Nix los heute

heute morgenWochenendeinkauf. Kamera in den Tankrucksack, die Koffer links und rechts befestigt und los; heute ein wenig weiter. Erstens, weil ich auf den Fraß von Tesco keine Lust habe und dann auch dafür, das der Motor mal wieder warm wird. Die Yamaha ist die ganze Woche nur die paar Kilometer bis zur Firma und zurück gefahren und fühlt sich unwohl.
Heute geht’s nach Ampthill. Das ist eine gute Viertelstunde entfernt und hat am Sonnabend Markt.
Käse , Wurst und Brot unter freiem Himmel gekauft, schmeckt doppelt gut… na schön: Bis auf das Brot! England und sein Brot ist eine ähnlich traurige Geschichte wie die des Sklavenhandels, aber ins polnische Viertel nach Luton will ich heute deswegen nicht extra. Und die Brotverkäuferin ist doch so stolz auf ihre weiße Pappe, die schon bei leicht erhöhter Luftfeuchtigkeit wieder zu zähem Brei wird!

Ich lasse beim Bezahlen einem alten Mann den Vortritt – „selbstverständlich, aber ich bitte sie! Ich bin wirklich nicht in Eile! Ja: Motorradfahren hat doch viele Vorteile, vor allem wenn das Wetter so erfreulich ist wie heute…. ja – in der Tat aus Deutschland. Ach, bei der königlichen Luftwaffe waren Sie? Ja, das war schon eine recht unangenehme Zeit.“
Die Schlange hinter uns wird länger, aber nicht ungeduldig. Eine älter Frau auf einem der hinteren Plätze in der Reihe hat auch noch etwas beizutragen, während die Verkäuferin schon mal jemanden abfertigt, der dem ganzen zwar interessiert zuhört, aber noch vor dem Mittagessen nach Hause will.
Englands soziale Treffpunkte: Der Pub und die Schlange vor der Kasse.
Weil ich mich als Migrant schon so prima eingegliedert habe, gibt es noch ein kleines Törtchen gratis. Das wird gleich vor Ort gegessen! Süß wie das Lächeln der Bäckerin. Süßer. Viel zu süß!

Nebenan ist Waitrose, dem überdachten Markt, der zudem noch super ist. Eine Flasche Shiraz, Paprika und Carr´s Tablewater. Ich gestehe an dieser Stelle und in aller Öffentlichkeit, daß ich bekennender Carr´s Tablewaterfan bin! Unschlagbar! Kein Käse ohne Carr´s! Das ist so undenkbar wie Motorräder ohne Öl oder die FDP ohne Guido. Für all die armen Unwissenden, die nicht ahnen, was das ist: Es handelt sich dabei natürlich nicht um Tafelwasser, sondern um Cracker! Mit gestoßenem schwarzen Pfeffer und seit 1908. Hoflieferant – natürlich! Diese urenglische, von den Amerikanern erfundene Köstlichkeit…

Der Laptop ersetzt die Tageszeitung. Während die eine Hand mit einem Käse-Cracker Balanceakt beschäftigt ist, maust man sich mit der anderen durch die Nachrichten… so,so … Westerwelle hat seine Abschiedsrede als Parteivorsitzender gegeben und alle haben vor Rührung geweint. Minister ist er aber immer noch – da weine ich auch gleich ein bisschen, wenn auch nicht vor Rührung.
Erst mal einen frischen Tee! Das ich auf meine alten Tage noch einmal zum Teetrinker werde, hätte ich mir nicht träumen lassen. Und dann auch noch diese Mengen!
Auch eine Menge von Zeitungen will der Spiegel verkaufen und hat deswegen Osama bin Laden groß im Titel. Drei Seiten darüber, das man leider nichts neues weiß. Aber eine weitere Photostrecke, dieses Krebsgeschwür der Online-Ausgaben aller Zeitungen: bin Laden von vorne, bin Laden von vorne,bin Laden von vorne, bin Laden von vorne, bin Laden schräg von vorne und im Hintergrund eine Regal, auf dem Pepsi-Cola steht. Der politisch korrekte Terrorist trinkt Pepsi!

Heute ist aber auch nix los… wenn ich noch weiter so viel von diesen Crackern fresse, kann ich gleich wieder los!

