…und dann drehen sie wieder ihre Runden

Mercedes_benz_teardrop

Quelle: Wikipedia

Die interessanteste Regeländerung in der Formel 1: Das Design der Helme darf während der Saison nicht »signifikant« verändert werden. Aha. Helmdesign also. Das Verbot der Rheuma-Decken für die Reifen hat es eben gerade nicht auf die Verbotsliste geschafft. Die Formel 1 nimmt gewaltigen Anlauf, um in der medialen Versenkung zu verschwinden. Wie in jedem Jahr wird auch 2015 RTL sämtliche Rennen übertragen; gegen einen kleinen Gefälligkeitsbonus versteht sich. Die Fahrer und Techniker werden wie immer versuchen, Reporter Kai Ebel aus dem Weg zu gehen, Niki Lauda wird das Rennen vorhersagen und danach erklären, warum alles ganz anders kam. Nicht zu vergessen Heiko Wassers idiotische Fragen an Christian Danner, dem ziemlich erfolglosesten deutschen F1-Piloten.

Es verspricht also wieder spannend zu werden: Wer ändert die Farbe am Helm, reicht das Geld von Force India und Manor (ehemals Marussia), um bei allen Rennen den Sprit bezahlen zu können. Es geht ja nicht mehr darum, wer gewinnt, sondern wen es nach der Saison nicht mehr gibt. Der Traditionsrennstall McLaren versucht sich mit neuen Motoren von Honda, die ihnen ein Vorserienmodell ins Heck schraubten. Die Lage soll dem Vernehmen nach mit dem Wort desaströs geschmeichelt sein. Sauber muß nach dem Urteil von zwei Gerichten einen dritten Fahrer – den man lieber in der Versenkung verschwinden lassen wollte – jetzt doch anstellen. Zwei Autos – drei Fahrer, von denen der Eingeklagte noch nie in dem neuen Schlitten gesessen hat. »Ich bin sehr froh. Ich bin sehr fit und stark. Ich freue mich darauf, zum Team zurückzukehren. Wir werden hart arbeiten, um am Wochenende das beste herauszuholen« (Giedo van der Garde, der Unglücksraabe) Offenbar reicht bei Sauber das Geld nicht einmal mehr für einen Auftragskiller, was in der Formel 1 immer ein bedenkliches Zeichen ist.

Wo so viel Schatten ist, da sollte doch auch ein Sternlein leuchten. Tut es auch, denn unabhängig vom Helmdesign wird Mercedes wieder die WM gewinnen. Weil sie genügend Geld haben und zudem noch an Williams und Lotus Motoren verklitschen können. Damit sie noch mehr Geld haben. Und sollte ihnen das Geld ausgehen, dann stecken sie einfach noch mehr Geld hinein bis der Stern wieder leuchtet. Mercedes hat das immer schon so gemacht. Vom Blitzen-Benz 1909 bis zum aktuellen Feldzug Fahrzeug.

Schlechte Zeiten für Underdogs, Langeweile durch Monokultur und die verbliebenen Fahrzeuge lackiert in der Farbe des Geldes. Zakspeed, Iso, Era, Onyx oder Matra-Simca – Bilder aus einer Zeit, in der die Piloten noch geschwächt von der durchzechten Nacht am Morgen mit Kippe zwischen den Lippen in ihren Autos photographiert wurden. Der diesjährige Pilot bei Toro Roso, Max Verstappen, ist gerade einmal 17 und hat noch keinen Führerschein. Der momentan wohl schnellste Schwarzfahrer der Welt. Wenn diese Fahrerwahl ein Marketing-Gag sein sollte, ist sie wenigstens erklärungsbedürftig. Niemand schaltet den Fernseher ein um einem pickeligen Jüngling beim Videospielen zuzusehen.

»Formel 1 ist für mich eine Art Spiegel des alltäglichen Lebens. Der Alltag ist nicht immer fair. Nicht jedes Team hat die gleichen Möglichkeiten. Es geht letztlich darum, ein gutes Business daraus zu machen. Und das ist Mercedes zuletzt gut gelungen.«

Ex-Formel-1-Pilot David Coulthard Mal sehen, für wie interessant der Konsument seinen Büroalltag im Nachmittagsprogramm findet. Wenigstens für das Gerücht, daß der Rennstall Lotus (Edit: Und  Sauber und Force India) im Moment noch ohne Reifen dasteht, weil er seine Rechnung an den Reifenhersteller Pirelli nicht bezahlt hat, wird ihm bekannt vorkommen.

Edit: Wie aus der FR gerade zu erfahren ist, könnte es zum ersten Mal seit 1960 keinen F1 Grand Prix in Deutschland geben. Um nicht missverstanden zu werden: Das braucht das Land natürlich genau so wenig wie eine Grippewelle.

»Es wäre ein Wunder, wenn es in dieser Saison noch einen Grand Prix im Land der Weltmeister und Automobilerfinder geben würde.«

Über die Gründe dafür könnte man bei Bernie Ecclestone anfragen – vorausgesetzt natürlich, man interessiert sich für Finanzierungskonzepte. Es schleicht sich aber der Verdacht ein, daß die Austragung eines Rennens in erster Linie von der vollkommenen Erpressbarkeit des lokalen Veranstalters abhängt. Wie es aussieht, will der neue Betreiber des Nürburgringes (der in diesem Jahr »dran gewesen« wäre) nicht zahlen, sondern bezahlt werden. Auch nicht schlecht! Das Beispiel sollte Schule machen. Sollten sich drei, vier weitere Betreiber dieser Auffassung anschließen, könnte das den wohlverdiente Ruhestand für Ecclestone bedeuten. An der Zeit ist es schon lange.

Ach – und das hier zum Thema kann man ruhig auch mal lesen: Tagesanzeiger

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48 Antworten zu …und dann drehen sie wieder ihre Runden

  1. Der Emil schreibt:

    Ich bin froh, diesen – nein, ich weigere mich, das Fernsehen zu nennen – R(apid) T(elemedical) L(obotomy) Channel nicht betrachten zu müssen.

