Man soll über Tote ja nicht Schlechtes sagen,

aber was soll man machen, wenn einem absolut nichts Gutes einfällt? Die FAZ versucht es trotzdem, indem sie den am Sonntag verstorbenen Ex-Bundesinneminister Friedrich Zimmermann als „kantig, angriffslustig und humorvoll“ beschreibt. Auch gerne gegeben dieser Tage sind Wertungen wie „Parteisoldat par excellence“ oder Zimmermanns Selbstverständnis als „bayerischer Preuße“.

Den „Parteisoldaten“ wollen wir dem ehemaligen NSDAP-Mitglied gönnen, den Preußen dagegen verbittet sich die Schrottpresse. Als einer der letzten Preußen, der diesen Namen verdient, verließ Otto Braun (SPD, Ministerpräsident v. Preußen) am 4. März 1933 Deutschland. Danach herrschte der braune Abschaum, der nun so gar nichts mit preußischen Ehrbegriffen zu tun hatte; der Innenminister in spe beendete den zweiten Weltkrieg als Leutnant.

Schon früh bei seiner politischen Karriere in der jungen Republik fiel Zimmermann durch einen ganz und gar unpreußischen Meineid auf, der ihm für den Rest seiner Karriere den Spitznamen „Old Schwurhand“ eintrug. Erst als Weggefährte F.J.Strauss, später als Innenminister im der Regierung Kohl war Zimmermann immer bemüht, das Rad der Geschichte soweit wie möglich zurückzudrehen.
Unvergessene Weisheiten wie „gewaltloser Widerstand ist Gewalt“ oder „Datenschutz ist Täterschutz“ zeigten eindrucksvoll den Versuch des Innenministers, die Werte seiner Jugend in die neue Zeit zu retten. Die Wiedereinführung des Strafbestandes des Landfriedensbruchs geht ebenfalls auf sein Konto – einer seiner unzähligen Versuche, das Demonstrationsrecht zu unterhöhlen.
Ein Wahlrecht für Ausländer bezeichnete er als „Anschlag auf die Verfassung“, die er doch so wenig begriffen hat. Seine Haltung zum Asylrecht, daß er mit allen Mitteln bekämpfte, darf als Beleg dafür dienen.

Deutschland verdankt ihm das sogenannte Vermummungsverbot und die Kronzeugenregelung. Der ultrareaktionäre Innenminister war immer für eine sprachliche und politische Entgleisung gut. Das fiel irgendwann selbst seiner Parteibasis auf; 1991 wurde er nicht wieder als Kandidat für irgendetwas aufgestellt – selbst als Verkehrsminister entsprach er nicht mehr dem Zeitgeist. Unwillig und etwas enttäuscht zog er sich aus der Politik zurück und verabschiedete sich mit den Worten: „Ich bitte alle um Vergebung, denen ich im Laufe dieser Jahre auf die Füße getreten bin, aber ich habe es immer so gemeint
Das wenigstens ist glaubwürdig, weswegen die Entschuldigung auch ausdrücklich nicht angenommen wird.

Friedrich Zimmermann verstarb am 16. September 2012 in Österreich. Als letzter freundlicher Gruß mag ihm der Gedanke gewidmet sein, daß die Welt ohne ihn ein besserer Ort  ist.

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