Die großen Jungs – mögen sie ewig leben

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Picture by the vintagent.com

Und mal wieder ein Gastbeitrag! Oder wie die liebe Tikerscherk es einmal ausdrückte: »Da hat sich jemand Zeit genommen und das ist eigentlich das größte Geschenk: Wenn man bloggt und merkt, dass Leute Zeit opfern/teilen, sich inspiriert und wohl fühlen.« Dem habe ich ich keine Silbe hinzuzufügen, außer vielleicht einem tief empfundenen Dank und daß sich dieser Beitrag sich auf meinen Text »…und nun zum Sport« bezieht. Aber auch das eigentlich überflüssig zu erwähnen.

Gastautor Thelonious:

Mit diesem Reglement kann ich mich anfreunden.

Einfach und klar. Alles ist erlaubt, außer es wird explizit verboten. Allerdings gab es solch ein Regelwerk schon einmal. Beim ersten Autorennen von Paris nach Rouen im Jahre 1894. Und hier werter Pantouffle beginnt meine Kritik an deinem Text.
Ein Passus in den Regeln dieses Rennens war das Verbot von Schuß- oder Stichwaffen. Ein Duellverbot falls es zu einem Unfall zwischen den Teilnehmern kommen sollte. Warum? Autos waren zur damaligen Zeit eine sehr elitäre Angelegenheit und daher ließt sich die Teilnehmerliste auch wie ein Auszug aus dem who’s who des französischen Hochadels. Autorennen waren schon immer ein Spielplatz für reiche Jüngelchen. Und so war der Schnellste auf der Strecke auch ein gewisser Comte Jules-Albert de Dion. Gewonnen hat er aber nicht, da sein Dampfwagen nicht komfortabel genug war. Das gab Abzüge in der Wertung.
Niemand hätte gewagt, die hochgeschlossenen Damen an Start und Ziel als Boxenluder zu bezeichnen. Schließlich waren es die großen Kokotten des fin de siècle. Maitressen, die ihre Körper nur dem Männern von Adel oder Geld zur Verfügung stellten. Das gemeine Volk war zwar nicht ausgeschlossen, musste aber den standesgemäßen Abstand zu den hohen Herren und Damen wahren. So gesehen ist die heutige Formel 1 ein Muster an Demokratie.

Jener Comte de Dion war jedoch, das sei zugegeben, ein begnadeter Konstrukteur und Rennfahrer. (Übrigens nicht nur im Auto. Auch mit dem Motorrad und dem Fahrrad hatte er einige Erfolge).
Politisch war der Marquis eher eine sinistre Gestalt. Der äußersten Rechten zugehörig forderte er erst die Wiedereinführung des Kaisertums. Engagierte sich später für eine die Hinrichtung Dreyfus und machte sich im Alter mit dem Maréchal Pétain und seiner Vichy-Regierung gemein. Das Einzige was er an den Nazis nicht mochte war, dass es Deutsche waren. Dion war für die politische Presse damals das, was Lothar Mathäus heute für den Boulevard ist.

Aber zurück zum Rennsport. Eher als Segler, denn als Rennfahrer bekannt, war Albert Wilhelm Heinrich von Preußen, der Bruder von Wilhelm II, ein Konkurrent Dions bei einigen Rennen.
Manfred von Brauchitsch – ein Onkel des ehemaligen Flick-Managers Eberhardt, dem Erfinder der Abkürzung wg (von Lambsdorff 100.000 Mark wg Bundestagswahl) – war in seiner Jugendzeit ebenfalls kein armer Mensch. Der Werksfahrer von Mercedes wurde zwar nie Weltmeister aber war trotzdem sehr erfolgreich. Deshalb machten ihn die Nazis zum Sturmführers beim Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps. Später wurde er Präsident des AvD und flüchtete irgendwann in die DDR, da der Generalbundesanwalt wegen Hochverrat und Staatsgefährdung gegen ihn ermittelte.
Graf Berghe von Trips, Gunter Sachs, die Liste lässt sich schier endlos erweitern. Deine These vom Rennsport als Betätigungsfeld für echte Malocher ist, zumindest im Automobilbereich, kaum haltbar.
“Proletarisch” ist der Auto-Rennsport nur selten und meist nicht lange. In den 50er und 60er Jahren waren es die Indy-Car-Rennen in Indianapolis oder Daytona. Die Bergrennen in Europa. Rallyes. Aber sobald die Zuschauerzahl stimmte, wurden die Rennen von der Industrie übernommen und ein Geschäft damit gemacht. Die Autos und die Technik wurden für normale Freizeitfahrer unbezahlbar.

