Starfighter für Ursula

tarkusKriegsministerin Ursula von der Leyen will ihn, die Lage schreit nach ihm, die Bundeswehr braucht Unterwäsche und ein Gewehr, aber das ist ein anderes Thema.
Bis 2030 soll er fertig sein, der neue MBT: Der Main battle tank – Synonym für das Hauptwaffensystem der Panzertruppe. V.d. Leyen wird dann 72 Jahre alt sein und vielleicht Bundeskanzlerin. Auch das ein Thema, das man besser nicht diskutiert.

Deutschland braucht einen neuen Panzer! Wegen Russland. Weil Putin (stellvertretend für alle Russen seit Katharina der Großen) einen neuen hat. Den T-14 Armata. Panzer bauen kann er ja, der Russe. Leider.
Nach NH90, Eurofighter, G36, Tiger, A400M, Fregatte 125 oder GTK Boxer nun das ambitionierte Projekt »Leopard 3«.
Die Redaktion der Schrottpresse (vertreten durch Redaktionskampfhund Oskar und den Chefredakteur) bieten ihren Lesern den besonderen Glaskugel-Service, ergänzt durch Unmengen Kaffeesatz und Beck’s, um einen kurzen, wenngleich unscharfen Blick in die Zukunft zu werfen.
Ursulas Traum vom eigenen Starfighter:

10. Mai 2015
Das Verteidigungsministerium gibt bekannt, daß es Pläne für einen Nachfolger des 35 Jahre alten Leopard 2-Kampfpanzers gibt. Das Ende der Planungsphase ist mit 2018 terminiert.
Da wegen der aktuellen Ukrainekrise überraschend Bedarf an Kampfpanzern deutlich wurde, werden übergangsweise sämtliche verliehene, verkaufte, eingemottete oder vor sich hinmodernde Leoparden wieder einsatzbereit gemacht. Deutschland braucht Panzer!

18. Mai 2015
Das Bundesverteidigungsministerium gibt zu Protokoll, daß die gut 50 Jahre alten Transall-Transportflugzeuge der Luftwaffe vermutlich noch bis 2020 eingesetzt werden sollen.
Das hat zwar nichts mit dem geplanten neuen Panzer zu tun, ist aber auch ganz interessant.

21.Mai 2015
Der neue, in der Planung befindliche Panzer könnte Leopard 3 heißen.

22.Mai 2015
Der neue, in der Planung befindliche Panzer könnte Leopard 3 heißen, muß es aber nicht. Erdacht, erprobt und produziert werden soll er von einem Deutsch-Französischem Konsortium. Dazu sollen die Firmen Krauss Maffai Wegmann und die französische Nexter-Group fusionieren.
Der SPIEGEL zitiert aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen, daß man auf eine lange, erprobte Kooperation im Panzerbau zurückgreifen kann.

20.Juni 2015
Der Abgeordnete Ströbele (die Grünen) fragt die Verteidigungsministerin v.d. Leyen während einer Debatte im Bundestag, wann es jemals bei Planung, Produktion oder Einsatz von Panzern zu einer Kooperation mit Frankreich gekommen sei. Seines Wissens nach sei solches das letzte Mal 1940 geschehen, als die Reichswehr französische Beutepanzer eingesetzt hätte.
Das Protokoll verzeichnet langanhaltende Unruhe, dem Abgeordneten wird das Wort entzogen. Schimpfend sucht er seinen Platz, landet irrtümlich auf einem freien Stuhl bei DIE LINKE, was aber niemand bemerkt.

1.Oktober 2015
Wladimir Putin macht bei einem Besuch in den USA konkrete Vorschläge über die Beendigung des Bürgerkriegs in der Ukraine.
U.v.d. Leyen hält eine flammende Rede im Bundestag, warum Deutschland jetzt erst recht Panzer braucht. Selbst wenn es zu einem Frieden kommen sollte, müsse der geschützt werden.
Während man ihm das Wort entzieht, versucht der Abgeordnete Ströbele aufzustehen, wird aber von den eigenen Parteigenossen wieder auf seinen (eignen) Stuhl zurückgezogen.

