Theatralische Gedankenauslese

»Der Paß ist der edelste Teil von einem Menschen. Er kommt auch nicht auf so einfache Weise zustand wie ein Mensch. Ein Mensch kann überall zustandkommen, auf die leichtsinnigste Art, aber ein Paß niemals. Dafür wird er auch anerkannt, wenn er gut ist, während ein Mensch noch so gut sein kann und doch nicht anerkannt wird.«
Brecht

Pantoufle hat einen Theaterbesuch hinter sich. Beim Berliner Ensemble um genau zu sein. In charmanter Begleitung und mit einem Bier danach. Flüchtlingsgespräche sind starkes, dunkles Bier und kein Piccolo. Deswegen Bier. Bier und Zigarre, weil man 1933 flüchtet oder etwas später und nach wenigen Sätzen 2014. Zigarre, weil im Theater nicht geraucht werden darf; hier aber schon. Es ist so rein gar nichts da was brennen könnte. An der nackten Wand hinter den beiden Protagonisten eine Silhouette mit rotem Klebeband; die Alpen. Zwei Koffer, zwei Männer: Fertig ist Theater.

Hundert Jahre nach Brecht flieht man noch, eine Dauerflucht oder ist es ein Volkssport? Völkerflüchten. Wir.dienen.Deutschland.im.Nordirak. Deutsche Ausbilder bilden im Kampf gegen die Terrormilitz gemäßigte Terrormilitz aus. Der Flüchtling als Waffe; sonst darf.man. nicht.dienen. Das humanitäre Elend muß schreien, damit die Panzer rollen dürfen und die Flugzeuge Humanbomben werfen. Finale Rettungsangriffe. Das christliche Abendland hat die humanitäre Aufgabe, Flüchtlingselend zu lindern und zu verhindern. Mit FRONTEX©

»Und doch könnte man behaupten, daß der Mensch in gewisser Weise für den Paß notwendig ist. Der Paß ist die Hauptsach, Hut ab vor ihm, aber ohne dazugehörigen Menschen wär er nicht möglich oder mindestens nicht ganz…«
Brecht

Nach 50 Tagen ist der Krieg vorbei. Halleluja!
Auf der palästinensischen Seite:
2.145 Tote, etwa 577 von ihnen Kinder, 263 Frauen, 102 alte Leute,
11.230 Verletzte, 3.374 Kinder;
10.800 Gebäude zerstört, 7.600 teilweise zerstört.
Ungefähr 40.000 Wohnungen beschädigt, 8.000 teilweise beschädigt.
Unter den beschädigten Gebäuden : 277 Schulen, 10 Krankenhäuser, 70 Moscheen, zwei Kirchen.
4.750 Kriegsvertriebene.
Auch 12 Westbankdemonstranten, meistens Kinder, die erschossen wurden.

Auf der israelischen Seite:
70 Tote, unter ihnen 64 Soldaten, ein Kind.
Wozu also dieser Krieg? Die ehrliche Antwort ist: für nichts.
Keine Seite wünschte ihn. Keine Seite begann ihn. Er geschah einfach so.
Uri Avnery

Ohne militärisches Eingreifen wäre alles noch viel schlimmer gekommen!

»Ausreiseaufruf
Das Auswärtige Amt warnt vor Reisen nach Libyen und ruft zur sofortigen Ausreise aus Libyen auf. Die deutsche Botschaft in Tripolis ist derzeit für den Besucherverkehr geschlossen und kann im Notfall keine konsularische Hilfe vor Ort leisten.«

Die Milizen – eben als tapfere Rebellen im Kampf gegen Gaddafi gefeiert – beherrschen das Land. Ausgerüstet mit zum Teil schweren Waffen aus Frankreich, USA, England und den Golfstaaten wird das Land in eine weitere gescheiterte Demokratie gemordet. Man gab das Gerät nach dem Sturz Gaddafis nicht wieder an den Ausgabestellen ab. Erstaunen? Der Sturz Gaddafis bedeutete alles; wieviele Menschen im Office of U.S. Foreign Assistance Resources wußten, wo Libyen auf der Landkarte zu finden ist?
Wie schlimm kann es kommen?

