Von Russland lernen heißt siegen lernen

Verkehrte Welt: Ausgerechnet der wichtigste Waffenlieferant Syriens könnte mit einem Statement die Militärmaschine der USA im letzten Augenblick stoppen. Dank der Großmäuligkeit des US-Außenministers John Kerry gegenüber britischen Reportern am Montag. Auf die Frage, ob Assad mit irgend einem Zeichen den drohenden Militärschlag stoppen könne, warf Kerry die Idee in den Ring, Assad könnte ja innerhalb einer Woche seine Chemiewaffen abgeben. In einem Nachsatz versicherte er, daß diese Möglichkeit aber jenseits des Denkbaren wäre – falsch, wie sich herausstellte.
Der russische Außenminister Sergej Lawrow tat daraufhin das, was die Obama-Administration so lange vermieden hatte: Er forderte die syrische Regierung auf, ihre Chemiewaffen unter internationale Kontrolle zu stellen und sie zu vernichten. Der Außenminister Syriens Walid al Muallim begrüßte den Vorschlag und stimmte ihm grundsätzlich zu.

Da konnte Kerry noch so viel relativieren, die Sprecherin des Außenministeriums Maria Harf noch so verzweifelt zurückrudern: Der Zeitpunkt des russischen Vorstoßes sei kein Zufall – man bereite schließlich einen Krieg vor und genau jetzt reinzugrätschen wäre sehr unsportlich, die Zusage Assads käme »zu spät, um glaubwürdig zu sein«. Der US-Außenminister wollte seine Bemerkung weder als Ultimatum noch als Angebot verstanden wissen: Eine Lesart, die man in Moskau geflissentlich überhörte.
So sieht es also aus, wenn man einer anlaufenden Kriegsmaschine einen Balken ins Getriebe schiebt. Walid al Muallim: »Die Arabische Republik Syrien begrüßt die russische Initiative […] Wir sind überzeugt von der Weisheit der russischen Führung, die sich bemüht, die amerikanische Aggression gegen unser Volk abzuwenden.« Auch der deutsche Außenminister Westerwelle nutzte den Augenblick um zu versichern: »Wenn sichergestellt würde, dass die Chemiewaffen des Assad-Regimes nicht mehr eingesetzt werden können, wäre das ein großer Schritt vorwärts

All das wegen einem kleinen Aussetzer während einer Pressekonferenz in London. Präsident Baschar al-Assads goldene Brücke – made in russia. Assad müßte mit dem Klammerbeutel gepudert sein, ließe er sich nicht auf diesen Deal ein. Seine große – wenn nicht einzige – Chance, dieses Bürgergemetzel in aller Ruhe zu Ende zu bringen. Chemiewaffen braucht er dazu nicht, dazu reichen die Liebesgaben seines russischen Verbündeten vollkommen aus. Schweres Gerät gegen eine zersplitterte und schlecht bewaffnete Opposition; der Einsatz von international geächteten Waffen würde lediglich seine politische Zukunft für die »Zeit danach« unmöglich machen. Also weg mit dem Zeug. Sollte dann noch irgendwo eine Seele durch Gas geschädigt werden: Er kann es nicht gewesen sein.

Und noch etwas anderes spricht dafür, dem russischen Angebot zu folgen. Die bis zu diesem Zeitpunkt 24 Staaten, die sich dem Kriegspfad Obamas angeschlossen haben, müßten zugeben, kein anderes Mittel mehr gegen ihn in der Hinterhand zu haben. Die Zustimmung zu der US-Intervention war bereits die ultima ratio regum, nachdem man seit Beginn dieses Krieges durch Untätigkeit glänzte.
Die rote Linie Obamas: Ein Fallstrick. Das undurchsichtige Gemenge der angeblichen Kriegsgründe: Vom Winde verweht und eine Einladung an den US-Kongress, das in der Luft schwebende »Nein« laut und deutlich auszusprechen.

Einen Sieger gibt es bereits: Russland. Sich zuerst der »Liga der Willigen« verweigern und dann die wahrscheinlich einzige Möglichkeit nutzen, die amerikanische Militärmaschine zu stoppen, Obama wie einen begossenen Pudel dastehen zu lassen. Nicht nur den US-Präsidenten – auch all diejenigen, die sich aus welchen Gründen auch immer den Falken aus Washington angeschlossen haben.

Für das syrische Volk aber hat sich dadurch wenig verbessert. Assad sieht, so er diese einmalige Chance nutzt, wie der vorläufige Gewinner dieses Kasperletheaters aus. Die EU hat ihre Handlungsunfähigkeit bereits eindrücklich unter Beweis gestellt, alle Wege von Verhandlungen und Einflussnahmen könnten bis auf Weiteres über Moskau laufen. Und Putins Syrien heißt Baschar al-Assad.

Man kann es auch kürzer sagen: Die roten Schuhe

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