Alle Jahre wieder…

… hält der Bundespräsident eine Weihnachtsansprache. Bei Joachim Gauck als Mann der Kirche mutiert das zur Predigt.

pfaffen

Was Pantoufle beim Bodenpersonal dieser Institution schon immer zur Weißglut trieb: Die unglaubliche Plattheit der Gleichnisse; so dumm und so fade. Gedeckt nicht durch den Intellekt, sondern nur durch etwas, was sie Glauben nennen und sich die Nachfrage verbittet… »ja, glaubst Du denn nicht?« Nein, Pantoufle glaubt nicht und das bekommt Nahrung durch den gelangweilt, salbungsvollen Singsang der Litanei, geschäftsmäßig würdevoll und voll der Gnade und dabei so taub. Diese Teilzeitchristen, die sich für eine Dreiviertelstunde auf der Kanzel in ein Etwas mit unpraktischer Kleidung und unerträglicher Besserwisserei verwandeln, deren Wahrnehmung an der Türe ihres »Gotteshauses« endet. Diese Träger eines Brauchtums, das keine Verankerung mehr in der Gesellschaft hat; nein, nicht nur seit kurzer Zeit – die gehegte Antimodernität der Kirche hat eine Jahrhunderte alte Tradition, ihre Gegner bekämpfen eine Chimäre, die dadurch so unfassbar wird, weil sie um des Machterhaltes wegen jeden noch so geheiligten Grundsatz über Bord wirft wenn es nur einen Vorteil verspricht.
Ein vorbildliches Beispiel dieser Institution: Joachim Gauck.

»Kürzlich hat mir eine afrikanische Mutter in einem Flüchtlingswohnheim ihr Baby in den Arm gelegt. Zwar werden wir nie alle aufnehmen können, die kommen. Aber… «.

Ein Baby auf den Arm gelegt. Soso… Da war wohl gerade kein Photograph zur Stelle oder warum kommt diese Rührszene an so prominenter Stelle vor? Hohen Staatsbeamten werden immer Babys in den Arm gelegt… die Volksnähe… Sie verstehen? Die designierten Gebärmaschinen und ihre Führer. Nun ja, man hat sich bemüht: Der Willy Brand-Flughafen ist nicht betriebsbereit – abgesehen von seinem Asylknast. Spätestens da wäre man das Baby wieder losgeworden.

»Mein Dank gilt deshalb den engagierten Frauen und Männern. Ihre Tatkraft bestärkt mich – besonders aber stärkt sie unser Land, weil sie es schöner, liebenswerter, menschlicher macht.«

Den Vermutungen, wen er damit gemeint haben könnte, ist Tür und Tor geöffnet. Waren es die Occupy- Camper, deren Lager man geräumt hat? Der jahrelange Kampf der Stuttgart 21 Gegner? Der Widerstand gegen Gorleben, den man mit Hilfe französischer und russischer Polizei zusammenknüppelt, die unzähligen Initiativen gegen rechte Gewalt, denen man die Mittel streichen will mit Hilfe von Spitzelparagraphen? Kindertagesstätten und Frauenhäuser, denen man finanziell die Luft abdreht? Selbst Kleingartenvereinen wird aus den nichtigsten (meist feuerpolizeilichen) Gründen das Jahresfest verboten. Private Initiative steht in Deutschland auf der Abschußliste. Oder meinte der Bundespräsident 1€ Jobber?

Welches Engagement der Bundespräsident meinte, ist unklar. Klar ist aber, daß noch viel mehr Menschen sich derart engagieren sollen:

»Angesichts all dessen brauchen wir nicht nur tatkräftige Politiker, sondern auch engagierte Bürger.«

Nun ist es das Fest der Liebe und des Friedens. Wer verkörpert den Gedanken des Friedens besser als die Soldaten der Bundeswehr. Darum Eingangs der Rede gleich der Hinweis:

»

Vor wenigen Tagen bin ich aus Afghanistan zurückgekehrt. Es hat mich beeindruckt, wie deutsche Soldatinnen und Soldaten unter Einsatz ihres Lebens Terror verhindern und die Zivilbevölkerung schützen. Mein Dank gilt ihnen – wie auch den zivilen Helfern dort.«