Hach, und nun hast du mir mit deinem Artikel eine Steilvorlage geliefert. Ich weiß, es ist dein blog und du solltest die Geschichten erzählen und die Artikel schreiben. Aber vielleicht hast du ja Spaß am lesen.
Ich liebe die amerikanischen big blocks von Ford oder GM. Den 366 Chevrolet mit seinen 6,9 Litern Hubraum, die FE-Maschine aus dem Thunderbird oder die RB 440 des Charger. Den XJ12 von Jaguar (zugegeben „nur“ ein Engländer). Was für herrliche Motoren und welch wunderbare Autos. Leider habe ich sie immer kaputt gefahren. Mit Absicht.

Bis vor 15 Jahren war ich leidenschaftlicher Bangers-Pilot. Für die Unkundigen, Bangers ist wie diese Stock-Car Challenge von Stefan Raab. Nur für Erwachsene. Also nicht in einer Turnhalle, sondern unter freiem Himmel und auf Asphalt ausgetragen. Die Strecke ist oval, die Geraden sind meist eine viertel Meile lang. Es gibt nur zwei Regeln: Es ist verboten, entgegen der Rennrichtung zu fahren und die Fahrertür des Gegners absichtlich zu rammen. Ein Sport, der zur seelischen Ausgeglichenheit führt. Nach dem Rennen kennt man über Monate hinweg nicht einmal die Bedeutung des Wortes „Aggression“.
Es ist ein vergleichsweise günstiges Vergnügen. Alles was man dafür braucht, ist ein Auto vom Schrottplatz, mit einem funktionierenden Motor und einen Sicherheitskäfig, den man sich selbst zusammenschweißt. Einen Benzinkanister, Vier-Punkt-Sicherheitsgurte, einen Helm, einen Feuerlöscher und einen großen Wassertank. Das reicht theoretisch schon, um an einem solchen Rennen teilzunehmen. Mit etwas Glück kann man sogar den einen oder anderen Lauf gewinnen.

Interieur und Scheiben und Stoßstangen ausbauen, Kofferraum und Türen verschweißen. Kühler ausbauen und den Wasserkreislauf mit dem Behälter hinter dem Fahrersitz verbinden. Dort ist auch der Benzinkanister. Er dient als Tank. Die Motorhaube an den Längsträgern verschrauben und fertig ist der Rennwagen. Ach halt, ein Not-Aus-Schalter ist ebenfalls vorgeschrieben. Das war es. Mit ein wenig handwerklichem Geschick kann man sich für zwei- oder dreihundert Mark einen formidablen Renner bauen. Noch etwas Farbe drüber und los geht’s.
Aber nicht in Deutschland. Die wenigen Strecken, die es gab, sind aus Umweltschutzgründen meist längst geschlossen. Holland, Belgien und Frankreich sind angesagt. Dort werden Rennen bis drei Liter Hubraum gefahren. In dieser Klasse dominieren Anfang und Mitte der neunziger Jahre Ford Granada und Consul. Stabil und mit der 2,8-Liter-Maschine auch einigermaßen schnell. Ein /8 oder W123 hat bei diesen Rennen keine Chance. Viel zu weich. Einzig die Datsun sind zu fürchten. Der 280Z oder der Fairlady. Die Gitterbauweise der Rahmen macht sie beinahe unzerstörbar. Aber der Granada ist besser zu fahren.

