Der überraschende Tod des Wortes „Freiheitskämpfer“

Ist das jemandem aufgefallen? Das Wort Freiheitskämpfer wird seit geraumer Zeit nicht mehr benutzt – es steht sozusagen auf dem Index, besser: Einer Sterbeliste für unerwünschte Synonyme.
Für die Freiheit kämpfen mittlerweile Soldaten – vorzugsweise in fremden Ländern – für die Unterdrückten dieser Erde.

In Afghanistan kämpfen Soldaten der Bundeswehr gegen ehemalige Freiheitskämpfer, die nun keine mehr sind, weil die Mudschaheddin ihre Waffen nicht mehr ausschließlich aus Russland beziehen. Mehr noch: wenn die fremden Söldnerheere sich das abendliche Biwak-Feuer mit Seiten des Korans anzünden, verwandeln sich die Einwohner des Landes schlagartig in Terroristen; was bei einem muslimischen Anteil der Bevölkerung von 99,9% eventuell nachvollziehbar ist.

Das waren die guten, alten Zeiten, als es noch Freiheitskämpfer in den Abendnachrichten gab, die, ohne das kostbares westliches Blut vergossen wurde, den Kampf gegen die Herrschaft des Weltkommunismus führten. Verbal verschwand das Wort „Freiheit“ mit der Insolvenz der Sowjetunion. Ein sehr eigenartiger Nebeneffekt, dem viel zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet wird.

Für einen politisch korrekten Blog wie die Schrottpresse darf an dieser Stelle natürlich der Verweis auf die Verbrechen Josef Stalins nicht fehlen, jener Stalin, der Lenin noch persönlich gekannt hat, wenn auch gründlich missverstand. Josef Stalin (1878-1953), genau so wenig aktuell wie dieser Kommentar. Aber das nur nebenbei für die Terroristenfahnder im Namen der Freiheit.

Aktuell ist aber der Besuch der Bundeskanzlerin in Afghanistan. Bei einem eintägigen Überraschungsbesuch will sich Angela Merkel direkt bei den Soldaten erkundigen, was die da eigentlich wollen. Eine gute Adresse, möchte man meinen, da sich in Deutschland offensichtlich niemand fand, der ihr diese Frage beantworten konnte.
Überschattet wird der Besuch durch das Missverständnis eines amerikanischen Soldaten, der ohne Befehl wehrlose Zivilisten abschlachtete. Wenn das befohlen wird, ist es ein Kampf für die Demokratie, wenn der Befehl hirnlos war (siehe Koranverbrennung), ist es ein Versehen – wenn es ohne all diese Voraussetzungen passiert: Ein Amoklauf.
Selbstverständlich ist der Besuch der Kanzlerin kein Amoklauf – eher eine hirnlose Verschwendung von Steuergeldern.

Um das mumifizierte Wort „Freiheit“ in diesem Zusammenhang wieder zu benutzen: Nein, die freiheitlich demokratische Grundordnung wird nicht am Hindukusch verteidigt, Frau Merkel! Statt mit weihevollen Worten einen nicht vorhandenen Sinn in dieses gegenseitige Massakrieren zu interpretieren, sollten Sie sich lieber um einen Kriegsminister de Maizière kümmern, der diesem unwürdigen Schlachten auch noch einen Heldengedenktag hinzufügen will. Zusammen mit seinem neuen Amt und dem letzten USA-Besuch scheint der Mann vom patriotischen Fieber ergriffen zu sein – die Heilungschancen sinken dramatisch, wenn das längere Zeit unbehandelt bleibt (siehe u.A. Sarkozy).

Um es noch einmal zu wiederholen: Wenn diese anachronistische Trachtengruppe mit den Blechmützen unbedingt irgendwo spielen will, soll sie das meinetwegen auf einem eigens dafür abgesperrten Acker  tun. Von mir aus können sie auch mit einem grün gepönten Panzer ein Gemüsebeet planieren und zum Gaudi noch eine Übungsbombe draufwerfen, aber dann ist auch gut!