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  2. waswegmuss schreibt:

    Die Formel 1 war früher mal eine Liga von Gentlemen. In der Art von Polo oder Motorbootrennen. So etwas wo Mann unter sich ist; ja bis der Autoverkäufer Eccledings den Laden übernahm und zur Gelddruckmaschine umwandelte.
    Was hat das jetzt mit den Pickelbubis zu tun? Nun ja – sie müssen sich bekannterweise „hochfahren“. Formel 3*. Formel 3000. Dann vielleicht. Das Hochfahren hat aber einen schönen Nebeneffekt: Die Bubis mussten schon zeigen, dass Papi entweder Kohle hat oder Sponsoren beischaffen kann. Will sagen: Die meisten Fahrer zahlen für das Vergnügen hinterher fahren zu dürfen. Millionenbeträge. Es gibt nur eine gute Hand voll die Fahrergehälter bekommen.
    Außerdem ist die Formel 1 stinklangweilig. Kaum Überholmanöver. Die Kisten so empfindlich, dass sie bei einer Berührung schon auseinanderfallen und haben mit normalen Autos rein gar nichts mehr zu tun.
    Mein Renntipp: WEC und davon die 6 Stunden von Spa-Francorchamps. Das ist bezahlbarer Motorsport und Architekturerlebnis: Mann wundert sich, dass nach diesem lauten Gebrotzel**, das die Hosenbeine flattern lässt, die Tribünen überhaupt noch stehen. Da war ich aber auch von 20 Jahren das letzte Mal…..

    *Formel 3 kostet Papi und Mami 600.000 Eucken pro Saison. Ohne Spesen.
    **Das Gebrotzel ist der original Soundtrack zu dem Potrace von StarWars.

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    • pantoufle schreibt:

      Moin waswegmuss

      Es wäre natürlich vermessen zu behaupten, die guten, alten Zeiten hätten nichts mit Geld zu tun gehabt. Der Beruf Gentleman ist ja gerade die Berufsbezeichnung für jemanden, der ausreichend Geld besitzt, um sich voll dem Beruf des Gentleman zu widmen.
      Was natürlich nichts daran ändert, daß man dunnemals anders damit umgegangen ist.: Einmal um die Welt bitte oder mit klapprigen Doppeldeckern nach Australien, ein schnelles Boot oder Auto bauen – und sich damit gefälligst selber den Hals zu brechen.

      Wobei es natürlich auch vorkam, daß sich der Name eines Geldgebers mehr im Gedächtnis hielt als der des Piloten wie bei der Schneider-Trophy 1931. Die englische Regierung hatte kein Geld für die Rennerei übrig und Lady Lucy Houston sprang mit einer Spende von £100.000 ein. Es brachte die Trophäe endgültig nach England und Lady Houston in die Geschichtsbücher. Der Pilot hieß übrigens John Boothman. Ganz unabhängig davon, daß der verwendete Rolls-Royce -R die Basis für den Merlin bildete, den Motor, der England rettete.

      Ja, so jedenfalls! Das ist natürlich auch das Ding, dem ich hinterhertrauer. Die alten Zeiten, die alles andere als gut waren.

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      • lazarus09 schreibt:

        Die alten Zeiten, die alles andere als gut waren.

        …aber mein Lieber, ein besonderes Flair hatten;die Leute waren mehr „Originale“ selbst die Bullen waren nicht solche %$£“%&^%* wie heute , nicht ausgerüstet wie Paratrooper und irgendwo noch immer „Mensch“.

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        • pantoufle schreibt:

          Stil ist ja etwas, wofür man sich ein wenig Zeit nehmen muß und das man nicht kaufen kann. Exakt diese zwei Dinge sind sowas von unpopulär heutzutage…

          Von wegen, was nichts kostet, taugt auch nix.

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  3. Marten schreibt:

    Von Deinem alten Blog vermisse ich am meisten eben jenen Autorennen-Reloaded-Artikel, bei dem es noch um Benzin im Blut und Blut im Tank ging. Hat mich, ohne Scheiß, dazu motiviert, mit dem Sohnemann am Banjul-Challenge teilzunehmen, wenn der Kleine alt genug zum Sitzen und Kartelesen ist.

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    • pantoufle schreibt:

      Moin Marten

      Blog schreiben ist schon gelegentlich eigenartig. Zum einen, weil es offenbar einige Leute lesen. Zum anderen wenn gesagt wird, daß es etwas bewirkt. Hmmm… vielen Dank dafür.

      Die alten Artikel sind ja alle noch wieder da, nur daß es natürlich eine Zumutung ist, sich durch die knapp 600 Artikel zu scrollen. Tikerscherk hat sich auch schon beschwert und so habe ich jetzt erst mal unten rechts eine Schlagwort-Wolke eingerichtet. Ist noch ein wenig provisorisch, aber einige in Frage kommende Artikel sind jetzt mit »Benzin« getagged. Einfach mal ausprobieren – ich vermute, Du meintest den Gastartikel von Thelonious »Die großen Jungs – mögen sie ewig leben«. Wenn nicht, versuch es mit dem Schlagwort »Benzin«

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      • Joachim schreibt:

        Bloggen bewirkt etwas? Nöö Pantoufle, Kommunikation bewirkt etwas. Das ist ein Unterschied. Und das ist viel besser.

        Weil das hier funktioniert, lese ich hier. Und in der Tat suche ich mich ab und an dämlich nach älteren Einträgen, (wie gerade) eben den von Thelonious. Ich denke, man muss sowas einfach „Bookmarken“ oder gar „raubmörderkopierend“ speichern. Solche Dinge sind einfach viel zu wertvoll, um zu verschwinden.

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        • pantoufle schreibt:

          Moin Joachim

          Das stimmt natürlich. Wie der Rahmen »Kommunikation« im Netz aussehen sollte ist weiterhin offen. Hier ist es eben Blog, woanders Forum – Kneipe wäre mir auch recht.

          Ich muß einfach mal durch alle Artikel gehen und die sinnvoll taggen. Viel Lust dazu habe ich ehrlich gesagt nicht und im Moment auch nicht die Zeit. Zwischen Lehrgängen und Tourvorbereitung, geradeziehen des Haussegens und was dergleichen Pflichten mehr sind. Ich seh mal zu, was ich machen kann.

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      • Marten schreibt:

        Super, das mit dem Tag. Tatsächlich meinte ich allerdings den, auf diese Weise jetzt gefundenen https://edelfeda.wordpress.com/2014/03/28/und-nun-zum-sport-2/ und den von Thelonious daruntergesetzten Kommentar. Großartig zu lesen, das! Danke!

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  4. Stony schreibt:

    Ach wie freu ich mich schon auf die anstehende Saison! All die interessanten und schönen Menschen, Hightec am Rande der spontanen Selbstzerlegung, spannende Rennen mit ausgefuxtem Reglement, wo das kleinste Schräublein zur Staatsaffäre hochsterilisiert werden wird. Das Design der Kopfhauben verspricht einiges an Entertainment!

