Sonnabend Morgen

Seit Jutta ihr Baby bekommen hatte, ging er nicht mehr gerne am Spielplatz vorbei. Allein dieses Wort! Spielplatz! Die Stadtverwaltung hatte jemanden gefragt, der das kann. Einen Spielplatz einrichten. Der Mann hatte einen Titel von irgend einer Universität in Kinderspielplatzarchitektur und sagte, Kinder würden am liebsten schaukeln. Oder mit einem karussellähnlichem Ding im Kreis herumgedreht werden. Und damit alle was davon haben, wurde dieses Gerät grundsätzlich ab Werk mit ausgeschlagenen Lagern ausgeliefert die zudem bei der kleinsten Luftfeuchtigkeit sofort verrosteten. Man hätte einen Elefanten gebraucht, um es zu bewegen, hatte aber nur Väter. »Mami! Will Karussell!« »Frag Papi«. Nicht nur deswegen mied er diesen Platz. Ein Gestell mit groben Netzen gab es auch, aber die Kinder durften daran nicht klettern. Zu leicht könnten sie sich damit strangulieren oder hinunterfallen. Lieber mit Schäufelchen nach Hundehaufen suchen. Sand gab es jedenfalls genug.

Er hätte sich statt dessen lieber mit ein paar Freunden getroffen, aber niemanden gewußt, den man hätte anrufen können. Nachdem Jutta schwanger geworden war, waren die Freunde weg. Schwangerschaft ist eine ansteckende Krankheit wie die Aids oder Läuse. Es macht einsam. Man saß abends zu zweit im Wohnzimmer, er durfte dann immer den Bauch von Jutta streicheln und sich auf das Baby freuen. Jutta war viel bei Ärzten und einer von ihnen hatte ihr gesagt: «Frau Jutta: Es wird ein Baby und Sie müssen sich einen Namen ausdenken!«

Er hatte kurz über die Anschaffung eines Hundes nachgedacht. »Bist Du denn übergeschnappt! Wenn der das Kind…« Da hatte er aufgehört zu denken und sich statt dessen einen Babynamen überlegt.
Das Kind! Und die Freunde waren wie gesagt auch alle von einer Sekunde auf die andere unsichtbar geworden. Bis auf ein, zwei, die selber ein Baby hatten. Das waren die, denen man nach Bekanntwerden deren Schwangerschaft automatisch aus dem Weg gegangen war. Die, die ihr Frühstück mit den anderen Babyhaltern im »Regenbogen« vom Buffett aßen. Das Café Regenbogen hatte vier Parkplätze mit dem Hinweis »Mütterparkplatz«, man konnte mindenstens 12 Fahrräder mit Kindersitz abstellen und immer noch die Eingangstür öffnen. Hunde mußten leider draußen bleiben.

Ein kinderfreundlicher Ort, obwohl der Mensch grundsätzlich nicht dafür gedacht ist, die erste und wichtigste Mahlzeit des Tages inmitten stinkender, brüllender Mäuler, aus denen Brei tropft, einzunehmen. Es gab keinen Alkohol (warum eigentlich nicht?), es durfte nicht geraucht werden und es herrschte Zensur. Baby ist heilig. Jessika war niedlich, Kevin lächelte und Britta krabbelte ungesteuert der Bedienung vor die Füße, woraufhin die stolperte und das übervolle Tablett auf das Sofa schmiß. Das lag schon voll mit Windeln, Tüchern, Handtaschen, Decken, Schals, Vorhänge, Büchern (»ayurvedische Aufzucht« und so etwas). Und jetzt kam noch entkoffeinierter Kaffee, Früchtetee, laktosefreie Milch, entzuckerter Zucker und weich gekochte Eier aus kontrolliertem Anbau dazu.

»Können Sie denn nicht aufpassen?« Darin waren sich alle Mütter einig, wenigstens dieses eine Mal. Diese Bedienung…! Baby Britta schrie wie aufs Rad geflochten, weil die Kellnerin – die man weder am nächsten Tag noch auf den darauf folgenden wiedersah – auf ihre kleine Hand getreten war. Aber nur etwas und auch nur, um nicht den vollgepackten Tisch umzureißen. »Lassen Sie mich durch – ich bin Mutter!« Dann doch lieber Spielplatz und sei es nur wegen der weniger aggressiven Akustik.
Alle anderen Babys wollten natürlich auch gleich auf die Hand getreten werden. Wegen der Aufmerksamkeit, der zuckerfreien Waffel, die man dann bekam und überhaupt. Auf dem Spielplatz dagegen konnte man kaum mehr als die Wippe an den Kopf geknallt bekommen. Die Sympathien der Babys lag klar auf Seiten des Regenbogens. Wenn das der promovierte Kinderspielplatzarchitekt gesehen hätte: Man hätte Lehrpläne an der Universität für Spielplatzgestaltung zu lustigen kleinen Schiffchen oder Hüten gefaltet und an die Babys verteilt.

