Presseschredder 18.9.2013

Meinungs-Formung I

Haben die syrischen Regierungstruppen nun Giftgas eingesetzt oder waren es doch die »Rebellen«? Wer Präsident Assad dieses Kriegsverbrechens bezichtigt, gerät schnell und zu Recht in den Verdacht, den Falken aus Washington und Paris das Wort zu reden. In der offiziellen Wahrnehmung der Nachrichtenlage beharrt im Moment nur die russische Administration darauf, die Opposition wäre der Schuldige: Ein Standpunkt, der einer gewissen Logik nicht entbehrt.
Als nächster im Reigen hat nun Human Right Watch sein Statement abgegeben. Nach den dieser Organisation vorliegenden Beweisen sollen tatsächlich die Regierungstruppen die Granaten abgefeuert haben. Wäre es nicht Human Right Watch… das ist nun allerdings ein honoriger Verein. Der Verstand weigert sich mangels Folgerichtigkeit weiterhin an einen solchen Tatbestand zu glauben: Hat man den Beweisen »nachgeholfen«? Die CIA? Die… was weiß ich wer? Tatsache ist, daß die Unterlagen und Beweise aus dritter Hand stammen, von den sogenannten Rebellen. Vor Ort war niemand von denjenigen, die für die Analyse verantwortlich waren.
Es ist manchmal ein harter Kampf, nicht zum Verschwörungstheoretiker zu werden.

Meinungs-Formung II

In den Bereich der Verschwörungstheorien gehört auch der Totalausfall des Gehirns eines gewissen Sigmar Gabriel. In der Günther Jauch-Show »Keine Regel – Tiefschläge erlaubt« unterstellte er der Partei DIE LINKE, vertreten durch Sarah Wagenknecht, die Verantwortung an der nationalsozialistischen deutschen Geschichte zu leugnen. Frau Wagenknecht war zu Recht sprachlos, auch niemand der anderen Anwesenden widersprach.
Nach diesem Niveau-Limbo besteht kein Zweifel daran, daß die SPD und ihre Altherrenriege als bestmögliches Ergebnis am kommenden Sonntag die Ablösung der FDP in Funktion und Prozentpunkten plant. Gabriels Hinweis auf die 150. jährige Geschichte des Namens »SPD« muß unter diesen Umständen als Nachruf verstanden werden.

Meinungs-Formung III

Die FAZ lässt zur Meinungs-Formung gleich den Fachmann, genauer die Fachfrau ran. Bevor man die Feder einem Unwürdigen aus der eigenen Redaktion in die blutige Hand drückt… Frau Renate Köcher vom Allensbach-Institut für Meinungsformung weiß, warum die Nichtwähler Nichtwähler sind. Ganz genau und ohne jeden Zweifel.
»Die Übrigen, die zur Wahlenthaltung tendieren, kennzeichnet vor allem ein weit unterdurchschnittliches Interesse an Politik. «
Es gibt aber auch Menschen, die für das Nichtwählen Gründe haben:
»Diesen „politischen“ Nichtwähler gibt es, doch ist er keineswegs typisch für die Bürger, die sich nicht oder nur sporadisch an Wahlen beteiligen. Nichtwähler kennzeichnet vielmehr durchgängig eine weit unterdurchschnittliche Anteilnahme an politischen Entwicklungen
Frau Köcher sagt nicht, daß dieser Teil der Bevölkerung unterdurchschnittlich intelligent wäre. Sie drückt es diplomatisch aus:
»Sie unterhalten sich nicht nur kaum über die bevorstehenden Wahlen, sondern generell nur wenig über Politik und verfolgen auch politische Sendungen und Berichte weitaus weniger als der Durchschnitt der Bevölkerung.«
Wie nun genau dieses Institut zu seinen Ergebnissen gekommen ist, bleibt im Ungewissen. Der Artikel enthält leider nur unterdurchschnittlich wenig Argumente und Beweise.
Streng genommen wird dort nur behauptet, der Wahlkampf wäre überdurchschnittlich spannend und es würden mindestens so viele Wähler zur Urne schreiten wie beim letzten Desaster. Wissenschaftlich, wie es sich gehört, wird sogar angemerkt, daß die Beteiligung vor 20, 30 Jahren höher war als heutzutage. Weil sich überdurchschnittlich mehr Menschen für Politik interessierten.

Frau Renate Köcher vom Allensbach-Institut: Ihre ganze Studie ist solange Kokolores, solange Sie um den Kern der Sache herumlavieren. Das vergleichsweise unterdurchschnittliche Interesse an Politik hat Gründe. Ob Sie es nun glauben oder nicht! Und auch die Diffamierung derjenigen, die aus durchaus politischen Gründen oder Brechreiz nicht zur Wahl gehen, ist wenig zielführend. Vielleicht liegen ja die Nichtwähler richtig und nicht das lammfromme Volk, dem Sie hier das Wort reden. Schon mal darüber nachgedacht?

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6 Antworten zu Presseschredder 18.9.2013

  1. Pingback: Links 2013-09-19 | -=daMax=-

  2. piet schreibt:

    Human Right Watch ist meiner Meinung nach kein honoriger Verein. Eher Teil der Show und das auch schon in anderen Angriffskriegen vorher. Zugegeben, sie machen das ganz geschickt und sind auch nicht die einzige funktionelle NGO. Ich nenn mal noch Reporter ohne Grenzen.

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    • pantoufle schreibt:

      Ja und nein. Man wird ja genügsamer mit den Jahren.
      In diesem Fall unterstelle ich einfach mal den selben Fehler, den schon die Reporter von le Monde gemacht haben. Beweise aus dritter Hand, keine gesicherten Transportwege derselben – was ich nicht glaube: Bewußt auf das Ergebnis »Assad« hingearbeitet zu haben. Nenn es Naivität oder Glauben an das Gute. Die Kräfte, die am Schuldigen Präsidenten Syriens interessiert sind, wären durchaus imstande, jeden Beweis in die gewünschte Richtung zu manipulieren. Ergo ist es beinahe schon egal, in welche Richtung sich die zu erstellende Verschwörungstheorie richtet.

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  3. juergengerdom schreibt:

    Die beiden Geiseln, der italienische Journalist Domenico Quirico und der belgische Historiker Pierre Piccinin, haben nach 5 Monaten der Gefangenschaft durch die sog. Rebellen in Syrien sofort bei der Ankunft in Rom berichtet, sie hätten Telefongespräche mitgehört, denen zufolge die Rebellen die Anschläge verübt hätten. Muss drum nicht evident sein, aber es ist schon auffällig, wie der größte der Teil der internationalen Presse diese Aussagen verschwieg.

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    • pantoufle schreibt:

      Sehen wir es mal unter dem Aspekt, daß man in Berlin duchaus unwillig ist, wenn es um die Aufnahme nicht nur von syrischen Flüchtlingen geht, aber überaschend schnell ist mit einem Kriegsbeitritt an der Seite der USA oder Frankreichs. Der gefühlte Druck der Nato erheblich größer als humanitäre Bauchschmerzen.

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