Kurz und dreckig 9

kirsche

Eine Partei schafft sich ab. Thorsten Albig spricht aus, was alle denken: Die CDU ist die bessere SPD. Sollte die SPD noch einen eigenen Kanzlerkandidaten aufstellen? Theoretisch ja, aber man hat momentan nur Sigmar Gabriel in den Auslagen und der ist ist nun mal von Geburt an der perfekte Zweite. Oder Dritte.

»Ich glaube, jetzt reinzugehen und zu sagen, wir erwarten morgen die absolute Mehrheit, wäre ziemlich bescheuert, das glaubt uns doch kein Mensch.«

Torsten Albig

Da regen sie sich nun drüber auf, die Genossen, die mehrheitlich eher Herr Aufsichtsrat sind. Warum eigentlich? Die Ergebnisse der letzten beiden Bundestagswahlen waren für die SPD ein Desaster. Die Reaktion der Partei darauf bestand darin, die ausgelutschte Altherrenriege an der Spitze in ihren Sätteln festzukleben und alles zu unterlassen, so etwas wie eigenes Profil zu entwickeln.
Nun kommt jemand dahergeloffen und sagt, daß man diese Mission erfolgreich abgeschlossen hätte. Mehr noch: Albig preist die Schönheit der Stromlinienförmigkeit seiner Partei als hinreichendes Alleinstellungsmerkmal.
Und wer möchte da widersprechen?

Überraschung, Überraschung. Nach dem erleichterten Aufatmen nicht nur der Bundesregierung, daß die Türkei sich nun mit aller militärischen Härte gegen den IS wendet, die Überraschung. Die meinen gar nicht den IS, sondern die PKK!
Ursula von der Leyen kritisiert das nun, natürlich mit allem Nachdruck. Der Weg der Versöhnung zwischen den Kurden und der Türkei dürfe nicht verlassen werden – aber wo hört »Peschmerga« auf und wo beginnt »PKK«? Und wo ist ein kompetenter Außenminister, der das Frau Leyen erklärt, bevor sie Waffen in diese Krisenregion schickt?
Die freie Region Kurdistan stellte bei Beginn fast allein die Kräfte, die den Kampf gegen den IS aufnahmen. Jeder, der Waffen und Ausrüstung in die autonome Region Kurdistan verschickte, wußte, daß auch Kämpfer der PKK (beziehungsweise der PKK-nahen YPG) an den Auseinandersetzungen beteiligt waren.
Gute Kurden – schlechte Kurden:

»“Wir liefern jetzt etwas und tragen dazu bei, daß diesem Treiben dieser Terrormilizen ein Ende gesetzt wird und verhindern damit einen Genozid oder mehrere Genozide; oder aber wir sagen, das Risiko ist uns zu groß«

Angela Merkel, 24.8.2014

Als Waffenlieferant für die Türkei wie die autonome Region Kurdistan übt v.d. Leyen schon mal den Spagat, wenn »das beste Deutschland, das wir kennen« das »wichtigste außenpolitische Interesse im 21. Jahrhundert« wahrnimmt, um »zu einer Form der Verantwortung, die wir noch zu wenig eingeübt haben« zu kommen.

Dann übt mal schön weiter.

Das Sturmtief Schantalle Kevin Anna-Lena Zeljko fuhr durch meinen Garten und fällte unsere Lieblingskirsche. DER ARSCH! Also, um das ein für alle Male festzuhalten, Zeljko: Wir sind geschiedene Leute, Du und ich! Aus, basta, vorbei! Du kannst fällen, wen und was Du willst – aber das nicht! Nimm meinetwegen einen ICE, Spiegel-Online oder diverse Trollblogs und wirbele die Orthographie dort gerade – aber nicht unsere Kirsche!

Nun sind Pantoufle und die Familie traurig, die Kettensäge kreiste und Sohn eins half die Trümmer zu beseitigen. Kettensägen, diese motorisierten Kuhfüße, haben einen besonderen Reiz… ich mag sie und ihre Wirkung. Sie sind radikal und haben Stihl.

Wir werden das Licht durch diese Blätter vermissen, die Kühle und die Stare in jedem Frühjahr. Das Meer der Blüte und den weißen Teppich danach. Nun bin ich selber schon so alt geworden, daß ich mich fragte, ob es sich lohnen würde, einen neuen zu pflanzen; selbst bei guter Gesundheit.
Eine seltsame Frage, wie mir schien und ich wollte die Jahresringe zählen, um sie zu beantworten. Nur daß die Antwort nicht in diesen Ringen lag, soviel weiß ich heute Abend schon. Also werde ich doch einen neuen eingraben, auch wenn ich nicht…
Der Kirschbaum selbst schien bei guter Gesundheit und trotzdem fiel er; nur zum Teil, ein anderer unrettbarer blieb aus Trotz gegen den Sturm stehen. Eine hoch erhobene Faust.
Ein guter Tod.

Ein warmes Bad,
ein Gebet zu Buddha –
ein Kirschblütenzweig.

Der alte Hofhund
Macht sich als erster nun auf
Zum Gang ans Ahnengrab.

Kobayashi Yataro, genannt Issa, 1763 – 1827

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13 Antworten zu Kurz und dreckig 9

  1. Matthias Eberling schreibt:

    Die SPD hätte 2013 den Kanzler stellen können – zusammen mit den Grünen und den Linken hatten sie die Mehrheit. Stattdessen wird die Partei zum Steigbügelhalter der schärfsten Konkurrenz im Parlament. Das muss und wird weiter bestraft werden.