»Wir können nicht zur Seite schauen, wenn Mord und Vergewaltigung an der Tagesordnung sind, schon allein aus humanitären Gründen.«
U.v.d. Leyen

Der Versuch, gewaltbereite Oppositionsgruppen in Syrien zu bewaffnen, um einen Systemwechsel herbeizuführen, darf als gescheitert angesehen werden. Nicht dagegen der Versuch, syrische Flüchtlinge mit dem Adjektiv »wirtschafts« zu versehen. Eine Wirtschaft gibt es nicht mehr, weshalb es sich um Wirtschaftsflüchtlinge handelt. Zu kompliziert? Schon allein aus humanitären Gründen?
Zwischen den Zeilen liest sich der Name Assad beinahe schon wieder wie der Stabilitätsgarant einer Region, in der die Feinbilder schneller wachsen als Pilze. Der Dünger dieses Biotops kommt auch aus Deutschen Fabriken. Gemäßigte Rebellen, die sich gemäßigten Schrittes dem IS anschließen. Dabei sollte man allein aus humanitären Gründen die humanitären Gründe beiseite schieben, damit man die anderen Gründe leichter sieht.

»Europa kommt im Spiel der globalen Kräfte nicht voran, wenn die einen sich immer dezent zurückhalten, wenn es um militärische Einsätze geht, und die anderen unabgestimmt nach vorne stürmen.«
U.v.d. Leyen

[An dieser Stelle sei angemerkt, daß das Kürzel U.v.d. nicht für »Unteroffizier vom Dienst«, sondern für den Vornamen der Kriegsministerin steht. Sonst müßte das »d« ein Großbuchstabe sein]

Im Spiel der Kräfte blättert die Farbe ehrwürdiger Transportmaschinen der Bundeswehr in der Wüstensonne. Sechs Fallschirmjäger und das Nachtleben in Bukarest: Alles wird gut, wenn es doch noch die Erlaubnis zum Weiterflug gibt. Gemäßigt moderne Waffen für gemäßigte Rebellen. Eine Frage der Zeit, bis aus ihnen Terror-Rebellen werden, keine des Stils, die Betriebsanleitung von Heckler und Koch für den demokratischen Systemwechsel. Im Spiel der globalen Kräfte darf und muß auch von Deutschland wieder Krieg ausgehen.

»Es muss denn das Schwert nun entscheiden. Mitten im Frieden überfällt uns der Feind. Darum auf, zu den Waffen! Jedes Wanken, jedes Zögern wäre Verrat am Vaterlande. Um Sein oder Nichtsein unseres Reiches handelt es sich, das unsere Väter sich neu gründeten. Um Sein oder Nichtsein deutscher Macht und deutschen Wesens. Wir werden uns wehren bis zum letzten Hauch von Mann und Ross.«

7 geheime Fakten über Nutella, den beliebten Brotaufstrich! Zehn Fakten über den IS (leicht gekürzt aus einem Blatt)

1. Was will der IS?
Der IS will ein Kalifat, also die Vereinigung religiöser und weltlicher Macht. Dann werden allen die Hände und Köpfe abgehackt.

2. Woher kommt der IS?
Gegründet wurde die Organisation 2004 im Irak als Reaktion auf die damalige US-Besetzung. Dann wurden allen die Hände und Köpfe abgehackt.

3. Gehört IS zu Al-Kaida?
Nein. IS ist noch schlimmer als Al-Kaida. Sie hacken Hände und Köpfe ab.

4. Wer führt IS?
Keine Ahnung. Es sind ein paar Namen im Gespräch.

5. Welches Gebiet kontrolliert IS?
Dünn besiedelte Wüstengebiete irgendwo im Irak. Dort hacken sie allen Hände und Köpfe ab.

6. Über wieviele Kämpfer verfügt IS?
Genaue Zahlen gibt es nicht, wohl aber, daß sie Hände und Köpfe abhacken.

7. Kämpfen Österreicher auf Seiten der IS?
Ja. Sie sind grausam.

8. Wieso ist IS so erfolgreich?
Die größte Macht der IS ist ihre Grausamkeit. Sie hacken allen Hände und Köpfe ab.

9. Wie finanziert sich IS?
IS gilt als reichste Terrorgruppe der Welt. Das Geld kommt auch von den Geköpften!

10. Welche Folgen hat das alles für uns?
Unabsehbare. Dann werden allen die Hände und Köpfe abgehackt.

Sollte der Rauch sich verzogen haben und die herrlichen Zeiten endlich beendet: Werden sie dann über eine Kollektivschuld diskutieren oder wieder dolchgestoßen sein?