2.Dezember 2015
Nun ist es amtlich! Der neue Panzer kommt! Die Verteidigungsministerin sagt in einem SPIEGEL-Interview, daß die Planungs-Kommission nicht nur einen breiten Forderungskatalog erstellt hätte, sondern auch bereits Zeichnungen für die Medien. Die Spielzeugfirma Revell würde bis zum heiligen Abend einen Plastik-Modellbausatz auf den Markt bringen. Von der Krabbelgruppe in die Bastelstube zum echten Panzer. Wenn die Kleinen groß sind, gibt’s das Original.

16.März 2016
Der Abgeordnete Ströbele fragt trotz Wortentzugs, wie man erst nach fast 40 Jahren Einsatz eines Panzers über den Nachfolger nachdenken könnte.
Ein Expertenausschuß des Verteidigungsministeriums legt einen Entwurf zur Änderung der Geschäftsordnung des Bundestages vor. Thema: Der prophylaktische Wortentzug.

22.April 2017
Nach einer Vorab-Veröffentlichung im SPIEGEL soll der neue Panzer eine 150mm Glattrohrkanone haben (wie der russische T14), einen unbemannten Turm (wie der russische T14), einen 1500PS Mehrstoffmotor (wie der russische T14), er wird 20t leichter sein als der Leopard 2 (wie der russische T14) und etwa 90 km/h schnell sein (wie der russische T14). Voraussichtlicher Stückpreis 7,2 Millionen Euro (wie der russische T14).

1.April 2018
Nachdem der Wehr-Etat in den letzten 2 Jahren um das vierfache gestiegen war, steht der Produktion des neuen Kampfpanzers nichts mehr im Wege. Die Expertenkommission, in der unter anderem sechs Kinder der Verteidigungsministerin arbeiten, haben die Eckdaten nun offiziell veröffentlicht:
Der neue Panzer wird eine 150mm Glattrohrkanone haben, einen unbemannten Turm, einen 1500PS Mehrstoffmotor, er wird 20t leichter sein als der Leopard 2 und etwa 90 km/h erreichen. Der voraussichtlicher Stückpreis richtet sich natürlich nach Abnahmemenge und Ausstattung, wird aber vermutlich kaum höher sein als prognostiziert, selbst wenn man den Inflationsausgleich nicht berücksichtigt.

22.Oktober 2018
Aus der geplanten Zusammenarbeit zwischen KMW und der Nexter-Group ist, wie bekannt, nichts geworden. Nexter fusioniert mit der chinesischen Chengdu Aircraft Industry Corporation, um Drohnen zur Panzerbekämpfung zu entwickeln.

1.Juli 2019
Ein erstes Mock-up des Panzers wird der Öffentlichkeit präsentiert. Es ist grün und biologisch abbaubar.

7.Oktober 2020
Die Drohnen der ehemaligen Firmen Nexter und Chengdu, die jetzt als Perdu Inc. auftreten, haben ihre erste Bewährungsprobe bestanden. Bei dem Präventivkrieg zur Einführung der Demokratie im Iran wurden 75% aller Kampfpanzer und Transportfahrzeuge des Gegners zerstört.
Gegen die autark kämpfenden Drohnen, die sich nachts im Sand eingruben oder tagsüber an geeigneter Stelle mittels Solarenergie regenerierten, waren die konventionell ausgerüsteten Streikräfte der Iraner vollkommen machtlos. Zwar wurden auch einige der eingesetzten Drohnen zerstört, was bei einem Kaufpreis von 0,1% gegenüber dem eines Panzers aber nicht ins Gewicht fiel.

2.Februar 2022
Der große amerikanische Verbündete™ USA besteht darauf, daß der neue Main-Battle-Tank des Vasallen Deutschland mit einer Kanone amerikanischer Produktion ausgestattet wird. Nach langwierigen Audienzen bei Hofe einigt man sich darauf, daß sowohl die deutsche 150mm Glattrohrkanone wie der 12“ Vorderlader der Amerikaner zum Einsatz kommen wird.

