John Asht zieht blank

John Asht. Erlangen. Bayern, Germany. Schreibt Bücher. Bezeichnet sich selbst als „uriger Naturliebhaber (kein Ökofuzzi!) und lebe als Einzelgänger in der Fränkischen Schweiz.“ Damit das auch jeder begreift, was er an der Natur so liebt, gibt es ein Photo: Ich und der HumVee-Geländewagen. Das ist eines dieser übergroßen amerikanischen Autos, die selbst auf einer Wüstenpiste mit den Rädern gleichzeitig im linken und dem rechten Straßengraben stehen. Mit so einem Vehikel hat sich der „Ökofuzzi“ in der Tat erledigt.

Wie eingangs schon bemerkt, schreibt John Asht Bücher. Das ist an sich nichts Ehrenrühriges! Große Geister haben das vor ihm getan; wenn man es besonders gut macht, gibt es sogar Preise dafür – den Preis des deutschen Buchhandels, den Nobelpreis usw. – und selbst, wenn man nicht die hellste Kerze in der Kapelle ist, kann man unter Umständen ganz manierlich davon leben.

Damit Leute die Bücher von John Asht kaufen, hat der Autor auch eine Internetpräsenz. Dieses Medium erlaubt eine Selbstdarstellung, die in Verbindung mit Leseproben Lust darauf machen soll, von ausgerechnet diesem Menschen mehr zu lesen – unter Umständen sogar Bücher von ihm zu kaufen. So weit, so gut.

Es gibt ebenfalls Menschen, die auf eigenen Internetseiten die Bücher derjenigen kritisieren, die glauben, Bücher schreiben zu müssen. Auf diesen Seiten schreibt dann jemand, ob und warum ihm das entsprechende Buch gefallen hat, oder warum er es für gefrorenen Mist hält. Auch diese Art der freien Meinungsäußerung ist vollkommen legitim. Das nennt man Literaturkritik. Kein ausgesprochener Ausbildungsberuf – ein jeder darf das, und wenn die Kritik positiv ist, freut es die Verlage.

Der uralte Krieg zwischen Literat und Kritiker ist nach wie vor ein unentschiedener. In früheren Zeiten konnte so etwas schon einmal mit der Forderung auf Säbel oder Pistolen geregelt werden – danach war das Buch zwar keinen Deut besser, der Autor oder sein Kritiker tot, aber dem, was als Ehrenbegriff im Raum stand, war Genüge getan.

In späteren Zeiten blieben die Waffen dort, wo sie hingehören: Im Museum! Die schweren Säbel hießen Rechtsanwälte, das angestrebte Ergebnis war dasselbe geblieben. „Ha, Schurke! Das nehmen Sie sofort zurück, daß Sie nicht weiter als bis Seite 30, schlimmstenfalls bis zur neunzigsten Seite gekommen sind! Sie haben diesen Schmarrn gefälligst bis zum Ende zu lesen! Sie… wer sind Sie eigentlich, Sie Kofferträger der Literaturkritik!“
Nun könnte man glauben, daß solch hirnlose Auseinandersetzungen der Vergangenheit angehören. Daß dies nicht der Fall ist, zeigt die Auseinandersetzung zwischen dem freien Journalisten, Photographen und Schriftsteller John Asht und der Bloggerin Myriel vom Blog „Bücherzeit.

Die Kritik von Myriel scheint ein ernsthafter Anschlag auf das Selbstbewusstsein des Autors gewesen zu sein. Der Geschmähte zog blank:

Na ja, von einer 23-jährigen Fantasy-Leserin, die mit gehobener Literatur überhaupt nichts anfangen kann, erwarte ich auch nicht mehr als eine solch’ unqualifizierte Pseudo-Rezi.
Mädel, schreib’s dir hinter die Ohren: Phantastische Literatur ist nicht „Fantasy“.
Also, tu uns allen einen Gefallen und bleib bei deinen Zwergen und Elfen – für mehr reichts nicht![… ] außerdem werde ich „Myriel“ und „Bücherzeit“ von meinem Rechtsanwalt gerichtlich ahnden lassen – denn mir sieht diese Einrichtung sehr suspekt aus – etwa so, wie von gewissen Leuten bezahlt, um einem Autor zu vernichten. Das wird teuer, Lady!

