Interessiert – interessiert nicht

Ein Akt der Befreiung, die persönlichen Bookmarks und die Blogroll von Ballast zu befreien. Man muß nicht alles lesen. Und das Kommentieren außer Haus sollte man sich ohnehin abgewöhnen: Man gerät so schnell in schlechte Gesellschaft. Das Übelste aber ist, daß man beim Schreiben im Hinterkopf hat, daß dieser Spuk woanders ungehemmt herumtobt, man Gefahr läuft, sich davon beeinflussen zu lassen.
Deswegen das Ausmisten. Was entgeht einem schon? Interessiert nicht.

Interessiert: Eine Hayabusa als Ratbike. Da sollte doch was zu machen sein. Gebrauchte Hobel sind im Moment im Angebot. Wenn die nur nicht so viel Elektronik und dafür Vergaser hätten. Dann wäre sie allerdings nicht so schnell. Nun ja, die Welt ist leider nicht perfekt.

Interessiert: Toussaint Louverture. Haitianischer Nationalheld, der während der Sklavenaufstände im Zuge der französischen Revolution maßgeblich an der Unabhängigkeit Haitis beteiligt war. Einen groben Überblick gibt die Wikipedia, eine ordentliche arte-Dokumentation gibt es auch und für den Leser sei »Die schwarzen Jacobiner« von C.L.R. James empfohlen (meines Wissens allerdings nur noch antiquarisch oder hier als pdf).
Um es kurz zu machen: Dieser Aufstand – den man besser als Revolution verstehen sollte – warf die Weißen aus dem Land und führte zur Abschaffung der Sklaverei auf Haiti. Kürzer geht nicht. Das Ganze verlief natürlich unter ungeheuren Opfern und Strömen von Blut. Was mich daran interessiert? In meiner Phantasie stelle ich mir in letzter Zeit vor, es wäre nicht vor über 200 Jahren, sondern heutzutage, irgendwo in Afrika oder sonstwo passiert. Das und die unterschiedlichen »Bewertungen« in der Blogsphäre, die darauf folgen würde. Das Geschreie und Gewimmer der diensthabenden Propheten würde mich interessieren.

Zum Tode Verurteilte müssen über die Herkunft der Giftmittel informiert zu werden, mit denen man sie umbringt. So urteilt ein Gericht im US-Bundesstaat Oklahoma. Das bringt Probleme im Strafvollzug mit sich. Man überlegt die Wiedereinführung der Gaskammer und geht Hinweisen nach, nach denen in Syrien erneut Giftgas von Regierungstruppen eingesetzt wurde. Auch Erschießen oder der elektrische Stuhl wird als alternative Hinrichtungsmethode erneut angedacht. Immerhin bekommen die Delinquenten einen Prozeß, ein Vorzug, den die Opfer von Drohnen in Pakistan nicht haben.
Manchmal verliert man den roten Faden. Was wollte ich jetzt sagen? …Ist wohl nicht so interessant.

Es gibt neue Beweisphotos:

Hinrichtung_battistiInteressante Beweisphotos. Wiederum ein Beweisphoto. Hier der Beweis: Es ist ein Photo! Herzlichen Glückwunsch, Gnädigste! Es ist ein Photobeweis. Es taugt auch zum Beweis. Das Photo. Bei Abnahme von 10 Beweisphotos gibt es ein Beweisphoto nach Wahl gratis. Verpassen Sie auf keinen Fall das nächste Beweisphoto! Rabatt! Beim Kauf von weiteren 10 Photos liefern wir einen Beweis nach Wunsch. Photobeweise: Jetzt frisch bei ihrem Photobeweis-Fachhändler. Verfallsdatum Ihres Photobweises siehe Bodenprägung des Beweises ist ein Photo ein Beweis oder beweist das Photo was zu beweisen war? Nie wieder Beweise ohne Photos! Nur echt als Photobeweis! Beweis und Photo beweisen vor allem Eines: Es ist ein Photobeweis! Mach Dir selbst ein Bild mit Photobeweis©. Verwenden Sie nicht irgend ein Klopapier! Entscheiden Sie sich für Photobeweis!

 

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12 Antworten zu Interessiert – interessiert nicht

  1. email schreibt:

    Ich weiß was du meinst.