Deutsche Soldaten haben im Ausland nichts verloren. Punkt. Weder unter dem Befehl der Nato noch sonst einer Organisation. Die höheren Werte, in deren Namen das angeblich geschieht, werden im eigenen Lande mittlerweile mit den Füßen getreten. Wenn es also irgend etwas zu verteidigen gibt, kann man das unbesorgt Zuhause machen und nebenbei noch ohne Militär.

Alle Kriege seit 1945 haben eines ganz deutlich gezeigt: Die einzigen, die davon profitiert haben, sind die Hersteller der Waffen und diejenigen, die von ihnen geschmiert wurden. Die Welt ist dabei zu einer Müllhalde verkommen, die von einer verschwindenden Minderheit von Superreichen regiert wird. Der Besuch der Kanzlerin Merkel dient nicht der moralischen Unterstützung von sogenannten „Bürgern in Uniform“, sondern ist eine Werbeveranstaltung von Kraus-Maffay, Krupp, Heckler&Koch und anderen. Diese Firmen haben einen bemerkenswert großen Werbe-Etat: Unsere Steuergelder.

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6 Antworten zu Der überraschende Tod des Wortes „Freiheitskämpfer“

  1. Pingback: Links 2012-03-12 | -=daMax=-

  2. Ratking-Agentur schreibt:

    „Deutsche Soldaten haben im Ausland nichts verloren“, das wusste schon Wolfgang Schäuble und wollte sie gerne nach Hause holen und im Inland einsetzen – aber das war ja auch wieder keinem recht…! Dabei hatte er doch ganz gute Gründe, wie Schramm das so schön erklärt hat:

    … da passt auch das hier schön dazu – auch wenn da bedauerlicherweise der Schluss fehlt:

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  3. der_emil schreibt:

    Polemik?

    Wohin sind wir gekommen, wenn Du die Wahrheit (na gut, eine Wahrheit) schon unter diesem Begriff verstecken zu müssen glaubst?

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    • pantoufle schreibt:

      An Rubriken stand sonst nur noch „Bildungsauftrag“ oder „der Untergang“ zur Verfügung. Die Faulheit siegte, da als default bei mir Polemik gesetzt ist 🙂
      Die Wahrheit muß sich nicht verstecken – hierzulande findet sie eh keiner. Dafür müßte man anfangen zu suchen.

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  4. -:daMax:- schreibt:

    Sehr spannend finde ich auch wie z.B. in China von „Dissidenten“, in Nahost von „Rebellen“, in Osteuropa und Russland von „Regimegegnern“ geredet wird, wo es zu Hause immer nur „Wutbürger“, „Demonstranten“ und „gewaltbereite Chaoten“ gibt.

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  5. Pantoufle schreibt:

    Trotzki war Dissident – wer ist eigentlich der chinesische Trotzki? Dissident: Der Widersprechende. „Rebellen“ ist etwas besser beleumundet – für die Südstaaten und die Sklaverei.
    Und der Regimegegner zeigt, das es ein Regime gibt. Regime: Nicht demokratisch legitimierte Herrschaft… wie zum Beispiel 3% Stimmenanteil der FDP… oder der CSU. Das macht bei einer Wahlbeteiligung von 46% und 6% Stimmenanteil…warte mal… äh: zu wenig!
    Kleiner Aufruf an alle Germanisten unter meinen Lesern (von denen ich hoffe, sie noch nicht alle verjagt zu haben) : Sprache als Herrschaftsinstrument. Flexible Interpretation von politischen Werten im Zusammenhang mit dem Begriff Widerstand. Wen sollte man da lesen und wer hat sich über dieses Thema bereits kompetent geäußert?
    Alles, was ich bis jetzt zu diesem Thema habe, stammt von einem meiner neuen Helden, der sich Bazon Brock nennt:
    „Normative Kraft des Kontrafaktischen: „Jetzt erst recht!“ Logik der natürlichen Dummheit.“

    @FF: Wissen Sie zufällig über dieses Thema bescheid?

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