Jutta war gerne hier. Er selber natürlich auch wenn er mitkommen durfte, was zum Glück nicht immer der Fall war. Nun sah er zu, wie Baby Jessika ganz alleine den Weg zum Sofa fand, weil die Mehrzahl der Babybesitzer mit Baby Britta beschäftigt waren. Der Windelpopo drückte das verschüttete Joghurt tief in die Polster, während Britta ökologisch einwandfreie Ostereier versteckte. Vor der großen Fensterscheibe stand Hand in Hand ein junges Pärchen, das leicht angeekelt ins Café schaute. Auf der anderen Straßenseite leuchtete das Bierlokal »zum kleinen Eck« .
Dort gibt es sicherlich keine säugenden Brüste, leicht zu entblößen durch schlabberige Kleider oder hochgekrempelte Pullover. Nur den Busen von Marlene, der Wirtin. Mühsam unter Kontrolle gebracht und ausbruchgefährdet wenn sie über dem Tresen hängt. In der einen Hand eine Camel-Light, in der anderen ein Glas Sekt, das ihr ein früher Gast spendiert hatte. Brüste und ein sorgfältig angemalter Mund. Die Haare macht sie später, das braucht man nicht am Sonnabendmorgen um diese Uhrzeit. Helene Fischer und das Klingeln des Glücksspielautomaten. Das »Stimmt so!« kommentiert sie auf die Ellenbogen gestützt mit einem Lächeln und einem »bis später!«
Sie schließt erst mal wieder wenn das Kaffee Regenbogen die letzten Babys ausspeit, die Kinderwagen wieder aufgeklappt und die verhakten Fahrräder auseinandergezerrt werden.
Das sieht sich Marlene gerne an. Sie selber hat ja nie und wenn sie sich jetzt selber noch einen Piccolo spendiert, weiß sie auch warum.

Außerdem reicht das »kleine Eck« mal gerade so für sie selber. Um sechs Abends macht sie dann auch wieder auf. Dann aber mit Frisur. Sieht ja doch besser aus. Auch wenn ihr die Kerls nur auf die Brüste sehen oder den roten Mund oder die vollen Hüften. Erotik ist schon was eigenartiges. Aber darüber denkt Marlene eigentlich schon lange nicht mehr nach. Kinder kriegen ist sowieso nicht mehr. Schnipp Schnapp. Das mußte sie zwar aus eigener Tasche bezahlen, ist aber auch schon Jahre her. Sie war es einfach leid gewesen und auch als dann Hans-Peter weg war… danach hat sie das »Eck« übernommen und da ist es sowieso praktischer.

Jutta will jetzt auch mal wieder gehen. Noch etwas auf den Spielplatz, dann nach Hause. Wenn das Baby dann die Brust bekommt, ist es müde und schläft für eine gute Stunde. Hoffentlich. Ihre Brüste haben sich auch verändert. Natürlich nicht so wie die von Marlene, aber das geht ja nach der Schwangerschaft irgendwann zurück, sagt man. Heute Abend ist Treffen von der Schwangerschaftsgruppe.
Schwanger sind sie natürlich nicht mehr, aber sie treffen sich noch regelmäßig. Weil man ja sonst kaum noch Freunde hat. Und wer weiß? Vielleicht will man ja auch noch mal ein zweites haben.

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52 Antworten zu Sonnabend Morgen

  1. Publicviewer schreibt:

    Wie oft schrieb ich schon in meinem Leben, welch ein Glück ich hatte, das der Kelch an mir vorüber gegangen ist.

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  2. Der Emil schreibt:

    Oh oh. Damals ™ in der DDR gab es zum Glück dieses ganze Theater noch nicht, und auch 1995 war in dem Dorf noch nichts davon zu sehen.

    Niemals würde ich so ein Leben führen wollen als Vater eines Kindes einer Ökotussenmutti.

    Grüß Marlene bei Gelegenheit, ich muß mal wieder hin 😉

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  3. lazarus09 schreibt:

    Malte, Sören, Annika, Lars und Inga sind halt richtige verhätschelte nach neuesten ökologischen und Kinderpsychologischen Erkenntnissen gehaltene Luxusobjekte bzw Zierfische deren Erzeuger brav jeder pseudowissenschaftlichen Untersuchung ,Werbung und Trends nachlaufen .