Man beachte die gediegene Wortwahl, die Feingeistigkeit des Kommentars – da spricht ein Schöpfer gehobener Literatur. Seine Verlegerin Antje Roder legt gleich nach:

Es ist absolut unfair, sich hinter einem anonymen Decknamen zu verstecken und einfach ein Buch zu verreißen, das man gar nicht kennt. Ein Buch mit über 900 Seiten ernsthaft bewerten zu wollen, obwohl man gerade mal 90 Seiten gelesen hat, ist nicht nur höchst unprofessionell, es zeigt auch, dass hier jemand Internetforen missbraucht, um den Autor oder den Verlag anzufeinden. [… viel später] …Es tut mir leid, Ihnen sagen zu müssen, dass ich mich John Asht anschließen werde und ab Montag gerichtlich gegen Sie vorgehe, falls Sie diese Rezension nicht sofort entfernen.

Im letzten Teil des Kommentars findet Frau Roder dann doch noch das Impressum, in dem – wie sich das gehört – der bürgerliche Name der Kritikerin steht. Glückwunsch für das Finderglück an dieser Stelle; das Impressum von John Asht sucht man dagegen vergeblich. Der Autor zieht es offensichtlich vor, sich hinter einem anonymen Decknamen zu verstecken, unter dem er seine Weisheit unter das Volk bringt.

Die Redaktion der Schrottpresse muß an dieser Stelle verschämt gestehen, keines der Bücher von John Asht gelesen zu haben – und nach den Leseproben von Ashts Seite wird das wohl auch dabei bleiben:

Der Arsch der Henne, diese wunderbare Erfindung der Schöpfungskraft, nennt sich Kloake. Ein ziemlich blödes Wort für diesen wunderbaren Quell von Frühstückseiern, Ostereiern, Backeiren und Eierköpfen.

Wie kriegt man eine Lady flach? Das heißt: ohne Po, ohne Taille, ohne Busen – einfach so dahin gelegt? Flach wie die Steppe – flach wie der …

Wenn ich ein Blatt wäre, möchte ich bunt sein und durch die Lüfte fliegen wie ein Vogel mit schlauem Gedanken übers Blattwerden.

Du sitzt in deinem Aldi-Cheffsessel, glotzt in den Facebook-Schirm hinein und bedienst die Tastatur wie der junge Beethoven sein Klavier bevor er taub wurde. Ein neues Profil geht auf. Heilig ist der Augenblick, denn du weißt, es öffnet sich jetzt der Blick in die Seele eines anderen Wesens.

Es ist nicht leicht, dem Autor auf seinem Pfad zu folgen. Man ist im ersten Augenblick hin –und hergerissen zwischen Deutungen wie „Charles Bukowsky auf LSD“ oder Popanz – verwirft das aber gleich wieder, weil man in diesem Falle Gefahr liefe, Leserbriefe von Verlegern zu bekommen wie etwa:
Es ist absolut unfair, sich hinter einem anonymen Decknamen zu verstecken (siehe Impressum) und einfach einen Autor zu verreißen, den man gar nicht kennt (und auch gar nicht kennen möchte). Einen Autor von über 50 Lebensjahren ernsthaft bewerten zu wollen, obwohl man gerade mal 20 Zeilen gelesen hat, ist nicht nur höchst unprofessionell, es zeigt auch, dass hier jemand Internetforen (muß heißen: Blog!) missbraucht, um den Autor oder den Verlag anzufeinden.