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Bangers by Thelonious

Rennen ohne Hubraumbegrenzung gibt es nur in England. Dann wird es teuer.
Besser als ein Auto vom Schrottplatz ist ein gut erhaltener Gebrauchtwagen. Es lohnt sich wirklich die Kleinanzeigenblätter zu durchforsten. Hemd und Anzugjacke angezogen und dann ab. Die Spritpreise steigen ständig und die Säufer von Ford will eigentlich niemand haben und der Student vor der Tür macht einen so wohl erzogenen Eindruck. Er ist begeistert von der Rentnerschaukel und bei ihm ist das Schätzchen samt gehäkeltem Klopapierhut gut aufgehoben. Und so wechselt der Wagen den Besitzer. Ein paar Monate später erinnert nichts mehr an Opas gemütliche Familienkutsche. Die Radkästen an den Vorderrädern sind großzügig ausgeflext und der ganze Wagen dick mit Unterbodenschutz lackiert. Freitags geht es los zum Rennen und am Sonntag zahlt der Schrotthändler an der Rennstrecke noch ein paar Mark für den Totalschaden.
Mein Verbrauch liegt bei zwei bis drei Autos pro Jahr. Nicht alle werden für die Rennen benutzt. Ein Granada A Coupé mit Vinyldach steht noch heute in meiner Einfahrt. Eine Krawallschachtel mit einer 3,4-Liter-Maschine von Cosworth. Eine echte Proll-Schleuder. Der Durchschnittsverbrauch liegt bei etwa 16 Litern und der Schadstoffausstoß treibt dem TÜV-Prüfer regelmäßig Tränen der Freude in die Augen. Meiner Frau ist das Auto peinlich. Deshalb benutze ich es nur als Dienstwagen.

Mit der Geburt meines ersten Sohnes werden die Rennen weniger. Und irgendwann ist es Zeit aufzuhören. Aber das letzte Rennen muss schon etwas besonderes sein. England. Mit einem big block. Seit Jahren steht ein 72er Challenger in der Scheune und wartet auf seinen Einsatz.
Firecracker, das ist das Rennen für die großen Jungs. Mehr als drei Liter Hubraum sind erlaubt. Es wimmelt nur von Jaguars, Rovern, S-Klassen, Mustangs, Chargern ein Bentleys selbst ein Rolls Royce ist dabei. Der Challenger steht gut da. Ein Jahr Arbeit, aber schön im eigentlichen Sinne ist er nicht. Die Konkurrenten haben sich dagegen richtig Mühe gegeben. Die Autos blitzen und blinken. Der Rolls hat sogar eine Airbrush-Lackierung bekommen. Der Challenger wurde mit Rostschutzfarbe gerollert. Leider hat diese einen starken Stich ins Rosane. Auf die Fahrertür hat mein Sohn einen bösen Dinosaurier gemalt. Er erinnert stark an eine Wurst auf vier Beinen. Stolz zeigt der Kleine den anderen Fahrern sein Werk und wird gelobt, während ich mitleidige Blicke ernte. Trotzdem kommt ein Oldtimerfan vorbei und will mir den Wagen abkaufen. Nichts zu machen. Nein, mein Herr, Sonntagabend geht es um alles. Rund 10000 Leute stehen dann am Oval und ich will König werden. König für eine Nacht.
Drei Europäer vom Festland, der Rest Engländer. Blöde Rechtslenker. Sie sind es gewohnt von der linken Seite anzugreifen. Ich nicht. Ich werde mich komplett umstellen müssen, sonst werde ich disqualifiziert. Darauf werden sie jedoch keine Rücksicht nehmen. Ich kann nur versuchen schneller zu sein. Sonst reißen sie mich in Stücke. Aber ich bin vorbereitet. Während die meisten anderen ihre Bigblocks gegen kleinere Sechszylinder eingetauscht haben, um mehr Knautschzone zu haben, fahre ich mit dem Originalmotor. 7,2 Liter Hubraum knapp 420 PS. Das sollte reichen. Ich habe es getestet. Am Ende der Viertelmeile fahre ich knapp 120 km/h ein Granada schafft nur etwa 70 km/h. Ich muss nur aufpassen, dass der Motor nicht überhitzt.