    Ich bin ein Rabenvater .. meine Plagen wurden nach der traditionsreichen Methode des bäuerlichen hessischen Kartoffeladels der späten 50′ behandelt wie ihr Erzeuger und dessen Vater und dessen Väter und Väter-Väter und deren Väter-Väter-Väter-Väter [ wer’s genauer braucht soll sich melden 😛 ]

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  4. lazarus09 schreibt:

    Scheiße da fällt mir der von Rüdiger Hoffmann ein .. Muhahaha

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  5. pantoufle schreibt:

    Moin alle zusammen.

    Hab mir gestern Abend zusammen mit einem guten Freund den Schädel abgeschraubt und verbringe den heutigen Sonntag auf dem Sofa, um mich daran zu erinnern.
    Deswegen in aller Kürze.
    @Emil Die Definition Ökotussis trifft es eigentlich nicht – das war früher mal. Wie Lazarus das definiert, ist meiner Meinung nach dichter dran.
    Diese Neuauflage des Biedermeiers muß das Verbot von gesellschaftlichen Gestaltungsmöglichkeiten in irgend einer Form kompensieren. Es ist das Credo des einundzwanzigsten Jahrhunderts, daß jede Meinung zwar gleich viel wert ist – gleich ob von einem Idioten oder Nobelpreisträger – aber ihre Äußerung keinerlei gesellschaftlichen Auswirkungen mehr hat. Das führt offenbar zu einer Erhöhung des privaten und einen sich selbst fütternden Terror der angeblich Vernünftigen. Die Gesellschaft als Sekte. Ist mir gerade zu kompliziert.
    Das hat natürlich auch seine humoristischen Seiten, wenn das Schlagen von Kindern – auch in würdevoller Absicht – verboten ist und gleichzeitig Sado-Maso-Filmchen zu Kassenschlagern werden. Wenigstens die Mutti bekommt heute Nacht Schläge im Hobby-Keller. Ist das Kompensation?

    Was mir beim Schreiben auffiel, ist, daß auffallend viele Dinge nur noch zusammen mit Adjektiven erscheinen. Unbemerkt hat das weißeste Weiß eines weißen Riesen Einzug in die Umgangssprache gehalten. Eier sind ökologisch oder freilaufen, aber niemals nur Eier. So wenig wie man auf eine Tüte mit Rosinen und Körnern nicht »Müsli«, sondern eine verklausulierte Botschaft draufschreibt. Der Kiezneurotiker hat in einem seiner Texte ein bemerkenswertes Beispiel dafür gefunden, wie weit sich die Botschaft vom Produkt lösen kann, ohne daß jemand laut weint.

    Das Café Regenbogen ist eine der Kathedralen dieser adjektivierung der Alltagssprache. Immerhin geht es da um so elementare Dinge wie Brut, Aufzucht und Pflege des Nachwuchses, wobei die Produkte (also der Nachwuchs) dort gegeneinander antreten müssen wie Dragster auf der Viertelmeile. Eine Leistungsschau, kein Ort der Sozialisation. Das »Regenbogen« ist keine Dorflinde, sondern ein Geschäft, das Tuning-Präparate verkauft. Eines von vielen.

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  6. pantoufle schreibt:

    Langsam geht’s wieder. Konterbier. War ein ziemlich netter Abend. Nacht. Morgen.

    Ein weiteres Buch lag im »Regenbogen« auch auf dem Sofa. Hab ich glatt übersehen.

    Baby Britta ist natürlich nicht geimpft, sondern gemalt. Oder hat gerade Durchfall (Babys haben immer Durchfall). Dann schnell einen Scancode an die Backe, die Windel gewechselt und…

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    • lazarus09 schreibt:

      Hahahaha morning surprise surprise .. zurück zum Thema, Kind ist ja schon wieder durch ..viiiieeeeeel zu teuer und machen so unfrei. Mops ist wieder im kommen , pflegeleicht! Auch Vermieter sollen auf Möpse stehen , du bekommst eher ne Bude mit Möpsen besonders wenn der die gleich sehen kann als mit langen Harren und Lederjacke ..aber mit Kind oder der Steigerung KINDERN ..HOOooooOOLY da bekreuzigt der sich als hätte er den Leibhaftigen gesehen, das hätte der früher nur gemacht wenn du als Mann deinen Mann gleich mitgebracht hättest , aber auch dass erfreut sich heute bestmöglichster Akzeptanz ; wie Sado Maso statt Softie ..egal, während sich der Familienvater mit mehreren Kindern auf einer Beliebtheits-Skala von 1 bis 10 bei Brechdurchfall,Tripper und Gonorrhö wiederfindet.

