Eine kleine Wiederholung aus speziellem Anlass

Der älteste Sohn überreichte mir wortlos ein Blatt Papier mit seinem „Papi, das dürfte Dich interessieren“ Gesicht. „Aus dem Religionsunterricht“.
Religionsunterricht fand ich schon in frühester Kindheit interessant, weil man da mit wenig Aufwand seinen Notenschnitt schönen konnte – eines meiner wichtigsten Fächer also. Da ging es um Nächstenliebe, Lämmer, Jesus und wenig bis gar nichts „mit auswendig lernen“. Toller Stoff, sanft plätschernd dargebracht und leicht verständlich.

Das präsentierte Blatt mußte etwas besonderes haben – so etwa wie das Gesicht des Ältesten. Hatte es auch: Einen mir bekannten Autor und übel beleumundeten Kolumnisten.
Jan Fleischhauer.
Ja, genau der: Der aus SpiegelOnline, der Hetzer und rechts-Verdreher. Der wöchentliche Neuerfinder von Formulierungen, die Variationen des Satzes „eure Armut kotzt mich an“ bilden.
Der also.
„Meine Neugier war geweckt“ ist eine arg euphemistische Interpretation meiner Gefühle. Ich las mir den Wisch durch, fragte meinen Sohn, in welcher Form der Stoff behandelt worden war und begann zu schreiben – an ein zwar vertrautes, aber recht undankbares Publikum: Seinen Lehrer.
Die Email wurde mit dem Hinweis abgesandt, daß ich gedenke, den Stoff auf meinem Blog zu veröffentlichen, es aber für geboten halte, ihm die Möglichkeit zu geben, sich dazu zu äußern.

Um es kurz zu machen: Es entspann sich ein kurzer Briefwechsel, in dem der Lehrer meines Sohnes absolut glaubhaft versicherte, daß dieser Text im Rahmen einer Auseinandersetzung über „Mensch und Menschenwürde“ gelesen wurde und andere Texte des Autors – speziell die auf SpOn – der Aufmerksamkeit des Lehrers bedauerlicherweise entgangen waren. Meinen Anfangsverdacht, es würde sich um politische Propaganda handeln, konnte der Lehrer zweifelsfrei zerstreuen.

In der letzten Mail formulierte er: „Was Fleischhauer bei „spiegel-online“ veröffentlicht, habe ich mir nun angeschaut. Die Texte  dort erscheinen mir auf eine so billige Art provozierend, dass sie in einem Unterricht nichts zu suchen haben.“

Damit ist die Sache für mich erledigt – ich kann mich der Meinug des „Lehrkörpers“ vorbehaltlos anschließen. Wenn ich also den Brief an ihn hier veröffentliche, dann richtet sich das in keiner Weise gegen seine Person oder die Form seines Unterrichtes. Im Gegensatz zu dem, wie ich meinen Sohn verstanden habe, wurde der Text offenbar kritisch und sachlich besprochen.
Aber weil es um Jan Fleischhauer geht und die Eitelkeit des Autors:

Brief an einen Religionslehrer:
………………..

Die Wege des Herren sind unergründlich. Der Weg des Jan Fleischhauer weniger – unergründlich allerdings, wie dieser seinen Weg als Unterrichtsmaterial an deutsche Gymnasien findet – besonders pikant bei der Verwendung im Religionsunterricht. Die Rede ist von dem Essay „Auf dem Weg zum Sonnenstaat“ /Über den antibürgerlichen Charakter der Netz-Utopie von Jan Fleischhauer aus der bunten Illustrierten „der Spiegel“, Ausgabe 10/12.

Bevor man sich mit dem Artikel beschäftigt, ist es hilfreich, die Person des Fleischhauers näher zu betrachten – ob eine Diskussion des Artikels danach noch sinnvoll erscheint, sei dahingestellt.