Da ich natürlich auf diese Art von Post keinen Wert lege, hüte ich mich davor, John Asht mit Bukowsky zu vergleichen – allein aus Respekt vor Charles Bukowsky – und es bleibt beim Begriff „Popanz“. Diesen etwas aus der Mode gekommenen Begriff erklärt die Wikipedia unter anderem so:

Popanz nennt man abwertend auch eine Person, die in ihren Handlungen von anderen Menschen abhängig oder stark beeinflussbar ist, zugleich aber den Eindruck von Macht und Selbstbestimmtheit zu erwecken versucht.

Ein Popanz: Das, und genau das, ist der Eindruck, den die Webseite des freien Journalisten, Photographen und Schriftstellers  John Asht vermittelt. Das ist natürlich nur meine private Meinung, die auf einem ersten, flüchtigen Eindruck beruht.
Ein Eindruck, der bedauerlicherweise von jedem Photo des Schriftstellers, von jeder geschriebenen Zeile ausgeht. Ein Eindruck, der sich verstärkt wenn dieser Flegel mit Schaum vor dem Mund wütende Leserbriefe abfeuert, flankiert von seiner Verlegerin und einem Rechtsanwalt – Souveränität schreibt sich anders.

Worum geht es eigentlich?

Ein unbekannter Schriftsteller ärgert sich über Kritik. Seine Verlegerin wirft dem Kritiker zudem vor:

Artikel 5 des Grundgesetzes gibt Ihnen noch lange nicht das Recht, Wirtschaftskriminalität zu betreiben, indem Sie willkülich den Verkauf eines Produktes boykottieren.

Man betreibt also Wirtschaftskriminalität, wenn man ein Produkt boykottiert – interessanter Ansatz! Wenn das Herr Rösler von der FDP wüsste … Wie man den Verkauf des Produktes boykottieren kann, muß noch herausgearbeitet werden, verspricht aber, auch spannend zu werden.

Myriels „Bücherzeit“-Bewertung ist sicher keine Sternstunde der Literaturkritik; Verrisse muß man sorgfältiger ausführen. Allein – ich kann es nachvollziehen. Es gibt Bücher, die man nach zehn Seiten mit den Fingerspitzen über den Papierkorb hält, entschließt sich aber dann, sie jemandem zu schenken, den man ganz und gar nicht mag. Die Verlegerin Roder hat sogar recht, wenn sie anmerkt:

Literatur ist aber nicht einfach nur gut oder schlecht. Jeder Leser nimmt ein Buch unterschiedlich wahr.

Eventuell muß Frau Roder aber die Kröte schlucken, einen Autor im Sortiment zu haben, dessen Bücher mit Vorliebe „weiterverschenkt“ werden.
Verlegerschicksal.

Fazit:

Wenn es Absicht des Verlages und Herrn Ashts gewesen ist, Myriel in aller Öffentlichkeit einzuschüchtern, um den Traffic auf der Homepage von John Asht zu erhöhen, so ist dieses wohlgelungen. Die Seite, die seit Oktober letzten Jahres online ist, hatte bis heute Morgen ca. 9000 Zugriffe. In der Zeit, die ich zum Schreiben dieses Artikels brauchte, ist der Zähler auf über 10.000 Besucher angestiegen.
Auch mein Anklicken hat dazu beigetragen. Eine innere Stimme sagt mir, das die wenigsten Aufrufe von Bewunderern des Autors waren.

Sollte die Kampagne allerdings dazu gedient haben, den Schriftsteller in ein besseres Licht zu rücken, als es die Kritik von Myriel erwarten lässt, so war dies ein Schuss in den Ofen. Sowohl der Name des Autors wie der des Verlegers stehen bei mir ab sofort auf der schwarzen Liste.

Ich erkläre mich hiermit als „Wirtschaftsverbrecher“, der Produkte von John Asht und dem Verlag „Roder“ boykottiert und – sollten gute Freunde an mich herantreten und mich um meine Meinung bitten – ihnen das ebenfalls empfehlen würde.
Nach herrschender Rechtslage sollte es möglich sein, eine Waschmaschine der Marke „Miele“ anstelle einer „Bosch“ zu erstehen. In der Schrottpresse wird Theodor Fontane gelesen – nicht John Asht.

