Kommunikation im Netz braucht Schutz

Manchmal, wenn Du still in der Ecke hockst, der Ekel dich peitscht und Du glaubst, es kann nicht schlimmer kommen… Dann kommt Bundesinnenminister H.P. »Schredder« Friedrich!
Was fällt einem beim Namen des Bundesinnenministers als erstes ein? Nein: Nicht Tanzbär oder Islamophobie! Der Schrottpresse jedenfalls kommt zuerst der sogenannte Bundestrojaner und die Vorratsdatenspeicherung in den Sinn. Nicht nur das, sondern die sabbernden Mäuler diverser Innenminister ebenfalls, die glauben, ohne dieses Instrument keinesfalls weiterexistieren zu können.

Was mir allerdings als Letztes einfallen würde, daß dieser Bundesinnenminister öffentlich dazu aufruft, privaten E-Mailverkehr zu verschlüsseln und »Virenabwehrprogramme« zu installieren. Genau das tut aber dieser Innenminister, nachdem er vor dem parlamentarischen Kontrollgremium Rede und Antwort über seine nutzlose Amerikareise stehen mußte. Antworten hatte er nicht. Jedenfalls sind keine bekannt: Das Ganze war natürlich unglaublich geheim.

Nicht ganz so geheim und kaum unerwartet: Die Zahl der angeblich verhinderten Attentate durch die NSA erweist sich mehr und mehr als Anglerlatein. Strengster Geheimhaltung dagegen unterliegt, wie Innenminister Friedrich die Programme Prism und Tempora überhaupt noch mit dem Wort »Terrorismus« in Verbindung bringt. Höchste Zeit für ihn, die Synonyme Kinderpornographie und Raubkopierer wieder ins Gespräch zu bringen.

Wir blenden zurück: Am 8. Oktober 2011 gab der Chaos Computer Club bekannt, mehrere Versionen eines äußerst schlampig programmierten Trojaners analysiert zu haben, der mit großer Sicherheit von Bundesbehörden eingesetzt wurde. Wurde er auch. Einer nach dem anderen gab das unter Heulen und Zähneklappern zu. Die Diskussionen darüber sind legendär: Was damals im Bundestag für Argumentationen gerade von Seiten der Koalition als Begründung für die Online-Überwachung aus dem Ärmel gezaubert wurden… es war herzallerliebst!

Rund zwei Jahre später sind die Spione die Opfer von Spionage – oder Mittäter, so genau wissen das angeblich nicht einmal die Spione. Einen Computer-Club, der ihnen fachlich ein wenig auf die Sprünge hilft, haben sie auch nicht. Sie sind auf ihr eigenes Personal angewiesen und folgt man ihren Statements, so versagt das gerade auf der ganzen Linie.

Vor ein paar Tagen hat das Bundeskabinett die nächste Ausbaustufe der Vorratsdatenspeicherung ziemlich widerstandslos durch die Abstimmung gewunken. Da war niemand, der über diesen blödsinnigen Versuch, die Reaktionsfähigkeit des Bundesverfassungsgerichtes zu überprüfen, auch nur gelacht hat.
Jetzt lautet der Kommentar vom Dienstherren dieser Behörden, die Bürger sollen sich gefälligst selber um den Schutz gegen Vorratsdatenspeicherung und gegen Spähprogramme sogenannter Verbündeter kümmern.

So, liebe Kinder! Nun setzen wir uns alle wir hin und ziehen uns die Stiefel wieder an, aus denen es uns gerade gehauen hat. Erst den Linken und dann den Rechten.

»Daß Sicherheit in Europa nur in Zusammenarbeit mit allen Partner möglich ist, das muß man sehen und das würde ich auch niemand raten, in Frage zu stellen, denn das kann sehr schnell ins Auge gehen.« […]
Verschlüsselungsprogramme, Virenabwehrprogramme – all diese Fragen müssen noch mehr in den Focus gerückt werden. Die Menschen müssen sich bewußt werden, daß Kommunikation im Netz auch einen Schutz bedarf und auch das ist eine Diskussion, die wir vorantreiben werden.«

Soweit Innenminister Friedrich. Erst drohen, dann faseln.

Man fragt sich, woher Friedrich eigentlich den Begriff Verschlüsselung kennt. War das nicht etwas, was man mit dem Bundestrojaner umgehen wollte? Und wie naiv muß man sein, um anzunehmen, daß die private Verschlüsselung dagegen helfen würde, von Geheimdiensten überwacht zu werden?

Der erste Schreck, die erste Reaktion. Seit Wochen hat niemand aus diesen Kreisen auch nur den Hauch einer Antwort. Das ist ein ziemlich einmaliger Vorgang: Mir kommt auch bei längerem Nachdenken nichts in den Sinn, daß mit einer solchen Sprachlosigkeit vergleichbar wäre. Einzig die Möglichkeit, daß sie es eben genau wußten und nun krampfhaft eine Möglichkeit suchen, das alles unter dem Teppich der kommenden Bundestagswahl verschwinden zu lassen, böte den Ansatz einer Erklärung. Alles andere (…mangelnde Informationen der »Verbündeten«… ja, was sind denn das für Verbündete?) wird von Tag zu Tag unglaubwürdiger.

Die vorläufig letzte Stufe der Eskalation ist erreicht. Der Bundesinnenminister erklärt sich für seinen Dienstbereich unzuständig. Sein finaler Rat ist originell, aber nicht neu. Er stammt aus den frühen fünfziger Jahren:

Die Opalkatze faucht auch: Herr Friedrich, wollen Sie mich verarschen?
Heise: Verschlüsselung ist kein Allheilmittel
Junge Welt: Das Ziel ist der Aufbau einer deutschen NSA

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter der Untergang abgelegt und mit , , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

3 Antworten zu Kommunikation im Netz braucht Schutz

  1. opalkatze schreibt:

    a. Er faselt auch noch, wenn er droht.
    b. Nicht seit Wochen. Seit sechs Wochen. 6. Wochen.

    Gefällt mir

  2. pantoufle schreibt:

    Hab gerade mal nachgesehen. 6 Wochen: Das war in etwa die Zeit zwischen der letzten Offensive des Vietcong und Präsident Fords Eingeständnis, daß der Vietnam-Krieg verloren sei. Aber das war ja nur Vietnam.
    Warten wir also in Ruhe auf die über Bord geschubsten Hubschrauber, um Platz für die Deserteure zu schaffen 🙂

    Gefällt mir

  3. opalkatze schreibt:

    Do lur op, seggen se in Mölln.

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s