Abends ist es schon ziemlich frisch. Schließlich ist es November. Ein paar hundert Meter weiter liegt die Arena. Dort werden schon die ersten Rennen in den kleinen Klassen ausgetragen. Ich sitze mit ein paar Engländern am Lagerfeuer und trinke Bier, während mein Sohn mit ein paar anderen Kindern spielt. Es ist erstaunlich. Er kann kein Wort Englisch und versteht trotzdem, was sie sagen. Er hat seinen Spaß an unserem „Männerwochenende“, denn seine Mutter weigert sich strikt, noch einmal in ihrem Leben ein Rennen mit mir als Teilnehmer zu sehen. „Mein“ Mechaniker wird während des Rennens auf ihn aufpassen. Aber auch ohne ihn wäre es kein Problem, einen Aufpasser zu finden. Die meisten Fahrer sind mit Kind und Kegel angereist. Viel davon kenne ich vom Sehen, sie fahren auch auf dem Festland.

Sie sind die Cracks. Halbprofessionell und beinahe jedes Wochenende bei einem Rennen. Sie fahren viel besser als ich und wir sind uns einig, dass ich keine Chance habe. Es ist Tradition auf der Insel, dass die Fahrer vom Kontinent als erste rausgekegelt werden und zudem gibt es noch einen Holländer, der gerne ein Hühnchen mit mir rupfen will. Beim letzten Rennen habe ich seinem Kombi das Heck abgerissen und so seinen sicheren Sieg vereitelt. Lachend erklärt er, was er im Rennen mit mir machen werde. Wir trinken weiter Bier zusammen und amüsieren uns prächtig. Hier im Fahrerlager feiern wir uns, aber auf der Strecke gibt es keine Freundschaften.
Am nächsten Tag werden die Auslosungen für den Vorlauf bekannt gegeben. Insgesamt sind wir 20 Fahrer in der Gruppe. Die ersten zehn erreichen das Halbfinale. Ich fahre zusammen mit dem Rolls. Glück gehabt, denn den werden alle jagen. Außer mir. Das Halbfinale ist mir so gut wie sicher.
Einmarsch der Gladiatoren. Es ist ein echter Sonntag. Beinahe frühlingshaft. Aus den Lautsprechern dröhnt „Spiel mir das Lied vom Tod“. Das ist so albern, dass ich lachen muss. Wir fahren in die Arena. Die automobile Oberklasse gibt sich ein Stelldichein. Vor der Arena demonstrieren Autofreaks gegen unser Vorhaben.

Vorneweg der Rolls – sein großer Auftritt. Soll er ihn haben. Auf der Motorhaube sitzt mein Sohn. Er wächst um mindestens zehn Zentimeter als wir in die Arena einfahren. Er winkt in die Menge. Der kleine Prinz. Und ich denke an meine Frau und habe kurz ein schlechtes Gewissen. „Alles ganz harmlos”, habe ich immer betont. Aber natürlich gibt es in jedem Rennen Knochenbrüche. Gerade bei den schweren Kisten. Aber jetzt konzentriere ich mich auf meine Bestie.
Leerlauf rein und ein kurzer Gasstoß. Ein Höllenlärm geht los und mein Sohn fällt vor Schreck beinahe von der Haube. Das sollte ich lieber lassen.
Der erste Lauf ist beinahe langweilig. Ich starte von der zweiten Reihe aus und ziehe davon. Die anderen sind mit sich selbst und dem Rolls beschäftigt. Jeder will ihn erlegen.