Über diesen John Asht stand nämlich im Blog „Bücherzeit“, das es sich nicht lohne, diesen gefrorenen Mist zu lesen. Danke für die Warnung, Myriel!

P.S. Der Verlag Roder ist so freundlich, umfangreichere Leseproben des fraglichen Werkes auf seiner Internetpräsenz zur Verfügung zu stellen. Für einen ersten Eindruck über das Werk des Autors  sei das jedem ans Herz gelegt. Ich selber habe mit fassungslosem Staunen mehrere Seiten gelesen, es dann meiner Frau vorgelesen und auch den Kindern – lediglich Redaktionhund Oskar teilte die allgemeine Freude nicht: Er ist den Klassikern verhaftet und der politischen Literatur. Für alle Freunde der zeitgenössischen höheren Unterhaltungsliteratur bitte zu diesem Link
Update: Der Link ist seit kurzem 404. Der Verlag hat sich aus wahrscheinlich humanitären Gründen entschlossen, die Texte nur noch Offline zu veröffentlichen.

Und nochn Update: Brechdurchfall

Weiteres Update: Da diese Schmierenkommödie offensichtlich nicht zur Ruhe kommen will und der Autor John Asht jetzt – wenn man seinen Worten vertraut – einen Blogger und Rezensenten Namens „Geologe“ angezeigt hat, hier noch eine Rezension, bei der sich jemand der Mühe unterworfen hat, alle Seiten des Buches zu lesen – ohne allerdings zu neuen Erkenntnissen zu kommen: Fiktionfantasy

Was an dieser Stelle Kommt, mag der eine oder andere schon ahnen: ein
Update
Während der Anwalt von Asht seinem Klienten versucht, schonend beizubringen, daß es keinen Schalter gibt, der das Internet ausschaltet, stellt sich heraus, daß Asht einen Bruder hat. Geleakt hier und heute : LINK

Advertisements
Dieser Beitrag wurde unter Bildungsauftrag abgelegt und mit , , verschlagwortet. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

15 Antworten zu John Asht zieht blank

  1. FF schreibt:

    Nichts gegen die Fränkische Schweiz – da um’s Eck habe ich vor rund hundert Jahren mal studiert. Bis auf daß die dortigen Aborigines zu Großvaters Zeiten die krassesten Nazis waren und bis heute schwerverständliche Mundarten pflegen, kann man da kaum einem was vorwerfen. Ehrliche Gastwirtschaften, ausgezeichnete Biere, hervorragendes Essen.

    Zum eigentlichen Thema hier kann ich nach zehnminütiger Kurzrecherche (mehr werden es auch nicht werden) nur bescheiden beitragen: WTF? Indes: gegen die menschliche Dummheit kämpf(t)en selbst die Götter vergebens.

    Nur die Fränkische Schweiz – die kann ja nun wirklich nichts für ihre Bewohner. (Und Befahrer.)

    Gefällt mir

  2. pantoufle schreibt:

    Schon gut, schon gut!! Ich erkläre hiermit feierlich, daß mein Artikel nichts, aber auch gar nichts mit der unberührten Natur und den freundlichen, äußerst traditionsverhafteten Bewohnern der fränkischenSchweiz zu tun hat – nur gegen irgendwelche schreibenden Verstrahlten, die den Public-Relationberater von Richard Nixon geerbt haben und sich auf ihrer Webseite wie Old Schnatterhemd darstellen. Der Mann geht gar nicht und seine Verlegerin kann neben dem MG eines Amokschützen stehen, ohne auch nur einen einzigen Schuß zu hören.
    Mag das Bier dort noch so gut sein…* einen Schluck Becks-Bier trink *, *Bäuerchen*…jetzt gehts wieder…: Lassen Sie es bei den 10 Minuten Recherche, FF! Das Thema gibt eigentlich nichts her. Aber der Versuch, die Myriel so primitiv einzuschüchtern, gehört an die Öffentlichkeit. Genau dorthin wollte dieser Freizeit-Cowboy und genau da ist er jetzt.
    Wohl bekomms!
    Gruß
    das Pantoufle

