Fachkräftemangel wohin man sieht

»So, nun nehmt Euch alle mal an den Händen und dann machen wir einen schönen Spaziergang über die Schießbahn!« Klein-Karlchen will nicht: Er will lieber zusehen, wie Papi den Leopard-Panzer einparkt. Das übt er jetzt schon seit einer Stunde, der Passat vom Oberfeldwebel sieht bereits aus wie ein Kanaldeckel und jetzt hat er auch noch die Laterne erlegt. Dabei hat er sie nur ganz leicht mit der Kanone angetitscht. Nun liegt sie da wie der tote Taliban. Wenn Karlchen groß ist, will er auch Soldat werden. Freiwillig! Wie Papi.
Kindertagesstätten in Kasernen.

Eben noch Familie und Soziales – jetzt Afghanistan. Ursula von der Leyen hat das Ressort gewechselt, nicht aber die Themen. Was viele ahnten, die Nato-Partner stets kritisierten und die tapferen Soldaten zu Depressionen oder gleich in den Suff treiben, wird nun energisch angegangen. Kindertagesstätten in den Kasernen – die Ministerin läßt keine 100 Tage verstreichen, um die bohrenden Probleme der Bundeswehr zu lösen. »[…] das ist eine besonders flexible Form der Kinderbetreuung und wir haben den großen Vorteil, daß es in vielen Kasernen den Platz dafür gibt.«

»Mein Ziel ist es, die Bundeswehr zu einem der attraktivsten Arbeitgeber in Deutschland zu machen. Das wichtigste Thema ist dabei die Vereinbarkeit von Dienst und Familie«

Häufigster Kritikpunkt der neugeschaffenen Berufsarmee seien die familienfeindlichen Bedingungen – allerdings nicht die der Familien in Afghanistan oder Mali. Mit deren Problemen würde man spielend mit Drohnen und besserem Gerät für die Soldaten fertig werden. Nein: Gemeint sind die Probleme derjenigen Deutschen, die ihre Laufbahn bei der Bundeswehr mit einer bürgerliche Karriere verwechseln.

Der neu angeschaffte Hubschrauber NH90 fliegt bei der Bundeswehr, obwohl er bei Tests in des USA wegen gravierender Mängel durchgefallen war. Kunststoffteile des Sturmgewehres G36 verziehen sich bereits ab 23 Grad Celsius, die Pistole P8 ist für den Schützen gefährlicher als für den »Gegner«, der Jäger 90 fühlt sich am Boden bedeutend wohler als in der Luft. Die Besatzungen der neuen Korvetten der Braunschweig-Klasse müssen wegen Formaldehydgase im Maschinenraum Atemschutzgeräte tragen, während sie vergeblich versuchen, ihre funktionsunfähigen Lenkflugkörper abzuschießen. Sollten die Kähne spontan absaufen, wäre man zudem mit unbrauchbaren Schlauchbooten konfrontiert. Defekte Getriebe, Software und Klimaanlagen haben den Preis dieses Waffensystems in ungeahnte Höhe getrieben was ebenso für den nutzlosen Kampfhubschrauber »Tiger« gilt. Dagegen waren die Drohnen mit Flugverbot geradezu ein Sonderangebot.
Erwähnenswert auch der teuerste Schützenpanzer der Welt »Puma«. Die übergewichtige Großkatze, die nicht in den vermutlich niemals fliegenden Transporter Airbus A400M paßt, wartet seit 2010 auf ihre Einführung.

Die Schaffung Kindertagesstätten ist bei diesem Klärungsbedarf von entscheidender Bedeutung. Das müssen und werden auch diejenigen einsehen, die die Existenz dieser Armee des Neokolonialismus für geisteskranken Humbug halten… man sollte es nicht für möglich halten.

»Unsere Soldatinnen und Soldaten lieben ihren Beruf, aber sie möchten auch, daß ihre Ehen halten und sie ein glückliches Familienleben führen.«

Angesichts des »Berufes« an sich und den neuentdeckten Aufgabengebieten der Bundeswehr ein Zynismus ohnegleichen.
Ganz abgesehen von der perfiden Idee, die in die Kritik geratenen Anwerbeversuche der Bundeswehr an allgemeinen Schulen durch die Hintertür zu umgehen. Der Kindergarten in der Kaserne, während die Eltern vor der Tür im Gleichschritt marschieren. Wenn das keine frühkindliche Prägung ist…?