Jan Fleischhauer, Spiegel, der schwarze Kanal, Rechtsausleger. Kurze Stichworte zu einer Person, die mittlerweile nicht mehr „umstritten“ ist, sondern die sich ihren Platz neben einem Thilo Sarrazin, Arnulf Baring oder Olaf Henkel redlich erkämpft hat. Als Journalist im klassischen Sinne tritt Fleischhauer schon seit längerem nicht mehr auf, sondern bedient in seiner wöchentlichen Kolumne „der schwarze Kanal“ auf der Internetpräsenz Spiegel Online ein Publikum, das man nach flüchtiger Lektüre seiner Artikel am Stammtisch einer nicht übermäßig gebildeten Schicht des rechten Randes jenseits von 24:00 Uhr verorten würde.

Um nur einige Beispiele zu nennen:

In seinem Artikel „Strafe muß wehtun“ vom 2.5.2011 spricht sich Fleischhauer für ein verschärftes Jugendstrafrecht aus. Daß die Zahlen, mit denen er jongliert, entweder falsch oder aus dem Zusammenhang gerissen werden, spielt in diesem Zusammenhang keine Rolle. Interessanter ist eine Quelle, die er zum Beweis seiner kruden Theorien aufruft. Eingeleitet mit dem Zitat:

„Der Zweck der Strafe kann also nicht sein, den Rebellen gegen die Rechtsordnung in einen braven Bürger zu verwandeln… (Die Strafe soll) nicht heilen, sondern dem Sträfling eine Wunde schlagen.“

zitiert Fleischhauer den Rechtslehrer Karl Binding, den er als einen „der Hauptvertreter der bis 1969 gültigen Gerechtigkeitstheorie“ tituliert. Eine immerhin anfechtbare Behauptung – unhaltbar und grotesk in dem Augenblick, da man sich vergegenwärtigt, das Binding zusammen mit Alfred Hoche Autor der Schrift „Die Freigabe der Vernichtung lebensunwerten Lebens“ ist, das den Nationalsozialisten als eines der maßgeblichen Rechtsgutachten für ihren Vernichtungsfeldzug gegen geistig Kranke diente.

Das Fleischhauer mit seiner Behauptung weder den §2 Satz 1 StVollZg noch den Art1 Abs1 des Grundgesetzes zur Kenntnis nimmt, ist in diesem Zusammenhang fast schon nebensächlich.

Immer wieder taucht Fleischhauer tief in die Jauche deutscher Fremdenfeindlichkeit, speziell, wenn seine Opfer politisch aktive Mitglieder einer Partei sind, die er als „links“ einordnet – was bei Fleischhauers diffusem Weltbild allerdings jedem passieren kann. Er schreckt aber auch nicht vor Behauptungen zurück, die aus dem Bodensatz betrunkener Kirmesfeiern stammen. Am 23.1.2012 erscheint sein Artikel „Italienische Fahnenflucht“, der sich mit dem Untergang der Costa Concordia und dem fragwürdigen Verhalten ihres Kapitäns beschäftigt. Seine Argumentation ist bemerkenswert:

Hand aufs Herz: Hat es irgendjemanden überrascht, dass der Unglückskapitän der Costa Concordia Italiener ist? Kann man sich vorstellen, dass ein solches Manöver inklusive sich anschließender Fahrerflucht auch einem deutschen oder, sagen wir lieber, britischen Schiffsführer unterlaufen wäre? […] Man kennt diesen Typus aus dem Strandurlaub: ein Mann der großen Geste und sprechenden Finger. Im Prinzip harmlos, man sollte ihn nur nicht zu nahe an schweres Gerät lassen, wie sich zeigt. „Bella figura“ machen, heißt der italienische Volkssport, bei dem es darum geht, andere zu beeindrucken.“

Das Beispiel repräsentiert keineswegs einen Einzelfall – dieses Niveau eines nachdenklichen Schrebergärtners setzt sich in einer Vielzahl von Artikeln fort, die sich durch ein mittelalterliches Frauenbild („Eine Frau, die das Falsche denkt, sagt oder wählt, zählt nicht“), eine unklare „Linke“ als paranoides Feindbild oder eine kaum verhohlene Fremdenfeindlichkeit auszeichnen.

