Gastbeitrag von irgend jemandem

Die Wikipedia-Abmahnungen des (2.August 2011)
Vergiftete Äpfel statt Brötchenfotos: Fotografie von , CC 3.0 Deutschland (siehe auch unten)

Zu den Wikipedanten, die wirklich jeden nerven, gehört die Riege der Fotografen. Während Wikipedia-Autoren selbstlos der Welt ihre Texte spenden, ohne den Ruhm als Autor zu genießen, beansprucht ein Großteil der Lichtbildspender die Urheberbenennung (§ 13 UrhG) und einen Link auf den Lizenzhinweis. Wer also solche Bilder in der Wikipedia (“freies Wissen“, haha) verwenden will, darf dies nur, wenn er eben die Regeln beachtet – und überhaupt erkennt, was man von ihm erwartet.

Das strukturelle Problem der eitlen Fotografen und Lichtbildner mit der Wikipedia ist aber, dass in Wikipedia-Artikeln selbst eben gegen genau die beanspruchte Namens- und Lizenznennung verstoßen wird: In Wikipedia-Artikeln wird bei keinem Bild eine Urheberbenennung etc. angezeigt. Damit tappen viele in die Falle, weil sie das Bild mangels zumutbar erkennbarer Information für “gemeinfrei” halten und selbst verwenden.

Zu den gegenwärtigen Favoriten für den Titel des unverschämtesten Wikipedanten zählt aktuell Herr , der derzeit reihenweise seinen Anwalt entsprechende Abmahnungen versenden lässt. und sein forscher Advokat schröpfen ihre Abmahnopfer gleich :

Die Abmahnopfer werden zunächst zu einer “Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung” nebst entsprechenden Abmahnhonorar aus einem Streitwert von 3.000,- Euro gebeten (welcher Laie kann das ausrechnen?)
Wer dumm genug ist und zahlt, wird von s geschäftstüchtigem Advokat in Anspruch genommen: Diesmal soll Schadensersatz gezahlt werden wegen der angemaßten Lizenz – und ein Honorar aus einem Streitwert von 3.000,- Euro.

Fangen wir hinten an: Der Streitwert aus einer vorgerichtlichen Schadensersatzforderung richtet sich nach der Höhe des begehrten Schadensersatzes – in einem mir vorliegenden Fall läge der Streitwert dann bei 175,- Euro statt 3.000,- Euro. Das sollte s Anwalt eigentlich wissen. Von seiner Honorarforderung für die Lizenzforderung könnte der sympathische Kollege gerade einmal 46,41 Euro statt 371,18 Euro durchsetzen – theoretisch.

Ob er die Kosten der Abmahnung selber verlangen darf, ist ebenfalls aus mehreren Gründen zweifelhaft: Wer freiwillig ein Bild in die Wikipedia einstellt, wo weder Name noch Lizenzbedingungen genannt werden, dann aber genau darauf besteht, handelt ein kleines bisschen widersprüchlich, um das Wort “Arglist” einmal zu umschiffen. An diesen provozierten Lizenzirrtümern trägt doch wohl eine gewichtige Mitschuld, § 254 BGB.
Eigenartig an s Abmahnungen ist jedoch, dass sein Anwalt offenbar nur eine Vorstellung davon hat, wie . So verlangt in seiner vorbereiteten Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, das Abmahnopfer solle auf die hinweisen – diese aber nicht einmal. Offenbar also nicht einmal und sein Advokat, was genau sie von ihrem Abmahnopfer können – werfen diesem aber genau diese Unkenntnis vor.

Und wenn man dann schon auf einem so Niveau , darf natürlich auch die falsche Anspruchsgrundlage für den Kostenersatz von urheberrechtlichen Abmahnungen nicht fehlen, den s Rechtsberater lediglich als Ersatzanspruch aus Geschäftsführung ohne Auftrag verlangt. Für so einen auch noch Geld zu fordern, ist schon selten .