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5 Antworten zu Theatralische Gedankenauslese

  1. Stony schreibt:

    Alternative Antwort: Sie werden einen coincidance auf’s Parkett legen und wer nicht mit macht kriegt eins mit dem Paddel drüber

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    • pantoufle schreibt:

      Paddel… hmmm: Paddel ist gar keine schlechte Idee! Meine war ja immer, daß durch Wunderhand ein Kasper aus dem Nichts auftaucht und mit der Kasperklatsche… Aber ein Paddel ist – wie gesagt – auch nicht schlecht 🙂

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  2. kiezneurotiker schreibt:

    Alter, werd‘ endlich mal wieder öffentlich. Ich würde das so gerne verlinken, aber ich darf nicht. 😦

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    • pantoufle schreibt:

      Moin Kiezneurotiker

      Ach, mir gefällt meine kleine Hundehütte ganz gut so. Ihr lest es doch und das sollte reichen.
      Und wo wir gerade beim Lobhudeln sind: Dein Transit Kreuzberg gefällt mir auch ausnehmend gut. Schon gar, weil ich gerade durch Kreuzberg marschierte ohne irgend etwas wiederzuerkennen. In Neuköln fühlte ich mich bedeutend wohler (wie können nur all diese Gebrauchtmobiltelephonhändler überleben?)

      Gebrauchtmobiltelephonhändler
      GebrauchtmobiltelephonundVertragshändler
      GebrauchtmobiltelephonundMobiltelephonVertragshändler
      GebrauchtmobiltelephonundMobiltelephonVertragsPerlenkettenhändler
      Die perlenbestickten Gebrauchtmobiltelephonhüllen gibt ungebraucht – nur der Vollständigkeit halber!

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  3. Thelonious schreibt:

    Zitat: [i]Einerseits verkaufen sie Erdöl aus von ihnen kontrollierten Feldern im Osten Syriens auf dem Schwarzmarkt …[/i]

    Das kann ich nur bestätigen. Vor ein paar Tagen stand ich am Bahnhof und wartete auf meinen Zug, als ein Islami an mich herantrat. So ein bärtiger. Nicht von hier, sondern von woanders. Eine finstere Gestalt. Islami halt. Man kennt sie.

    „Ey Ungläubiger“, sprach er mich an. „Willsch Öl? Schwarzer Iraki. 0W40. Geiler Schdoff. Ekschtra für 3er BMW. Fläschchen ein Euro.“ „Ich habe keinen 3er BMW.“ „Egal. Geht auch für Toyota, Fahrrad oder Kalaschnikoff.“ „Na dann nehm‘ ich wohl zwei Flaschen.“

    Er öffnete den obersten Knopf an seinem Mantel und erst jetzt sah ich, dass er statt Händen nur noch Piratenhaken hatte. „Was ist denn mit ihnen passiert?“, fragte ich erstaunt. „Weisch, Sharia und so. Isch net immer leicht. Aber die Jungfrauen.“ Ich nickte verständnisvoll. Unter dem Mantel kam ein Gurt zum Vorschein und im ersten Moment dachte ich, er wäre voll von lauter kleinen Dynamitstangen. Es waren dann aber doch nur Chantré-Fläschchen. Die kleinen von der Kasse am Supermarkt. Alle gefüllt mit 0W40. Er gab mir zwei und sagte dann: „Alder, geb isch dir drei und du mir noch a Zigarette.“ So ist er halt der Orientale. Immer zum Handeln aufgelegt. Ich lächelte und wir wurden uns einig.

    Mit den Worten „Isch hab noch mehrere Millionen Liter von dem Zeug. Ruf einfach an“, drückte er mir seine Karte in die Hand und verschwand in der Menge.

    Erst zuhause habe ich mir den Text angeschaut:

    ISIS GmbH
    Terrorismus en gros
    et en détail und Öl
    Wittener Str. 45 (Hinterhaus)
    44789 Bochum

    Jetzt fühle ich mich schuldig.

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