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  2. oblomow schreibt:

    Glückwunsch zum akt der befreiung, den kommentar zum ausgemisteten russophoben lasse ich weg, stattdessen, weil so gerade noch dienstag ist und wir uns im dauerhundertjährigen gedenkjahr befinden, für dich ein gedicht eines großen trinkers auf einen anderen großen trinker, geistige brüder gewissermaßen und brüder im geiste was insbesondere das antimilitaristische betrifft – berliner der eine, (zugereister) berliner der andere:

    Aus der Geschichte

    Wir schreiben
    das Jahr 1914:dieser Mann, der uns
    anschaut, der uns keineswegs mustert, der
    uns sehr lange anschaut, dieser
    Mann ist ganz deutlich
    Biertrinker, sein Bauch
    hat Fässer verschlungen, dieser Mann
    heißt Paul Scheerbart, Dichter aus
    Deutschland, bei
    der Lesung seiner Werke
    überfiel ihn eignes Gelächter, Tränen
    mußte er lachen, wir
    schreiben
    das Jahr 1914: dieser
    Mann beginnt
    einen Hungerstreik
    gegen den Weltkrieg, ein Jahr
    später lebt er
    nicht mehr, dieser Mann, der uns
    anschaut, keineswegs mustert, dieses Wort
    mochte er nicht.

    Günter Bruno Fuchs

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  3. oblomow schreibt:

    Ach so, ergänzend zu Toussaint Louverture noch dieses büchlein aus der reihe Wagenbachs Taschenbücherei: Hans Christoph Buch, Die Scheidung von San Domingo – Wie die Negersklaven von Haiti Robespierre beim Wort nahmen, Berlin 1976

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    • pantoufle schreibt:

      Mensch: Und den kannte ich garnicht. Was für eine Wissenslücke. Von dem stammt der Satz »Charakter ist nur Eigensinn. Es lebe die Zigeunerin!« Diese Utopisten… und ich hab den Namen nicht auf die Reihe bekommen. Vielen Dank für die Nachhilfe!
      Gruß,
      das Pantoufle

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    • pantoufle schreibt:

      Also ich meine Scheerbart. Den anderen Auch, aber Scheerbart:

      Geh nicht fort, hehrer Held!
      Laß die Welt, laß die Welt!
      Trinken könntest Du auch hier;
      O, trinke mit mir!

      Geh nicht fort, hehrer Held!
      Hast Du Zeit, Hab und Gut,
      Dann verbringst Du das auch hier;
      Verbrings doch mit mir!

      Morgen lacht, wer die Nacht
      Nicht zum Schlaf, nicht zum Schlaf
      Wie ein Murmeltier mißbraucht;
      Die Reue verraucht!

      Aber rennst Du mir weg,
      Wird mein Bein, dieses Bein,
      In die Schänke gehn allein;
      Ich liebe den Wein!

      …und noch so viele andere Sachen
      Ich lese jetzt erst mal

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      • oblomow schreibt:

        Hallo, pantoufle, such mal nach Mühsam und Scheerbart, ersterer hat ihm auch ein kleines literarisches denkmal gesetzt, ach was, guckst du hier: http://scheerbart.de/bio/erich-muhsam/

        Freut mich, dass das auch anderen gefällt, sozusagen literatur neben der spur und zwei, nein, drei kurze „gedichte“ gönne ich mir noch, dann lass ich es gut sein:

        DIE GROSSE SEHNSUCHT

        Wenn die große Sehnsucht wieder kommt,
        Wird mein ganzes Wesen wieder weich.
        Und ich möchte weinend niedersinken –
        Und dann möcht ich wieder maßlos trinken.

        Paul Scheerbart

        Kneipentraum

        Langsam erhebt sich die Theke
        und schwimmt mit dem großen Säufer davon.
        Ach, wer da mitreisen könnte…!

        und wegen fortschritt:

        Schularbeiten

        Der Fortschritt
        hat keene Lust, sich
        zu kümmern um
        mir. Und wat mir anjeht, habick
        keene Lust, mir
        um den Fortschritt
        zu kümmern. Denn
        unsereins
        war ja
        als Mensch
        wohl zuerst da.

        So, mein Kind, das
        schreibste
        in dei Schulheft
        rein.

        beide Günter Bruno Fuchs

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        • pantoufle schreibt:

          Den Namen hatte ich im Zusammenhang mit Mühsam auch schon gehört. Aber wie das manchmal so ist: Man springt nicht drauf an oder aufs nächste Thema. Auf Gutemberg haben sie recht ordentlich was da. Da lese ich gerade quer.

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  4. pantoufle schreibt:

    Moin Oblomow

    Ich unterbreche an dieser Stelle meine mühsame Antwort auf Mrs. Mop gerne.
    Whow: Wasn Gedicht!
    Ja, ich sehe meine Schuld ein: Das Gedicht am Dienstag ist eine Verpflichtung, auch wenn ich gerade an anderer Stelle gerade begründen muß, warum nicht der Ton zwischen den Zeilen und die halbe Note ebenfalls eine Aussage darstellt.

    Lassen wir den Russophoben beiseite. Er war nicht der eigentliche Grund. Der Ekel an der Welt ist nie durch einen Namen festzumachen. Es ist meist die Herde.

    Whow: Wasn Gedicht!

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  5. piet schreibt:

    Danke nochmal für Fuchs und Scheerbart, die via Antiquariat nun Eingang im Bücherstapel gefunden haben. Lohnt sich.

    Gefällt mir

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