Presseschredder 4.5.2015 / Update

Pantoufle wieder zu Hause, zu Hause, zu Hause… Die Kirsche im Garten wirft mit Blüten um sich, blaue Blumen in der Einfahrt und gelbe auch. Die gelben sind Nelken und dann hört die Gartenweisheit des Hausherren auch schon schlagartig auf. Aber schön bunt ist es trotzdem.
Redaktionskampfhund Oskar freute sich in der Nacht zuvor seinem hohen Alter entsprechen, als der Chefredakteur nach Hause kam; alles schlief, nur der treueste unter den Treuen wachte. Na gut: »Wachte« mag vielleicht etwas übertrieben sein, aber er hat einen leichten Schlaf, aus dem er in Sekundenbruchteilen erwacht, wenn die Pflicht ruft. Eigentlich tut er nur so, als würde er schnarchen. Das ist Teil einer ausgeklügelten Tarnung, um den Gegner in Sicherheit zu wiegen!
»Und? Wie war’s in der Fremde?« Die Schilder des Dorfes sind für den
Redaktionskampfhund die Grenzen der bewohnten Welt. In ein Auto bekommt ihn niemand – wozu auch? Was kann dahinter schon zu erschnüffeln sein, was man Zuhause nicht auch hätte?

Menschen schnüffeln ja gerne woanders. Manche fahren sogar tausende von Kilometern weit, vielleicht sogar auf Motorrädern! Oskar fährt Motorrad so wenig wie Auto oder Schubkarre. Als Redaktionskampfhund weiß er natürlich, daß die Motorradfahrer aus Moskau gerade deutsche Erde betreten haben. Nachtwölfe! »Schöner Name!« findet er und der Chefredakteur findet das auch. Mit Russlandflaggen und welche mit Väterchen Stalin. Weil der Boss nicht da war, hat Oskar alle Schlagzeilen gesammelt, die über die Biker erschienen sind: »Putins Rocker wollen fahren!«. »Jetzt sind sie losgefahren.« »Die Rocker rollen nach Berlin«. »Erste Sichtungen in Polen.«, »Neue fadenscheinige Gründe, die Rocker vom Fahren abzuhalten«, »Kommen die Rocker nach Berlin und beschimpfen Mutti?«, »Bezahlt Putin das Benzin?«, »0der das Öl?«, »Oder sogar die Reifen?«, »Was haben Russen am 70. Jahrestag der deutschen Niederlage in Berlin zu suchen?«, »Vor allem in Berlin?«, »Sogenannte „Siegesfahrt“ der Kremel – Rocker (dabei haben wir doch gar nicht verloren!)«. Neuigkeiten im Minutentakt.

Die Nachrichtenlage zum neuerlichen NSA/BND – Skandal nimmt sich dagegen bescheiden aus, aber ein Dutzend Motorradfahrer bedrohen angeblich die innere und äußere Sicherheit. Am Flughafen München wurde im Gepäck einer jungen Russin die Kutte der Nachtwölfe gefunden. Das reicht für stundenlange Vernehmungen mit der Begründung, daß darauf in Deutschland verbotene Symbole aufgehäkelt wären. Welche genau das sein sollen, bleibt allerdings im Dunkeln. Wölfe mit Flammensymbolen? Oder das »Russland« auf der linken Vorderseite? Das wird es vermutlich gewesen sein.

Große Reaktionskonferenz der Schrottpresse zum Thema »finden wir die jetzt gut oder nicht ganz so…?«
Beim Chefredakteur liegen die Sympathien erst einmal bei den Bikern, etwas, was dem Redaktionskampfhund schwer vermittelbar ist. »Aber politisch geht das größtenteils gar nicht!«, so sein nicht unberechtigter Einwand. »Schon wahr! Aber so wird ja nicht argumentiert: Eine politische Diskussion findet ja nicht statt. Anstelle dessen wird mit bürgerlicher Rocker – Angst jongliert und Kuttenträger pauschal verunglimpft.« Symbolik allerorten. Die guten Symbole wie der Bundespräsident und seine VIP’s speisen im ehemaligen KZ Ravensbrück von festlich gedeckten Tischen, während man die wenigen Überlebenden des Konzentrationslagers mit mit Plastikgeschirr- und Besteck im Partyzelt abspeist. Kein koscheres Essen für die jüdischen Gäste, keine Übersetzungen für die Gäste aus Tschechien, Slowenien oder der Slowakei.  Das ist sind die Symbole, die der Betrachtung wert wären.
Biker, die mit dem Portrait Stalins durch die Gegend kajohlen, kann man verglichen damit ruhig mit etwas mehr Gelassenheit beurteilen. Oder gleich vollkommen ignorieren, was sicherlich die Beste aller Lösungen gewesen wäre.

Kanzlerin Merkel reist am 10. Mai zu einer Kranzniederlegung aus Anlass der 70. Wiederkehr des Endes des Zweiten Weltkrieges nach Moskau. Wenn sie dann mit Präsident Putin sinnend am Denkmal steht, werden die beiden von homophoben, prorussischen, krimanektierenden und seperatistenunterstützenden Russen geradezu umzingelt sein. Und das werden deutlich mehr sein als eine handvoll Biker auf BMW – Motorrädern.

Ausgerechnet BMW. Aber das ist ein anderes Thema.

Klitzekleine Ergänzung, weils so hübsch ist:

Nachtreten ist ja weit verbreitet und wird gern genommen, will aber geübt sein. Das kann auch schiefgehen. Beim Deutschlandfunk stolpert Michael Watzke beim Auskeilen in seinem Beitrag Zum Heulen komisch.

Deshalb: Lasst die Russen kommen. Haltet die Nachtwölfe nicht auf, sondern macht ihnen den Weg frei. Immerhin können sie von München nach Berlin auf der Autobahn fahren. Die Russen haben es in 70 Jahren nicht geschafft, eine Autobahn von Moskau nach St. Petersburg zu bauen. Vielleicht also lernen die Nachtwölfe noch was auf ihrem Weg von Moskau nach Berlin und zurück. Vielleicht nehmen sie ein bisschen Zivilisation mit.

Ja, ja… die Zivilisation. Genau diese Autobahn ist bereits älter als 70 Jahre. Nicht nur die Nachtwölfe, sondern auch die sowjetische Delegation bei den Nürnberger Prozessen 1945 hätte sie befahren können. Die Strecke München-Berlin existiert seit 1938. Aber auch später ging der zivilisatorische Fortschritt mit aller Gewalt weiter: Ab 1940 auch mit Hilfe von russischen Kriegsgefangenen, KZ-Häftlingen und Zwangsarbeitern.

Aber das brauchen die Nachtwölfe nicht mit nach Hause nehmen. Man kann davon ausgehen, daß man das in Russland nicht vergessen hat.
Von Deutschland lernen heißt siegen lernen oder »es war eben nicht alles schlecht!«

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter der Untergang abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

9 Antworten zu Presseschredder 4.5.2015 / Update

  1. waswegmuss schreibt:

    Die Gummikuh würde ich eher mit einer anderen Person in Verbindung bringen wollen. Aber das ist ein anderes Thema.

    Gefällt mir

  2. Publicviewer schreibt:

    Das Steampunk-Moto hat was…stehe da ansonsten gar nicht so drauf…;-)

    Gefällt mir

  3. DasKleineTeilchen schreibt:

    isser wieder da. und ich hatte den entzug schon fast durch.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s