Henryk M. Broder vergreift sich in der „Welt Online“ auch an diesem Toten und schwingt die gefürchtete Broderkeule. Alles Antiamerikaner und verlogene Heulsusen! Alle außer ihm natürlich! Gegen Schluss erinnert er an den „Mescalero-Aufruf“, bei dem es um die Ermordung des damaligen Generalbundesanwaltes Siegfried Buback durch die RAF ging. Das war der mit der „klammheimliche Freude“ und Henryk M. bedauert, das es einen solchen noch nicht über die ganz und gar nicht klammheimliche Freude des Todes von bin Laden gibt. Falsch, Herr Broder: Sie haben ihn gerade selber geschrieben! Vollpfosten!

Rösler hält eine natürlich wegweisende Rede und erwartet, Vertrauen zu gewinnen. Das trifft es! Normalerweise muß man sich ja Vertrauen erarbeiten – das der Vorsitzende der FDP aber eher auf einen überraschenden Lotto-Gewinn hofft, verrät Realitätssinn.

Meine Lieblingsfranzösin hat mir einen traurigen Brief geschickt… ich muß mal was schreiben, was sie aufmuntert. Etwas mit ohne Politik aber viel Herz und Essen. Maximal ein Halbsatz Sozialkritik – Hunde und Motorräder dürfen aber! Eben was fürs Gemüt.

Interview mit dem FDP-Mann Chatzimarkakis: „Jetzt passen die Figuren in die richtigen Förmchen.“ Meine Nominierung für den Euphemismus-Nobelpreis. Ich hätte da auch noch ein paar „Förmchen“. Die stehen bei uns vorm Haus und haben einen Deckel – Leerung wöchentlich!

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6 Antworten zu Nix los heute

  1. anna schreibt:

    Ahoi mein Lieber!

    Ich, als bekennender Nichtzeitungsleser habe nun wieder täglichen Lesestoff, frei Haus 🙂
    Scharfer Witz der lachend beißt…., gute Schreibe mit dem nötigen Tiefgang, Folge von kritischen Betrachtungen des zeitnahen Geschehens!!! Wuste ich aber schon das Du das kannst. Ich wünsche Dir noch ein feines Restwochenende!
    Weitermachen, Gas is rechts!

    Ach ja, wenn Du Pfingsten dann noch im Heimatlande weilst, kriegste ein schönes Brot von mir, notfalls auch selbstgebacken!!!

    Sonnige Grüße, Anna

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  2. pantoufle schreibt:

    Die Anna – da schau her! Ein neuer Gast 🙂 Auf das Brot komme ich zurück!
    In der Zwischenzeit muß ich erst mal eine Katastrophe verdauen! Der schlimmste aller anzunehmenden Supermega-GAUs ist eingetreten! Mein Lieblings-Inder hat Pleite gemacht!
    An mir kanns nicht gelegen haben.
    Das war der mit den unglaublich süssen Mädelz und dem Essen mit Orginalwürzung.
    Ich werde wohl jeden Tag einmal da vorbei und auf Knien mit dem Kopf gegen die Türe hauen, bis sie den Herd wieder anschmeißen.
    Was für ein Desaster!
    Liebe Grüße
    Pantoufle

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  3. Fanny schreibt:

    Danke, lieber Pantoufle !
    Es tut mir Leid, dass Deine mich aufmunternden Essensstrapazien Dir nicht so bekommen sind…
    Gute Besserung.
    Fanny

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  4. opalkatze schreibt:

    @anna opalkatze will auch brot. bin fextrem futterneidisch.

    @fanny ich kann indisch – so im prinzip – besorg mal ’n tandoor … england mochte ich immer.

    @hausherr Mehr.

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    • Fanny schreibt:

      @Opalkatze: Ich liebe die indische Küche (und alles was indisch ist – ich besorge die passende Musik, ein großes silbernes Tablett, Wandbehänge und Räucherstäbchen). Ich habe auch Sehnsucht nach England… und den Hausherr vermisse ich auch schon ein bißchen :o)

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  5. Pantoufle schreibt:

    Weil meine Liebligsfranzösin ihre indische Liebe gut verstecken kann und KEINE Räucherkerzen in meiner Gegenwart anzündet, rauche ich bei ihr in der Wohnung auch nicht 🙂
    Die passende Musik suche ich aus… besser is das! Sonst Rache in Form von klassischen Komponisten der der Jahrhunderwende bis in die dreissiger Jahre aus Deutschland und Russland!
    Sonst habe ich sie aber von Herzen lieb!

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