      Ok stört außer mir wohl auch keinen und ich hab’s ja durch mit meinen ..und überhaupt kann mein Gemoser unter Hedonisten eh keiner hören ..drum nörgel ich hier eben rum ..Harhar .. Prost ..Eum ..Gute Besserung

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    • R@iner schreibt:

      Schöne Seite, die die Folgen „alternativer“ Ideen für Einzelne auflistet: What‘ The Harm?

      368,379 people killed, 306,096 injured and over $2,815,931,000 in economic damages

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      • pantoufle schreibt:

        Moin R@iner

        Au Weia! Helfen wird die Verbreitung von solchen Informationen allerdings auch nichts: Die Gläubigen werden dadurch nicht ins Nachdenken kommen. Man hätte eben nicht die Transformerdecke gegen Krebs nehmen sollen, sondern Bachblütentherapie. Oder Lobotomie.

        Der Wahnsinn nimmt seinen Lauf. Jetzt weist der Vegetarierbund auch noch darauf hin, daß Impfungen nicht vegan sind. Selbstverständlich hält man diese Idiotie nicht für kontraproduktiv, sondern »überlasse(n) jedem die freie Wahl. Jeder muss gucken, wo er seine eigene Grenze zieht. Wir stellen einfach nur Informationen zur Verfügung.«

        Hoffentlich haben die alle keinen Führerschein.

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        • lazarus09 schreibt:

          Aus der beliebten Rubrik : Wußten sie schon ! ‚Durchgestandene Kinderkrankheiten hinterlassen einen lebenslangen Immunschutz, so als Gratisleistung unseres Immunsystems‘.
          Schutzimpfungen immunisieren nicht lebenslang, geimpfte können ungeimpfte anstecken, wieviel Erwachsene laufen da draussen rum deren „geimpfter Immunschutz“ abgelaufen ist ..? Darüber schreibt man besser nichts, ach so, nicht das ich genereller Impfgegner wäre , aber Religion sollte man da auch keine draus machen 😉

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          • DasKleineTeilchen schreibt:

            *stöhn*. man sollte aus GARNICHTS ne religion machen; wie alt bist du lazarus, wenn die frage gestattet? mir fällt nämlich langsam auf, daß die „argumente“ für einen „vernünftigen“ umgang mit impfung (gerade bezüglich der „selbstentscheidung“) aus ner ganz bestimmten altersgruppe zu kommen scheint.

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          • pantoufle schreibt:

            @Lazarus

            *stöhn* Wir haben hier bei allen 4 Möpen alle in Frage kommenden Pickel im Hause gehabt. Die sind sowas von immunisiert – die kannste als Nährboden vermieten. Für das, was sie noch nicht hatten und auch besser nicht bekommen sollen, wird geimpft.

            Eine Frage der Religion? Ich weiß nicht. Wenn einer von denen eine Lungenentzündung bekommt, bring ich ihn zum Arzt und nicht zum Schamanen. Da frag ich doch nicht danach, ob die Antibiotika vegan sind. Da frag ich, ob sie helfen – bei Antibiotika mittlerweile das größere Problem.

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            • lazarus09 schreibt:

              DasKleineTeilchen, pantoufle

              Ich bin aus der Generation [ genaue Daten sind nicht verfügbar da ich dem Pass Dokument nicht traue.. Harhar ] bei der man bei aufkommenden Kinderkrankheiten alle zusammengepfercht hat das es auch jeder bekommt, so hatten die Altvorderen nur einmal das Theater. Bei meinen habe ich es so gehalten wie pantoufle ,und natürlich wurde das Impfbuch pünktlich abgearbeitet, sei’s die Pestilenz war schneller .

              Beim Thema ‚Vegan‘ bekomme ich ein Schleudertrauma vom Kopfschütteln ..also da dürften wir uns einig sein ..

              Ich will bloß nicht gezwungen werden wollen,von Idioten, die sich nur den Renditen der Anteilseigner verpflichtet sehen, denn sonst Leute hättet ihr alle eine Dosis gegen Vogel Schweine Bullshit sonstwas-Grippe nehmen müssen..wer dann hysterisch argumentiert mit ..“wir müssen alle stöörben“ der darf seine Religion gerne behalten. Ansonsten ist ,wie wir uns wohl einig sind, der gesunde Menschenverstand allerorten auf dem Rückzug. Noch will ich überzeugt werden das etwas gut für mich und die meinen ist und nicht nur glauben müssen weil es die Richtigen™ sagen 😉 .