    À propos Entertainment: Tust du dir, pantoufle, das ganze wirklich bei RTL an? Tischkanten sind heuer doch so teuer – oder zimmerst du dir diese höchstselbst (mittels försterlichen Beistand)?
    Der Überträger meiner Wahl ist jener, der Alex „Schauschauschau“ Wurz als Sidekick beschäftigt. Das schont meine Nerven und ist, neben einiger Komik, auch geeigneter das Mobilar der eigentlich zugedachten Verwendung zuzuführen: Dem gesunden Nickerchen.

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    • pantoufle schreibt:

      Ne Stony – das tue ich mir überhaupt nicht mehr an. Letztes Jahr waren es, glaube ich, zwei Rennen, die ich halbwegs am Stück gesehen habe.

      *erst mal Teekochen. One milk, one sugar – milk first*

      Schon besser!
      Was wollte ich sagen? Ach ja: Formel 1 und ihre aus dem Zylinder gezogene Spannung. Irgendwer überholt, darf aber nicht. Oder will überholen und darf auch nicht. Pacecar, weil jemand seine leere Zigarettenpackung aus dem Fenster geworfen hat. Stundenlanges Gelaber, wer das Pacecar fährt, warum genau dieses (Modell von Mercedes – gips auch beim Händler Ihres Vertrauens!) und wann diesem Car das Benzin ausgeht. Streckenposten suchen Kran. Finden keinen. Abschleppwagen. Fahrer darf nicht mitfahren. Abschleppwagen könnte ja in die Punkte fahren. Da wäre Fahrer niemals hingekommen. Hubschrauber landet. Sucht jemand zum schrauben. Findet keinen. Hubschrauber ab.
      Streckenposten wedeln mit bunten Fahnen, die die Fahrer nicht sehen. Alle Fahrer auf die Strafbank – Pacecar ab. Hubschrauber und Pacecar weg genau wie die Flaggen. Fahrer fahren alle wieder in einer Linie. Kimi Räikkönen überholt jemanden der noch langsamer ist. Darf er aber nicht. Strafbank. Mercedes gewinnt.
      Wer konnte damit rechnen?

      Heiko Wasser läuft irrlichternd herum, landet bei Lotus und fragt, warum die Karre wieder nur zwei Runden durchgehalten hat. Fünf Mechaniker wollen ihm gleich aufs Maul, ein sechster rät zu warten bis die Kameras weg sind. Kameras weg, Wasser leider auch. Weil keiner von denen reden will, erklärt Niki »Keinohr« Lauda den Rennverlauf, den alle gerade eben gesehen haben. Alles wartet auf die Opelwerbung.
      Siegerehrung wird begleitet von Kommentaren, die darauf hinweisen, daß das auch wieder kein besonders spannendes Rennen war. Bierwerbung. Fahrbier vermutlich, so wie einige der Probanden heute wieder unterwegs waren.

      »Schalten Sie auch nächstes Mal wieder ein. Es gibt einen Citroen C5 zu gewinnen! Beantworten Sie einfach die Frage, wie der Weltmeister Hamilton mit Vornamen heißt. Oder für wen er fährt. Geht beides – Sie gewinnen sowieso nicht.«

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      • Stony schreibt:

        Hmmm, ich bin da komisch und weiß nicht recht woran es liegt. Circa die Hälfte der Rennen ’seh ich‘, d.h., sie laufen zumindest nebenbei, während ich schnarchend auf der Couch liege. Ich bleib auch schon mal bei Snooker, Curling oder Dart hängen – einzig Golf und Frauenfußball geht garnich. Nu ja, solange die Kasse mir keine Therapie bezahlen mag, muß ich da wohl durch… ;-D

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  5. lazarus09 schreibt:

    Och nee Ferseh Kommerz RTL Fuck one , wie hier schon zurecht gesagt , langweiliges Bullshit-Bingo was ich mir seit den 90′ gar nicht mehr antue .. gerne NASCAR auch Live wenn ich drüben bin , ansonsten Leutz Live event rules ..next here und here . Jetzt kommt aber erstma das –> stpatricksfestival.ie [ sonst werden es zu viel Links ..Hahaha ] mit den Jungs vom Club Ire .. * hicks * .

    also pantoufle weiter, live to ride live to party .. 😛

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  6. lazarus09 schreibt:

    lazarus09 schreibt:
    Dein Kommentar muss noch freigeschaltet werden.
    13. März 2015 um 13:34

    Ok ich sag’s : “ I’m a celebrity get me outta heeeeeeeeeeeeeeere !!! „

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    • pantoufle schreibt:

      MANN GOTTES!!! ICH WA MITTACHESSEN! EINE HALBE FUCKING STUNDE MIT OHNE HUND RAUSGEHEN!
      Und WordPress wollte nur meine Bestes: Du hättest hinter Deinen Links ja auch Viagra oder gebrauchte Formel1-Reifen anpreisen können 😀

      Motorsport? Hier gips Motorport!

      Fahr- und Fahrzeugtechnik, die begeistert.

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      • lazarus09 schreibt:

        Ja Alter [ ne Egal forte rüberreicht ] das seh‘ ich doch net von hier ..und nein Viagra dealen soweit is es noch nicht und mit gebrauchten F1 Reifen ist auch kein Staat zu machen denn haste Intermediates wollen sie Rillenreifen, haste die, wollen’se Slicks die’s aber nicht mehr gibt dann gefallen ihnen die Reifen nicht weil wegen der Mischung sind der Dinger ist so weich wie die Birne unserer Politmarionetten was man seinerzeit schön beim Guy d’Eau sehen konnte der hatte ja sogar den Graining-Effekt im Gesicht .. okay zum Thema

        ist das bei euch in der Nähe mit dem Stoppelfeldrennen? Brands Hatch ist nicht weit von uns ..Stündchen ,wenn man fährt was auf dem Schild steht Hahahaha
        Jo du da sollte man schon zu solchen Events gehen das ist was ganz anderes, Atmosphäre, Stimmung … mit den Leuten schwatzen und das Abendprogramm nicht zu vergessen 😉 ..wer braucht da die überteuerte Schickimicki F1 DTM WTCC BTCC

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        • lazarus09 schreibt:

          …sind die Dinger so weich .. so soll sich’s lesen Aiaiai

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        • pantoufle schreibt:

          Sowas haben wir hier vor der Haustür. Also Haustür + 10km. Also vor der Haustür. Bier, Marie-Louise, Karl, Bier, schnelle Wagen, keine Marshalls – dafür eine technische Abnahmekommission. »Vier Räder? Bügel zum aufmkopfliegen? Kein Glas (außer Bier)? Drei Häkchen und die Superlizens für diese Saison ist geritzt.