Ermüdend ist über längere Zeit betrachtet die Methodik, der Fleischhauer bei der Erstellung seiner Schriften folgt. Behauptungen, für die er grundsätzlich die Beweise schuldig bleibt („die Kinder von HartzIV-Empfängern haben schlecht Zähne, weil die Eltern der Arbeit entwöhnt sind“), der fragwürdige Umgang mit Zahlenmaterial oder eine geradezu perverse Lust, sich an den unteren Schichten der Bevölkerung zu vergreifen („…Hartz IV steht für ‚die erfolgreichste Sozialreform Deutschlands“). Darin steht er Seite an Seite mit Menschen wie Thilo Sarrazin, die die freiheitlich demokratische Grundordnung dahingehend interpretieren, daß „man das ja wohl wieder sagen darf“. Der faule Grieche, die angeblich fehlende Qualifikation einer türkischstämmigen Politikerin, die unfähigen „Südländer“ – eine scheinbar wahllose Bedienung aller Klischees, denen sich der rechte Rand des politischen Spektrums bedient.

Daß gebildete und sauber arbeitende (konservative) Journalisten in diesem Getöse oft auf der Strecke bleiben, nicht mehr wahrgenommen werden, ist nur eine der häßlichen Seiten dieser Medaille. Die von Fleischhauer aufgegriffenen Themen verdienen erheblich mehr Respekt, als ihnen in seinen Artikeln zukommt. Daß das ehemalig als „Sturmgeschütz der Demokratie“ betitelte Blatt „der Spiegel“ einer solchen Stimme Raum gibt, ist ein Skandal.

Das ist also in groben Zügen Leben und „Werk“ des schlecht beleumundeten Schreibers Jan Fleischhauer. Es ist tröstlich, daß der Autor dieser Zeilen mit seiner Meinung nicht vollkommen allein dasteht, sondern gelegentlich Schützenhilfe wie von dem linksradikaler Umtriebe unverdächtigen Blatt „der Tagesanzeiger“/Schweiz erhält, der Fleischhauers Rufmordkampagne an dem italienischen Kapitän und seines Landes ähnlich beurteilt. Bemerkenswert auch die Replik des italienischen Botschafters Michele Valensise, nachzulesen direkt unter Fleischhauers Artikel im Spiegel.

Wie kommt nun dieser Journalist und sein fragwürdiges Essay ausgerechnet in den Religionsunterricht? Eine erste, kurze Erklärung könnte sein, wenn das Ergebnis einer Suchmaschinenanfrage zu der erzkonservativen katholischen Internetpräsenz „medrum.de“ führt. Noch bevor man irritiert wegklicken kann, leuchtet einen die Schlagzeile:

„Jan Fleischhauer enthüllt die Fratze der Linken“

an. Böswillige Menschen würden das für ein politisches Statement halten, andere für Satire. Leider verrät die weitere Lektüre des fraglichen Artikels, daß Satire wahrscheinlich ausscheidet – bleibt also nur die Hoffnung, daß die Propaganda von medrum.de nicht der Auslöser für diese Art von Unterrichtsmaterial war. Das würde nicht nur den Religionsunterricht retten, sondern auch die Hoffnung nähren, daß nicht als Nächstes Material über Homosexualität aus dieser Quelle den Unterricht ziert; ein Sumpf aus verklemmtem, rückwärtsgewandten Vorurteilen und Verdrängung – die katholische Kirche in Höchstform.

Um den Weg von Fleischhauers Pamphlet ins Klassenzimmer zu verstehen, bleibt einem wohl nichts anderes übrig, als sich der wohlbekannten Soße aus gepflegtem Halbwissen und plumper rechter Propaganda inhaltlich zu nähern.