Man beachte die Reihenfolge. Man beachte auch, das dieser sogenannte Mann der Kirche hier wie auch in der Vergangenheit ein inniges, kritikloses Verhältnis zum Militär hat. Aufgewacht, Herr Militärseelensorger: Vielleicht hätten die zivilen Helfer etwas bewirken können. Das Militär hat aber erst diese unkontrollierte Situation geschaffen und flüchtet im Moment wie die Hasen. Da können Sie noch so viele Kleinkinder auf den Arm nehmen… als Schutzschild?
Auch mit den religiösen Riten anderer Glaubensrichtungen zeigen sich bei Gauck Lücken:

»Aber auch für Muslime, Juden, Menschen anderen Glaubens und Atheisten ist es ein Fest des Innehaltens, ein Fest der Verwandten und Wahlverwandten, ein Fest […] «

Also, Her Gauck: Die Juden feiern kein Weihnachtsfest (na gut – sie feiern zum Jahreswechsel das Chanukka, das wenigstens zeitlich in der Nähe liegt). Muslime feiern gar nichts dergleichen und das Durga Puja der Hindus ist im Oktober; auch bei den Budhisten steht jetzt nichts im Kalender.
Bleibt also nur die überwältigende Mehrzahl der Atheisten.
Aber wer wollte sich mit solchen Kleinigkeiten aufhalten, wenn es doch um das Große, Ganze geht:

»Wer keine Zuwendung erfährt und keine schenkt, kann nicht wachsen, nicht blühen.

In der Sprache der Politik heißt das: Solidarität; in der Sprache des Glaubens: Nächstenliebe; in den Gefühlen der Menschen: Liebe.«

Was in so schlichtem Gewandt daherkommt, muß – da es sich an anderer Stelle der Rede Gaucks nicht findet – das Kapitel zu Hartz IV und anderen sozial Bedürftigen sein. Ja, richtig gelesen. In der Gedankenwelt des Bundespräsidenten gibt es keine NSU, kein Hartz IV, keine Banken und andere Heuschrecken, denen widerstandslos ganze Staaten überlassen werden. Von all den Dingen, die dieses Jahr die Menschen beeindruckt, schockiert, geängstigt haben: Keine Silbe. Gauck spricht für eine verschwindende Minderheit. Für die Mächtigen. Ein Pastor des Kapitals.

Und da ist es wieder, dieses Gefühl, wenn der Pfaffe auf die Kanzel steigt. Er legt sich sein Blatt mit der Predigt zurecht, versichert sich der Aufmerksamkeit der Gemeinde – jetzt bloß nicht hüsteln – und beginnt: »Liebe Gemeinde. Sind wir nicht alle…

Nein, Pfaffe: Das sind wir eben nicht!

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8 Antworten zu Alle Jahre wieder…

  1. kiezneurotiker schreibt:

    Gottgütiger (haha), du hast dir den Scheiß reingezogen? Hut ab.

    Es gibt also doch noch Leute, die sich diesen jährlichen Sermon eintun. Ich dachte, die Einschaltquoten für so einen Mist nähern sich so langsam der 0 an und die machen nur einfach trotzdem immer weiter mit dem Unsinn weil sie es immer schon gemacht haben.

    Meine Hochachtung – oder Beileid eher…

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    • pantoufle schreibt:

      Moin kiezneurotiker
      Seh es einfach als meinen Betrag für eine kleine, nicht verfolgte Minderheit.
      Im Übrigen hat mir die Inszenierung gefallen. Ein vierschrötiger alter Mann steht hinter der Deckung eines Adventskranzes, rechts hinter ihm DIE FAHNE™, von der aber nur der Geier mit aufgerissenem Schnabel zu sehen ist – auf der anderen DER BAUM™ in einem kahlen, offenbar unbewohnten Zimmer hinter geschlossenen Vorhängen. Schmallippig, gelbe Zähne, heruntergezogene Mundwinkel: Der Mann lacht selten. Die Arme bewegen sich nicht, keine Hände. Gauck erstarrt vor Ergriffenheit zu seinem eigenen Denkmal. Immerhin ist es seine erste Weihnachtsrede als Bundespräsident. Er hat es geschafft! Vom popeligen Landpfaffen in der DDR über die Leichen der wirklichen Bürgerrechtskämpfer ins Schloss Bellevue.
      Nur ein einziges Mal gegen Ende der Rede so etwas wie der Anflug eines Lächelns und am Ende geschlossene Augen bei der Formel »gesegnete Weihnachten«; ein Überbleibsel aus seiner Zeit als Pastor. Die Kamera kennt nur zwei Einstellungen: Das gesamte Ensemble und die Nahaufnahme, kleine Blende mit BAUM links, damit der Bezug nicht verloren geht – Weihnacht! Nur Zeichen – kein Inhalt.
      Das war schon sehenswert, diese Predigermaschine.