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9 Antworten zu Fachkräftemangel wohin man sieht

  1. Stony schreibt:

    Einst wurde der vielgerühmte „Staatsbürger in Uniform“ beschworen, der im Ernstfall eher seinem (ja, hier die männliche Form explizit, denn da gab es Frauen nur im Medizinischen Korps und der Küche) Gewissen als blind Befehlen folgen sollte.
    Dann kam Gutti und schuff die Wehrpflicht zu Gunsten einer Berufsarmee ab, mit der Konsequenz, daß eher „Unterpriviligierte“ (und damit weniger Gebildete) den Dienst als Kanonen(Drohnen-?)futter machten.
    Jetzt kommt Uschi und versucht die letzte Verbindung zur Zivilgesellschaft zu kappen.
    Demnächst dann also komplette Familien beim Bund.
    Irgendiwe erinnert das doch an die geschlossenen Hundertschaften bei der Polizei, wo aus ehemals halbswegs normalen Leuten gezielt Schläger ohne Gewissen gemacht werden.

    Untertan n.0, ick hör dir trappsen!^^

    ps: Pantoufle, erinnerst du dich noch wie wir bei der Ernennung der Uschi über die Motive dieses Schachzugs spekulierten? Das es so perfide werden würde hätte wohl niemand gedacht. Wenn man solche Dinge zu Ende denkt vergeht einem wirklich alles…

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  2. pantoufle schreibt:

    Moin Stony
    Bürger in Uniform: Mit dem Begriff hatte ich immer schon meine Schwierigkeiten. Wer soll denn in den grauen Hosen drinstecken, wenn keine Bürger des jeweiligen Landes? Von Söldnern vielleicht einmal abgesehen.
    Eine Formulierung des kalten Krieges und wie die meisten aus dieser Zeit etwas holperig.

    Ob nun die Umbildung der Bundeswehr in eine Berufsarmee der Schönung der Arbeitslosenstatistik dient oder die Landesverteidigung outgesourced werden soll, ist eigentlich unerheblich. Die Konsequenz einer Trennung zur Zivilgesellschaft liegt aber nahe – man versucht offensichtlich, genau diese Entwicklung zu bremsen. Die allgemeine Wehrpflicht war in der Vergangenheit eine Verbindung zur Gesellschaft, die nun gekappt ist und – nicht erst seit Leyen – geflickt werden soll.
    Im Grunde ist das Manöver der Ministerin ein geschickter Zug: Die Normalität in einem Berufsstand vorgauckeln, dessen Existenzberichtigung der Ausnahmezustand darstellt. Daß der Hubschrauber NH90 auf einem Gelände mit mehr als 40cm Bodenunebenheit nicht landen kann, interessiert kein Schwein – Kindertagesstätten sind dagegen für das schlichteste Gemüt nachvollziehbar. Der »Bürger in Uniform« war bislang eine belanglose Floskel, der man jetzt einen Sinn verleihen muß, ganz abgesehen davon, daß man auf diese Weise der Frage nach dem grundsätzlichen Sinn dieser Armee aus dem Weg geht.

    Die wirklichen Probleme der Bundeswehr, von denen die Beschaffungspolitik nur einen Teil darstellen, sind systemimmanent und reichen bis zu ihrer Gründung zurück. Das kann und will v.d. Leyen nicht beheben. Man stellt ja auch aus guten Gründen keinen Minister dafür ab, die horrenden Steuerverschwendungen im Bereich staatlicher Investitionen zu prüfen und gegebenenfalls zu stoppen.
    Um die Brisanz dieses Postens zu überleben, bleibt der Ministerin nur die Marginalisierung der Probleme, sie auf den kleinsten niedlichen Nenner herunterzubrechen. Wenn sie es fertigbringt, die Altlasten weitgehend unberührt liegenzulassen – es sind ja Probleme ihrer Vorgänger – könnte sie damit durchkommen. Ihr »menscheln« scheint hierfür eine erfolgversprechende Strategie.