Der Mensch ist ein Augentier – Fleischhauer weiß das und so prangt erst einmal mitten auf der ersten Seite ein Bild, tituliert mit „Kommunarden 1968“. Der fleischhauergeprüfte ahnt bereits: Spagat mit Stinkbombenweitwurf. Erstaunlicherweise verzichtet Fleischhauer erst einmal auf Zitate irgend eines Klassikers wie Aristoteles oder Marx, sondern startet gleich 1968 mit Fritz Teufel, um schon nach wenigen Zeilen gleich zur Piratenpartei zu kommen. Kurzer Seitenhieb auf den CCC, der Vertreter der „post privacy“ Aktivisten und ein weiteres Bild – diesmal Aktivisten bei einer Anti-ACTA Demo, garniert mit den Zeilen : „Wer sich bei den Piraten einschreibt, lernt früh, an die Weisheit des Kollektivs zu glauben“. Da grinst der Zusammenhang zwischen Netzaktivisten und der Kommune 1.

Der Blick schweift nach recht … herrjeh: Da droht uns doch wieder ein Klassiker! Diesmal ist es der Humanist David Hume, der gründlich aus dem Zusammenhang gerissen für Fleischhauers Thesen im Grabe rotieren muß. Und auch der arme Berthold Brecht muß noch dran glauben – aus der Feder eines Rechtsaußen auch recht pikant.

Die Suche nach einem Inhalt läuft ins Leere. Die Partei der Piraten sind die geistigen Nachfolger der Kommune 1, die Meinung des Einzelnen zählt nicht, das Kollektiv bestimmt und das alles ohne einen einzigen belastbaren Beweis oder auch nur eine tragfähigen Theorie.

Revolutionäre Bewegungen zielen auf die Transformation des Menschen, das ist bei den Netzenthusiasten, für die ja die Piratenpartei nur der parlamentarische Arm ist, nicht anders.“

Sanfte Paranoia, leider ohne jeden Beleg. Aber immerhin ein sympathisches „revolutionär“.

(Datenschutz) „[…] wenn er auch ein Relikt aus einer Zeit ist, da die Linke noch Grund hatte, dem Staat zu misstrauen.“

Einen solchen Satz kann man nur absondern, wenn man seit Jahren auf die Lektüre jeder noch so unbedeutenden Tageszeitung verzichtet hat.

Wie jede Jugendbewegung profitiert der Netzprotest von der Vermutung, daß ihm die Zukunft gehöre.“

Wenige Absätze zuvor höhnt er noch über das hohe Alter der CCC „Kommunarden“ – jetzt mutiert das Netz zu einer Jugendbewegung.

So geht das unerträglich, unlesbar über insgesamt zwei Seiten.

Halten wir fest: Das Internet ist eine technische Realität. Daran ist nichts „cyber“ oder „virtuell“. Ein im Grunde technisch simpler Apparat, dessen soziale Auswirkungen allerdings erst am Anfang stehen. Darüber muß gesprochen werden, es darf nicht einer am Gewinn orientierten Industrie überlassen werden, wie sich die Benutzung dieses Kommunikationsmittels in Zukunft gestaltet. Jeder ist eingeladen, an dieser Gestaltung mitzuwirken. Kritische Stimmen – gleich aus welchem Lager – müssen gehört und berücksichtigt werden.

Fleischhauers Essay diskriminiert nicht nur eine große Schicht von Benutzern dieses Apparates. Sein Bogenschlag von den Achtundsechzigern zu den Netzaktivisten ist einfach nur lächerlich und unwürdig jeder Diskussion. Probleme zum Datenschutz, Sozialen Netzwerken und dem „gläsernen Bürger“ gibt es tatsächlich genug – kein Wort darüber bei Fleischhauer – Kritik ohne jeden konstruktiven Ansatz. Anstelle dessen die üblichen Verdächtigungen, wie sie jedem netzaffinen Menschen von Seiten des rechten Flügels vertraut ist.