          Von wegen keine Überholmanöver! Davon gibt es so viele, daß man sich wundert, daß überhaupt noch jemand über die Ziellinie kommt. Na ja: Manchmal auch nicht.

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          • lazarus09 schreibt:

            Klingt nach ner Menge Spass .. biste da aktiv drin .. ? Ein Kumpel macht den Starter bei den Drag Racing Events Santa Pod ..hab auch ein paar Jungs mit Funny Cars und Bikes . Von 2-4 Apr. haben wir hier Irland Rally ,Circuit of Ire ..das wird auch gut 😉

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  7. waswegmuss schreibt:

    Something completly different. but also car: Gib mir mal einen Tipp – ich muss die Achsschenkellager tauschen und kriege die verrostlocktideten Torxschrauben nicht auf. So fest hatte ich noch nie.
    Sie baden bereits seit 4 Wochen in WT40. Nüscht. Notfalls Notlösung: Schlagschrauber mit guter Nuss und ballern bis sie sich zucken oder rundgelutscht sind.
    Andere Idee – Danke?

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    • lazarus09 schreibt:

      Von Snap on gibt es Spezial Ein/Aufsätze die auch in/auf runden Torx noch greifen .. ansonsten mit dem Brenner warm machen und ein paar beherzte Schläge… um welches Vehikel handelt sichs wenn ich fragen darf ..?

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    • lazarus09 schreibt:

      btw .. Ich weiss ja nicht wie du so ausgerüstet bist , falls du einen MIG/MAG oder TIG welder zur Hand hast dann schweiß‘ einfach ne olle Nuss drauf ..Baaaam done 😉

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      • pantoufle schreibt:

        Wollte ich auch gerade sagen. Geht am schnellsten.

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        • lazarus09 schreibt:

          Ja ..hat aber eben nicht jeder so rum stehen .. 😉 drum hab ich das auch so als Nachtrag ..aber trotzdem will ich nochmal was zu dem WT40 sagen ,das Zeug ist Schlagenöl was als Rost, Kontakt und Pflegemittel angepriesen wird aber absolut nix taugt ausser vielleicht wenn das Gartentor quietscht.. Ich benutze hier das Zeugs von Würth, Rost Off Plus, oder den von CRC . Alle gemeinsam haben, nur sprühen is nich .. erst mit der Drahtbürste vorarbeiten ..mit dem Hammer und „angemessenen“ Schlägen auf das Bauteil die Verbindung aufwecken. Erst dann besprühen und nochma kloppen .. ein paarmal wiederholen … dann klappt auch meist mit der Schraube von nebenan 😉

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      • waswegmuss schreibt:

        Draufschweißen klingt gut. Wird getestet.
        C5 heißt er und die Schwingarmlager sind eine Citroenkrankheit. Nur der Xantia hatte keine X-Beine..

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        • lazarus09 schreibt:

          Zitteröööön ? Hydractive Federung…? Ich hatt mal kurz einen DS SM in den 80′ .. HOOOoooOOLY MOOOLY neffer effer Zitterööön !!

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          • waswegmuss schreibt:

            Einen SM – wirklich einen SM?
            Boooah.
            Da hatten die Ingenieure von Cit noch richtig lustige Einfälle das gibt es seit mit PSA verbandelt sind leider nicht mehr.

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            • lazarus09 schreibt:

              Yep die 3.0 Variante mit einem Leerlauf als würde er 6er Muttern mahlen .. defektem Kurvenlicht und Druckspeicher die ihren Namen nicht mehr verdienten . Nachdem ich alles nach und nach repariert hatte ist der echt Klasse gefahren und der Spritverbrauch war für einen 3.0 Motor unvergleichlich niedrig ..zu der Zeit war der noch nicht so als „Wertanlage“ [ könnte ich kotzen wenn ich das in Verbindung mit Fahrbarem höre] entdeckt und ich hab ihn einem „Spinner“ [ wie ich einer bin ] aus Rödelheim verkauft [ wegen Kohle du wirst das kennen, und der Fuhrpark sonst zu gross wird 😉 ] Gleichzeitig hatte ich neben meinem AME Bock noch einen Opel Diplo B V8 den ich günstig gekauft hatte , aber das ist ne andere Story ..

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        • pantoufle schreibt:

          So tut das dann aussehen: Billigstnuß und Flamme. Eine Sache von 3 Minuten.
          Mein Autogen hat mit allem Pipapo 300€ bei einer Wohnungsauflösung gekostet. Schutzgas ist ja ganz schön, aber Flamme ist gelegentlich unbezahlbar.

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          • lazarus09 schreibt:

            Good job … du ,mit Flamme kann aber nicht jeder .. wir „Alten“ noch, geb‘ mal so einem Jüngelchen das Ding in die Hand.. Schwarzer Rauch geht 5x aus oder knallt ..Druckregler falsch ,Flammenkegel falsch .. alles falsch .. *peng* 😛 Schweißnaht Loch an Loch vielleicht hält’s doch oder nicht durchgeschweißt nach Links-Rechtsschweißen ..pffft Überkopf ..vergess’es.

            Wir schweißen hier auch Alu und dafür brauchst’e eben TIG …

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    • derda schreibt:

      WD40 ist zerstäubtes Petroleum. Kann man manchmal brauchen, speziell zur Reinigung und um Fett rauszuspülen. Aber rostlösend ist das Zeux nicht wirklich. Irkndwas mit Phosphorsäure ist besser.

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  8. lazarus09 schreibt:

    Öhm .. da man ja heute Breitaufgestellt™ sein muss ..Pfffthahaha mach ich ja auch schon seit Jahren Dehorning Crates ,Gatter etc. für die Landwirtschaft ..

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  9. lazarus09 schreibt:

    …. * hust* mehr als ein Link landet in der Warteschlange ..? Achso ..man beachte die Lasten-Zettel und Schablone an der Wand .. mein Irokesenmitarbeiter hat ganz gerne genaue Anweisungen ..so wegen Maßhaltigkeit falls der Zollstock mal einen schlechten Tag hat.

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    • pantoufle schreibt:

      So! Sonst glaubt mir ja hier eh keiner mehr. Buzzwords wie Herr Karl, Bersarin oder Debilwald und was der anderen Höchtsleistungsdenker mehr sind, kommen in Deinem Kommentar auch nicht vor… frag mich nicht! Zwei Links und das Scheißding sperrt.