Aber damit nicht genug: Kürzlich feuerte der Anwalt, den jemand sachlich auf meine Kritik an seinem Geschäftsmodell seiner Rechtsberatung ansprach, eine ganze an beleidigenden Unterstellungen gegen meine Person ab – Personalisieren von Kritik ist eine typische -Reaktion. Da ist es natürlich keine Überraschung, dass auch der Anwalt zur Kaste der zählt und sich auf seiner Website als Wikipedia-Autor und Editor feiert.

Der Anwalt, der mit , und zwei renommiert, ist erstaunlicherweise nicht willens, eigene Aktenzeichen zu generieren und fremde anzugeben, versendet seine Schriftsätze Schreiben als , dieses gerne auch einmal . Glatte rechte Ränder schätzt er auch nicht, wenn man eine Vollmacht sehen will, muss man .

Der -Anwalt, den sein Mandant als Beantworter einer Journalistenfrage vorschickte, warf mir einen sorglosen Umgang mit den Persönlichkeitsrechten seines Mandanten vor, weil ich diesen namentlich genannt hätte. Hallo? Wenn ich seine Lichtbilder verwende, MUSS ich ihn doch nennen – sonst schickt mir sein Anwalt doch eine teure Abmahnung. Mann, Mann, Mann, …

Wenn wirklich seinen Anwalt für seine eitlen Serienabmahnungen wegen Nichtbenennung beauftragt hat, dann müsste er doch eigentlich für jede einzelne Abmahnung Euro an gezahlt und das Risiko der Uneinbringlichkeit eingehen. Bin ich der einzige, der Zweifel hat?

Dieser Gastbeitrag ist – wie gesagt – von irgend jemandem. Er steht unter einer »jeder kann damit absolut alles machen, was er will« Lizenz.
Mir persönlich liegt es vollkommen fern, Worte wie Abmahnzecken oder Lizenz-Asseln in den Mund zu nehmen, wenn es sich auch bei der Lektüre aufdrängt. Ein Urteil dazu aber maße ich mir nicht an; es fehlt mir dazu an juristischem Sachverstand. Der steht an anderer Stelle.
Diverse Anwälte betreiben Blogs, auf denen man sich über diese Probleme informieren kann und auch, wie man damit umgehen sollte. Jeder Blogger hat gute Gründe, sich darüber zu informieren. Bekannte Anlaufadressen wären dafür Markus Kampa, Udo Vetter oder Thomas Stadler.

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bildungsauftrag abgelegt und mit , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

6 Antworten zu Gastbeitrag von irgend jemandem

  1. Der Duderich schreibt:

    „Der Anwalt, der mit , und zwei renommiert, ist erstaunlicherweise nicht willens, eigene Aktenzeichen zu generieren und fremde anzugeben, versendet seine Schriftsätze Schreiben als , dieses gerne auch einmal . Glatte rechte Ränder schätzt er auch nicht, wenn man eine Vollmacht sehen will, muss man .“

    ‚Grammatik schlecht ist‘ (Yoda)
    😉

    Gefällt mir

  2. Der Duderich schreibt:

    Echt nix für ungut, Pantoufle, aber dieser Gastbeitrag klingt teilweise wie unter dem Einfluss von gen-manipulierten Weed verfasst…

    Gefällt mir

  3. pantoufle schreibt:

    Ich finde ihn sehr amüsant, wenn man den Hintergrund kennt.

