„Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort,

ich wiederhole: mein Ehrenwort, daß die gegen mich erhobenen Vorwürfe haltlos sind.“

Diese berühmten Worte sprach 1987 Uwe Barschel vor laufenden Kameras zu einem Zeitpunkt, als dies nur noch die Unwahrheit sein konnte – folglich glaubte es auch niemand. Die Zeit war wohl noch nicht reif für eine Lüge dieser Größenordnung. Wahrscheinlich war Barschel auch die falsche Person; wer zuviel Angst hat, erwischt zu werden, sollte das Lügen ohnehin bleiben lassen. Sein Gegenspieler, wenn man ihn so nennen will, Björn Engholm gewann die Wahlen im Jahre 1988, wurde aber im Zuge der Untersuchungen über die Barschelaffäre des Meineids überführt. Er hatte bis zu diesem Zeitpunkt behauptet, das er die damaligen Aktionen von Barschel und seiner Helfer gegen ihn ihm erst aus einem „Spiegel“ Artikel erfahren hätte, was nicht den Tatsachen entsprach. Obschon diese Falschaussage im Jahr 1993 als Straftat verjährt war, trat Engholm als Ministerpräsident und Vorsitzender der SPD zurück. Warum tat er das? Als designierter Kanzlerkandidat der SPD. Eine rein rhetorische Frage natürlich. Niemand hätte etwas anderes von ihm erwartet. Das Wort „Meineid“ fiel in diesem Zusammenhang nicht einmal so häufig – man sprach von „Unstimmigkeiten“, aber das eben war Grund genug. Man stand immerhin für bestimmte Werte. Deswegen wurde man gewählt und deswegen nahm man dann konsequenterweise auch den Hut und ging.

Frau Merkel ist im Moment in einer verzweifelten Position: Nachdem sie innerhalb ihrer Partei erfolgreich alle Köpfe beseitigt hat oder jene von sich aus gegangen sind, sitzt sie etwas hilflos mit einer Brigade von – vorsichtig formuliert – Pfeifen vor immensen Problemen. Die Wenigen, die ihr zum Regieren noch bleiben, sind an einer Hand abzuzählen – ob Herr Guttenberg dazugehört, sei dahingestellt. Und ausgerechnet jetzt läßt sie etwas zu, was für mich nicht mehr nachvollziehbar ist: Sie läßt Guttenberg in Amt und Würden! Na schön: Im Amt! Sie verschleudert das Tafelsilber. Das Letzte, für das die Tigerentenkoalition in den Augen der Wähler noch steht: Bürgerliche Werte! Dieselbe Partei, welche die bundesweite „Exzellenzinitiative“ für deutsche Hochschulen durchgepeitscht hat (zu der die Universität Bayreuth im Übrigen auch gehört) , gefällt sich jetzt darin zu proleten „Wir haben andere Probleme in Deutschland als Fußnoten“ (Volker Bouffier).

Und genau das machte die aktuelle Fragestunde im Bundestag zum Thema Guttenberg zu einer Farce und einer Blamage für die Opposition: Der Appell an die letzten Reste von Anstand und Würde prallte an der Mauer CDU „welche Werte bitte?“ rückstandslos ab. Selbst ein denkbar ungeschickt agierender Freiherr von und zu Guttenberg bot da keine Angriffsfläche mehr. Er hätte ja bereits um die Rücknahme seines Doktor-Titels gebeten – als wäre dieser ein Gebrauchtwagen, den man verkaufen oder, wie in diesem Fall, wegen schwerwiegender Mängel zurückgeben könnte. Damit war die Sache für ihn in groben Zügen erledigt.

Vielleicht fehlt Frau Merkel der soziale und kulturelle bürgerliche Hintergrund, was bei ihrem Lebenslauf mindestens verständlich wäre, daß sie diese immense Gefahr nicht wahrnimmt oder der Gedanke an den Machterhalt ihr jede Einsicht vernebelt. Folgt man der Logik des Jahres 1993 und dem Rücktritt Engholms, ist die Frage in Bezug auf Guttenberg „kann er Kanzler?“ hier und jetzt beantwortet.

Weiterhin zeigt das Beispiel Engholm, daß die Mühle der Gerechtigkeit meist langsam, aber hin und wieder zuverlässig mahlt. Ich habe da noch eine stille Hoffnung! Die Röhn-Klinikum-AG, in deren Aufsichtsrat Guttenberg zwischen 1996 – 2002 saß, spendete der Uni Bayreuth in diesem Zeitraum insgesamt 747764,36€. Guttenberg studierte von 92-99 dort Jura und schloss 2007 mit der Note summa cum laude ab. Selbstverständlich bestreiten sowohl der Aufsichtsrat wie die Universität jeden Zusammenhang. Aber man wird ja wohl noch mal fragen dürfen….

Die Liebe zur Ehrlichkeit ist die Tugend des Zuschauers, nicht die der handelnden Person.

George Bernhard Shaw

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