    Gefällt mir

  3. Pingback: Wöchentliche Träumereien #3 - Leseträume - Flüsternde Lettern ferner Welten

  4. Pingback: Schreibblockade.com | Vom Umgang mit Kritik

  5. Nobelix schreibt:

    Schon doof, wenn man nicht mit Kritik umgehen kann…irgendwie.
    Wenn ich das so lese, habe ich das Gefühl, Herr Asht benimmt sich wie ein kleines Kind, dem man den Lutscher weggenommen hat. Wohlweislich kann man auf seinem Blog gar nicht erst kommentieren – ein Schelm, wer böses dabei denkt.

    Insgesamt würde mich eine negative Kritik nicht davon abhalten, ein Buch trotzdem zu kaufen und zu lesen – ich bin schließlich erwachsen und kann mir meine eigene Meinung bilden. Was mich aber davon abhalten wird, ist das Verhalten des Herrn Asht – und das seines Verlages. Das Recht auf freie Meinungsäußerung zu unterdrücken (oder zumindest der Versuch, es zu tun) ist schon ein starkes Stück. Meine ich jedenfalls…so als anonymer Leser, Schreiber und Kommentator.

    Gefällt mir

  6. Pingback: Nachhaltigkeit und Social Media: Wege in eine bessere Zukunft » Blog Archiv Myriel, Jon Asht und die Zwillingsbrut: wie man sich nicht im Social Web verhalten sollte - Nachhaltigkeit und Social Media: Wege in eine bessere Zukunft

  7. pantoufle schreibt:

    Würde keines der Bücher existieren, welches im Laufe der Geschichte verboten, verissen, als Schund abgehandelt oder auch nur kritisiert wurde: Die Weltliteratur hätte in der Bibliothek einer Grundschule Platz.
    Ich empfinde die Auseinandersetzung eher als „Meinugsfreiheit contra Geschäft“ – eine Diskussion im eigentlichen Sinne findet ja wegen, nennen wir es einmal Überforderung des Autors, nicht statt. Das ist bedauerlich, zumal die Literatur als Medium besseres verdient hätte. Asht hat nicht nur sich selber keinen großen Gefallen erwiesen – die Branche an sich muß sich unter Umständen fragen lassen, ob sie den Zeitenwandel „Internet“ besser begriffen hat als die Politik und das, was man gerne als „Content-Mafia“ bezeichnet.
    Ein paar Dinge haben sich immer noch nicht herumgesprochen…

    Gefällt mir

  8. der_emil schreibt:

    Oh, danke für die Warnung. «John Asht» werde ich nicht lesen …

    Gefällt mir

  9. Oliver schreibt:

    Mir geht es ähnlich wie dem Verfasser der Schrottpresse. Ich habe weder von John Asht noch von seinem Verlag jemals zuvor gehört. Ich kaufe meine Bücher seit fast 20 Jahren in einer kleinen Buchhandlung, die schon von so gut wie jedem Klein(st)verlag Bücher in den Regalen hatten. Und wenn nicht konnten sie bisher immer alles auftreiben. Ich lese mich auch bevorzugt durch die Programme dieser Kleinverlage. Phantastik ist eines meiner bevorzugten Jagdgebiete. Aber da sind die Grenzen ohnehin fließend. Von individueller Wahrnehmung (!) fange ich mal gar nicht an.

