Neue Esel braucht das Land

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CDU. Generalsekretär. Peter. Tauber.

»Ihn interessiere beispielsweise, ob „eine Nichtteilnahme automatisch eine Ablehnung des demokratischen Systems“ sei. Nicht zu wählen könne „ja auch Ausdruck von Zufriedenheit mit der Regierung sein“«

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Diese Möglichkeiten! Eine »Ablehnung des demokratischen Systems« als verbale Falltür für einen noch zu schaffenden Strafbestand und dann diese Volte: Wahlverweigerung aus Zustimmung! Das hat ein wenig das Air der fröhlichen Erklärung des Häuptlings einer Bananenrepublik, sein doofes Volk wäre noch nicht reif für freie Wahlen.
Was Tauber nun daran interessiert, interessiert nicht; seine kindliche Unterstellung chauffiert den Sinn von Wahlen – wenig überraschend – vom Kern aus auf die Abschußliste.

Am Freitag vergangener Woche trafen sich Vertreter aller Parteien, um eine Medizin gegen die grassierende Wahlmüdigkeit zu brauen. Mehr Urnen, mehr Elektronik. Wahlurnen in Supermärkten und Bahnhöfen. Vereinfachte Wahlzettel (»Sind Sie dafür oder Feind der Demokratie?«), Wahlwoche statt Wahltag. Die Wahlmüdigkeit als Forschungsobjekt oder wie Burks richtig feststellt: »Wenn man das erst erforschen muß, wird man das Ergebnis auch nicht begreifen können.«

Versagt der Aufruf zur Wahl, liegt offenbar keine Möglichkeit einer Wahl vor. Nicht der nicht vorhandene Wille gefährdet die Demokratie, sondern die Einsicht, daß die Wahl keinerlei Einfluß mehr auf Entscheidungen hat. Die tatsächliche Gefahr ist der Nichtwählbare. Seine grundsätzliche Unwählbarkeit ist der Sargnagel, den es zu beseitigen gilt. Die Suche der ganz großen Koalition beginnt also schon einmal an der vollkommen verkehrten Stelle. Die sich selbst »demokratisch« nennende Kaste ist es, die es zu beseitigen gilt. Wie sehr das überfällig ist, zeigt der Ausspruch Taubers nur zu deutlich. Keine Übereinstimmung auch nur in den grundsätzlichsten Fragen ist keine Wahlmöglichkeit.

»Möchte eine Gesellschaft das Ideal politischer Gleichheit verteidigen, muß sie sicherstellen, daß die soziale Ungleichheit nicht ausufert. Denn je ungleicher ein Land ist, desto weniger vertrauen die Bürger ihren Politikern und Parlamenten und desto unzufriedener sind sie mit der Demokratie. Wer sich über eine niedrige Wahlbeteiligung erregt, muß ebenfalls die sozialen Voraussetzungen politischer Partizipation in den Blick nehmen. Geschieht dies nicht, verkümmert die Erregung an Wahlabenden zum folgenlosen Ritual.«

Armin Schäfer, Max-Planck-Institut für Gesellschaftsforschung, Köln Forschungsbereich: Institutioneller Wandel im gegenwärtigen Kapitalismus

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21 Antworten zu Neue Esel braucht das Land

  1. R@iner schreibt:

    Volker Loesch hat am letzten Montag in Stuttgart gesagt, worum es gehen könnte.

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  2. dietmar schreibt:

    „Wir (™) müssen die Reformen besser erklären“….oder “ die BürgerInnen verstehen unsere Politik nicht genau (wohl schwerhörig oder so)“ oder die zurückgehende Wahlbeteiligung ist auf mangelnde Bildung zurück zuführen“……bwhahahahahahaha….Kalauer der Woche.

    Nach der HH Wahl will die Bürgerschaft das Politikgeschehen „transparenter“ gestalten (hüstel, wo ist mein Eimer). Ne klar, verarsch mich doch. Krieg, Verarmung und Entrechtung besser unters Volk mischen. Dann noch diese dämlichen Drohungen und Zwänge.

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  3. Matthias Eberling schreibt:

    Wenn demnächst in Supermärkten gewählt werden darf, kriegt doch Nutella die absolute Mehrheit.
    #Braune Gefahr

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  4. waswegmuss schreibt:

    Ob nun die Kandidaten demokratisch legitimiert sind ist rein hypothetisch. Adenauer hat so beschlossen. Dogma. Fertig. Das ist wie mit der unbefleckten Empfängnis.
    Ich schweife ab.
    Die Wahlmüdigkeit liegt doch der grottigen Vorstellung der Vorder- und Hinterbänkler begründet. Wenn interessiert was die im Rhetorikkurs gelernt haben und wie sie gecoacht wurden.

    Meine Vorschläge:
    Ein Preisausschreiben. Die Preise werden von den Lobbyisten aus ihren Ladenhütern zur Verfügung gestellt.
    1 BMW i3
    2 Freikarten für das Pokalendspiel von Irgendwas.
    1000 kwh-Biostrom aus glücklichen RWE-Kraftwerken
    keine Iwatch.
    usw.