Eine Antwort, wie es dieses Essay in den Unterricht eines Gymnasiums geschafft hat, erschließt sich einem nicht. Als zu kritisierende Arbeitsgrundlage taugt es offensichtlich nicht. „Nehmt das mal mit und lest es Euch durch“. Unkommentiert – wie es im Fall meines Sohnes erscheint, auch unverständlich für ihn. Er kennt und liest seinen Vater. Darum gelangte dieses „Unterrichtsmaterial“ auf meinen Tisch. Als Erziehungsberechtigter kann ich mich des Eindrucks nicht erwehren, daß hier mit äußerst fragwürdigen Mitteln politische Propaganda betrieben wird. Eine ungeschickte Propaganda zudem, wäre das Pamphlet doch in anderen Fächern erheblich weniger aufgefallen.

Nicht nur die Wege des Herren, sondern auch der Inhalt von Schulranzen sind gelegentlich unergründlich.

Medrum.de
Spiegel
Tagesanzeiger.ch
Eisberg.Blogspot

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7 Antworten zu Eine kleine Wiederholung aus speziellem Anlass

    • pantoufle schreibt:

      Moin Katze
      Also mein Liebling ist ja „Eine Frau, die das Falsche denkt, sagt oder wählt, zählt nicht“.
      Deutsche Grammatik als Würfelspiel. Jedes Wort bekommt eine Nummer und wird mit einem 11seitigen Würfel in der Reihenfolge des Satzes bestimmt. Jan übernimmt den Part des Spielleiters und erklärt, warum das Ergebnis aus seiner Sicht richtig ist. Wenn`s nicht klappt, sind die Linken schuld.
      Beim Klaus habe ich schon gestöbert – an Fleischhauern wollte ich mich gar nicht vergreifen, wäre mir nicht diese Frucht des jährlichen Kopiergeldes der Schule über den Weg gelaufen.
      einen lieben Gruß vom
      Pantoufle

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  1. opalkatze schreibt:

    Such doch bitte auch mal bei Klaus Jarchow, das gefällt dir sicher.

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  2. Ratking-Agentur schreibt:

    Ehrlich gesagt war der Artikel über Costa Concordia und die Italiener der einzige Artikel, den ich je von diesem unappetitlichen Käse-Yogi gelesen habe. Mein persönlicher Lieblingsteil dabei war ja:

    „Wir haben uns seit langem abgewöhnt, im Urteil über unsere Nachbarn kulturelle Stereotypen zu bemühen. Das gilt als hinterwäldlerisch, oder, schlimmer noch, rassistisch (auch wenn, um im Bilde zu bleiben, nicht ganz klar ist, inwieweit das Italienische an sich schon eine eigene Rasse begründet)“

    – Hugh!, der Anthropologe hat gesprochen! Dem ist nichts hinzuzufügen.

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  3. pantoufle schreibt:

    Tscha, Ratking: Das ist eben das Problem: Man kann zu diesem blutärmlichen Männlein nichts sagen – es läuft einem aber immer wieder über den Weg. In diesem Falle bis zum Religionsunterricht der Kinder. Ich habe diesen Herrn schon des Öfteren bearbeitet, habe mir gelegentlich auch anhören müssen, das er die Mühe nicht wert ist. Das ist sicher richtig, aber wie man sieht, reicht das Renome des Blattes „Spiegel“ aus, um so ein Gewürge an die Schule zu spülen.
    Jeder von uns Bloggern muß um des eigenen Überleben willens bei allen Quellen drei Mal und mehr überprüfen, ob das belastbar ist – ein Lehrer am Gymnasium braucht nur einen Photokopierer. Das ist bitter, so bitter wie die email-Konversation, die auf das Erscheinen dieses Artikels folgte. Aber ich will das hier nicht ausbreiten.
    Fazit: Ich werde den Inhalt der Ranzen meiner Kinder gelegentlich weiter untersuchen. Welches Unterrichtsmaterial die Schrödersche schon zusammengeschraubt hat, ist aktenkundig; es wird nicht dabei bleiben. Das Schlimme dabei ist, daß es meine Kinder trifft. Sowohl das Unterrichtsmaterial wie die empörte Reaktion der Lehrer.
    Oder als kleine Anekdote dazu: Ich schrieb einmal eine Richtigstellung an eine Lehrerin, die meinem Sohn unterstellte, einen politischen Aufsatz abgeschrieben zu haben. Ich wußte genau, daß das nicht der Fall war – darauf hin eine längere Erklärung meinerseits an sie. Antwort: „Sehr geehrter Herr Taake. Sie haben sehr fleißig 2 Seiten geschrieben“. Mann Gottes: Ich bin über 50!
    Weiterhin räumte sie ein, daß ich sie mit meiner Argumentation überzeugt hätte. Was glaubst Du, Ratking? Hat sie die schlechte Note danach geändert?

