Aus Mangel an Beweisen

noske

Der Noske des Monats geht an Bundesinnenminister H.P. »Schredder« Friedrich für seine bahnbrechenden Forschungen auf dem Gebiet, Sachkenntnis vollständig durch Phobien zu ersetzen.

»Ich bin ja nicht das Statistische Irgendwas-Amt.« Nein, Herr Friedrich ist der Irgendwas-Innenminister. Und als solcher bestätigt er seit Amtsantritt jedes fremdenfeindliche Vorurteil, das vorzugsweise in rechten Kreisen der Republik geäußert wird.
Letzter Coups des Ministers war sein Auftritt beim Treffen der EU-Innenminister in Luxemburg. Markierten die Reden Friedrichs in der Vergangenheit schon den möglichen Tiefpunkt von Rhetorik, so gelang es in Luxemburg, selbst diese Marke zu unterbieten.
»Wer hier „illegal“ tätig sei, egal wie, soll bitte wieder dahin zurück, wo er herkommt«, fabulierte Friedrich. Die Polizei sei zu verstärkten Kontrollen anzuhalten. »Wenn die dann irgendwo aufgegriffen werden, dann kann man ohne großes Federlesen sie wieder rausschmeißen.« Direkt gemeint waren hierbei Wirtschaftsflüchtlinge aus Bulgarien und Rumänien – indirekt aber der befürchtete Ansturm aus anderen europäischen Ländern, die den Finanzmärkten zum Opfer fielen. Um das Sammelsurium persönlicher Ängste zu komplettieren, behauptete der Minister weiter, daß europaweit etwa 600 zukünftige islamistische Gotteskrieger nach Syrien gereist seien, um dort die dafür nötige Schulung zu absolvieren. Auch hier steht zu befürchten, daß Friedrich dabei mehr die etwa 1,5 Millionen syrischen Flüchtlinge vor Augen standen, bei denen sich Deutschland zur Aufnahme von 5000 Menschen verpflichtete; 5000 schlaflose Nächte eines islamophoben Ministers.
Um sich mit diesem Unsinn nicht alleine zu blamieren, suchte der Innenminister im Vorfeld Schützenhilfe bei den ähnlich reaktionären Amtskollegen von Österreich, Großbritannien und den Niederlanden. Was alle vier im Überschwang der Gefühle allerdings vergaßen, war, diesem Antrag den Hauch eines Beweises hinzuzufügen. Selbst der EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström – normalerweise weitgehend erkenntnisresistent – fiel das Fehlen belastbarer Zahlen auf. Das Schreddern des Schengener Abkommens, auf das Friedrich gehofft hatte, muß noch etwas warten.
Allzuviel Geduld wird H.P. Friedrich nicht aufbringen müssen: Griechenland, Spanien und Italien werden verdächtigt, die »Außengrenzen« Europas nicht im Sinne der EU-Mitglieder erster Klasse verteidigen zu können. Ob Opfer aus den östlichen Armenhäusern Europas oder des neokolonialen Wirtschaftskriegs in Afrika: Die Abschottung der Arche Europäische Union schreitet voran.

Bundesinnenminister H.P. »Schredder« Friedrich: Ist das Kunst oder kann das weg?

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5 Antworten zu Aus Mangel an Beweisen

  1. Charlie schreibt:

    Wie es der Zufall will, habe ich dazu gerade heute auch etwas geschrieben. Unser lieber H.P. Friedrich scheint sich zu einem Blogger-Liebling zu mausern.

    Aber ehrlich, wenn ich den Namen schon lese, vergesse ich kurzzeitig meine humanistische Gesinnung und es fallen mir bevorzugt Vokabeln wie „Hackfresse“ oder „Schweinelocke“ ein. Wer Strauß unerträglich fand, kann mit Friedrich eine uneingeschränkte Fortdauer seiner Qualen erleben.

    Liebe Grüße!

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  2. pantoufle schreibt:

    Das ist schon bemerkenswert, was dem alles in zwei Jahren danebengeglückt ist. Das Einzige, was er erreicht hat, ist, sich aus dem Kreis zivilisierter Menschen herauszuschießen. Das allerdings hat er mit äußerster Konsequenz betrieben.
    Schon etwas älter, aber immer noch guter Wein: Dimpfelmoser in Berlin und immer noch aktuell

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  3. vera schreibt:

    Vielleicht schreibste einfach hier weiter …

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  4. vera schreibt:

    Ach, und übrigens. Strauß konnte wenigstens noch intellektuell.

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  5. pantoufle schreibt:

    Ach, die Katze in meinem Wohnzimmer 🙂 Eigentlich bin ich beim Friederich ja ganz hin- und herjerissn: Wenn er unter seiner Lockenpracht, die ganz entfernt an einen Stahlhelm erinnert, vorm Mickerphon hockt und mit der ihm so eigenen Ernsthaftigkeit Armageddon beschwört, dann müßte man ihn eigentlich lieb haben – soviel Angst, wie er dabei verschwitzt. Und das er nie ins Schwarze trifft, sondern immer versucht, mit dem Flitzebogen die Scheibe umzuhauen… irgendwie süß.
    Aber auf der anderen Seite ist er die perfekte Marionette von Lobbyisten, die auf jede Art von Rechtsstaat öffentlich scheißen – und dazu muß Friederich die Hosen runterlassen. Und dann wirds eben peinlich. So peinlich wie die ganze Mischpoche, von der wir regiert werden – sie lassen die Pressesprecher austauschen; guter Ansatz, falsche Person.
    Es ist so… blutärmlich!
    Liebe Grüße
    das Pantoufle

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