30.März 2026
Die Prognosen über die verbleibenden Erdölvorräte waren offensichtlich gefälscht. Das aktuelle Revell-Plastikmodell im Maßstab 1:35 zeigt eine Version des Panzers mit Holzvergaser, während das von AIRFIX zwei Dampfturbinen hat.

7.März 2028
Im Bundes-Thing kam es zu einer lautstarken Auseinandersetzung zwischen der Kanzlerin auf Lebenszeit Leyen und dem Rüstungs-Rat Gabriel, als das Ergebnis von Schießversuchen auf dem Truppenübungsplatz Berlin-Wuhlheide bekannt wurde. Bereits nach dem zweiten Schuß lag die azimutale Abweichung in einem nicht akzeptablen Bereich. Durch einen Fehlschuß wurde die Fertigstellung des Flughafens BER um wenigstens 6 Jahre zurückgeworfen.

12.April 2030
Als Ergebnis der sieben Weisen des ewigen Rates der Leyen werden die Kanonen des Kampfpanzers Tiger 3 weiß gestrichen. Das reflektiert das Sonnenlicht besser als hellblau und vermindert dadurch schädliche Erwärmung.

22.Juni 2033
Weitere Schießversuche jetzt auch mit der amerikanischen Kanone, die zusätzlich zur deutschen 150mm aus Platzgründen entgegen der Fahrtrichtung eingebaut wird. Die Soldaten beklagen nach Berichten des Orakels SPIEGEL das hohe Gewicht des Panzers, wenn dieser in die nächste Schußposition geschoben werden soll.

7.Januar 2035
Nach der wöchentlichen Anbetung des große amerikanischen Verbündete™ verkündete der Druide Söder, daß die Auslieferung des Panzers Tiger 3 an die Truppen der Leyen termingerecht 2040 erfolgen wird.

24.Juli 2038
China, Russland und die ehemaligen USA verbünden sich, um die wenigen verbliebenen Ölvorkommen gerecht allen demokratischen™ Staaten zukommen zu lassen.

10.Oktober 2039
Die Krise in Griechenland ist nun endgültig beigelegt. Ein paar gezielte Indiskretionen über das Staatsoberhaupt und seine Generalität und tausende türkischer Drohnen chinesischer Bauart konnten die führungslosen Truppen mittels Nervengas ausschalten. Der Einsatz konventioneller Feuerwaffen hat sich gegen die immer kleiner werdenden Drohnen als wirkungslos erwiesen.

17.Juli 2041
Auf die Frage, was ein Tiger 3 wäre, antwortet die heilige Ursula im Bundes-Thing: »Der Tiger war eine Gattung der in Asien verbreiteten Großkatzen (Panthera tigris), die bedauerlicherweise vor Jahrzehnten ausgestorben ist.«

P.S. Die Schrottpresse wünscht allen Lesern vergnügliche Pfingsten.

P.P.S. Die Schrottpresse bedankt sich ausdrücklich bei den Kommentatoren von »Augen Geradeaus!« für die – wenn auch ungewollte – Mitarbeit.

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42 Antworten zu Starfighter für Ursula

  1. Matthias Eberling schreibt:

    Steve, Mike … Strike!

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  2. DasKleineTeilchen schreibt:

    1/2OT: äähm, pantoufle, ich will mich ja nicht als korinthenkacker aufspielen (gerade nicht bei der thematik), aber bezugnehmend auf die „entschädigungs“zahlungen bei „sonst noch“ spricht der artikel vom DF von „Mehr als die Hälfte von 5,7 Millionen Rotarmisten sind in deutschen Lagern umgekommen.“

    nur als hinweis, bevor hier jemand anders n fass aufmacht. kannst den hinweis ja anschliessend löschen schatz.

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  3. opalkatze schreibt:

    Wir sollten doch über eine Adoption nachdenken.