Zehn Runden später bin ich im Halbfinale. Der Challenger ist noch so gut wie neu, wenn man davon absieht, dass ich ein paar Konkurrenten aus dem Weg räumen musste und damit die Front eingedellt habe.
Jetzt endet das Glück jedoch. Ich erwische einen Startplatz weit hinten. Hey, du Rover, ich will nicht mit dir raufen, ich will ins Finale. Es hilft nichts. Er nimmt förmlich Anlauf und rammt mich auf Höhe der Fahrertür. Idiot. Ich bin ein Linkslenker und das hast du genau gesehen. Dich kriege ich. Vergessen ist der Traum vom Finale. Den Wichser werde ich jetzt und sofort abschießen. Ach Bürschchen du entkommst mir nicht. Zwei Runden später hänge ich an seinem Heck. Eine Runde bleibe ich hinter ihm. Hin und wieder stupse ich ihn ein wenig an. Er weiß genau, was passieren wird. Weg kann er nicht. Er hat das schnellste Auto des Feldes hinter sich. Bete, mein Freund, bete, dass mich einer erwischt bevor ich mit dir Ernst mache. Im Moment will ich nur spielen.
In der Zwischenzeit ist es reichlich unübersichtlich auf der Strecke geworden. Immer wieder kommt die rote Flagge wenn ein Auto nicht mehr fahren kann. Dann wird angehalten oder im Schritttempo weitergefahren. Der Rover-Fahrer schaut in den Rückspiegel und ich winke ihm freundlich zu. Er wird das Ende des Rennens nicht mitbekommen und er weiß es. Und ich weiß, wie er sich fühlt. Ich habe selbst schon ein paar mal erlebt. Der Psychoterror ist das Schlimmste. Am liebsten würde er jetzt aussteigen und gehen. Dann wäre er aber für alle Zeiten ein Weichei. Nein, es gibt keinen Ausweg. Aber vielleicht mache ich einen Fehler? Vielleicht erwischt mich einer seiner Kumpels?

Hoffnung kann so ein schlimmes Gefühl sein.
Neben mir steht der Holländer. Wie oft haben wir uns in Warneton oder auf anderen Strecken beharkt. Was wollte er mir nicht alles antun. Aber ich zeige auf den Rover und er nickt. Wir vom Festland halten zusammen. Ab jetzt habe ich Geleitschutz. Und dann geht es weiter.
Der Rover versucht wieder wegzukommen. Er setzt seine Bremspunkte immer später. Und jetzt ist es zu spät. Er will einem Wrack ausweichen. Der Wagen kommt ins rutschen und ich gebe Gas. 420 Pferdchen wiehern und ich habe ihn. Er steht quer vor meiner Motorhaube und ich schiebe ihn auf die Bande. Eine Vollbremsung und der arme Kerl schlittert weiter und landet in der Mauer. Bang! Das nennt sich wohl Totalschaden. Mein Freund. Du hast es dir verdient!

Ach, die Momente des Triumphes sind so kurz. Nur ein paar Sekunden stehe ich regungslos auf der Strecke und dann bekomme ich einen Schlag. Mein Fuß rutscht von der Bremse und meine Motorhaube bohrt sich in die Flanke des Rover. Der stolze Challenger wird um knapp zwei Meter verkürzt. Ein Datsun fährt mir mit etwa 80 km/h ins Heck. Scheiß Gitterrohrahmen. Das Ding ist hart wie ein LKW und der Challenger nur noch Schrott. Der Terminator wurde terminiert.
Das Publikum johlt und applaudiert. Dafür sind sie hergekommen. Ich fluche.

Obwohl ich das Ziel nicht erreicht habe, darf ich im Finale antreten. Als die Zielflagge sich senkte war ich sechster. Aber was nützt es? Der Motor ist tot. Eine klaffende Wunde zieht sich durch den Block. Nichts zu machen.
Der Rover-Mann kommt vorbei mit zwei Bieren in der Hand. Er begutachtet den Challenger und grinst. „This was a really great bang“. Wir köpfen die Flaschen und schauen uns zusammen das Finale an.

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7 Antworten zu Die großen Jungs – mögen sie ewig leben

  1. altautonomer schreibt:

    Autorennen sind wie Saunagänge: Anstrengungsloses Schwitzen.

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  2. Joachim schreibt:

    ui ui, es riecht nach Benzin und Öl. Schön geschrieben und fein, dass hier sowas geht.

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  3. pantoufle schreibt:

    Ja, sehr schön, daß hier sowas geht – finde ich auch!