    Die Ungeheuerlichkeit ihres ersten Tatendranges liegt für mich in dem kleinen Nebensatz »…daß es in vielen Kasernen den Platz dafür gibt.« Genau das ist kein Platz für Kindertagesstätten.
    Einen Tag später bekommt v.d. Leyen erwartungsgemäß Lob von allen Seiten: Ihre Pläne »zum Umbau der Bundeswehr zu einem familienfreundlichen Unternehmen« scheinen zu gefallen. Daß in dieser Wohlfühllyrik untergeht, daß eine Unternehmen Gewinne erwirtschaftet, während eine Armee nur nutzlos Geld kostet, ist eine andere Geschichte. Man darf die Intelligenz des Publikums nicht überstrapazieren.

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  3. Stony schreibt:

    Der „Staatsbürger in Uniform“ war mir auch suspekt, vor allem wenn man den Kasernenhofton kennengelernt hatte; in meinem jugendlichen Leichtsinn fand ich darin zumindest eine theoretische Verbesserung zum reinen „Kadavergehorsam“ früherer Zeiten, aber letztlich war das schon damals nur Neusprech der keine ehrliche Neuausrichtung meinte und wollte.

    Hmm, ich habe ja die Leyensche Taktik als endgültiges Kappen der Verbindung zur Zivilgesellschaft bezeichnet – deine Erklärung macht ganz klar mehr Sinn, so hatte ich das noch nicht aufgefaßt. Vielleicht habe ich gerade wegen der Absurdität von Kindertagesstätten in Kasernen vor meinem inneren Auge eine solch distopische Zukunft gemalt – die andere Richtung, das neuerliche und immens verstärkte Einbetten der Armee in eine Gesellschaft, die diese (womöglich generell, zumindest aber sicher in Hinblick auf das was gewünscht scheint, darüber kann man vllt. diskutieren) nicht mehr braucht, ist die eigentliche düstere Zukunft. Verhältnisse wie in den USA wären auf lange Sicht vermutlich die (erwünschte) Folge.

    Die Bezeichnung als „Unternehmen“ geht imo noch über die Diskrepanz der monetären Nützlichkeit hinaus – zum einen hat der Köhler hat die Investitionen in eine Armee ja vor seinem Rücktritt schon ‚vortrefflich‘ skizziert, zum anderen ist „dem Deutschen“ (jaja, ich weiß) die Notwendigkeit seiner Loyalität zum Unternehmen (leben um zu arbeiten) ja quasi in die Wiege gelegt.

    Wenn die Uschi das so durchziehen kann und die Leute das schlucken, schlägt sie in der Tat zwei Fliegen mit einer Klappe, ohne dabei die alte Güllegrube zuschütten zu müssen.
    Was für ein Wahnsinn.

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  4. Felix Klinkenberg schreibt:

    So so, eine Armee Familien freundlich. Wie soll man sich das vorstellen, da wir
    für die Kriege unseres Hegemons, fast nur die Gegenden der Welt heimsuchen, wo es nur Groß- Familien hat. Werden dann sorgfältig alle Mitglieder einer Großfamilie Massakriert, damit eventuell übrig gebliebenen Mitglieder, der Schmerz der Trauer erspart wird.
    Humanität nach der neuen Adels Ordnung. Wer gesehen hat, wie unsere von der Leyen, mit den Wehrlosen in unserer Gesellschaft umgesprungen ist, der kann für die Bevölkerung der Länder, die unsere Söldner Heere heimsuchen werden, nur das grausigste Befürchten.
    Wie sagte Warren Buffet. Wir führen Krieg: Die Klasse der Besitzenden gegen die Klasse der nicht Besitzenden und WIR werden diesen Krieg gewinnen!