    Dazu gibt es noch eine lustige Quiz- und Kochshow mit Ennie van den Majeklockjes, Steffan Henssler, Katja Riemann und Lothar Matthäus.

    Schon sind wir wieder bei über 70% Beteiligung(gefühlt)

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    • pantoufle schreibt:

      … wenn sie denn einen Rhetorik-Kurs besucht haben! Und der Coach »Souverän in 9 Stunden!« á drei Trainingseinheiten ist sein Geld so gut wie nie wert.
      Volksvertreter wird ja gerne dahingehend missverstanden, daß die Protagonisten an Gewöhnlichkeit jeden Mitbewerber aus dem Feld schlugen. Der einzige Kurs, den sie erfolgreich bestehen mußten, war es, sich im Parteiapparat hochzubuckeln. Daß die Schönheit dort nicht von innen strahlt, ist nachvollziehbar.

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  5. R@iner schreibt:

    Sorry für das erneute Video, aber wenn ich mir anschaue, wie die neue Bürgermeisterin Barcelonas mit Konfetti beworfen wird, während bei uns die Politfuzzies froh sein können, wenn es nur Eier und Farbbeutel sind, dann habe ich mehr als nur eine Ahnung, an wem es liegen könnte.

    Wenn jemand mehr über Spaniens neue Bürgermeister wissen will, dann kann er/sie gerne ab hier lesen, was ich gestern dazu zusammen trug.

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  6. pantoufle schreibt:

    @R@iner

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  7. Matthias Eberling schreibt:

    Vorgestern hatte ich, nach langer Zeit, mal wieder das Vergnügen, bei der Jubiläumsfeier meines Gymnasiums den Staatssekretär einer Landesregierung und den Vorstandsvorsitzenden eines Großkonzerns live am Rednerpult zu erleben. Heilige Scheiße! Diese Leute sind aber auch so dermaßen untalentiert und uninspiriert … – und dann war die Schülersprecherin dran: 18 Jahre und einfach nur gut. Applaus ohne Ende. Da kam mir der Gedanke: Könnte man nicht einfach den ganzen Saftladen (Berlin) in die Wüste schicken und mit solchen Leuten neu bestücken. Schlechter kann es nicht werden, oder?

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    • lazarus09 schreibt:

      Schlechter kann es nicht werden, oder?

      Für manche schon .. 😉 und das sind die mit den leckeren Aufsichtsradpöstchen, Parteienspenden, Urlaubsreisen ink. Taschengeld, Autos & Motorrädern für lau ,Puffbesuchen , großzügigen Redner-Honoraren u.s.w — u.s.f.

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  8. R@iner schreibt:

    Heute war OB-Wahl in Mannheim. Erstmalig duften auch 16-Jährige wählen. Ergebnis: Die Beteiligung betrug 30,7%
    Des weiteren fand in einer Kirche einer dieser „Bürgerdialoge“ der Bundesregierung unter dem Motto „Gut leben in Deutschland“ statt. Teilnehmerzahl: 6 Personen

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    • Matthias Eberling schreibt:

      Wenn nur 30 % zur Wahl gegangen sind, ist das für mich ein Zeichen von Intelligenz (zumindest von 70%). Und dass man in Mannheim diesen Bürgerdialog-Schwachsinn konsequent boykottiert – Respekt! Sympathische Stadt :o)

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    • pantoufle schreibt:

      Teilnehmerzahl: 6 Personen. Wäre ich Peter Tauber, CDU und nebenbei Generalsekretär, würde ich jetzt sagen: »Sehen Sie? Den Leuten geht’s prima!«

      Die Zahl von 30% bei einer Kommunalwahl wundert mich allerdings dann doch. Da gehe ja selbst ich wählen, damit Benno, was unsa Bürgermeister is (SPD), für weitere vier Jahre das Dorf regiert.
      In Mannheim hat wohl die absolute Mehrheit die Schnauze gestrichen voll… jedenfalls, wenn man den gesunden Menschenverstand bemüht. Die Arbeitsgruppe aller Parteien und ihre wissenschaftliche Analyse der Nichtwähler wird aber vermutlich zu ganz anderen, viel überraschenderen Erkenntnissen kommen.
      Das wird gaaanz spannend!

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    • Ex-Vermieter schreibt:

      Fehlt noch eine plausible Umdeutung zu: weniger ist mehr.

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  9. Joachim schreibt:

    Oh man, was diskutiert ihr hier.

    Also ich habe bei Taubers Zitat oben beinahe den Kaffee über die Tastatur verteilt. Was für ein Clown. Echt witzig, der Typ.

    Und dann das Zitat von Armin Schäfer. Erst dachte ich, auch das sei von Tauber und die Hölle friere ein. War ich verwirrt! Pantoufle, schreib demnächst drüber, wer was sagt.

    Weil, dem Armin ist wirklich nichts mehr hinzu zu fügen. Aber bei allem Respekt, muss man dazu wirklich studiert haben? Rocket science?