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  10. Stony schreibt:

    @lazarus: gibt’s auch Nahaufnahmen von den Schweißnähten, damit ich mich mal gruseln kann? 😛

    *duck&wech*

    Nee, im Ernst: Vor Leuten die Rost, Schlamm u.ä. zusammenbruzeln können hab ich höchsten Respekt – ich kotz schon rum, wenn ich nicht ordentlich gestrahltes vor den Brenner bekomme. Und bei allem unter 2mm frag ich mich grundsätzlich, warum man da nicht mit Kleber oder Heißluftpistole… 😉

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    • lazarus09 schreibt:

      Hahaha gruselig sind manchmal die, mit denen man in freier Natur bei Regen Scharniere von Gattern zusammenbrätst .. die musste mit der Flex verschönern und fett Bleimennige drüberpinseln 😀

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      • Stony schreibt:

        Warum wartet ihr nicht einfach einen der beiden wind- & regenfreien Tage im Jahr ab? -scnr- 😀

        Boah, jetzt haste mir Bilder innen Kopp gezaubert; ganz böser Film. Hoffentlich sind die bis zur nächsten Ultraschallnaht wieder wech…

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  11. lazarus09 schreibt:

    Dass is ja echt fies uns die zweiTage noch mit Arbeit versauen zu wollen 😀

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  12. Thelonious schreibt:

    Kaum ist man mal ein paar Monate weg vom Netz, schon werden hier dutzende Artikel und hunderte Kommentare veröffentlicht. Pantoufles Schrottpresse bekennt sich durch gekonnte Anzeigenschaltung endlich offen zur Damenmode. Sehr schön. Die Themen mussten leider die gleichen bleiben. Das hatte ich in meiner medienfreien Zeit allerdings auch befürchtet.
    Drei Monate drehte sich die Welt vermeintlich weiter¬¬– nur ohne mich und Thelonious. Also ohne den Echten, den einzig Wahren dreht sie sich ja schon lange. Ich habe nur seinen Namen bekommen. Und als Kind habe ich ihn gehasst. Das war so wie Keffin-Maikl oder Jeanette-Madonna. Nur etwas anders. Aber genauso doof. Und dann die ganzen Klavierstunden. Entsetzlich. Erst viel später habe ich sie zu schätzen gelernt. Round Midnight oder gar der erste Teil des Kölner Konzerts von Keith Jarrett (die anderen Teile kann man vergessen. Viel zu kompliziert) oder Shostakovich. Bi big bag bo doong, bi big bag bo doong und die WG-Küche verwandelte sich in einen Sündenpfuhl. Ein Clichée. Der Mensch ist clichée-behaftet. Aber eigentlich ist eine klassische Gitarre besser als ein Klavier. Man kann sie überallhin mitnehmen.
    Ha, schon wieder fange ich an, zu schwafeln. Wobei ich die erotischen Auswirkungen verschiedener Instrumente sehr interessant finde. Schlagzeuger zum Beispiel. Sie haben echt die Arschkarte gezogen. Was sind die „Black Pages“ von Zappa gegen „Ich war noch niemals in New York“ von Udo Jürgens? Big bag bo dobo bong badong gegen zhwralt wizz whag zag weng brada boff. Schlagzeuger haben es echt schwer. Ein riesen Equipment mit null erotischem Potenzial.
    Der Klang des bespielten Klavieres
    Wirkt auf jede erregend wie Sekt,
    Und ihre geheimsten Gefühle
    Werden piano doch forte geweckt.
    Da hatte der olle Heesters recht und der Mann an den Rotos guckt in den Mond.
    Manchmal kommt meine Nachbarin vorbei und wir spielen zusammen Klavier. In der Küche. Im Wohnzimmer sitzen meine Frau und der Nachbar und gucken bös. Ich sehe es nicht. Aber ich weiß es. Er ist Schlagzeuger. Seinem Instrument fehlt der Kuschelfaktor. Das macht ihn fuchsig. Deswegen bemühe ich mich, besonders nett zu ihm zu sein. Und ich habe auch nichts mit seiner Frau. Das weiß er. Es stinkt ihm trotzdem. Oboe oder Fagott. Das wäre das Richtige für ihn. Oder eine Hammond-Orgel. Irgendetwas mit Melodie.
    Aber eigentlich geht es ja hier um Autos. Und um Rennen.
    Anfang des Jahres war ich bei der Rallye Dakar. Hach, wie aufregend! Wer jetzt an Freiheit und Abenteuer denkt, an verwegene Piloten, die weder Tod noch Teufel fürchten, den muss ich in enttäuschen. Davon habe ich nur wenig mitbekommen. Ich war Teil der Putzkolonne und berichtete über ihre Arbeit. Um es kurz zu machen. Wir standen morgens um drei auf, fuhren ein paar hundert Kilometer und bauten dann die Waschstraße auf. Damit die Sponsorenlogos an den Wagen am nächsten Tag wieder sauber und lesbar waren. Nachts gegen elf (mit Glück) bauten wir die Waschstraßen ab, verstauten sie im LKW. Noch kurz was essen, ein Bier und dann fielen wir wie tot in unsere Betten, um drei Stunden später aufzustehen, um zum nächsten Zielpunkt zu fahren. Das ging dreizehn lange Tage so.
    Vor ein paar Jahren habe ich mir mal mit ein paar Freunden eine Rallye angeschaut. Ein Zeitfahren durch die Weinberge der Gegend. Eine lustige Veranstaltung. Im Ziel konnte man mit den Fahrern plaudern, ein paar Bierchen trinken und natürlich ließ sich die Winzergenossenschaft nicht lumpen und lud zur Weinprobe. Ein angenehmer Samstag an dessen Ende wir ziemlich beduselt waren und uns abholen ließen, um dann zuhause weiter zu trinken.
    Das war für mich Rallye-Sport und das hat mit der Dakar überhaupt nichts zu tun. Die Dakar ist ein Millionengeschäft und wenn es um so viel Geld geht, ist ganz schnell Schluss mit lustig. Eine völlig absurde Veranstaltung und eine logistische Meisterleistung. Mitten in der Nacht macht sich eine ganze Kleinstadt auf den Weg und fährt ein Rennen im Rennen. Die Caterer gegen die Autowascher, dazwischen die mobilen Werkstätten. Die Tieflader haben keine Chance und fahren außer Konkurrenz. Das ist die LKW-Sektion. Und dann gibt es noch die Sprinter und Kleinbusse, die das Personal zum nächsten Zielpunkt fahren. Die Luxus-SUVs der Offiziellen und der VIP-Gäste. Nicht zu vergessen die normalen SUVs der Journalisten und des gehobenen Personals. Sie alle donnern durch das Dunkel. Denn die Uhr tickt. Pünktlichkeit ist alles. Für mich bekommen in dieser rasenden Karawane die Dämonen des Kapitalismus Gestalt. One for the money two for the show. Wer nicht schnell genug Platz macht, wird überrollt. Die Tiersterblichkeit am Rande der Strecke ist Nacht für Nacht sehr hoch. Kühe sind ein Ärgernis, denn sie können trotz Schutzgitter großen Schaden anrichten. Schafe, Hunde, Lamas oder Rehe sind kein Grund zu bremsen. Die westlich Welt verschafft sich mit ihren kuhfängerbewehrten allradgetriebenen 400-PS-Kolossen den nötigen Platz. Zurück bleibt nur ein Fleck auf der Straße.
    Personenschäden werden nur deshalb tunlichst vermieden, weil es dann Ärger mit den Behörden gibt. Es gibt sie trotzdem. Davon wird man jedoch nicht viel lesen. Ein toter Rennfahrer ist weltweit eine Schlagzeile wert. Ein toter Zuschauer ebenfalls. Ein vom Tross überrollter Mann wird totgeschwiegen. Er ist kein Teil des Events. Nur ein Kollateralschaden. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Pech gehabt.
    Ich fahre in einem 12-Tonner mit, nicht wie die Kollegen von der Agentur in einem Kleinbus. Ich habe so lange gequengelt, bis mir die Verantwortlichen einen Platz in einem der LKW verschafften. Die beiden Fahrer geben mir am Anfang deutlich zu verstehen, dass ich in etwa so erwünscht bin wie ein Schnitzel im Veganerrestaurant. Ich störe. Bin unnötiger Ballast. Ein Werbefuzzie. Ich kann es ihnen nicht verdenken. Sie sind gestandene Trucker. Ehemalige Rennfahrer und ein eingespieltes Team. Der eine Deutscher, der andere Däne. Seit fünf Jahren arbeiten sie zusammen. Die Dakar, Monte Carlo, Mexico, Neuseeland, Südafrika. Ihr Auftrag ist immer der gleiche. Die mobile Waschstraße möglichst schnell von Ort A nach Ort B zu bringen, wo die nächste Etappe endet.
    Ein echter Knochenjob. Trotz Klimaanlage, Allrad und orthopädischen Sitzen. Die beiden sind Rennfahrer, Mechaniker, Spediteure und Monteure in Personalunion. Verglichen mit ihren Kollegen, die mit ihren 40-Tonnern die Autobahnen befahren, sind sie hoch bezahlte Spezialisten. In der Event-Maschinerie sind sie jedoch nur unscheinbare Rädchen. Beinahe unsichtbar. Den Ruhm ernten andere. „Bessere“, sagt Niels der Däne. Er fuhr früher Truck Grand Prix. Zur großen Rennfahrerkarriere hat es eben nicht gereicht. Die anderen waren im entscheidenden Augenblick ein bisschen schneller oder cleverer. „Pech?“ „War auch ein bisschen dabei.“ Manchmal können ein paar tausend Euro eines Sponsors über die Karriere entscheiden. Etwas mehr PS oder eine bessere Aerodynamik hätten vielleicht die nötigen Zehntelsekunden gebracht. „Passt schon“, meint er. Mit den Spitzenfahrern im Feld könne er ja doch nicht mithalten.
    Über 9000 Kilometer werden wir in den kommenden 13 Tagen herunterreißen. Durch Bolivien, Argentinien und Chile. Durch das Hochgebirge, den Dschungel und die Wüste. Fünf Grad Minus und 35 Grad Plus in zwei Tagen. Von 4000 Metern Höhe auf den Meeresspiegel und wieder zurück. Und im Hintergrund tickt die Uhr. Tic, tac. Nur nicht zu spät kommen. Zehn, zwölf manchmal auch vierzehn Stunden fahren wir durch wunderliche Landschaften. Schmale Andenpässe mit unbefestigten Straßen. Links geht es ein paar hundert Meter steil hinunter. An einigen Kurven stehen Holzkreuze und manchmal, wenn es schon Tag ist, kann man auch das Wrack zum Kreuz in der Schlucht entdecken. Wir haben keinen Blick dafür. Nur pünktlich sein. Die Uhr tickt. Tic, tac. Das altersschwache Pick-Up vor uns hält uns auf. Da hilft kein Hupen. Es kann nicht ausweichen und überholen wäre zu gefährlich. Über Funk und Handy erfahren wir den Vorsprung zum Fahrerfeld. Und der schmilzt kontinuierlich. Die Aggression steigt. An einer Stelle scheint die Straße ein wenig breiter zu sein und Niels setzt tatsächlich zum überholen an. Der Pick-up wird gegen den Fels gedrängt. Ich schaue aus dem linken Seitenfenster und sehe direkt in den Abgrund. Da ist keine Straße mehr. Na prima, jetzt ist mir schlecht. Wir ziehen vorbei. Der Pick-up-Fahrer hupt uns hinterher.
    Das Manöver war auch dringend nötig, denn der LKW und das Aufbauteam sollten drei Stunden Vorlauf haben, um aufzubauen. Da müssen die Generatoren installiert und die Leitungen gelegt werden. Zum Schluss noch die Pumpen testen. Dann schlafen. Ein paar Stunden später wieder aufstehen. Abmontieren, aufladen. Wieder schlafen und dann geht es weiter.
    Gerne würde ich mich nützlich machen, aber eigentlich reicht es schon, wenn ich nicht im Weg herumstehe. Schließlich finden die beiden Fahrer doch noch eine Aufgabe für mich. Ich darf den LKW mit dem Hochdruckreiniger sauber machen. Das kann eine recht ekelhafte Angelegenheit sein, wenn sich ein Tierkadaver im Kuhfänger verklemmt hat. Solche Bilder machen sich nicht gut im Hochglanzprospekt meines Auftraggebers. Den halben Tag sind wir über eine betonharte Schotterpiste gerast. Von dem Hirsch oder Reh ist nicht mehr wirklich viel übrig. Aber die Reste wirken überaus unappetitlich. Und natürlich stelle ich mich so dämlich an, dass mir die Gedärme um die Ohren fliegen. Aber das erzähle ich niemandem.
    Die Orte, die ich besuche tragen klangvolle Namen. Buenos Aires, Cordóba, Iquique, San Pedro de Atacama, Santa Fé. Sie könnten jedoch auch Breitenau, Holzhausen oder Hintertupfingen heißen. Ich sehe eh nichts von ihnen. Vielleicht hätte ich doch mit den anderen im Kleinbus fahren sollen. Sie haben ein touristisches Rahmenprogramm und stoßen nur in unregelmäßigen Abständen zur Rallye. Aber wenn ich das jetzt sage, dann bin ich unten durch. Jetzt, wo sie mich akzeptieren. Jetzt, wo die Fahrer, Monteure und Autowascher in unserer spärlichen Freizeit anfangen, zu erzählen.
    Die Wascher sind zumeist Brasilianer und Kolumbianer. Angestellte meines Auftraggebers, der in den beiden Ländern Werke hat. Zumindest mit den Kolumbianern kann ich mich verständigen. Sie erzählen von ihrer Arbeit, von ihren Familien. Keine großen Geschichten. Aber mir geben sie den Einblick, den die anderen in ihrem Bus mit ihren Fremdenführern nicht bekommen. Fotos werden gezeigt. „Eine hübsche Frau hast du.“ „Dein Sohn spielt Fußball? Toll.“ Ich habe keine Fotos dabei. „Das geht doch nicht. Du musst deine Familie immer bei dir haben. Familie ist wichtig“ „Ich trage meine Familie in meinem Herzen.“ Das freut meine Gesprächspartner und das mit den Fotos ist dann gar nicht mehr schlimm.
    Nein, ich werde nicht in den Bus wechseln. Ich bleibe hier. In dieser unwirklichen Blase, die durch den halben Kontinent rollt und sich doch nur um sich selbst dreht. Ich werde weiter Kadaver vom Laster kratzen, helfen, Reifen zu wechseln und eine gebrochene Feder wechseln. Ich werde fluchen, schwitzen und stöhnen und immer wieder auf die Uhr schauen. Auf der letzten Etappe werde ich verbotenerweise für ein paar Kilometer auch den LKW fahren. Auf einer Art Schnellstraße. Da kann nichts passieren. Wir sind auch nicht mehr vonnöten. Im Ziel ist schon alles aufgebaut. Ich werde rasen, wie die letzte Wildsau und Bernd und Niels werden grinsend sagen. „Das muss schneller gehen.“
    Auf der Etappe nach San Pedro erreicht mich die Nachricht, dass Sohn 1 einen Autounfall hatte. Glück hat er gehabt. Ein Schlüsselbeinbruch und ein paar angeknackste Rippen. Aber die Krawallschachtel ist hinüber. Meinen Granada hat er zerlegt. Um das Maß voll zu machen, werden mir an diesem Tag auch noch Laptop und Kamera geklaut. Da ist es doch, das touristische Erlebnis. Da werde ich zuhause etwas zu erzählen haben. So ist er, der Chilene. Schaut, schaut.
    Am 17. Januar ist alles vorbei. Wir sind wieder in Buenos Aires. Ich warte die Siegerehrung gar nicht ab. Ich will nur noch ins Hotel. Duschen und pennen. Am nächsten Tag geht es weiter. Nach Kolumbien. Ich soll im Auftrag des Unternehmens über eine Pflanzenkläranlage berichten. Die lassen mich ordentlich rabotten für die Flugkosten.
    Anfang Februar bin ich wieder zuhause. Ich habe noch ein paar Tage Urlaub hinten dran gehängt. Sohn 1 ist ordentlich beschämt. Das gehört sich so. Und ich fahre seither den Twingo meiner Mutter, weil meine Frau den Audi nicht herausrückt. Nächste Woche schaue ich mir in München einen gut erhaltenen Gebrauchtwagen an. 4,2 Liter V8. Das hat sie jetzt davon. Aber den Ärger werde ich kriegen. 🙂