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            • DasKleineTeilchen schreibt:

              „gesunde Menschenverstand“

              oha. *der* scheiss von *dir* lazarus? scnr

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        • Stony schreibt:

          @Vegetarierbund: Was für ’ne miese Nummer – in solch einer Situation! Ich bin seit 20 Jahren ein inkonsequenter Arsch (aka Vegetarier), kenne imo alle Argumentationen, aber mir will ums Verrecken keine einfallen, die ich bezüglich -Impfung gegen ansteckende Krankheit(en)- stringent fände. Einfach nur Arschlöcher, sorry, könnt nee, muß ich kotzen bei sowas! -.-

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        • DasKleineTeilchen schreibt:

          apropo impfung: ich komm grade mit flatters neuestem eintrag garnich klar; was reitet DEN denn?!?

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          • pantoufle schreibt:

            Flatter stellt zu recht fest, daß es Apparatemedizin gibt und »Hilfmedizin«. Wir leben im Kapitalismus und werden von daher mit kapitalistischer Medizin beglückt. Daß man gesunde Kritik an diesen Verhältnissen nicht pauschal verurteilen soll, ist natürlich richtig.

            »Wer seine Kinder nicht gegen Masern impfen lässt, mag ein Idiot sein. Er mag aber auch schlicht die Orientierung verloren haben in einer Welt, die ihn und alle anderen nur noch als potentielle Käufer anspricht und die perfidesten Techniken der Lüge entwickelt hat, um Profite zu sichern.«

            »Viele Menschen haben nun leider nicht das Talent, an dieser Stelle vernünftige Differenzierungen vorzunehmen und kluge Schlüsse zu ziehen.«

            (ich hab das in der Reihenfolge mal umgedreht… das ist wohl das, was er sagen wollte)
            Und da kommt dann irgendwann Homöopathie zum Malen ins Spiel oder die Transformerdecke: Man flüchtet von einem Wahnsinn in den nächsten.

            Edit: Und dann kommen auch noch solche Vollpfosten wie Jan Fleischhauer (Speichel Online). DAS meint Flatter!

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            • DasKleineTeilchen schreibt:

              ich musste erstmal abrauchen; trotzdem ist sein beitrag scheisse, sorry; um den bezug zur diskussion um ne masernimpfungspflicht herzustellen und ausgerechnet tamiflu und saisonale grippeimpfungen als aufhänger der kritik an der industrie zu benutzen ist fucking LAZY! it is FUCKING LAZY! just as lazy as fleischhauer is! it is fucking KONTRAPRODUKTIV!

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          • lazarus09 schreibt:

            Wieso … der hat im großen und ganzen das Thema gut umschrieben. überall wo es ums Geldverdienen geht, gilt das Hauptinteresse und Anliegen eben dem Geldverdienen ..nicht deinem Wohl. Wenn dir einer was verkaufen will ist das letzte was der will , dein Wohl, drum gibts ja auch geplante Obsoleszenz ..oder eben Schlangenöl und Globuli die bekanntermaßen vom Krebs bis zum eingewachsenen Fußnagel alles heilen 😛

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    • Johannes schreibt:

      Bekommt so eine Mama dann Intelligenz, wenn man ihr ein Symbol aus dem Buch auf die Backe malt? 😉

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  7. Joachim schreibt:

    Was willst Du, pantoufle, der Fleischhauer ist doch fast ein Original. Zitat:

    „Der eigentliche Kern der Impfkritik ist nicht wissenschaftlich, sondern nur ideologisch zu verstehen. Der Neoobskurantismus der Gegenvirologen geht Hand in Hand mit Kapitalismuskritik, linkem Naturkitsch und einem ökologisch gefärbten Mutterkult, der alles verdächtigt, was nicht nach Baumwollwindeln, Kirschmolke und Pastinake riecht“.

    Zu süß, der Typ. Der ist selbst nur ideologisch zu verstehen. Reicht es nicht, dass es Argumente gibt? Aber „linke Spinner“ an zuführen ist peinlich. Vor allen Dingen, wenn konservative Spinner Dinge pauschal zusammen führen, für die keinerlei Beleg existiert.

    Doch nun zu der Kritik (weil pantoufle, sonst macht es keinen Spaß und Du weißt ja, wie ich über Kritik denke):

    „entkoffeinierter Kaffee, Früchtetee, laktosefreie Milch, entzuckerter Zucker und weich gekochte Eier aus kontrolliertem Anbau“ zeichnet genau so ein Bild, wie das von Fleischhauer (nur dass es hier wesentlich besser geschrieben ist).