    Eigentlich bin ich gerade vollkommen woanders – da gibt es einen alten Japaner, der seit Äonen Triodenverstärker baut (ausschließlich mono) und das auf eine ganz eigenartige Weise. Er vertritt die bemerkenswerte Auffassung, ein Verstärker-Konstrukteur solle zuerst einmal das Gerät bauen und sich dann mit der Theorie beschäftigen. Und so sehen seine Geräte dann auch aus. Die Meinung derjenigen, die genau wissen, wie ein Verstärker auszusehen hat, schwankt dann auch zwischen »furchterzeugend gigantisch« bis »lautsprecherzerstörerisch«. Vermutlich hat die zweite Fraktion aber nur die falschen Lautsprecher. Oder hat Verdrahtungsfehler gemacht; die Verstärker sind nämlich nicht käuflich, sondern nur für den Selbstbau gedacht – daher mein Interesse.
    Nicht daß ich gerade plane, mir einen neuen Satz Verstärker mit Westinghouse-Röhren aus den 40er Jahren als Zusatzheizung ins Wohnzimmer zu stellen, aber schön anzusehen ist es allemal. Eine Philosophie für den Bau wie den Gebrauch hat Susumu Sakuma – wie der Künstler heißt – natürlich auch: «Wenn Du den Verstärker liebst, wird er auch Dich lieben!« Oder so ähnlich. Das hatte ich immer schon vermutet und wenn man sich seine Gerätschaften betrachtet, scheint da wirklich was dran zu sein.

    Zuhause hört er über einen einzelnen (logisch: Ist ja mono!) Lowther PM4 Lautsprecher ab, den er in ein altes Holzfass eingebaut hat. Dieses bekannt übelst klingende Chassis hat er mit mit einem Ölfarbenzusatz namens Dammar eingepinselt und seitdem geht bei Sakumas akustisch angeblich die rote Sonne auf. Schaden kann es nicht – so wie dieser Lautsprecher normalerweise klingt, würde auch das Aufnageln von Teerpappe eine echte Verbesserung darstellen. Da zudem der Verstärker elektronisch ziemlich um dieses Chassis herumentwickelt wurde, wird das vermutlich tatsächlich funktionieren.
    Sendungsbewußt wie der alte Herr ist, gibt er öffentliche Aufführungen mit seinem Zeug: Dann aber mit einer 828H » Voice of theatre« und einem noch älteren Altec-Lansing 1005-B Multizellularhorn. Das wäre glatt eine Versuchung: Diese Trümmer habe ich bestimmt seit mehr als einem Vierteljahrhundert nicht mehr in freier Wildbahn gesehen und auch viele Nächte darum gebetet, daß das nie wieder passieren wird.
    Jeder Tontechniker fortgeschrittenen Alters weiß wovon ich spreche.

    Im Übrigen besteht sein Oldschool-Equipment aus einem Garrad 401 mit Grace-Tonarm und einer Denon DL-102 Cartridge (mono, aber das sagte ich ja bereits). Auch ein CD-Player findet sich (»heavily modified by A&D engineers«) sowie ein DAT-Player.

    Man kann Sakuma san auch besuchen: Er wohnt 2 Stunden mit dem Express-Bus von Tokio entfernt in Takeyama und betreibt dort ein kleines Restaurant namens Concorde, mit dem er das Geld für seine Verstärker-Leidenschaft verdient.

    Was für ein Leben 🙂

    Was ich eigentlich sagen wollte:
    1.) Duelle bitte nach dem Rennen! Es geht hier um natürliche Selektion, nicht um Ritualmord!

    2.) Daß viele der ersten Rennfahrer wohlhabend/adlig waren, ist in Anbetracht der damaligen Kaufsummen und Verbreitung dieser Spielzeuge selbstverständlich. Das änderte sich aber spätestens in dem Augenblick, wo die serienmäßige Herstellung von Kraftfahrzeugen begann. Daß auch der Motorsport – wie jede andere Sportart – kein Garant für politisch fortschrittliche Einstellung ist, versteht sich von selber. Wie sollte es auch: Die Herkunft von Sport ist die »Wehrertüchtigung«. Daß man gekleidet wie ein Papagei nur aus Jux und Dollerei um den Wohnblock rennt oder auf auf dem Fahrrad die Leute verschreckt, ist ein unseliges Zeichen der Neuzeit.

