das geschah zu einer Zeit, da rund 60% aller Rechner des Fraunhofer-Instituts durch den Trojaner Locky lahmgelegt waren. Und die heilige Ursula ging hin und brachte den Menschen den Trojaner im Tarnanzug. Und sie war die Tochter von Ernst Albrecht, Sohn des Carl Albrecht, Sohn des Baron Ludwig Knoop. Und sie sprach: Cyber, Cyber, Cyber! Und niemandem fiel auf, daß man den Krieg verloren hatte, bevor er begann.

Das Bild stammt aus der Ausgabe der Datenschleuder #96 2011, S.21

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11 Antworten zu Presseschredder 22.2.2016

  1. Der Emil schreibt:

    Irgendwie fühle ich mich mit meinem Linux und LibreOffice (ohne Scripte & Makros) und den Browsern (fast alles ohne Java und JavaScript) dann doch ein wenig sicherer als die Windoofen 😉

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    • pantoufle schreibt:

      Ja, und dann war da ja noch was mit der aktuellen Linux-Mint-ISO.
      Stichwort Openoffice!

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      • Der Emil schreibt:

        Fedora. Seit der Fedora 14. Und ab und zu malmit anderen Distris per Stick gecheckt.

        OpenOffice habe ich den Rücken gekehrt, als es gekauft wurde. Für Worddokumente nutze ich im Notfall Libreoffice, im Normalfall nur den Dateibetrachter.

        Klar: 100%ige Sicherheit gibt es längst nicht mehr.

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      • pantoufle schreibt:

        Moin Emil

        Ich bin mit Libreoffice unterwegs und damit ziemlich glücklich. Für längere Texte JOE, weil der mit dem guten, alten Wordstar-Editor funktioniert. Seit Wordstar und Borland-Compiler krampft sich immer meine linke Hand und versucht, den kleinen Finger auf die STRG-Taste zu bringen 🙂
        Aber auch unter zeitgemäßen Gesichtspunkten ist der eine gute Wahl! Der Griff weg von der Tastatur zur Maus beim Schreiben hat sich zwar durchgesetzt, ist aber trotzdem immer wieder störend. Man kann sich auch (und vor allem) an falsche Dinge gewöhnen.

        BTW: Ich hab bei Dir von Deiner Aufräumarie gelesen. Da haben wir wohl zeitgleich das selbe gemacht. Bei mir war’s die Werkstatt, die mich eine Woche beschäftigt hat. Immer wieder überraschend, was man dabei so findet. Und wieviel Platz man auf einmal hat!

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  2. waswegmuss schreibt:

    Dabei wäre es so einfach diese Dinge zu vermeiden. Einfach mal ein anständig die Rechteverwaltung einrichten. Getrennte Systeme. Einen isolierten Giftrechner, der sich die Sticks und die Anhänge anguckt.
    Aber nein, der Mensch braucht Lücken und wenn es dazu dient Bubenbilder auf den Bundestagsserver zu ziehen.
    Das ist gewollt.

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  3. pantoufle schreibt:

    Was soll man sagen? Ich selber bin mit einem auf ziemlich paranoid eingestelltem Debian (nach der reinen Lehre) unterwegs, aber das hilft auch nur begrenzt. AddBlock und NoScript sind das eine, Faulheit das andere.
    Man kann es nicht unmöglich machen – die unsinkbare Titanic gibt es nicht –, man kann den Zaun etwas höher bauen. Mehr nicht. Ach ja: regelmäßige Backups ect. Im Grunde nichts anderes als 1995 als man noch als DJ unterwegs war.

    Aber es ist einfach naiv zu glauben, das würde Behörden und andere Berufskriminelle von irgend etwas abhalten. Mich ergreift langsam einfach das Gefühl des Opfers nach einem Einbruch, der sich darüber klar wird, daß ihn seine vier Wände nicht beschützen. Es ist an der Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, was nach der digitalen Revolution kommt.

    Es ist ja ganz putzig, wie sich alle damit herausreden, daß es sie selber nicht betrifft (… und fragt nicht nach den Begründungen!), aber das Maß an Anpassung hat mittlerweile jede vernünftige Grenze überschritten.

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    • waswegmuss schreibt:

      Ich administriere drei Joomla Seiten. Jetzt wurde bekannt, dass während einer kurzen Sicherheitslücke zwischen 3.47 und 3,48 etliche Seiten mit dem Dreck gekapert wurden. Du brauchst keine Anhänge mehr zu öffnen. um dir den TeslaCrypt zu angeln.
      Noch ist bei mir nichts passiert dank zwei Phasen Authentifizierung.

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    • GrooveX schreibt:

      hier im büro bin ich seit 12 jahren auf der gleichen xp-installation unterwegs – aus gründen. zuhause seit 2001 immer die jeweils aktuelle suse, ab 7.1 pro. dabei hatte ich (schon vorher) nie das gefühl, sicher vor angriffen zu sein und deshalb entsprechende vorsichtsmaßnahmen getroffen. ich denke, das ist der punkt. wenn man von anfang an mit der entsprechenden vorsicht geimpft ist, prägt sich das ein und bleibt einem auch erhalten. andererseits, wenn man sich das später gegen die eigenen gewohnheiten mühsam anerziehen soll, klappt das nie so recht. zumindest habe ich bei meinen kollegInnen diesen eindruck. und so darf ich seit 20 jahren die fehler anderer ausbügeln. da hab ich jetzt genau 2 möglichkeiten, mit umzugehen. entweder ich nehme es hin und bügle aus oder arbeite mich an meinen kollegInnen ab und lass mich abnerven. ich habe ersteres gewählt. auch, weil ich für mich weiss, dass die wirkliche verantwortung bei den entwicklern der systemsoftware liegt. malware ist auch nur software und hat als solche nicht ungebeten auf dem rechner zu erscheinen. das ist eine forderung, die man ruhig an die systementwickler stellen darf.

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    • pantoufle schreibt:

      Yep! Schon gesehen. Der dicke Prantl und der Baumsche waren aber auch die einzig lesenswerten – soweit es überhaupt etwas gab. Na ja…Netzpolitik.org natürlich.
      Ich will aber auch gestehen, daß ich es nicht besonders weit verfolgt habe. Es wird wie üblich mit Bauchschmerzen durchgewunken und verabschiedet, weil die Mehrzahl der Wesen glaubt, daß Demokratie und Meinungsfreiheit die Möglichkeit ist, auf Facebook und Twitter seinen Müll zu verbreiten.

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