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  5. Thelonious schreibt:

    Ihr liegt alle ganz falsch. Von der Leyen träumt davon, die ganze Welt in eine Kindertagesstätte zu verwandeln. Und Tante Uschi ist dann die Super-Super-Nanny. Mit der Bundeswehr will sie jetzt nur anfangen. Bald wird am Hindukusch nicht mehr unsere Freiheit verteidigt, sondern nurmehr pädagogisch gearbeitet. Das hört sich auch gleich viel besser an. Die Killerdrohne als finale „stille Treppe“. Das hat er davon: der Neger.

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  6. pantoufle schreibt:

    Moin Thelonious
    Ein N-Wort auf meinem Blog. Am Dienstag Morgen! Wie schön! Ohne signum citationis.
    Das ist recht so. Hier darf man rauchen, trinken, fluchen und Spielzeug für die lieben Kleinen heißt nicht »Puppe mit Migrationshinterrund«.

    Danke für die Aufklärung – ich vermute, daß Du recht hast. Es ängstigt mich dann auch nicht so sehr, daß v.d. Leyen sich mit diesem Kuschelkurs als Kanzlerin in spe aufbauen läßt. Dulce et decorum est pro patria mori: Lächelnd bettet sich der Krieger am Hindukusch zur letzten Ruhe, weiß er seine Kinder doch beschützt von dem fürsorglichen Unternehmen, daß ihm diesen Abenteuerurlaub ermöglichte.

    Was mir dabei ebenfalls in den Sinn kommt: Stehen uns in Zukunft Beschaffungs-Skandale für Kindermöbel und Spielgerät ins Haus? Tische, bei denen nur 3 Beine gleicher Länge sind? Knete mit Formaldehyd und Asbestfasern? Tretroller, die zum spontanen Verlieren des Hinterrades neigen? Es bleibt spannend.

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    • gnaddrig schreibt:

      Beschaffungs-Skandale für Kindermöbel und Spielgerät? Kann gut sein. Sicher wird das Bundesamt für Wehrtechnik und BeschaffungAusrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr wird sicher wieder gute Preise heraushandeln. Das ist dann eine versteckte Form der Subvention an die deutsche Industrie. Man verlangt einfach eine Öse an einer anderen Stelle, so dreikommafünf cm weiter links oder vorn als im von der Industrie (natürlich nach Vorgaben bzw. unter Einbeziehung der Bundeswehr) entwickelten Gerät und zahlt dafür gern einen Aufpreis von zehn oder zwanzig Prozent. (Ungefähr so hatten sie es in den siebziger Jahren mit dem Personenkipper VW Iltis gemacht.) Da steht sicher großes Kino ins Haus.

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  7. Bruno17 schreibt:

    Ziel ist es, die Armee vom endgültig Volke zu trennen. Es wird eine Militaristenclique abseits der Lebenswirklichkeit geschaffen. Lebensziel Krieg. Das Söldnerheer soll ja im Notfall gegen das Volk eingesetzt werden. Da sind dann Söldnerkinder in den Kasernen besser aufgehoben.

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    • pantoufle schreibt:

      Diese Trennung ist eventuell gar nicht nötig. Man braucht nicht unbedingt eine Militärkaste (die in der Form, wie man sie aus Kaiserzeit und Weimarer Republik kennt, ohnehin nicht wiederkommen wird).
      Wenn man sich die Ereignisse in Hamburg nach der Flora-Demo ansieht, setzt das Volk ein Gewaltmonopol staatlicherseits als so selbstverständlich voraus, daß es nicht einmal aufmerkt, wenn dieses Monopol mißbraucht wird. Das Bedürfnis nach Ruhe und Ordnung hat einen globalen Überwachungs – und Kontrollapparat ermöglicht, ohne daß jemand nach dem Sinn fragt, wenn er am Flughafen im wahrsten Sinne die Hosen runterlassen muß ect p.p. Es fehlt schon jetzt die Distanz, zu erkennen, wo fundamentale Freiheitsrechte verletzt werden – käme die Bundeswehr im Innern zum Einsatz, braucht man lediglich die Medienmeldungen entsprechend zu kanalisieren und alle werden es für einen normalen Vorgang halten.
      Schließlich geht es ja um Sicherheit.

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