    So, und jetzt weiter mit den Trioden. Vielleicht löte ich ja doch noch was heute… es kribbelt gerade etwas in den Fingern.

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    • Joachim schreibt:

      Trioden? Mach das. Was dabei heraus kommt, wenn man sich einfach Erkenntnissen widersetzt, etwa das Trafos nicht linear sind, Röhren auch nicht, Gegenkoppelung nicht für Nichts gemacht wird, Netzteile einen Einfluss auf den Klang haben, Stereo bei guter Abmischung Transparenz erhöht oder einfach auch mal „vorher Nachdenken“ könnte Sinn machen, das kommentiere ich mal nicht. Immerhin, er denkt über die Masse nach. Gut.

      Wohl aber gebe ich zu, dass „moderne“ Verstärker einfach nicht klingen und dass sich mit den hochohmigen Röhren schicke Dinge tun lassen. Bau das Ding. Es gibt unendliche Möglichkeiten. Die Zusammenhänge zwischen den Komponenten des Amps, den Lautsprechern und dem Raum sind derart komplex, dass es lohnen könnte. Unmöglichkeit ist kein Grund, es nicht zu tun.

      Und das Leuchten der Röhren, die Aufheitszeit und ihre „sanften“ Verzerrungen sind magisch. Besonders wenn man selbst die Löte geschwungen hat…

      Viel Erfolg und gib uns Bescheid, ja?

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  4. altautonomer schreibt:

    Olympischen Spielen 1972 in München: Wilfried Dietrich kämpfte gegen den Amerikaner Chris Taylor, zweite Runde im Superschwergewicht, griechisch-römischer Stil. Im Vergleich zu dem Vier-Zentner-Hünen Taylor wirkte Dietrich, immerhin Olympiasieger von 1960, beinahe schmächtig.

    Das ist ein markantes Beispiel zum Thema „Große Jungs“. Gänsehaut statt C0-2-Nebel.

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  5. pantoufle schreibt:

    Moin Joachim

    Nö, vorläufig nicht. Vielleicht mal für ein kleineres Projekt… Anlage der Holden oder eine der Töchter. Bis auf Weiteres verfolge ich aber einen anderen Ansatz, der mir vertrauter ist.
    Ich beschäftige mich mit dem Zeug schon seit mehr als 30 Jahren (bin über diesen Umweg auch zu meinem Beruf gekommen) und irgendwann löst man sich sich vom Gedanken der einzig seligmachenden Lösung. Eine berufliche Erfahrung besteht auch in der Erkenntnis, daß sich die Aneinanderreihung von Fehlerquellen in der Hoffnung, sie mögen sich gegenseitig kompensieren, nur selten als effizient herausstellt.
    Andererseits habe ich durchaus Vergnügen daran, mit Absicht einen dieser »Fehler« in meiner Kette zu installieren, um einen bestimmten Ton zu treffen. Das ist gerade eben eine Röhrenvorstufe oder auch meine schon etwas abgehangene Studer PR99 MK3 Tonbandmaschine. Nun wird aber der Ton zu 99% von den Lautsprechern erzeugt und mit dem ganzen Rest kann man bestenfalls Nuancen beeinflussen – es sei denn, man greift mit allem Nachdruck ins Klo.
    Was die Lautsprecher betrifft, bin ich allerdings etwas eigen. So wenig wie möglich, am besten nur einen. Weil dann aber unten rum nichts ist, was schiebt, gibt’s Hörner. Hörner (eine verständnisvolle Ehefrau vorausgesetzt), die nach einem in HiFi-Kreisen bewährten Bauprinzip konstruiert werden: Sie müssen durch die Tür passen! Das hat sich gerade in Bezug auf die untere Grenzfrequenz bewährt und nach ein paar Monaten Gewöhnung vermisst man die zugebaute Fläche auch gar nicht mehr.
    Nach 2 Jahren mit AER MK1-Fullrangelautsprechern – zwei Jahre ist etwa die Erträglichkeitsgrenze einer Konstruktion – schreit mein Innerstes nach Evolution. Die alten modifizierten Schmacks-Hörner hat mein Ältester geerbt, während ich mir was neues konstruiert habe. Übergangsweise wieder mit einem Fullrange von Dayton, mit dem ich aber extrem unzufrieden bin. Glücklicherweise muß man sagen, da die sowieso nur als Interimslösung geplant waren. Die nächste Stufe der Evolution – im Bau – wird ein Line-Array mit einem 1m langen und 1cm breiten Magnetostaten-Hochtöner (Eigenbau) zusammen mit jeweils 10 Mission 5cm Mitteltönern pro Seite.
    Pappe bewegt Luft – viel Pappe bewegt viel Luft.
    Die Elektronik dafür existiert bereits und besteht ausschließlich aus Silizium; aus dem einfachen Grund, als daß sich die Abstimmung als dermaßen kritisch herausstellt, daß ich mir nicht noch zusätzliche Minen in Form esoterischer Hardware legen werde.