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    • pantoufle schreibt:

      Ja, soll ich da noch mal Korrektur lesen bevor ich… oder machst das selber? Präsenzgeschichten finde ich ja eh gut!

      Ach Mönsch: Ich hatte Dich schon ehrlich vermisst; nicht, daß Dir was passiert ist oder ich nur noch Müll schreibe. Und dann auch gleich mit Abenteuer. 4.2l V8. Hmmm… w126 natürlich, Lexus, XK 4.2. Hatte Audi nicht auch was in der Größe?

      Hier stand die Zeit, wie Du schon gesehen hast, still. Auch die Themen werden nicht ausgesucht, sondern drängeln sich einem auf und behaupten eine Wahrnehmung zu sein. Du hast leicht schreiben, wenn man direkt aus dem Abenteuer kommt und sich den Modder der Antilope noch vom Ärmel wischt, während der Rechner hochläuft. Auch wenn Du mit den Schlagzeugern nicht ganz recht hast: Alle Musiker sind zur Party eingeladen – der Bassist darf auch kommen. Zwar spielt auch er ein penisähnliches Instrument, aber niemand weiß genau was er eigentlich darauf macht. Erst wenn er mit Grippe im Bett liegt.
      Unterschätze niemals das erotische Potential eines Drummers, wenn er denn so richtig um sich haut – shades of grey und so. Auch wenn er diesen urwüchsigen, animalischen Zug beim Ausüben der Hausmusik selten zum Vortag bringen kann; schlimmer noch, es handelt sich um einen Jazz-Drummer. Jazz! (Mitlesendem Weibsvolk sei an dieser Stelle ausdrücklich nahegelegt, ihren ganz persönlichen Gefühlen Ausdruck zu verleihen).
      … Was natürlich an der Feststellung nichts ändert, daß Klavierspieler ziemlich weit oben rangieren. Und sei es nur wegen ihrer gelegentlich nützlichen Notenkenntnisse.

      Wie gut, daß dem Sohn1 nichts passiert ist; schade um den Granada! Ja, jetzt heißt es fleißig Zeitungen austragen und am Wochenende in der Kneipe seines Vertrauens den Tresen bedienen. Das Schweißgerät entstaubt und den Rostumwandler warmgestellt. So ein neues Auto hat ja auch was schönes. Aber wie gesagt: Es ist ihm nicht passiert; der Rest ist ein Auto – keine Kathedrale.

      Immerhin hält sich mein Neid auf Dich in Grenzen. Nicht in engen, aber Grenzen. Rallye Dakar ist natürlich fast unschlagbar, aber eben nur fast. Nächsten Monat geht’s auch bei mir weiter – wenn auch nur durch Europa – aber immerhin weiter. Neue Firma, neues Glück und die alten Kunden.
      Gut, mal wieder was von Dir zu hören; die Kollegen waren gelegentlich vermutlich schon verzweifelt, weil sie mich alleine bespaßen mußten. Haben sie aber ausgezeichnet getan 🙂

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      • Thelonious schreibt:

        Das mit der Korrektur mach mal schön selber. Mein PC weigert sich, zu starten und ich sitze ím Moment an einem Laptop mit dänischen Tastatur. Da bin ich schon froh, wenn ich drei Worte hintereinander unfallfrei hinbekomme. Und vergess mir die Absätze nicht. 🙂

        Wenn er es denn wird, wird er ein Audi sein. Der W126 war auch kurz in der Verlosung. Aber ich brauche einen Kombi denn ich sattle um. Auf Landwirt. Deswegen ein A6 Avant quattro mit Anhängerkupplung. Schlappe 250.000 auf dem Tacho. Querlenker sind gewechselt. Also kein Problem. Neuen Zahnriemen draufgeknallt, eine kleine Reparatur an der Niveauregulierung und das Ding ist wie neu.