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  4. Chris Hodges schreibt:

    Herzlichen Dank für die gesammelten Ausführungen dieses Pamphetisten. Anlass meiner Suche im Netz nach diesem „Autor“ sind die erneuten geistigen Dünnpfiffe, die er im Spiegel heute morgen in offenbar gewohnter Manier im Spiegel veröffentlichen lassen hat.

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/a-824540.html

    Kann man nicht mal einen Shitstorm gegen den SPON laufen lassen, damit diesem Menschenhasser kein Raum mehr eingeräumt wird?

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  5. pantoufle schreibt:

    Moin Chris
    Ich persönlich halte Stuhlstürme für ein fragwürdiges Mittel der Meinungsänderung; manchmal sicherlich hilfreich, aber als Waffe zunehmend abgestumpft.
    Der Defekt liegt in diesem Fall tiefer: Gesetzt den Fall, die Chefredaktion des Spiegels wüßte nichts von den Umtrieben dieses „Herren“, hätte das im besten Fall aufklärende Wirkung. Sie wissen es aber. Es ist also beabsichtigt – das ehemalige Stumgeschütz der Demokratie ist eines der Demagogie geworden. Man würde sich den Satz „getroffene Hunde bellen“ einfangen und weiter nichts. Sich sachlich mit Fleischhauer auseinanderzusetzen, geht auch nicht, weil man gegen Unsachlichkeit nicht argumentieren kann.
    Es ist wie mit so vielen Dingen: Fleischhauer als Bodensatz des sogenannten Qualitätsjournalismus ist wenigstens als abschreckendes Beispiel brauchbar. In dem Augenblick, wo eine wildgewordene Verlegemeute nach mehr Geld für ihr Geschreibsel schreit, kann man immerhin sagen: Für so etwas wie Fleischhauer wollt ihr auch noch Kohle haben?

    Solche Mietfedern der Reaktion hat es zu allen Zeiten gegeben. Es waren die, die in stinkenden Hinterzimmern der Wirtshäuser ihren Lohn für den Hetzartikel bekamen, die die peinlichen Negative von der Tochter des Bürgermeisters verkauften oder sonstig windige Geschäfte tätigten. Temporärer Ruhm, ein kurzes Gefühl der Wichtigkeit, bevor sie im Orkus der Geschichte verschwanden.
    Heutzutage verschwinden sie weniger schnell. Die Lust am Ekel, Geistesfeindlichkeit und Gleichgültigkeit halten sie länger am Leben. Aber irgend wann mag auch der größte Bewunderer die ewig gleichen Phrasen nicht mehr hören, werden auch sie von der Wirklichkeit ins Abseits geschoben – wie Fleischhauer, dessen Thesen eine durchschnittliche Halbwertszeit von weniger als einer Woche haben. Er wird weggehen. Er kann sich nicht mehr ändern – hat sich selber die Chance genommen, noch etwas anderes zu machen. Der Schauspieler, der auf die Rolle des Vampirs gebucht ist, während das Publikum Cowboyfilme sieht.
    Es braucht nur noch denjenigen, der die Wasserspülung betätigt.

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