Gedicht am Dienstag (4)

Klabund. Nach ihm ist eine Gasse benannt worden (1933 in Wien). Und nun zum Gedicht…
Nein, halt! Ein wenig mehr darf es schon sein: es würde aber recht gut zu seiner Vita passen, daß man ihn mit einem Nebensatz übergeht.
Klabunt (eigentlich Alfred Henschke). Autor in der Weltbühne, Pan, Simplicissimus, Jugend und vielen anderen Zeitungen dieser Zeit. Romanautor und Dramatiker, unzählige Gedichte – vieles erschien erst posthum. Man mußte schon sehr viel schreiben, um in der Zeit vor dem großen Kriege und in der Republik von Weimar zu überleben. Er starb 1928 und mußte nicht erleben, wie auch seine Werke von den Nazis verbrannt wurden. Dort war er in der Gesellschaft, in die er gehörte. Den großen Schriftstellern des 20. Jahrhunderts.

Militärverhältnisse…

Militärverhältnisse halber möchte ich meine ganze gediegene Weichfressereinrichtung verkaufen.
Wer
Weiß
Was
Das
Heißt?
Bedeutet?
Tränen bei Tage
Tränen bei Nacht.

Ihr vegetabilen Metzger der Möglichkeit:
Meine Weichfressereinrichtung besteht aus elf Stück naturfarbenen lackierten Käfigen
(Auch ich: lackiert! ich weiß es längst tiefst, ihr witzigen!)
Mit Porzellannäpfen
Vorn
Zum Einschieben
Vorn
Zum Einschieben.

Klabund

Tod der Jünglinge auf dem Schlachtfeld

Sie schwingen über den bestirnten Häupten
Der Lanzen tausend Sonnen jugendlich.
Die Sichelwagen rollen in bestäubten
Glanzwolken. Pfeil und Auge kreuzen sich.

Sie stoßen kurze Schwerter in die Pferde.
Am Abgrund steigen Leichen hügelan.
Der Viergespanne regellose Herde
Verbeißt sich Tier in Tier und Mann in Mann.

Und Knaben, von der Tiefe angezogen,
Fallen von Stein zu Stein. Im Bergstrom zart
Treiben die Leiber auf den weißen Wogen
Von guter Mütter schlanker Hand bewahrt.

Die betten sie im Meer an ihre Herzen,
Wenn der Gesang der Geister himmlich braust.
Noch halten sie die Schwerter grau und erzen
In der zum letzten Kampf verkrampften Faust.
Klabund

Die Brandstifterin

Ich grüße Euch vom Pferde, o scharmante,
bezaubernde Prinzessin im Gesträuch!
Ich trug mein Herz, das allzu licht entbrannte,
Behutsam wie ein Windlicht nun zu Euch.

In euer Hand hat sich der Mond gefangen,
Euch fliegt die Blume zu, wenn Ihr sie pflückt.
Um Eure Stirn die Himmelswinde sangen,
Die Gräser, die Ihr streift, sind zart beglückt.

Die Wolke des Unsterblichen ist Euer
Wie eine Glocke schwingendes Gewand.
Die Residenz setzt Euer Blick in Feuer.
Seht, auch der Hie-koh ist schon ganz verbrannt.

Ein Hie-koh-Lied

Klabund

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bildungsauftrag abgelegt und mit verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s