        Ich habe einen kleinen Weinberg und eine Streuobstwiese geerbt und deshalb brauche ich ein landwirtschaftsfähiges Fahrzeug. Allrad und dann auch noch Gasumbau. Das hält die Kosten niedrig und damit meine Profite hoch. Ich bin mir sicher, dass ich mit dieser Investition den Grundstein zu einem Wein- und Obstimperium legen werde. Ich denke schon ernsthaft darüber nach, ob ich lieber Steinbrück oder Niebel als Cheflobbyisten verpflichten soll. Oder vielleicht den Guttenberg. Der ist jung und braucht das Geld.

        Dann werden die Lebensmittelkonzerne vor meiner Tür Schlange stehen. Aber zuerst muss ich noch lernen, wie man Reben und Obstbäume richtig stutzt. Ich habe mir ein Buch besorgt und wenn das nicht hilft – youtube. Da gibt es sicher Anleitungen.

        Das mit dem Schlagzeuger. Natürlich, daran habe ich gar nicht gedacht. Muskelbepackte schwitzende Oberarme. Im Saal macht sich das gut. Aber nicht im heimischen Wohnzimmer. Bassisten sind da wirklich ärmer dran. Sie können sich in den Bühnenboden bohren vor Ekstase und bleiben trotzdem Bassisten. Die Menschen mit den zwei Saiten zu wenig. Das ist hart. Aber auch für sie gibt es Trost. Zweiter Bratschist in einem Symphonieorchester. Das muss die Hölle sein.

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      • pantoufle schreibt:

        Hi Thelonious

        Hab Dich schon vor einer halben Stunde gesehen, mußte aber erst meine Wut über Gabriel loswerden. So ein ██ █ ███ ███████████ [Kein persönlichen Beleidigungen, keine Waffen, keine Attentatsvorschläge! Der Säzzer]

        Ein Obstimperium! Mann, das ist endlich die Idee zum Reichtum ohne Limit! Daß ich da nicht selber drauf gekommen bin. Aber jetzt bist Du ja da und beherrscht den Markt. Daß ich aber auch immer zu spät komme! Äpfel werden immer gegessen – selbst in der schlimmsten Not – wie auch gesoffen. Und wo Wein ist, da ist auch Trester und wo Trester ist, gips Grappa! Da müssen die Äpfel erst mal gar nicht sooo gut sein, wenn man sie gleich doppelt sieht.
        Bevor ich mir allerdings den Niebel ans Bein binden würde, sollte man erst einmal über Erntehelfer und so nachdenken. Am besten aus einem Land, in dem das Wort »Mindestlohn« einem Tabu unterliegt. Russland? Jetzt, wo Du Kapitalist bist, solltest Du das mit der Moral nicht so eng sehen. Sonst bist bald keiner mehr und das würde ich sehr bedauern. Wo könnte ich mich sonst zur Weinprobe einladen lassen?

        Hoffentlich war das Lehrbuch nicht zu teuer. Youtube ist klar die bessere Alternative. Bilder lügen nicht. Und wer wüßte nicht besser als wir wie ausgezeichnet man an der Tastatur lügen kann. Auch auf einer Dånischen. Bilder dagegen… Da blüht es schon, während noch der Pflug in der Scheune rostet.

        »Bratschenspieler sind meist gescheiterte Violinisten. Nur die wenigsten haben sich für die Bratsche entschieden, weil sie das Instrument lieben – sie sind dazu degradiert worden. Meist geschieht es bereits in der Grundschule (für das Kind ist die Bratsche ein harter Brocken – sie verdirbt die Haltung) Wer in der Violinenklasse versagt, wird ins Bratschenland verdammt«

        Frank Zappa, i am the american dream

        Der Altmeister gibt Dir recht 😀

        Jedenfalls freue ich mich ehrlich für Dich und wenn sich auch noch ein passender Lobbyist findet, steht dem geruhsamen Lebensabend eigentlich nichts mehr im Wege. Guttenberg. Guttenberg erscheint mir als erstklassige Wahl. Der Adelstitel ist so weit bekannt echt und wer braucht schon einen Doktor? Fürstliches Gemüse Obst. Du könntest eine Apfelsorte nach ihm benennen. Oder einen Wurm.
        Aber ich will nicht vorausgreifen: Sicherlich liest Du gerade Dein Buch und die Telephone klingeln wie blöde, wann Du endlich liefern kannst. Du siehst mich beeindruckt und ergriffen. Ein wenig neidisch auch, weil im schlimmsten Fall kann man ja auch Kartoffeln anbauen und Hafer fürs Pferd. Ein Schwein, ein Rind, ein bollernder Ofen und ein Apfel in der Bratröhre. Spitzweg, sach ich nur, Spitzweg!

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  13. Thelonious schreibt:

    So, noch ein kurzes Update. Der V8 hat das Rennen verloren. Ein Einfüllstutzen unterhalb der Stoßstange. Ich will beim tanken doch nicht im Dreck rumkriechen. Und dann noch einige Steuergeräte der Gasanlage, die völlig unbefestigt und unmotiviert im Motorraum lagen. Ein ständiges Absaufen im Leerlauf bei Gasbetrieb und ja nicht über 4000 Umdrehungen, dann ging die Motorkontrollleuchte an. „Das war schon immer so. Gas darf man nicht Vollgas fahren.“ Doch, das geht, aber nicht mit diesem Haufen Schrott.

    Don’t call us. We call you.

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    • pantoufle schreibt:

      Ich habe mir sagen lassen, daß man Pferden in solchen Fällen den Gnadenschuß gibt. Aber das Leiden von Maschinen hat ja bekanntlich nicht den selben Stellenwert, obwohl das in diesem Falle durchaus angebracht wäre.
      Oberhalb von 4000? Kurbelwellenlager. Oder Ölpumpe oder beides. Und vermutlich noch ein paar Kleinigkeiten. Bei dem Überangebot an Gebrauchtwagen sollte man lieber etwas mehr ausgeben und sich damit Wochen in der Werkstatt ersparen. Jedenfalls in der Theorie – in der Praxis halte ich mich auch nicht immer daran.

      Und was jetzt? Schon was im Auge?

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