    Ich kenne auch Plazenta-Globuli Einschieber oder Veganer. Ich bin nicht ihrer Meinung, halte das für „falsch“. Ich kenne auch Mütter (und Väter) mit Jessica, Britta und Sven. Ich kritisiere auch, dass meine Neffen nicht auf Bäume klettern (dürfen, es aber tun und dann auf die Feuerwehr warten – oh man…), dass Kinder über behütet werden. Immerhin habe ich es „durchgesetzt“, dass sie nun ein „echtes“ Computerspiel haben dürfen 🙂

    Nur, wenn ich mir so ansehe, was diese „Spinner“ sonst noch so machen, dann ziehe ich meinen Hut vor denen. Tasächlich ist Fast- und Industrie-Food durchaus problematisch. Immerhin existiert eine Pharmalobby, die Esoterikern kaum nachsteht. Und nicht zuletzt sind sie Menschen. Menschen spinnen eben. Tatsächlich kann aus Jessica, Britta und Sven mehr werden, als aus Helmut (ohne dies nun zu verallgemeinern).

    Kommt schon, ein wenig Toleranz, ja? Und wenn sie Dir Quatsch erzählen, dann bekommst Du den mit Unterstellungen nicht weg. Ehrlich gesagt, im Grunde ist das gar nicht wichtig. Hier, wo es „uns gut geht“ ist Impfen tatsächlich kaum ein Problem.

    Problematisch ist es dort, wo es den Menschen nicht gut geht…

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  8. Stony schreibt:

    Nicht ganz OT: Robin macht den Erklärbärkranich

    Wobei, „Lernen“ … is‘ halt irgendwie (d)och relativ, scheint es, nich‘? 😉

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    • Joachim schreibt:

      @lazarus09, Stony
      Religion ist mir sowas von egal. Jeder glaubt irgend etwas und wenn es Atheismus ist. Wichtig ist, was die Leute tun.

      Pantoufle hat hier Literatur geschaffen und nicht die umfassende Wirklichkeit abgebildet. Fleischhauer hat hier seine Wirklichkeit abgebildet und keine Literatur geschaffen. Das ist der Unterschied. Pantoufles Aussage ist wahr, weil er seine Wahrnehmung, seine Ansichten beschreibt. Fleischhauers Aussage ist falsch, weil er meine Wahrnehmung mit unzulässigen Pauschalisierungen beeinflussen will.

      Was das lernen angeht: Menschen sind unflexibel, haben Vorlieben und „schlechte“ Gewohnheiten. Ich fänd‘ es ausgesprochen schädlich, das den Menschen mit allen Mitteln austreiben zu wollen. Wären alle wie ich, das wäre furchtbar. Die Welt würde das nicht überstehen.

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      • Stony schreibt:

        Nachdem ich mir jetzt eine Weile lang meine kleine Rübe zermartert habe, die, aus Gründen, zur Zeit noch mieser funzt als sonst – u.a. hinsichtlich der Frage, warum deine Antwort (auch) an mich adressiert ist – spar ich mir längere Ausführungen und verlinke lieber etwas, das ich eben so sehe (mit der winzigen Einschränkung, daß ich nur bedingt Pragmatiker und keinesfalls Positivist bin, auch wenn ich Popper in Teilen schätze).

        Wer hat denn nun eigentlich Recht?

        (ps: Wehe mir kommt hier einer mit „qualifizierte Abwesenheit von Evidenz“ o.ä. Mumpitz, dann setzt es was ich bin Agnostiker! 😛 )

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        • Joachim schreibt:

          Warum an Dich? Wegen meta bene. Sich für Dummheiten zu schämen ist kein sinnvolles Konzept.

          Und die Diskussion (danke für den Link), wer denn nun Recht hat, ist ebenso fragwürdig. „Wahrheit“ existiert nur im Kontext. Es ist nicht sinnvoll entscheidbar, wer „Recht“ hat. Es ist wie mit Veganern: man kann ihnen nicht absprechen, für sich eine Entscheidung getroffen zu haben, auch und besonders nicht, wenn man selbst eine andere Meinung hat.

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          • Stony schreibt:

            @meta bene: Ich hab‘ das ironisch aufgefaßt.^^

            @perspektiefe: „fragwürdig im ursprünglichen (guten) Sinne, oder meintest du den anderen? … „Entscheidbar“ freilich nur hinsichtlich gesetzter Prämissen, bestenfalls „einstweilen definitiv“, keine Frage. Zur Frage wird es allerdings da, wo es eine der Moral wird, also jener, „wie wir leben wollen“. Ab da wird’s knifflig…

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          • Joachim schreibt:

            Stony,

            1) Natürlich Ironisch. Aber auch eine echte Erklärung…

            2) Fragwürdig bedeutet: es ist sinnvoll, diese Diskussion (weniger den Inhalt, als die Diskussion selbst) in Frage zu stellen. Ja, ich finde diese Diskussion inhaltsleer, weil schon die Frage die falsche ist. (Die Zusammenhänge innerhalb des Textes haben schon eine Bedeutung… der Typ ist ja nicht „doof“)

            3) Moral ist eine Antwort auf die Frage, wie wir leben wollen? Oder ist Moral historisch gewachsen und damit wieder von den Gegebenheiten abhängig? Ist Moral nicht abhängig von Entscheidungen, Meinungen bis zum Glauben und Kompromissen?

