Presseschredder 12.12.0213

Gelegentlich frage ich mich, warum ich den Schredder eigentlich mache. Wer braucht eine Dokumentation des Untergangs?
»Und hier sind wir wieder mit den aktuellen Nachrichten von der Titanic: Wie wir aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen gerade erfahren haben, sind nun die letzten Schotten gebrochen. In den Räumen der 3. Klasse hat das zu einer gewissen Unruhe geführt – man hat vorsichtshalber die Fahrstühle abgestellt, damit die Rettung der ersten Klasse nicht über Gebühr gestört wird.
Der erste Offizier mußte bedauerlicherweise von der Schußwaffe Gebrauch machen; Trost kam aus Kreisen der Industrie und dem Bankgewerbe, welche diese Aktion als alternativlos befürworten.«

Freies Schußfeld für freie Bürger

Am Mittwoch entschied das Bonner Landgericht gegen einen Schadenersatz der Hinterbliebenen und Angehörigen des Luftangriffs im Kundus. Der damalige Kommandeur Oberst Klein hatte Aufgrund einer falschen Lagebeurteilung amerikanische Kampfflugzeuge angefordert, die 140 Zivilisten, darunter Frauen und Kinder, töteten. Martin Singe vom Grundrechtekomitee:
»Das Urteil ist eine schwere Niederlage für das Völkerrecht und zugleich ein großer Sieg der Bundesregierung, die sich künftig bei weiteren völkerrechtswidrigen Kriegen und Bombardements nicht mehr gerichtlich verantworten will«.

Tja, wie soll man das noch kommentieren?

Neuigkeiten vom Personalkarussell

Die Amtszeit von Bundesbeauftragten für den Datenschutz Peter Schaar (Bündnis 90/Grüne) wird nicht vorläufig bis zu Wahl seines Nachfolgers verlängert. Bundesinnenminister Friedrich will ihn weder vorläufig noch langfristig sehen. Datenschutz rangiert im Gefühlsleben des Innenministers kurz hinter Fußpilz und deswegen hat Schaar umgehend das Haus zu verlassen. Aber nicht übers Geharkte!
Eine Nachfolgerin hat man wohl im Auge: Andrea Foßhoff. CDU, katholisch, ehemalige rechtspolitische Sprecherin der CDU/CSU Bundestagsfraktion. Lehnt eine Teilnahme auf Abgeordnetenwatch.de ab. Hat laut Abstimmungsliste bei abgeordnetenwatch.de stramm nach Parteilinie gestimmt, darunter auch gegen die Homoehe, für religiöse Beschneidungen und gegen die Offenlegung von Nebeneinkünften.
Und wenn wir gerade bei Katastrophen sind: Ursula von der Leyen, die allseits beliebte Zensursula, wird Gerüchten zufolge als „Superministerin“ gehandelt: Internet und digitales, Bildung und Forschung. v.d. Leyen ist wenigstens im Bereich Internet schon aufgefallen, wenn auch alles andere als positiv. Die Einführung der Vorratsdatenspeicherung und diese beiden Personalien können nur noch durch eine Regierungsbeteiligung der SPD getoppt werden. Sigmar Gabriel: Übernehmen Sie! Da wäre noch Platz für sozialdemokratische Werte.

Wird da jemandem sterbenselend? Bitte sterben Sie woanders! Eine unfassbare Reportage in der taz. Um das zu kommentieren, fehlen mir buchstäblich die Worte. Lest selber.

»Der Bug versinkt langsam in den blauen Fluten. Es ist ein phan-tas-tischer Anblick! Die Vorbeieilenden bestätigen durchgehend, daß auch sie so etwas noch nie gesehen haben. Während die Rettungsboote noch mit Girlanden geschmückt werden und die Segel mit der Werbung der Sponsoren dieses einmaligen Untergangs in die Boote gemannt werden, spielt die Kapelle die besten Hits der achtziger, neunziger und den aktuellen Hitparaden.

