Warum die Linkspartei jetzt wichtig für unsere Demokratie ist

Zum ersten Mal in vollem Wichs

Zum ersten Mal in vollem Wichs

»Jüngst saß ich bei einem klassischen Konzert neben Gregor Gysi. Gepflegte Atmosphäre, ein bürgerlicher Salon. Vor dem Konzert sagte er noch was von „sehr konservativ hier“, dann hat er sich voll dem Klanggenuss hingegeben.[…]
Am Ende des Abends hatte ihn das Bürgerliche alles andere als abgeschreckt. […] Wobei sich die konservativen Parteien ja deutlich in Richtung links bewegt haben in den vergangenen Jahren. […] Die Mitte ist nach links gewandert und man könnte sich angesichts dieser Tatsache zu der These versteigen, dass es eine Linke im Parlament eigentlich gar nicht mehr braucht.[…] Eine Regierungsbeteiligung der Linken wird es daher auch dieses Mal nicht geben. Dafür sind sie zu unsichere Kantonisten.«


Nein, die Ausschnitte aus dem Artikel stammen nicht vom Troll »der Herr Karl«, wenn er mal wieder das Beet der Prosa mit der Handgranate pflügt. Das kommt aus der Huffington Post. Ich verlinke das jetzt mal nicht – neben Spiegel-Online scheint diese Postille mit aller Macht daran zu arbeiten, auf keinen Fall verlinkt zu werden. Glückwunsch: Der eingeschlagene Weg scheint erfolgversprechend.
Schön, daß die Bundesregierung so richtig links ist. Alle. Links. Wozu braucht man da noch die Linken? Das schreit ja eher nach einer nach Gegenstimmen aus dem rechten Lager.

»Unsichere Kantonisten«: Dieser Stammtisch-Kampfruf der Stammtische darf natürlich nicht fehlen. Aber eine nette Opposition würde die Linke abgeben. Das meint der Autor, der auch hier nicht namentlich nicht genannt werden soll. Nicht nur hier nicht – wie war das eigentlich? Kein Geld, aber Aufmerksamkeit? Die Namen der Schreiberlinge, die dieses ungare Zeug in die Welt setzen, werden zwar namentlich genannt, aber ohne jeden Kommentar, um wen es sich dabei handelt oder ihre Web-Präsenz. Also googelt man: In diesem Falle handelte es sich um den Herausgeber des »Debatten-Magazins« European. Stellvertretender Pressesprecher der CDU/CSU Fraktion im deutschen Bundestag war er mal. Und bei der WELT als freier Journalist. Ach so: Pressesprecher der katholischen deutschen Studentenverbindungen (CV), dem er über die katholische deutsche Studentenverbindung Rhenania-Moguntia zu Mainz im CV selbst als Mitglied angehört, war er auch; einer dieser studentischen Trachtenvereine. Na schön: Wenn wir schon so weit sind: Der Mann heißt Alexander Görlach. Wenn die Huffington Post ihn schon nicht verlinkt, mach ich das mal – Aufmerksamkeit statt Knete… verstehe.
Eine katholische Hackfresse also. Einer dieser Genossen lag sturzbetrunken in der niedlichen Raucherkneipe »Gleis 8« auf dem Hauptbahnhof Leipzig heute vor mir, als mir nach einem Bier auf meiner Motorradwanderung durch diese schöne Stadt war. Sein Mützlein lag in einer Bierlache, er verschwand wankend für einige Zeit auf dem WC und kam – aus allen Öffnungen entleert – nach einiger Zeit wieder. In einem Zustand, der mich zum Bezahlen nötigte.
Aber das nur nebenbei.

Bildschirmfoto
Was wollte ich sagen? Ach ja: Dieser unbegabte Schülerzeitungskommentar (Der Mann hat immerhin Abschlüsse an renomierten Universitäten in Theologie, Germanistik, Politik- und Musikwissenschaften vorzuweisen) ist entweder nicht von ihm oder eine üble Auftragsarbeit. Was ich noch anmerken wollte, ist das Unverständnis darüber, daß man so eine rechte Verkäsungsbazille wie die Huffington Post als bemerkenswerte Erweiterung des Internets handelt. Die WELT mit modifizierten Bezahlstrukturen.
Görlach hat neben Gregor Gysi gesessen? Gepflegte Atmosphäre und keine Burschenschaftler in einer Bierlache? Das spricht für das diplomatische Geschick Herrn Gysis, daß Herr Görlach ohne maliziöse Kommentare von dannen ziehen konnte –  nicht gegen die Regierungsfähigkeit seiner Partei.
Ich könnte kotzen – aber das hat der beschriebene Corpsbruder schon vorbildlich für mich erledigt.
Erledigt.

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3 Antworten zu Warum die Linkspartei jetzt wichtig für unsere Demokratie ist

  1. Cornfeld schreibt:

    Es gibt halt so eine Riege, die froh ist, daß sie zu was auch immer ihren Sermon absondern darf. Da spielt es dann auch keine Rolle wo. Vermutlich käme für diese Mischpoke ein Aufsatz in Cicero einer moralischen Adelung gleich. Sie springen alle, sobald ein Stöckchen geworfen wird. Und keine Quasselrunde ist zu banal. Diese Görlachs, Barings, Wolffsohns, Friedmans, Broders, Sprengs, Müller-Voggs und wie sie alle heißen, diese Flitzpiepen, deren vorhersehbare geistige Ergüsse so befruchtend sind wie ein in östlichen Gefilden umgefallener Sack Reis verkörpern wunderbar ranzigen Pseudo-Journalismus. Und so lange Markwort, Gottlieb und Konsorten sich Journalisten nennen dürfen werden sie auch ein Forum haben.
    Wobei ich den Buchstabennudeln-Herausgeber als den das Niveau bestens Verkörpernden empfinde.

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  2. Neben mich hat sich während eines konzerts mal der komponist Karlheinz Stockhausen gesetzt. Wenige jahre nach diesem ereignis verstarb der komponist.

    Gäbe es die »Schrottpresse« oder »Gedankenverbrechen« nicht, wäre es mit nicht einmal aufgefallen, daß es neuerdings so eine »granate« wie die Huffpo gibt. Dank für die information. Schreib aber bitte nicht zu oft darüber, denn kotzende corpsbrüder gehen mir an die magennerven.

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  3. pantoufle schreibt:

    Moin, Mechtihild
    Keine Angt: Ich werde mal abwarten, wann der Wechselbalg von Burda seine Flegeljahre hinter sich gelassen hat. Vorher hat es wohl wenig Sinn, täglich das Verfallsdatum eines Brechmittels zu überprüfen. Der Name des Verlags ist allerdings Garantie dafür, daß das bis auf Weiteres nicht absehbar ist.
    Der Start des Rennens um die Aufmerksamkeit im Internet war nur in so weit bemerkenswert, als man sich sehr weit auf der rechten Startposition einordnete – zur linken: SpOn und die FAZ. Wie Cornfeld schon so richtig bemerkte: Da gibt es immer ein paar Lautsprecher, die sich bei solchen Gelegenheiten in die erste Reihe drängeln.

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