            Dann kann ich nichts damit anfangen. Argumentiert jemand damit, dann komme ich mir vor, wie Pantoufle im Café Regenbogen. Ich verstehe das ja. Doch … leider fällt mir jetzt kein Punk dafür ein – Nina Hagen vielleicht? Nehmen wir den, als Alternative zum zum kleinen Eck :

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  9. pantoufle schreibt:

    @All
    Guten Morgen erst einmal alle hier. Ist ja schön, daß man sich so ausgezeichnet auch ohne mich amüsiert 😀 Ich war leider beschäftigt und hatte so gar keine Zeit außer ein wenig mitzulesen.

    @Joachim
    »Kommt schon, ein wenig Toleranz, ja?«
    Ja, ich arbeite an diesem Problem. Mit gelegentlichen Erfolgen wie ich meine. Und gelegentlich lasse ich ein Fettnäpfchen aus und nehme gleich die Friteuse. Ein wenig Polarisation hat noch nie geschadet.
    Was nun aber die Protagonisten meiner kleinen Geschichte betrifft, so ist aus den Kommentaren schon hervorgegangen, daß da ein von mir überhaupt nicht beabsichtigtes Missverständnis vorliegt. Es geht mir da gar nicht anders als Dir: Ob sich jemand vegan ernährt, Wert auf biologisch angebaute Lebensmittel legt, einen Bogen um Fastfood macht, ist mir erst einmal vollkommen gleichgültig. Es gibt eine Menge guter Gründe dafür; genau wie ein grundsätzliches Misstrauen gegenüber Medizinern und ihrer Industrie im Kapitalismus.

    Wie ich in einem anderen Kommentar schon bemerkt habe, ging es mir ausdrücklich nicht um eine verschrobene Spielart von Hubschraubereltern, gewürzt mit den Ingredienzien der biologischen Ernährungsindustrie. Der Kiezneurotiker hat es in seinem Link, den er freundlicherweise auf den Text gelegt hatte, mit dem »Horror der neuen Kleinbürgerlichkeit derer, die nach uns kommt« umschrieben. Das trifft es in aller Kürze sehr gut. Beim Schreiben hatte ich mich irgendwann gefragt, ob »die eigentlich alle so sind?« und die Frage erst einmal mit Ja beantwortet. Wie Du schon bemerkt hast, eine Frage der persönlichen Wahrnehmung. Viele sind so.

    Nun lebe ich nicht in Berlin; die Eltern vom Prenzlauer Berg konnten nicht als Vorbild dienen – ich kenne das einfach nicht. Meine Bilder kommen eher aus dem Ländlichen und der nächsten großen Stadt, die gar nicht groß ist.
    Nun ist die Sache die, daß wir über Brutpflege sprechen, ein Thema, das in allen Zeiten für diverse Absonderlichkeiten gesorgt hat. Das Café Regenbogen also nur eine weitere Facette. Was mich daran stört und wo ich intolerant werde, ist ein anderer Punkt. In meiner Wahrnehmung gibt es einen großen Bruch zwischen dem Ist-Zustand dieses Landes und dem Selbstverständnis dieser Generation der »neuen Kleinbürgerlichkeit«.

    Die besteht darin, daß man auf der einen Seite einen… ich nenne es einmal Gesundheitswahn betreibt und dabei doch so vollkommen unpolitisch bleibt. Der klassische Grünen-Wähler: Vegetarische Tage in der Mensa und Waffen nach Afghanistan. Empörung bei den NSU-Morden (bei dem Türken gab es immer so tolle Tomaten) und trotzdem leben wir unter einer CDU-Regierung.
    Es gibt gute Gründe kein Fleisch zu essen, nicht jeden Impfwahn mitzumachen oder einen Sinn für Mystizismus zu entwickeln. Man will die Welt ein klein wenig besser machen, auf Mißstände reagieren. Nur reicht die Einsicht nicht soweit, die »Ganzheitlichkeit« des Problems mit den politischen Strukturen zu erkennen, die für diese Mißstände verantwortlich sind. Viel schlimmer: Sie werden teilweise durchaus erkannt, aber ganz bewußt ausgeblendet. Der Eindruck von Religion, der sich daraus ergibt (dieses Wort, was hier jetzt so oft fiel) entsteht ja erst durch diese Einseitigkeit, diese Beschränkung; muß entstehen, weil die Ausschließlichkeit auf einen winzigen Teilaspekt diese Sektencharakter erzeugt.