      An dieser Stelle eine Gedenkminute für Tamara Danz (* 14.12.1952, † 22.7.1996)

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  2. Tabul A. Raza schreibt:

    Auch mich hat diese Weihnachtsansprache zu Brechreiz gerührt. Das mit der Kirche würde ich aber nicht ganz so hoch hängen. Gauck ist in erster Linie Gauck und in zweiter Linie ein Diener von Wirtschaft und Politik. Den „Mann der Kirche“ vermag ich in ihm nicht wirklich zu sehen, auch wenn er sich natürlich mit seinem salbungsvollen Tonfall als Kirchenmann-Darsteller versucht.
    Frohe Weihnachten, falls möglich!

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    • pantoufle schreibt:

      Moin AK
      Gauck ist Gauck: Richtig; Marionette des Kapitals – auch richtig. Was er aber in meinen Augen auch relativ erfolgreich darstellt, ist den Pfaffen. Für steht dieser Name für den im Moment höchstdotierten Vertreter der evangelisch-lutherischen Kirche in einem politschen Amt. Es wäre m.E. nach blind, diese Tatsache zu ignorieren.
      Was die Rede an sich betrifft, so hätte sie auf jeder Kanzel einer beliebigen Kirche als Predigt gehalten werden können; sie entspricht im Stil und bis ins Detail einer dieser sinnlosen Vorträge. Darauf bezog sich letztendlich meine Kritik.
      Vielleicht ist es ja auch nur meine persönliche Wahrnehmung, daß dieser Mensch von mir so pastoral wahrgenommen wird.
      Danke für die Wünsche – desgleichen zurück! Nein, es ist schon möglich… ein gerütteltes Maß an Ignoranz vorausgesetzt.
      Gruß
      das Pantoufle

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  3. Susanne Gerdom schreibt:

    UH, du musst starke Magennerven haben … Danke für den Bericht. 🙂
    Ansonsten, liebes Pantoufle: komm gut ins nächste Jahr. Neujahrsansprache inklusive. 🙂

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    • pantoufle schreibt:

      Susanne!
      Ich hab mich noch gar nicht für die lieben Weihnachtgrüße bedankt *schäm*. Jetzt aber Gruß mit Karracho zurück. Ach, weißt Du: Ich kam aus der Mitternachtsmesse der Dorfkirche – ich will nicht sagen »leicht angeduselt« -, hatte mich furchtbar aufgeregt und dachte, die Weihnachtsansprache könnte jetzt auch nicht mehr viel anrichten. Noch ein Verkehrsunfall mehr eben. Einen politisch angehauchten Blog zu unterhalten, setzt ein gewisses Maß an Schmerzfreiheit voraus.
      So! Jetzt aber: Dir alles Gute für das nächste Jahr. Erfolg, Reichtümer, Herzoginnentümer – ersatzweise Glück und Gesundheit.
      das wünscht von Herzen
      das Pantoufle

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  4. provinzbewohner schreibt:

    auch ich mag und kann mir diesen gauck einfach nicht antun. egal was diese gestalt sagt oder tut – stets überkommt mich der brechreiz. darum hochachtung für dein märtyrerhaftes handeln, das anhören vom gauckgeseiere betreffend. und auch wenn der gauck nur nochn halber oder expfaffe ist, pfaffentum und verlogenheit gehören zusammen wie klo und scheiße. war schon immer so.

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    • pantoufle schreibt:

      Siehste: Und dafür gips die Schrottpresse; damit Ihr Euch das nich antun müßt 🙂
      Mach ich aber gerne – ich reg mich gelegentlich gern auf!
      BDSM-Studio… Wenn Du glaubst, es kann nicht schlimmer kommen, der Ekel Dich peitscht – dann kommt Gauck!
      Gruß
      vom Pantoufle

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