    Gefällt mir

  4. altautonomer schreibt:

    Zu wikipedia mal ein paar grundsätzliche Bemerkungen, um aufzuzeigen, wie gefährlich irreführend dieser Internetbrockhaus sein kann:

    1. Feministinnen haben es schwer, dort zu schreiben.
    http://isis-welt.blog.de/2013/05/11/erkenntnisse-arbeit-wikipedia-15955525/

    2. Zum Stichwort „Ökologische Linke“ ist unter anderem zu lesen: „Laut dem Politikwissenschaftler Andreas Schulze nehme die Ökologische Linke für sich in Anspruch, als einzige Bewegung „wahre“ ökologische Politik zu betreiben und bezeichne „nahezu jegliche andere ökologische Richtung, vor allem den Veganismus“, als „Ökofaschismus“.[8] Die Ziffer 8 verweist auf ein Buch des CDU-Protegees Andreas Schulze: Kleinparteien in Deutschland. Aufstieg und Fall nicht-etablierter politischer Vereinigungen. Deutscher Universitäts-Verlag, Wiesbaden 2004
    Es findet sich kein Hinweis darüber, wer von der Ökolinx wann und bei welcher Gelegenheit das gesagt hat.

    In meinen Augen nur Sekundärquellen. Trotzdem wird die Behauptung von rechts immer wieder kolportiert.

    3. Das Thema „http://de.wikipedia.org/wiki/Nierenstein“ enthält unter den Ernährungsempfehlungen eine unverantwortlich unvollständige Liste von Nahrungsmitteln, die „zu reduzieren“ statt völlig zu vermeiden sind (Hyperoxalurie entsteht bereits bei geringer zusätzlicher Aufnahme von Oxalsäure). Kaffe ist unbedenklich, genauso wie weiße Schokolade (Null Ox). Dazu habe ich wiederholt etwas geschrieben und meine Angaben belegt. Keine Ergänzung bis heute.

    4. Unter dem Stichwort „Schokolade“ findet sich weder im Kapitel „Inhaltsstoffe“ noch im Abschnitt „Ernährungsphysiologie und negative Auswirkungen“ der Hinweis auf den hohen Anteil von Oxalsäure in dunkler Schokolade. Wiederholte Textergänzungen von mir mit Belegen wurden bis heute unterdrückt.

    Gefällt mir

  5. pantoufle schreibt:

    Ein bekanntes Phänomen: Viele Fachleute haben der Wikipedia den Rücken gekehrt, weil ihre Artikel von Leuten korrigiert wurden, denen es – um es vorsichtig auszudrücken – an der nötigen Kompetenz mangelte. Die Probleme der Wikipedia sind systemimmanent: Jeder darf mal, wenn man es für relevant hält. Es ist ein Vor – und Nachteil zu selben Zeit. Es führt zu einer »Proletarisierung des Wissens« und der Ohnmacht der Gegenargumente. Wenn es in der Wikipedia steht, wo ja sogar die FAZ abschreibt, dann…
    Mir selber fällt es besonders im historischen Bereich auf, wo zum Teil haarsträubende Schlußfolgerungen gezogen werden – ohne daß ich unterstellen möchte, daß das in voller (manipulativer) Absicht geschieht: Unfähigkeit reicht als Begründung vollkommen aus. Von seiner Struktur und Anspruch der Wikipedia ist die Tendenz zur Verflachung von Analysen vorgegeben. Unfreiwillig komisch wird es dann, wenn diejenigen, die ihre Argumentation aus den Wikipedia beziehen, das dann mit »die Wikipedia ist aber der Meinung…« bekräftigen. Es kommt häufiger vor als man denkt – achte mal darauf (womit sich allein semantisch die Wiki als unabhängige Quelle erledigt hat. Über den wissenschaftlichen Wert braucht man dann gar nicht mehr zu streiten.)
    Als erste Anlaufadresse ist es großartig; die Zeiten, wo »Meyers Konversationslexikon« als unumstößliche Autorität das Gespräch beherrschte sind vorbei. Das kann man bedauern, aber nicht ändern. Auch das hatte seine Nachteile. Niemand aber wäre auf die Idee gekommen, sich aus Meyers Konversationslexikon eine Meinung zurechtzustricken. Es diente zur Bestätigung des eigenen Gedankens.
    O tempora, o mores.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s