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    • pantoufle schreibt:

      Ach Menschin – siehste: An Dich habe ich die letzte Zeit gedacht! Mal schreibste was und dann wieder nicht mehr so viel. Ich muß noch eben und dann wollte der Kleine zum Fußball siegen gehen, aber dann ruf ich Dich an.

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  4. flatter schreibt:

    Gut: Bundes-Thing, 22.April.

    Schlecht: 17.Juli, und ich komme nirgends drin vor. Ihr hasst mich alle. Ich euch auch!
    Gruß aus dem Hauptquartier

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  5. flatter schreibt:

    Zitat:
    Die Redaktion der Schrottpresse (vertreten durch Redaktionskampfhund Oskar und den Chefredakteur) bieten ihren Lesern den besonderen Glaskugel-Service,

    Ich lese meinen eigenen Sermon auch nie. Waste of fuckin time.

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  6. lazarus09 schreibt:

    REVELL …… zu mehr wird’s nicht reichen dank einem Höchstmass an Korruption sowie Vetternwirtschaft gepaart mit maximaler Ahnungslosig- und Unfähigkeit….

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  7. flatter schreibt:

    Die Kanonen zeigen in die falsche Richtung.

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  8. lazarus09 schreibt:

    Moin .. DKT … Genau so, denn der dachte auch schon an sein geistiges Eigentum 😛
    flatter , da wird schon die eine oder andere nach hinten losgegangen sein ..also ;-)..und wo wir schon dabei sind, wo wäre denn die „richtige“ Richtung zu suchen ..?

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    • flatter schreibt:

      Na wo wohl? Auf den Plebs im Inneren. Das Lustige an Vaterlandsverteidigern ist doch, dass sie nicht kapieren: Auf dem Feld zu verrecken ist kein Bug, sondern ein Feature.

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      • lazarus09 schreibt:

        Du weißt aber schon das du ,auch wenn du recht hast, bei den aufgeklärten mündigen Schafen keinen Applaus für sowas bekommst … schon gar nicht wenn du die tapferen heldenhaften Vaterlandverteidiger fragst was „ihnen“ denn in „ihrem“ Land so gehört 😀 Helden für’s Vaterland klingt eben besser, als Kanonenfutter für die jeweilige Kapitalelite … btw. Poppy-day [Remembrance Sunday] will fall on Sunday 8 November in 2015.
        cheers mein Lieber 😉 ..

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      • pantoufle schreibt:

        Und ich dachte immer, das wäre total süß und vor allem ehrenvoll. Na ja… so kann man sich irren.

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        • DasKleineTeilchen schreibt:

          oh jeeeeezus; einmal bilder im browser wieder eingeschaltet und dann sowas. MANN daniel! aua!

          nicht, daß das zur thematik nicht seine berechtigung hätte, aber MANNO!

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          • pantoufle schreibt:

            …ist nicht der IS. Nur nebenbei. Sind Wessies.
            Und ja: Es hat seine Berechtigung. Damit niemand auf die Idee kommt, es wäre süß und ehrenvoll, für’s Vaterland zu verrecken. Die wollen neue Panzer und Drohnen und was weiß ich nicht was. Das kommt dabei heraus. Genau das und nichts anderes. Da gibt es kein Aber.

            Das ist das, was der Krieg aus dem Menschen macht. Aus allen, die ihn betreiben. Daß sie nachher mit Lorbeer und Orden manierlicher aussehen, ändert gar nichts dran.

            Sorry: Aber man kann nicht unwidersprochen Bilder vom Leo 2 in voller Pracht durch Gebüsch abbilden, ohne die andere Seite zu zeigen.

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            • DasKleineTeilchen schreibt:

              weiss ich alles; ich *kenne* dieses fiese foto und den hintergrund dazu. war einfach der plötzliche schock des visuellen.

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  9. derda schreibt:

    Das Cover von ELP ist viel zu Seriös für die VdL-Schmonzette. Da wäre ein Bildzitat vom Frau im Spiegel, der goldene Schuss oder LandLiebesLust angebracht.