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    • pantoufle schreibt:

      Das ist nicht nur an dieser Stelle lang und breit diskutiert worden. Jeder, der im Besitz eines Taschenrechners oder seiner sieben Sinne war, wußte das.
      Was aber auffällig war, ist, daß man in der SPD diesen Gedanken nicht einmal im Ansatz verfolgt hat – für mich ein Zeichen, daß sie auch nie etwas anderes vorhatten.
      Sie haben sich von Anfang an als Steigbügelhalter wählen lassen. Das kann man selbst mit Personal wie Gabriel und Steinmeier. Es qualifiziert zum Koalitionspartner: Da droht keine Gefahr.

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    • DasKleineTeilchen schreibt:

      kurze frage ausser der reihe, matthias; sachema, kommen die kommentare, die anoym bei dir ins feld eingegeben werden, wenigstens bei dir an, oder verschwinden die im nirvana, bevor du die zu gesicht bekommst?

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  2. flatter schreibt:

    Alte Jacke: Steinbrück hat schon 2009 die damals ausstehende Wahl verloren gegeben,

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  3. oblomow schreibt:

    pantoufle, du mit „deinen“ haikus, hier ein fundstück vom gestrigen abend für dich:

    “Die Jahre vergingen, und die Einzige,
    die sich nicht veränderte,
    war das Mädchen seines Romans.”
    Yasunari Kawabata

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  4. DasKleineTeilchen schreibt:

    hm. also an der basis gespalten; sowohl kirsche, als auch parteien als auch terroristen als auch kurden als auch whatever anscheinend alles. ab-gespaltet.

    kenn mich mit gespaltenen bäumen ja nicht wirklich aus, aber hättes der nicht-abgespaltene teil, der noch im boden steckte (vergangenheitsform, endgültige? stihl & so, das ab-gespaltene isses doch, was idr nicht lebensfähig ist, so das „alt“-parteien-sprech) vielleicht nicht doch überleben können? ja, rumdrücken in der wunde ist nicht schön und its too late, I asume, aber der einsatz der kettensäge war möglicherweise verfrüht? ich lieb halt bäume und reagier da wie idefix (und ich bin mir der ambivalenz bezüglich holz als werkstoff bewusst, jaja), wenns ans fällen geht. insbesondere *unvermeidliches* fällen war mir schon immer äusserst suspekt.

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    • pantoufle schreibt:

      Wenn es da die geringste Chance gegeben hätte – ich hätte schon wollen! Aber da ist nicht ein Zweiglein abgeknickt worden, sondern der Stamm in der Mitte direkt in der Wurzel. Es gibt Grenzen von Baumdoktoren.

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  5. waswegmuss schreibt:

    War die Kirsche etwa ein Zwiesel?

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    • pantoufle schreibt:

      Also an dieser Kirsche wuchsen kleine, rote Früchte, die ausgezeichnet auf Kuchen passten und auch sonst nützlich waren.
      Zwiesel sind uns da nicht aufgefallen.
      Nö.
      Eigentlich nie.

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      • waswegmuss schreibt:

        Oh, da hat der heilige Termius technicus mal wieder seine eitle Zunge gezeigt: Ein Zwiesel ist ein Baum mit geteiltem Stamm. Sie neigen dazu genau am der Sollbruchstelle(überholzter kallus) auseinander zu reißen.
        Forstler langen diese Bäume nicht mal mit der Beißzange(Harvester) an.

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      • pantoufle schreibt:

        google, google, google
        Ja, es war einer (eine). Ein V-Zwiesel. Den langt jetzt sowieso keiner mehr an. Der stehengebliebene Rest war weniger als die Hälfte des Stammes dick. Der hätte den nächsten stärkeren Wind auf keinen Fall überlebt und deshalb habe ich den auch gleich runtergeholt.

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  6. Joachim schreibt:

    Zitat SPD-Ministerpräsident Albig : Angela Merkel erledige ihren Job „ganz ausgezeichnet“

    Finde ich auch. Der Job ist total erledigt. So erledigt, wie das soziale in der sozialen Marktwirtschaft, von Sozialstaat muss man gar nicht mehr reden, so erledigt, wie Europa, etwa als Banken-/Zockerrettung getarnte Länderhilfen (u.v.m…) und, falls man mit der Flüchtlingspolitik, mit Waffenexporten, Spionage, Netzpolitik, TTIP und Co. und so weiter, Europa verlässt, so erledigt, wie die ganze Welt.

    Nenn‘ mir nur ein einziges Beispiel, ein Gesetz, irgend etwas unter Merkel, dass keine handwerklichen Fehler oder Schlimmeres aufweist! Na gut, oftmals hat sie nichts getan. War auch besser so.

    Sonst kenne ich da nix. Im Grunde sind wir erledigt. Da ist nicht mehr so schlimm, dass auch die SPD erledigt ist.

    Und dann ist auch noch Dein Baum erledigt. Ja doch, sieht man von der globalen Erwärmung und die damit verbundenen Unwetter ab, dann hat Merkel damit mal nichts zu tun. Und jetzt ist auch noch mein Kaffee kalt.

    FRAU MERKEL! Das geht aber jetzt wirklich zu weit.

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