Presseschredder 26.4.2014

RIP Nokia.
In der stark nokialastigen Redaktion der Schrottpresse ist für den späten Nachmittag eine Gedenkstunde geplant. Gedacht wird des Ablebens der Firma Nokia als unabhängigem Mobilphone-Hersteller.
Für die geplante Trauerveranstaltung werden 6021,6210, 6310, Comunicator 9300i und als Special Guest ein Lumia 520 erwartet.

Zugegeben: Das Lumia ist ja schon kein echtes Nokia mehr; da steht zwar Nokia drauf, es enthält aber schon Sondermüll von Microsoft. Und dabei wird es wohl auch bleiben. Der Riese aus Redmont, der alte Feind, hat bekanntlich den finnischen Vorzeigekonzern übernommen, nachdem diverse Versuche, selbst ein tragbares Telephon zu kreieren, danebenglückten.

Ich hätte das Lumia ja auch nie… Aber Tochter zwei konnte völlig überzeugend nachweisen, daß ohne Wischware und eingebaute Kamera das Leben für sie absolut keinen Sinn mehr hätte. Was soll man machen als Vater? So verschaffte sich dieses Microsoftprodukt Zugang in den Haushalt, intuitiv bedienbar, formschön – ein Alien, dem ich bisher nicht abgewöhnen konnte, die Prepaid-Card für blödsinnige Verbindungsversuche ins Internet leerzusaugen. Vermutlich muß man wischen, wischen, immer wischgesten, anstatt es mit spitzen Fingern von sich zu halten.

Ja, ja: Der alte Feind. Erst verkörpert durch das ewige Jungengesicht des Firmengründers, der sich mit zusammengestohlener Software ein perverses Vermögen ergaunerte, dann durch einen schreienden Deo-Tester namens Steve Balmer.
Die Feindschaft wird aus Bequemlichkeit und Tradition fortgesetzt, auch wenn sie mittlerweile etwas blödsinnig dasteht. Neuer Chef ist Satya Nadella und der ist zur Abwechslung ein Nerd. Der zieht sich nicht nur an wie ein normaler Mensch – der redet auch noch wie einer. Das ist schon ein anderer Duft als zu Zeiten der Browserkriege. Etwa so wie vor rund 15 Jahren, als Mother Blue (auch ehemaliger Lieblingsfeind) auf einmal ein paar Milliarden Dollar in LINUX investierte. Da stand man schon etwas fassungslos da und mußte zähneknirschend anerkennen, daß auch die Anzugträger von IBM einmal etwas richtig machen.
Die »guten, alten Zeiten™« eben, als man zum telephonieren noch keine Telephonapp installieren mußte.

Wo wir gerade bei Telephon sind: OnePlus One – Fans zertrümmern ihre smarten Phone. Was sich im ersten Moment als Durchbruch der Vernunft präsentiert, ist dann doch eher eine Lachnummer der Extraklasse.

»Smash the past«

Mit dieser Werbekampagne wirbt der Hersteller OnePlus für ein neues Telephon, das alles besser zum halben Preis kann. Mit ein wenig Glück kann man dieses Wundergerät auch für nur einen Dollar bekommen. Voraussetzung: Ein Youtubevideo, auf dem ein Akt der Zerstörung des alten Telephons zu sehen ist. Bei so einer Ankündigung ist es überflüssig zu erwähnen, daß die ersten Opfer von Kreissägen, High-Heels, Eisenbahnschienen oder schlichten Hämmern bereits im Netz zu sehen sind.
Nun ist das mit solchen Ankündigungen ähnlich wie mit Betriebsanleitungen: Sie werden viel zu wenig zu Ende gelesen!
Der Stand der Dinge ist nun Folgender: Man muß sich erst einmal bewerben und dann von OnePlus ausgewählt werden! Erst dann geht’s los… mit etwas Glück.
Zum Anderen akzeptiert man nicht jedes Smartphone. Etwas neuer darf es schon sein; streng genommen sogar ziemlich neu. Und zu allem Überfluss ist die ganze Aktion noch gar nicht gestartet. All diejenigen, die erst mal losgelegt haben, gehen bedauerlicherweise leer aus.
So bleibt es vorläufig bei ein paar durchaus sehenswerten Videos einiger Trottel.

Das alles ändert natürlich nichts daran, daß diese Idee Potential hat. Nur mal gesetzt den Fall, die Autoindustrie würde sich zu einer ähnlichen Kampagne entschließen… Am Wochenende vor dem angekündigten Termin ein lustiges Schreddern der Altwagen auf offener Straße; ein Spaß für die ganze Familie. Und am Montag werden die Teilnahmebedingungen verkündet.
Nun ja.
Ein schönes Wochenende all meinen Lesern

Notwendiges UpDate

Der Presseschredder wäre nicht der Presseschredder, wenn er sich diese Steilvorlage entgehen ließe:

Deutsche Soldaten hacken belgischen Kindern die Hände ab!

Das Deutsche Heer: Im Felde unbesiegt!

Ab 5:45 wird jetzt zurückgeschossen!

Al Qaida entstand als Folge russischer Aggression und saudischer Ideologie.

Putin ist schuld an Al Qaida! Na gut: Ganz so weit geht Rainer Hermann in der FAZ dann doch nicht. Aber er hätte daran Schuld sein können. Die Mudschaheddin wurden doch gleich von wem bewaffnet? Das waren doch… Na gut, jedenfalls nicht Putin.

»Das Terrornetz Al Qaida hatte im vergangenen Jahrzehnt seine Schlagkraft und Anziehungskraft eingebüßt; heute ist es zurück. Moskau hat seinen Anteil daran. […] Erst der Einmarsch der Roten Armee in Afghanistan mobilisierte vom wahhabitischen Islam geblendete Araber und lieferte den islamistischen Gotteskriegern ein Betätigungsfeld.«

Kausalketten nach dem Zufallsprinzip. Leo Trotzki hat die Napalm-Opfer in Vietnam persönlich zu verantworten. Ohne Salvador Allende keine Niederlage in der Schweinebucht. Bertha v. Suttner schuld am ersten Weltkrieg.

Kein Vergleich zu krude, keine Begründung zu weit an den Haaren herbeigezogen, als daß es in Zeiten von Propaganda und Kriegshetzerei nicht unters Volk gebracht wird. Das doofe Volk aber verweigert sich auch in den Kommentarspalten der verordneten Medizin. Oder wie es der Leser Busse so richtig ausdrückt:

Hoffen wir also auf gutes Wetter am Wochenende. Wenn nicht, ist ja klar, wer`s war!

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