Rockn’n’Roll can never die

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»Aber Ramstein magst Du doch auch, oder?« Der Einfachheit halber wollen wir die Fragenden einmal Karlchen 1 und Karlchen 2 nennen. Zwei ungarische Rockfans, die sich an einem englischen Tresen ungeniert als Faschisten outen. Nein, Pantoufle mag Rammstein nicht so gerne. Pantoufle hat Probleme damit, wenn jemand mit Leni Riefenstahl- Romatik Videos gestaltet. Aber er kann es genießen, wenn sich zwei Vollidioten als Zielscheibe auf eine Schießbahn  stellen.
Basta.
»Die bösen Onkels?« Auch die nicht. Karlchen 1 hat ganz klar zuviel getrunken. Karlchen Nummer 2 versucht ihn zu bremsen, ist aber recht unbegabt. Das kommt davon, wenn das Gehirn nur mit Mühe seiner Aufgabe der Aufrechterhaltung von vegetativen Funktionen nachkommt. Daß die Besatzung des Tresens, bestehend aus durchaus gewaltbereiten glatzköpfigen Engländern, seit einer halben Stunde nur noch am Grienen sind, sollte stutzig machen. Restungarn ist nicht stutzig, sondern der Meinung, der Pseudo-Geländewagen von VW mit dem gemalten Bildchen eines Sd.Kfz. 251 der Nazi-Armee auf den Türen würde hier jemanden beeindrucken. Mit Hakenkreuz!

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Das ist offensichtlich nicht der Fall. Wenn hier einer Skin ist, spricht er englisch und irgendwo gibt es immer ein Plätzchen, wo keine Kamera installiert ist.
Pantoufle beschließt eine Zigarette vor der Tür zu rauchen. Als er seinen Platz am Tresen wieder einnimmt, sind die beiden Karlchen verschwunden. Dafür steht an seinem Platz ein Ale, das er zwar nicht bestellt hat, aber trotzdem gerne trinkt. Am Morgen darauf ist der »Geländewagen« tiefergelegt. Ungefähr 10cm. Eben soviel, wie der Platz zwischen Felge und aufgepumpten Reifen misst.
England ist schön. Seine Bewohner freundlich und höflich, zuvorkommend, wenn auch leider, leider gelegentlich etwas gewaltbereit. Mein Gott: Manchmal ist es einfach besser, die Fresse zu halten. Vor allem als Faschist aus Ungarn. Oder anderswo. Dafür gibt es doch das Internet!

Dabei hatte der Abend so schön begonnen! ZZ Top hat nämlich in der Wembley-Arena gespielt. Zusammen mit Jeff Beck, der an diesem Tag Geburtstag hatte und als der alte, lange Lulatsch begann, seine Gitarre zu schlagen, lief es Pantoufle ganz kalt den Rücken herunter, die Haare stellten sich auf und es war einer dieser Momente, für die man in diesem Gewerbe arbeitet. Rough boy mit Jeff Beck.

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»Jesus just left Chicago«! Ja! Frank Beard spielt sehr, sehr laid back. Gelegentlich das Lick aus dem letzten Stück – zugegeben! Aber trotzdem. Karlchen 1 und 2 hat es auch gefallen. Das haben sie jedenfalls vor ihrer Hinrichtung behauptet. Genau wie »I Gotsta Get Paid«, was Pantoufle auch besonders gefiel. Nur das faschistoide Moment ist irgendwie an mir vorbeigegangen. Das aber mag man in Ungarn durchaus anders sehen. Nun sind sie weg. Zurück nach Ungarn (das vermute ich jedenfalls). Aber ZZ Top ist nicht weg. Genau so wenig tot wie der Rock’n’Roll. Sie spielen morgen in Krefeld.
Ist jemand dabei?_DSC7435

P.S. Die Bildchen sind vom Terminal 1 in Heathrow, der am Montag zwecks Renovierung für ein Jahr geschlossen wird. Mein Gott, wie hab ich dieses Scheusal gehasst! Und jetzt wird es weggemacht und auf einmal stellt sich Sentimentalität ein. Der Mensch ist schon ziemlich bescheuert.

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14 Antworten zu Rockn’n’Roll can never die

  1. flatter schreibt:

    Lass mich halt rein und sag die Uhrzeit 🙂

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  2. flatter schreibt:

    Done.

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    • DasKleineTeilchen schreibt:

      na dann viel spass mit den mega-beards, geht ja gleich los, wa?
      (wenn ich das mal gestern gesehen hätte, aber wahrscheinlich wär mir krefeld trotzdem zu weit gewesen…)

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      • pantoufle schreibt:

        Leider, leider nein… ich hatte mich gerade so gut eingelebt 🙂 Ich hätte noch Billy Idol im Angebot, aber danach mache ich wieder nur langweiliges Zeuch und das weit weg.

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        • DasKleineTeilchen schreibt:

          ochnaja, triggert möglicherweise endlich mein noch nicht sehr ausgeprägtes verlangen, diese stadt hier wenigstens mal für paar tage zu verlassen.

          (schreibt der mann ernsthaft direkt nach der schicht noch antworten; nur die harten kommen in n gartn, wa? wie wars denn bzw mit herrn erdmanns kleptomanischer ader bezüglich famoser gitarren famoser künstler mit famosen bärten?)

          sonst lief alles?

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  3. R@iner schreibt:

    So Typen wie flatter würde ich nicht Backstage reinlassen. Wie ich hörte, sammelt er Gitarren.

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    • R@iner schreibt:

      p.s.: Ein Kumpel von mir hat sich auf diese Art den Gurt der Doppelhals-SG von Jimmy Page gekrallt. Er entgegnete mir auf meine in Falten gelegte Stirn, dass dort niemand gewesen wäre und er schließlich auch den ganzen Koffer mitgehen lassen konnte.

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      • pantoufle schreibt:

        Unter den Dingen, die die ZZ Top Produktion vermisste, waren nur Kabel und ein Lüfter (die ich in einer stillen Ecke fand). Unbestätigten Gerüchten zufolge werden keine Saiteninstrumente vermisst.
        Soviel dazu!

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  4. flatter schreibt:

    Schön zu wissen, wie andere über einen denken. 😛

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  5. piet schreibt:

    Ich habe immer sehr viel Freude daran, wenn Nasen tiefergelegt werden ( dazu auch noch Prachtexemplare von jobbiker Natur). Deshalb ein herzliches Dankeschön für´s Erzählen. Rock on !

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  6. waswegmuss schreibt:

    Könntest du mir mal so ein Doppelständerdings mit so einer dicken Kordel mitbringen?

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