    Sagen wir mal so: Die Leute haben andere Probleme. Jeder Behördengang, jede Steuererklärung, jede effektive Rentenkürzung, jedes Knöllchen und was mehr braucht man echt nicht, auch den Perso nicht (eh, da hab ich einfach keine Zeit und keine Lust mehr für für Bürokratie als „Selbstzweck“, keine Lust für den Scheiß, weil ich muss nämlich arbeiten! Beispiel zum vom Stuhl fallen gestrichen), die eGK mit ihrer Aufhebung des Arzt-Geheimnisses nicht (auch hier gestrichen),

    das alles und noch viel mehr (höchstens, wenn ich König von Deutschland wär‘) braucht man echt nicht, wenn man Leistungsträger jede Arbeitsstunde++ am Tag, Jeden Werktag++ in der Woche ist, Urlaub der Firma wegen verschiebt, immer erreichbar ist, vielleicht sogar Kinder hat und schon gar nicht, wenn einem das Recht (auf Arbeit) versagt wird und dann Politik Fachkräftemangel beklagt.

    Könnte es ein gaanzz klein wenig sein, dass man Fachkräfte lieber nicht bezahlen will? Oder dass man einen 55-Jährigen einfach nicht mehr wie ein Kind behandeln kann und ihn deshalb nicht einstellt? Schlimmer noch, blöde alleinerziehende Mutter, die ist einfach zu ungebildet. Da reduzieren wir gleich mal die Schulzeit, trennen die Schultypen, damit auch gar nichts irgendwie durchlässig wird, weder nach unten noch nach oben und schaffen Studiengebühren für mehr Bildung, für die, die es sich leisten können.

    Forever jung kommt daher und weil man denen besser was verkaufen kann…

    Und die Reden… oh man, wenn Merkel schon mal was sagt. Was wie Big Data bedeute Arbeitsplätze und dem Dümmsten klar wird, warum wir VDS und Bundestrojaner brauchen, wenn … ach ich lass es mal. Mir scheint es plötzlich klar, warum die sonst nie was sagt. Besser ist das.

    Aber echt, sonst hat die keine Probleme? Ich meine, mit Tojanern kennt die sich ja schließlich jetzt aus. Nett das Tier, nicht wahr? So ein Rechner ist auch gar nicht privat und Daten muss man never ever schützen weil sonst die Schufa, ach was, die ganze Wirtschaft nicht funktioniert. Btw. bei Wirtschaft denke ich persönlich schon mal an was Anderes. Will’ste n‘ Bier? Ich finde, das ist die Alternative. Nüchtern erträgst Du das nicht mehr.

    Gut sage niemand, Merkel würde sich nicht selbst wie alle Anderen behandeln. Wahre Demokratie: Wenn die ’nen Virus hat und ein abgehörtes „Handy“, und die ist ja echt wichtig, dann wirst Du da wohl auch mit zurecht kommen. Hat Merkel Anzeige erstattet? Oder weiß die um die Ausstattung, Personaldecke und Kompetenz der Polizei und wartet lieber auf die polizeiliche Wettervorhersage (öffentlich, um der Panik willen und um Verbrecher zu warnen? Also mecker nicht. Auch nicht über die öffentliche Kameras die Untaten in Proletengegenden abschiebt. Hauptsache nicht bei mir. Erst komm ich, dann ein großer Misthaufen, dann lange nichts und dann ist da vielleicht noch wer. Who cares. Ursachen? Begründungen? Oder Lösungen? Ach komm, stell Dich nicht so an! Kannst Doch nicht alles haben. Sei mal pragmatisch. Jo, siehe unten. Bitte schön)

    Nee, abhören ist Big Data und das ist doch nicht soo schlimm. Alle sind doof, doch manche sind doofer oder so ähnlich meine schon Orwell. Kein Problem, Frau Merkel. Vielleicht sollte man nicht immer von sich auf Andere schließen?

    Sei es wie es sei, ich habe jedenfalls ein Problem. Nein, keinen Virus. Den hatte ich noch nie. Ein heißt, dass das Problem immer vor dem Bildschirm sitzt.

    Mein Problem: Ich will ja wählen. Das Problem steht total dumm vor der Urne. Ich stehe da vor dem Stimmzettel und habe trotzdem keine Wahl. Geht nicht. Kann ich nicht. Selbst nicht die SPD, so gerne ich auch wollte. Was würde ich mir eine gute SPD wünschen. Doch von oben bis unten auf dem Wahlzettel wird es immer mehr … no go.

    Es gibt einige gute Politiker, doch der dicke Gabriel, von dem habe ich gar nichts, nada, nothing in den letzten Jahren gehört, das irgend eine Basis (Wortspiel) hat. Wohl aber hat er mich des öfteren ein wenig „verstimmt“. Massiver Bullshit und Verarsche verstimmt mich. Die SPD’ler, die ich kenne sind zwar manchmal ähnlich gewichtig, allerdings nur vom Körper her. Sonst haben die nur wenig zu sagen (wie auch immer man das nun interpretiert. Sie tun ihr Bestes. Möglicherweise sollte man nicht vorschnell die Basispolitiker schelten. Es ist nicht leicht).

    Doch nicht wählen zu können ist was? Zustimmung? WTF ist das denn? Freunde, es war mir echt nicht klar, dass es „Leben“ auf dem Mars gibt.

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