    Ich mag Maturins „Melmoth der Wanderer“. Um mal bei einem Beispiel zu bleiben. „Sperrige Sprache“ ist für mich also zunächst kein Qualitätsmerkmal. Gerade dieser Hinweis hätte mich neugierig machen können. Für meinen Händler schreibe ich gelegentlich (unentgeltlich!) Rezensionen. Nur positive. Ist eine Händlerseite und da soll nach Möglichkeit nur verkaufsförderndes Material stehen. An den Jungs im Laden liegt mir einfach was. Wie gesagt, fast 20 Jahre …

    Eine Besprechung von „Twin-Pryx: Zwillingsbrut“ wird es dort nicht geben. Jedenfalls nicht von mir verfasst. Die Lust auf dieses Buch und auch den Verlag ist mir nach diesen Reaktionen gründlich vergangen. Über den vorliegenden Band oder das restliche Verlagsprogramm kann und werde ich nichts sagen. Aber ich habe auch andere Kleinverleger über schlechte Rezis sprechen hören. Und über solche, die sie einfach unangebracht fanden. Keiner hat es für nötig gehalten, einen solchen Aufstand zu üben. Für einen befreundeten Autoren lese ich gelegentlich Geschichten vor der Einreichung. Wenn ich etwas zu beanstanden habe, kann ich das unverblümt sagen. Seine Geschichten sind seine Babies. Er knirscht mit den Zähnen. Aber er setzt sich damit auseinander. Der Autor und Übersetzer Malte S. Sembten (hat meines Wissens bisher auch noch nichts bei Random House veröffentlicht) wurde von mir über Facebook mal auf einen Fehler hingewiesen (wenn auch nicht unbedingt beabsichtigt). Das war überhaupt kein Problem. Und der Name Sembten hat in der phantastischen und unheimlichen Literatur einen gewissen nicht zu unterschätzenden Klang …

    Das sind alles Punkte, an denen sich wahre Größe zeigt. Ich bin sehr für die Unterstützung von Kleinverlagen und ihren Autoren. Zumal ich ausgerechnet bei meinem Lieblingsverlag auch die schwere Zeit miterlebt hatte. Die konnte zum Glück überwunden werden. Als Fan von Büchern, als Anhänger von Kleinverlagen liegt mir sicher nichts daran, dass einer dieser Verleger Insolvenz anmelden muss. Ich werde allein schon aus diesen Gründen nicht über eine Boykottierung des Verlags sprechen. Spätestens wenn die etwas von Thomas Ligotti bringen würde ich ohnehin schwach werden. Aber zumindest momentan sehe ich vor den Roder Verlag und mich keine gemeinsame Zukunft. Zumal ich durch Verleger wie Kaegelmann, Festa oder Latz sehr viel mehr Souveränität gewohnt bin.

    Und ja, ich weiß. Ligotti passt nicht ins Programm des Roder Verlags wie es sich auf der Website darstellt. Aber er ist nunmal mein Lieblingsautor und sprachlich absolut genial. Gehobene Literatur und so. 😉

    Gefällt mir

  10. steimi schreibt:

    Na ja ohne die Werke lesen zu wollen, Popanz ist richtig getroffen …

    Gefällt mir

  11. Pingback: Wirre Welt zum Wochenende | Wortvogel – 100 % Torsten Dewi

  12. Andreas Kyriacou schreibt:

    Auch John Asht gehört seit gestern zu den preisgekrönten Autoren. Er erhielt Bronze im Wettbewerb um die beleidigte Leberwurst der Woche.

    Gefällt mir

  13. Pingback: Was man als Autor eher nicht tun sollte … « Buchjunkie

  14. Muaddib schreibt:

    Servus Leute,

    wer möchte, kann sich selbst ein Bild machen.
    http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:QmFczefByLoJ:www.roder-verlag.de/buchtitel/twinpryx/leseprobe/index.html+http://www.roder-verlag.de/buchtitel/twinpryx/leseprobe/index.html&hl=de&client=firefox-a&hs=3rK&gl=de&strip=1

    Da das www nichts vergisst, kann man unter dem obigen Link immer noch die Leseprobe aus dem Werk von Herrn Asht lesen.

    Grüße

    Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s