Das Pantoufle ist verwirrt

Gestern erst hatte ich Frau Merkel ziemlich genau aufgeschrieben, wie ich mir ihre Rede vorstellen würde und nun kommt das! „Erst einmal sind wir alle in Gottes Hand“…irgendwie. Außerdem „halten wir inne“. „Wir (an dieser Stelle bitte „Wagners Götterdämmerung einspielen“) setzen die Laufzeitverlängerung bis zu letzten Landtagswahl aus für 3 Monate aus. Wir setzen auch wieder Untersuchungsausschüsse ein, die die Lage beurteilen werden und eine Empfehlung aussprechen. Im Übrigen bleiben wir aber dabei, daß so eine Katastrophe in Deutschland nicht passieren kann.

Da bleibt einem die Luft weg. Das soll Krisenmanagement sein? Es gibt in der Literatur ja viele Beispiele, wie man Menschen an den Rand ihres Verstandes bringt. Beim einen sind es Ratten vor dem Gesicht, beim anderen reicht die Tür eines Flugzeuges – weiter Beispiele bei Edgar Allen Poe. Das es – und zwar viele – Individuen gibt, die im Angesicht einer verlorenen Landtagswahl jede Koordination, jeden Bezug zu Logik – ja selbst den niedrigsten Überlebenssinn verlieren, überrascht mich wirklich. Wer das für reine Polemik hält, sehe sich bitte das ZDF-Interview mit „Umweltminister“ Röttgen hier an.

Das Desaster, was gerade abläuft, passiert in Japan. Ein paar tausend Kilometer weit weg. Man stelle sich nur einmal kurz vor, wir hätten dieses oder ein ähnliches Problem in Deutschland – schweres Flugzeugunglück (TERROR!), Nordsee tritt über die Ufer; was weiß ich. Und wir hätten ausgerechnet diese Regierung, um irgend etwas zu regeln – wehe, in Schleswig Holstein wäre eine SPD-Regierung! Ja, da wären wir wohl erst mal in Gottes Hand…irgendwie!

Also: Noch mal ganz sachlich und der Reihe nach. Die Laufzeitverlängerung war ein Wahlgeschenk an die Energiekonzerne. Man hat dafür irgend etwas bekommen (wie war das mit der EnBW, Herr Mappus?). Energiepolitisch gab es überhaupt keinen Grund für die Laufzeitverlängerung. Atomkraftwerke sind mindestens so gefährlich, wie ihre ärgsten Kritiker seit den frühen 70´Jahren behaupten. Atomkraftwerke haben sich niemals für den Verbraucher gerechnet – da sind Zigmilliarden an Steuergeldern versenkt worden. Die Endlagerfrage ist nicht im Ansatz geklärt. Die Dinger gehen bei allen möglichen Gelegenheiten in die Luft. Und zwar nicht alle 1,2 Millionen Jahre einmal, sondern mindestens dreimal pro Generation. Das Argument, das Japan nicht Deutschland wäre, klingt nicht nur bescheuert – es ist es auch! Japan zeigt, was passiert, wenn alle Sicherungen versagen. Wie diese Sicherungen versagen, ist dabei absolut gleichgültig: Sie tun es! Und die Folgen sind so dramatisch, das die Menschheit einsehen muß, das es Technologien gibt, die zwar ausführbar, aber nicht wünschenswert sind.

So: Alles klar? Das war war doch mal richtig sachlich! Weiter damit. Die Energieversorger sind in Sorge. Nicht um die Energie, aber um ihre Pfründe. Sie sollen nun ihre Kuckuckseier abschalten. Das wollen sie natürlich nicht, weil dann bei ihnen alle Lichter ausgehen. Das ist aber gar nicht schlimm! Es sind Ihrer nur ganz wenige und wir sind ganz viele! Es gehen also nur bei 400,500 Haushalten die Lichter aus. Und wenn sie wieder Strom haben wollen, zwingt man einfach dazu, ihre ergaunerten Zigmilliarden Euro in die Erforschung regenerativer Energien zu investieren. Das hätte man schon vor 40 Jahren machen sollen; zu spät ist es aber noch nicht. Und wenn sie das nicht wollen: Dann werden sie eben enteignet! Da gab es doch diesen bekannten Sachbuchautor K.Marx… (ich stehle nur höchst ungern: der da ist von O.M.Schmitt).

Das Pantoufle bekommt langsam wieder Luft. Worum geht es? Eine „Aussetzung“ oder das „Innehalten“ mit anschließendem Untersuchungsausschuss? Verzeihung: Das ist die dämlichste Wahlkampfparole der letzten 66 Jahre. Dagegen ist „Freiheit statt Sozialismus“ noch Poesie!

Abschalten! Alle! Jetzt!

Das wäre doch mal ein Slogan! Damit würde selbst diese unwürdige, beschämende Regierungskoalition ein klein wenig Glanz bekommen. Frau Merkel und Herr Röttger: Die „Aussetzung der Laufzeitverlängerung“ ist keine Schadensbegrenzung, sondern nur das Eingeständnis, daß sie auch aus tatsächlichen Katastrophen nichts lernen.

6, setzen!

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