    All das andere wird delegiert. An Parteien, Verbände, NGOs. Der organisierte Rückzug ins Private, in die Einzelzelle Ehe und Beruf. Eine Existenz für das materielle Überleben und einer freiwilligen Selbstkontrolle der Weltsicht. Die sichtbaren Folgen sind bemerkenswert. Vergleicht man diesen Zustand mit Zeiten einer Emanzipation des Bürgertums – sei es den 48ern oder der Bismarck-Ära – fällt der reaktionäre Charakter des Ist-Zustandes ins Auge. Nicht, daß ich nach 1918 noch politischen Einfluß des Bildungsbürgertums (wenn es das danach überhaupt noch gibt) sehe, aber diese Art der – ich muß mich da wiederholen – freiwillige Selbstkontrolle ist kaum dagewesen. Der Terror der Vernunft, der sklavische Glauben an Sicherheit und die Verinnerlichung der Alternativlosigkeit des eigenen Tuns ist nur noch reaktionär.

    Es ist eine Welt, in der sich der Kapitalismus zu Tode gesiegt hat; denn man ist tot, wenn man keine Alternativen mehr hat. Der Weg nach »geh doch nach drüben« führt nun direkt ins Ausbildungslager islamistischer Splittergruppen – dem weitaus praktischeren Gegner des Kapitalismus, weil der keine soziale, sondern nur eine militärische Antwort erheischt. Keine Alternative, sondern Fahnenflucht in einem besonders schweren Fall.

    Was wollte ich sagen? Ach ja: Das Café Regenbogen. Da sitzen sie nun und sind durchaus für Tempo dreißig in der ganzen Stadt. Genau wie für Öffnungszeiten bis 22:00Uhr und Helmpflicht, Führerscheine für Dackel, Reiseversicherung und das Verbot von Extremsportarten. Es geht schon lange nicht mehr darum, was sie alles regulieren und verbieten wollen – es geht um ihren Anspruch der Deutungshoheit, die dem Gesetzgeber in vielen Fällen weit vorausgreift. Eine Diktatur der Mittelmäßigkeit. Eine Masse, die bis zur letzten Zuckung leicht kontrollierbar bleibt. Das perfekte Volk.

    Soviel zum Thema Toleranz.

    P.S. Weiß jemand wann aus »Sex, Drugs and Rock ’n‘ Roll« eigentlich »Veganismus, Laktoseintoleranz und Helene Fischer« wurde?

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  10. Stony schreibt:

    Moin Joachim,

    @1) Yep, eine von vielen möglichen. Urteile mittels Ironie in Frage zu stellen ist mir allenthalben lieber, als ein stures Beharren auf den (eigenen) Urteilen über die Urteile anderer. Kann dem an- und abregen dienen. Ist das konstruktiv? Nö, nicht zwangsläufig, muß aber auch nicht.

    @2) Perspektiefe hat deinen Punkt (so wie ich den grad verstehe) imo recht schön verdeutlicht: Die Frage „wer hat Recht“ ist bullshit ‚relativ‘ und zwar weil… Argumente statt Rechthaberei, blinden Eifer und ähnlichen Gedöns. Fundamentalisten gibt es auf beiden Seiten, auch wenn die es jeweils nicht wahrhaben wollen. Die Frage stellt sich, für viele, immer wieder – gerade darum ist eine Darlegung wie die verlinkte imo gut und wichtig, weil sie beiden Seiten ihre Grenzen vor Augen führen kann (’sehen‘ muß man dann natürlich auch wollen).

    @3) Sowohl als auch, selbstredend. Wir sind weder „völlig frei“ noch determiniert, wir sind Teil eines Prozesses – wir sind der Prozeß. Und in diesem hat sich auch das Denken entwickelt, welches ich viel zu sehr schätze, als das ich hinzunehmen bereit bin, daß wir keinerlei Möglichkeit der Einflußnahme haben. Sollte es sich dereinst als „hübsche Illusion“ herausstellen, der Mensch definitiv nur „Opfer der jeweiligen Umstände“ sein, dann bitte ich Ellen Ripley um „Erlösung“, weil dann ist eh alles Wurscht und kann weg.

    Bis dahin ist Moral für mich eben diese Frage. Fällt die Antwort normativ aus, scheiß ich allerdings auf sie – nur um das klarzustellen – und habe dafür (hoffentlich) gute Gründe.

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