Sponsort by…

Viele werden es bereits mitbekommen haben: Udo Vetters Law Blog wird in Zukunft von der Versicherung ARAG gesponsort. Gesponsort ist vielleicht nicht ganz das richtige Wort: Nach Aussage Vetters fliest da wohl richtig Geld; auf der Internetpräsenz der ARAG wird Vetter regelmäßig eine Kolumne schreiben: „Udo Vetter – unser Experte in Sachen Internet-Recht“. Im Gegenzug werden Artikel der ARAG auf Vetters Blog erscheinen; ausdrücklich als solche gekennzeichnet. Soviel zum Geschäft.

Da hätte die ARAG schlechteres Personal als den Grimmepreisträger bekommen können. Der LawBlog genießt in der Szene einen ausgezeichneten Ruf; Udo Vetter ist bekannt für Kompetenz und Humor, eine nicht alltägliche Mischung. Er ist wohl das, was einige als „Alpha-Blogger“ bezeichnen.
Die Art der Reaktionen, die sich an verschiedenen Stellen finden, lassen darauf schließen, daß Vetters Entscheidung nicht unumstritten ist. Ein beträchtlicher Teil der Befürchtungen geht natürlich dahin, daß Vetter seine Unabhängigkeit mindestens einschränkt, wenn nicht verliert.
Jeder, der ernsthaft ein Blog betreibt, weiß, mit wieviel Zeitaufwand und Arbeit das verbunden sein kann – von den anfallenden Kosten einmal ganz abgesehen. Bezahlmodelle wie flattr haben sich nicht durchgesetzt und Bannerwerbung ist wenigstens bei vielen Lesern unerwünscht – abgesehen davon, daß das auch nicht wirklich viel Holz in die Hütte bringt.

Es war eigentlich nur eine Frage der Zeit, das jemand auf die Idee kommt, den Blogger direkt zu bezahlen. Daran ist erst einmal überhaupt nichts auszusetzen. Jeder, der sich über das bedingungslose Grundeinkommen von Verlegern aufregt, sollte sich darüber freuen. Wenn man Blogs als Presse-Erzeugnisse betrachtet, ist es nur begrüßenswert, wenn das bezahlt wird. Die nötige Zeit zur Recherche, das sorgfältige Ausarbeiten von Artikeln – all das geht erheblich besser, wenn genügend Geld im Hintergrund steht; ein Allgemeinplatz. Wenn man zur arrivierten Presse einen Gegenpol etablieren will, ist das der einzige Weg.

Niemand erwartet von einer Tageszeitung, die eine ganzseitige Werbung von Mercedes abdruckt, übertrieben kritische Artikel über den zu hohen Spritverbrauch sogenannter „Premiumfahrzeuge“. Udo Vetter wird sich wahrscheinlich beim nächsten Skandal um Schleichwerbung bei der ARAG eher Zurückhaltung auferlegen… oder auch nicht: Wir werden sehen. Aber er hat durch den Deal mit der ARAG bessere Möglichkeiten, in der Öffentlichkeit wirksam zu werden, was ich bei der Person Vetters nur begrüßen kann.

Das Sponsoring Vetters bedeutet zunächst einmal Eines: Eine sich abzeichnende Professionalisierung der Blogger-Szene. Das wird auch höchste Zeit. Im Zeitalter sogenannter Leistungsschutzrechte kommt das eigentlich schon zu spät. Im Fall des LawBlogs muß man auch anerkennen, daß der Deal in aller Offenheit bekanntgegeben wurde – da ist kein Verdacht von Schleichwerbung. Die Namen sind bekannt und niemand wird im Ernst annehmen, daß sich die Krähen ein Auge aushacken werden.

Wie unabhängig sind Weblogs?

Vorsicht gegenüber Blogs ist angebracht. Politiker, Lobbyisten und Unternehmen haben ihre Finger schon lange in der ach so unabhängigen Meinungsäußerung von Weblogs. Als gutes Beispiel darf an die Kampagne der „Klimaskeptiker“ erinnert werden, die in breiter Front der Forschung über dieses Thema unwissenschaftlichkeit der Methoden unterstellen wollten, was erschreckend gut gelang. Da mußte nicht einmal Geld fließen: Die Verschwörungs-theoretiker der Welt warfen sich genußvoll auf das Thema, die offensichtlichen Interessengruppen tauchten nie namentlich auf – wozu auch.

Auch bei meteorologischen Großereignissen wie dem Shitstorm (egal zu welchem Thema) bleibt die Objektivität als erstes auf der Strecke. Man braucht nicht allzuviel Phantasie, um zu ahnen, wie leicht dieser Sturm in eine gewünschte Richtung zu lenken ist. Wer überprüft da noch Autoren und „unabhängige Lesermeinungen“?

Man sucht sich seine Blogs aus, vertraut, vergleicht und kalkuliert mit einer Wahrscheinlichkeit, daß eine Information stimmt. Nicht jede Publikation ist so unabhängig, fair und objektiv wie die Schrottpresse. Die Mär von den „knallhart und objektiv recherchierten Fakten“ ist beim Kuh-Journalismus genau so verlogen wie bei Weblogs.

Neid?

Ja – aber natürlich. Selbstverständlich würde der Autor dieses Artikel gerne den feinfedrigen Qualitätsjournalismus als Hauptberuf betreiben; bezahlterweise… „Elsa: Bringen Sie mir doch bitte ein Glas Absinth, eine Zigarre… nein, ich schneide sie selber… und drei Kilo Inspiration. Heute Nachmittag dürfen Sie sich freinehmen – der Herr schreiben!“
Der Straßenmusiker, der von den großen Bühnen dieser Welt träumt. Die Träumereien sind gestattet.

Udo Vetter hat einen Deal mit einer Versicherung gemacht. Oh Gott: Die Welt geht unter. Wo bleibt da der ausbleibende Interessenkonflikt? Ja, die Herrschaften… wen hätten Sie denn gerne gehabt? ExxonMobil oder lieber Ikea?
Die Opalkatze hat sich da auch so ihre Gedanken über Katzenfutter gemacht – nachzulesen hier.
An die Adresse all derjenigen, die sich in Leserbriefen mit Äußerungen wie „Nein, er ist damit keinesfalls mehr unabhängig. Schade“ oder „dann fällt der LawBlog halt weg“ verbreiten, sei angemerkt, daß es per se keine unabhängigen Quellen gibt. Wenn sie doch eine finden sollten, bitte ich darum, mir das mitzuteilen. Die Schrottpresse würde – gegen ein angemessenes Salär – die Meinung dieser Quelle vertreten. Ganz unabhängig natürlich!

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Eine Antwort zu Sponsort by…

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