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  10. pantoufle schreibt:

    föllich OT
    Seit Tagen verfolgt mich ein Bild. Ich kann nicht essen, nicht schlafen oder Rasen mähen. Die GRÜNEN

    Das führt zu der Frage, ob veganer Sex besserer Sex ist oder besser gar keiner? Gibt es Fleischeslust ohne Fleischeslust oder geht es auch mit verdorrtem Gemüse?

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    • Stony schreibt:

      »Gibt es Fleischeslust ohne Fleischeslust…« Aus eigener Erfahrung: Ja, ganz klar! »…oder geht es auch mit verdorrtem Gemüse?« Das nu nich, ebensowenig wie mit ‚tote Fisch‘.

      Allgemein stehe ich allerdings auf dem Standpunkt, daß gar kein Sex immer noch besser ist als schlechter. Kaum etwas ist schlechter als schlechter Sex.

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      • pantoufle schreibt:

        So weit so richtich, aber nun stell Dir vor, Du erwachst des Nachts und diese Gesichter erscheinen vor Dir und krächzen heiser »biologisch abbaubar!« oder »das mit Afghanistan tut uns auch leid!«

        In sofern: Dann lieber erst mal keinen Sex.

        P.S. Abgesehen davon, daß der Photograph einen echt miesen Tag hatte, als er die grüne Pädophilie-Beichte dokumentieren durfte.

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        • Stony schreibt:

          Allein die Vorstellung der Vorstellung sorgt (bei mir) für den Wunsch nach spontaner Selbstentleibung läßt mich schaudern. Ein Alb, der nicht auf dem Brustkorb zu verweilen beliebt, sondern … südlicher.
          Brrrr.
          So wie die gucken, würde ich glatt darauf tippen, daß das Pädagogen sind (beide Gesichter sagen mir rein garnix) – die Sorte freilich, die nur als Neutrum wahrgenommen werden kann. Wieder das Schaudern, das unwohlige.

          @P.S.: „Mies“ insofern, als in die Betroffenheitslyrik einstimmt wird, dieser ein „Gesicht“ gebend?

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    • lazarus09 schreibt:

      pantoufle …Betroffenheit hat eine Farbe, und zwar die deines Gesichts beim Anblick des Meisters, dass ist hardcore … was willst du mit den Luschen auf dem Bild „Depressionen in Grün“ !!

      ..nach diesem Anblick klappt es dann auch mit dem organisierten Erbrechen , die Frage nach fleischloser Fleischeslust egal ob Blümchen…veganem ..oder gar keinem Sex stellt sich da nicht mehr.

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  11. Thelonious schreibt:

    Ich hab noch ein Bild von seinem politischen Großvater gefunden. Ich finde die Ähnlichkeit frappierend.

    Und wenn ich den sehe, muss ich immer an Mao denken und den ehemaligen Nachbarn meiner Eltern. Der passte mich vor vielen Jahren einmal ab, als ich zu Besuch dort war. Ich könne doch chinesisch, sagte er, ob ich ihm denn nicht etwas übersetzen könne. Dem Mann war leider nicht bewusst, dass ich zwar für ein paar Semester die Sprache studiert hatte, aber mein tatsächliches Sprachvermögen sich auf Alltagsfragen wie – „Könnte ich noch ein Bier haben?“ – beschränkte. Bevor ich ihn darüber aufklären konnte, kam er mit einem kleinen roten Buch wieder. Dem kleinen roten Buch.

    Nun war der Mann schon lange in Rente aber ich wusste, dass er als Stenograph in der bayrischen Staatskanzlei unter anderem unter Strauß gearbeitet hatte, den er sehr verehrte. Bei dem hätte ich Worte des großen Vorsitzenden nie vermutet. Die Aufklärung folgte auf dem Fuße. Wann immer der jeweilige bayrische Ministerpräsident auf Staatsbesuch weilte oder selbigen empfing, war der Stenograph dabei. Und so kam es denn, dass er den großen Vorsitzenden höchstpersönlich kennen lernen durfte. Als Dank für seine gute Arbeit überreichte dieser ihm das kleine rote Buch. Der Beamte aus Bayern muss in diesem Moment vom Weltgeist überfallen worden sein, denn er traute sich, den Vater aller chinesischen Werktätigen um ein Autogramm zu bitten. Ob Mao bei dieser Gelegenheit huldvoll gelächelt hat, weiß ich nicht. Aber er tat dem Nachbarn meiner Eltern den Gefallen und nicht nur das, er schrieb auch ein kleines Gedicht auf die erste Seite des Bändleins.