Und da sind auch schon die Offiziere dieses prächtigen Schiffes. Auch sie rennen, flüchten – besonders einfallsreich der Kapitän, der sich ein Kopftuch umgebunden hat. Ob er wohl als Frau vor dem Wachhabenden Offizier des Rettungsbootes durchkommt? Ja, und nun sehen Sie nur! Der Käptn streckt ihn mit einem einzigen Schuß aus seiner Dienstwaffe nieder! Das war ein Schuß, daran erkennt man den höheren Dienstgrad… und jetzt springt er… fällt beinahe, aber im letzten Moment ziehen ihn helfende Hände an Bord. Ja, das ist echte Solidarität!

Schalten Sie auch morgen wieder ein, wenn wir uns den Tragödien unter Deck zuwenden. Das müssen Sie gesehen haben! Drama, Action, Aufregung und ein unaufhaltsamer Tod! Davon können Sie ihren Enkeln berichten«

na ja…

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7 Antworten zu Presseschredder 12.12.0213

  1. da)v(ax schreibt:

    zu Andrea Foßhoff: O!M!G!!!! Der Horror. Und dazu die Ahnunglose Zensuruschi. m(

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    • pantoufle schreibt:

      Man kann sich aber auch auf keine Katastrophenmeldung mehr verlassen: Nach den letzten Nachrichten ist es Gesundheit und Rente. Zu Recht überlegt man sich gründlich, was man mit ihr anfangen soll. Sie wird ja als Merkel-Nachfolger gehandelt; da könnte sie schon mal üben: Nichts tun!

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  2. da)v(ax schreibt:

    PS: wahrlich pflichtbewusste Kapitäne stolpern allerdings und fallen aus Versehen zielgenau ins Rettungboot 😄 inklusive Köfferchen.

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  3. tikerscherk schreibt:

    Ich lese deinen Presseschredder immer. Unbedingt weiter machen!
    Glücklicherweise ist die Klage des Ehepaares gegen das Hospiz im Hamburger Süden abgewiesen worden.
    Wenigstens eine gute Nachricht.

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    • pantoufle schreibt:

      Ja, natürlich mache ich den weiter – ich brauchte einen EInstieg in die Titanic-Nummer 😀
      Auf der anderen Seite: Tucholsky hat gegen Ende der der Weltbühne eine Kolumne gehabt, die er »Wochenschau des Rückschritts« nannte. Irgendwann hatte ich mir mal nur diese Kolumne herausgelesen, nichts anderes, nur das, was er da geschrieben hatte. Das ergab ein beängstigendes Bild. So bar jeder Hoffnung, folgerichtig; irgend wann bricht es ab und man weiß, daß dann die braunen Horden die Straße beherrschten. Schauerlich.
      Nein, ich bin kein Tucholsky – es ist lediglich die Form, die mir gelegentlich Furcht einflößt.

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  4. Eike schreibt:

    Ich bin überzeugt, dasa 89 % der Sachsen Foßhoff und Leyen begrüßen, es nur noch besser gefunden hätten, wenn sie Männer wären (jetzt Voßhoff und Leyen). Dementsprechend groß wird zumindest der Zonisoli ausfallen. Schöner hätten sie es nur gefunden wenn Biedenkopf mal wieder dran wäre und anstelle der Spd die AFD mitregieren täte. Persönlich finde ich den politischen Stillstand im Moment nur halb fatal (neue Regierung nicht im Amt, alte kann technisch nix bringen). Das sind 99% Fehler weniger, die allerdings zu 150 % leider verbrecherischen Großkonzernen zugute kommen, die ganz absichtlich die Lage für Ihre Möchtegerngeschäftsfelder ausnutzen. Noch Lustiger wird es dann, wenn die SPD-Spaßbasis den nächsten Koalabär abgenickt hat, wobei die großen Posten dann natürlich dem rechten Seeheimer Kreis anheim fallen, wie man beobachten kann, wie eine Volkspartei das Projekt 18 von Splitterdemokraten verwirklicht. Ich warte ja noch auf Flagge auf Halbmast in Trauer um Höneß und Co.
    Zum Hospitz: Ganz typisch für die Deutsche Mentalität. Anerzogen aus Routinen, schon in der 7. Generation. Kann man so auch in JEDEM Schrebergarten dieses Landes finden. Schon mal drüber nach gedacht, dass ein triebtäter sich richtig gut findet und rein gar nix ändern will?

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