    Was bis jetzt davon läuft (außer der Elektronik) sind die neuen Basshörner. Die haben sich als Volltreffer herausgestellt; der stolzgeschwellte Brustumfang des Konstrukteurs hat um die Zentimeter zugenommen, als die nutzbare Fläche des Wohnzimmers abnahm. Ich passe wie der Neubau gerade noch durch die Tür.

    Tatsächlich hatte ich aber vor, vielleicht noch eine Extraseite für diese Art Freizeitbeschäftigung einzurichten, so mit Bau – und Schaltplänen, Bildern und so.

    Kleine Röhren-Bastelei. Klingt aber ganz schmiegsam.

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    • Joachim schreibt:

      Revox? Das war der Traum meiner Jugend – gut, nicht der Einzige, der (genauer die) war weit hübscher, aber das Revox kam sehr schnell danach.

      Die Röhrenbastelei oben ist einfach schön. E83CC? Beinahe hätte ich gesagt: alter Perfektionist!

      Röhren und Rock’n’Roll haben was mit einander zu tun. Schon alleine wegen der Zeit. Das ist (auch) schon mein Ding. Der erste (Koffer Guitar-) Amp hatte PL 504 aus TVs von Sperrmüll als Endstufe. Selbst „berechnet“, Class A (was man nicht alles als Class A bezeichnen kann). Es brauchte nur wenig mehr als 30 Minuten in einer alten Schulbaracke, das Fenster auf kipp weil wir sonst um die Scheiben fürchteten und das Ding wechselte für 250DM (?) seinen Besitzer. Der Käufer wohnte einige Blocks weiter und hatte uns gehört… Den Plan, einen Amp mit Scheibentrioden von der Bundeswehr, verwirklichten wir dann aber nicht. Die Philosophie-Lehrerin störte zu oft mit dem Versuch uns nachzuweisen, dass wir keine Schaltbilder malen und gleichzeitig dem Unterricht folgen könnten. Konnten wir, wie die nicht mehr zu verbessernde Note bewies. Immerhin sollte ich einmal ihr Röhrenradio reparieren (nur reinigen), bekam einen Schlag (knapp 250V) und sie fast einen Herzstillstand. Sie, obwohl doch ich das Opfer des Anoden-Elkos war! Falls die das nun zufällig liest, Adeleid, wie wir sie dreist nannten, war der beste und netteste Lehrer, den wir jemals hatten. Ich habe heute noch diesbezüglich ein schlechtes Gewissen.

      Nun gut, also keine Scheibentrioden. Dafür aber Marshall Nachbauten und der abenteuerliche Versuch einem Mesa Boogie Mark I (?) zu verstehen. IMHO war das Teil einfach falsch berechnet, also defekt und deshalb genial.

      Mit Speakern und Boxen, schon gar mit Hörnern habe ich jedoch kaum Erfahrung. Aber eines ist mir klar. Röhren brauchen andere (härter aufgehängte) Speaker und/oder Boxen. Silizium dämpft einfach mehr als so die 6L6, EL-34 oder gar die RCA-50 (Triode). Vielleicht hat der schlaue Susumu Sakuma deshalb die Lowther PM4 „angemalt“.

      tl;dr: also mich interessiert (auch) dieses Thema. Wo bin ich hier nur hin geraten…

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