    Und das sollte ich übersetzen. Um es kurz zu machen, das war ein Schlag ins Wasser. Zum einen verfügte der große Vorsitzende über eine ordentliche Sauklaue und zum anderen hätte mein Wortschatz sowieso nicht ausgereicht. Aber so konnte ich mich auf die Handschrift herausreden. Gesicht gewahrt.

    Als der Nachbar starb, wurde ich eingeladen, seine Bibliothek zu durchforsten und mitzunehmen, was mir gefiele. Die Worte des großen Vorsitzenden war das erste Buch, das im Karton landete. Und jetzt steht das Bändchen bei mir im Regal und ich weiß immer noch nicht, welchen Lebensmaxime Mao dem Stenographen auf den Weg gab.

    In der Näher der Worte des Großen Vorsitzenden steht Ernst Albrechts Doktorarbeit. Für die jüngeren unter uns, der Mann war nicht nur für das sogenannte „Celler Loch“ mitverantwortlich, sondern auch für Uschi. Diese Doktorarbeit hat auch eine Widmung. „Sehr geehrter Herr Thelonious“, steht da, „ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Magisterarbeit. Ihr Ernst Albrecht“

    Und hiermit enthülle ich, dass ich den damaligen Ministerpräsidenten auf das Frechste angelogen habe und völlig unverdient zu diesem gut gemeinten Wunsch gekommen bin. Zum einen handelte es sich mitnichten um eine Magister-, sondern um eine schnöde Seminararbeit und zum anderen war ich nicht voll Bewunderung ob Herrn Albrechts Gedanken, wie ich geschrieben hatte. Ich war einfach nur zu faul, jeden Tag in die Bibliothek zu gehen. Die Doktorarbeit durfte ich mir nämlich nicht ausleihen, weil es sich bei Herrn Albrecht um einen amtierenden Politiker handelte. Die Uni hatte das bestimmt, da ein paar Jahre zuvor Kohls Doktorarbeit an das Tageslicht gezerrt und ordentlich belästert worden war. Nur aus wissenschaftlichem Interesse und nur in der Bibliothek durfte ich in dem Werk lesen. Natürlich hätte ich es auch kopieren können. Aber mehr als dreihundert Seiten. Viel zuviel Aufwand.

    Da war es einfacher, einen kurzen Brief nach Hannover zu schreiben und irgendetwas von einer Magisterarbeit zu faseln. Zu verlieren gab es nichts. Im Zweifelsfalle erhielte ich keine Antwort und müsste dann doch kopieren. Aber meine Niedertracht hatte Erfolg.

    Mein schlechtes Gewissen hält sich übrigens sehr in Grenzen.

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    • DasKleineTeilchen schreibt:

      mit einem wort; dieser nachbar deiner eltern war ein speichelecker erster güte, der vor jedweder autorität, gleich welcher couleur, aufs freudigste seinen rücken krumm machte, solange er nur dienen durfte.

      ist immer noch recht reichlich gesät, diese spezies, ne?

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  12. Klaus Baum schreibt:

    Hat dies auf Klaus Baum: Notizen aus der Unterwelt. rebloggt und kommentierte:
    Ein Blick in die Zukunft mit Kristallkugel und Kaffeesatz (italienische Röstung)

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  13. Publicviewer schreibt:

    Da gab es doch irgendwo die Meldung, das die Niederländer Arbeitslose zu Hellsehern fortbilden würden, aber ich finde es gerade nicht mehr… 😉

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